Fanfic: Linn
Kapitel: Unerwartete Hilfe
Als der Kampf zwischen ihrem Bruder und Naraku begann, verkrampfte sich Linn’s Körper vor lauter Anspannung und sie spürte, dass es Kagome und Shippo ähnlich erging.
Die beiden Gegner prallten immer wieder mit voller Wucht aufeinander doch Linn musste bald feststellen, dass Inu Yasha nicht allzu viel gegen den mächtigen Dämon ausrichten konnte. Er wurde immer mehr in die Defensive gedrängt und Linn überlegte fieberhaft wie sie ihm in dieser Situation helfen könnte. Auch wenn es schmerzte, war ihr bewusst, dass es nichts bringen würde wenn sie jetzt versuchte selber in den Kampf einzugreifen. Ihre Kraft war nicht groß genug und sie würde Inu Yasha wahrscheinlich nur behindern. Aber sie musste doch irgendetwas tun! Plötzlich hatte sie eine Idee.
„Kagome, kannst du nicht versuchen Naraku mit einem deiner magischen Pfeile zu treffen? Vielleicht können ihm die ja was anhaben oder sie lenken ihn vielleicht jedenfalls einen Moment lang ab.“, rief sie aufgeregt, doch Kagome sah sie nur traurig an.
„Daran habe ich auch schon gedacht, aber die beiden bewegen sich einfach zu schnell. Die Gefahr, dass ich aus Versehen nicht Naraku sondern Inu Yasha treffen könnte, ist viel zu groß!“, erwiderte sie und ließ damit Linn’s kurz aufgeflammte Hoffnungen zusammenfallen wie ein Kartenhaus.
„Ja, du hast recht...“, murmelte sie. Es war einfach furchtbar. Sie kam sich vollkommen hilflos vor. Geistesabwesend begann sie wieder die Melodie vor sich hinzusummen, die ihr schon in so manch aussichtsloser Situation Trost gespendet hatte, doch selbst das schien jetzt nichts mehr zu nützen.
Eine weitere starke Erschütterung ließ ihren Blick wieder über das Schlachtfeld schweifen. Konnte es sein, dass Naraku’s Kraft sogar noch gestiegen war? Wieso zum Teufel wurde er nicht müde? Selbst wenn Inu Yasha jetzt seine dämonischen Kräfte voll einsetzen konnte, würde er es doch nicht schaffen ewig auf diesem hohen Level weiterzukämpfen.
Auf einmal sahen sie wie Inu Yasha zusammenzuckte und sich den rechten Arm hielt. Er schien verwundet zu sein, doch konnten sie anfangs nicht erkennen wie schwer die Verletzung tatsächlich war. Er kämpfte verbissen weiter, aber nach einer Weile begann sein getroffener Arm immer unkontrollierter an seinem Körper hin- und herzuschlackern, was es ihm natürlich noch schwerer machte Naraku’s verheerenden Schlägen weiter auszuweichen.
Linn’s Augen füllten sich mit Tränen und sie sah wie Naraku erneut mit seinem Schwert ausholte und es auf ihren geliebten Bruder niedersausen ließ.
„Neeeeeiiiiin!!!!!“, schrie sie und es war als würde der ganze Wald von einem enormen Echo ihres Schreies widerhallen. Die Stille war gebrochen und durch den Tränenschleier vor ihren Augen konnte sie nur noch erkennen wie plötzliche eine Gestalt wie aus dem Nichts hervorgeschossen kam und Naraku’s Klinge kurz vor Inu Yasha’s Körper abblockte. Es war wie ein Wunder.
Als Inu Yasha das Schwert auf sich zurasen sah und dabei das gehässige Lachen seines Erzfeindes in seinem Kopf dröhnen hörte, verfluchte er seine eigene Unfähigkeit. Er hatte es nicht geschafft seine Freunde zu beschützen. Er hatte es nicht geschafft Linn zu beschützen. Er hatte es nicht geschafft seine Welt zu beschützen.
„Du hast wieder verloren, Halbblut. Erst lässt du deine große Liebe sterben und jetzt auch alle anderen...“
Schon konnte Inu Yasha seine goldenen Augen in Naraku’s Klinge widerspiegeln sehen. Er würde seine Augen nicht schließen. Er wollte dem Tod ins Gesicht sehen. Doch trotzdem wurde es plötzlich dunkel vor seinen Augen und erst als er aufblickte erkannte er die Person mit den langen weißen Haaren, die ihm in diesem Moment das Leben gerettet hatte.
Sesshoumaru hatte Naraku’s Klinge mit seinem eigenen Schwert Toukijin abgewehrt und sein Gegenüber war unweigerlich gezwungen einen Satz nach hinten zu machen.
„Du lebst...“, zischte Naraku und man hätte fast meinen können, dass ein winziger Funken Überraschung in seiner Stimme mitschwang.
„Ja, aber du nicht mehr lange!“, fauchte Sesshoumaru und nutze den kurzen Überraschungsmoment um einen gezielten Schlag in Naraku’s Richtung abzufeuern. In dieser mit Hass getränkten Atmosphäre konnte das Dämonenschwert Toukijin seine volle Wirkung entfalten. Es leuchtete blutrot auf und hinterließ dort wo es einschlug eine Schneise der Verwüstung.
Inu Yasha wollte seinen Augen nicht trauen. Das Fell des weißen Pavians lag zerfetzt am Boden. Wie hatte Sesshoumaru es geschafft Naraku mit einem einzigen Schlag zu vernichten? Er war sich sicher, dass sie es diesmal nicht mit einer seiner Puppen zu tun gehabt hatten. Er hatte Naraku’s Energie ganz deutlich gespürt. War Sesshoumaru als vollwertiger Dämon wirklich so viel stärker als er?
Doch bevor er auch nur ein Wort an seinen Bruder richten konnte, hörte er erneut eine ihm bekannte Stimme in seinem Kopf.
„Glaubt ihr wirklich es wäre so einfach???“
Ruckartig wendete er seinen Blick wieder der Stelle zu, an der Naraku noch vor einen Moment gestanden hatte. Mit Schrecken sah er wie eine Art schwarzer Nebel aus den Überresten des Affenfells aufstieg und sich darüber zu einer schnell größer werdenden Wolke verdichtete.
Ohne Vorwarnung schoss plötzlich ein gewaltiger Fangarm aus der Wolke hervor und riss Sesshoumaru sein Schwert aus den Händen um es dann scheinbar ohne jede Anstrengung zu zerbrechen. Klirrend fielen die beiden Hälften des Toukijin zu Boden. Sesshoumaru verzog keine Miene doch Inu Yasha, der die Kraft des Dämonenschwerts bereits am eigenen Leib erfahren hatte, war sich sicher, dass es den Hundedämon nicht kalt ließ, dass seine mächtige Klinge gerade wie ein Streichholz zerbröselt worden war.
Auch wenn er nie so etwas wie brüderliche Gefühle für Sesshoumaru empfunden hatte, gab ihm dessen Anwesenheit jetzt neuen Mut. Sie wollten Naraku beide vernichten und zusammen hatten sie vielleicht eine Chance. Mit einem gewaltigen Kampfschrei hob er Tessaiga ein weiteres Mal und hieb damit auf den Fangarm ein, der daraufhin mit einem widerlich klatschenden Geräusch zu Boden fiel. Ein letztes Zucken durchfuhr ihn und dann blieb er leblos vor ihren Augen liegen.
Inu Yasha war kurz davor sich für die gelungene Aktion selber auf die Schulter zu klopfen, als er plötzlich ein Paar rotfunkelnder Augen in dem Nebel aufblitzen sah und sofort schossen mindestens zwanzig neue Fangarme daraus hervor. Inu Yasha sprang in die Luft und schaffte es gerade noch einem von ihnen auszuweichen, doch Sesshoumaru wurde von ihnen gepackt und an einem Bein in die Höhe gerissen. Wütend schlug er um sich und trennte dabei ein paar weitere Arme durch, die allerdings sofort von doppelt so vielen ersetzt wurden. Einer von ihnen streifte ihn am Kopf und fügte ihm eine beachtliche Schnittwunde im Gesicht zu, aus der das Blut vor Inu Yasha auf den Boden tropfte. Diese Tentakeln schienen auch noch messerscharf zu sein. Nahm das denn nie ein Ende??
Linn und die anderen hatten die Geschehnisse natürlich mitverfolgt. Sesshoumaru’s plötzliches Auftauchen war auch für sie mehr als überraschend gewesen, aber da es jetzt so aussah, als ob er und Inu Yasha gemeinsam gegen Naraku kämpfen würden, keimte in ihnen neue Hoffnung auf. Linn überlegte ob es Zufall gewesen war, dass Sesshoumaru gerade in diesem Moment hier erschienen war oder ob er vielleicht doch durch ihre Melodie angelockt worden war. Die Vorstellung kam ihr völlig unrealistisch vor, aber was war ihr in den letzten Wochen nicht unrealistisch vorgekommen? In dieser ungewissen Zeit war einfach alles möglich.
Wieder einmal fiel ihr auf, dass Sesshoumaru immer zwei Schwerter bei sich trug. Als die beiden allein gewesen waren, hatte sie ihn gefragt, was es damit auf sich habe, aber er hatte wieder mal nur undefinierbar geknurrt und sie ohne eine Antwort stehen gelassen.
„Kagome, weißt du was über Sesshoumaru’s Schwerter?“, fragte sie ihre Freundin, die gerade gebannt den Kampf verfolgt hatte und durch diese Frage etwas überrumpelt zu sein schien. Doch nachdem sie sich wieder gefangen hatte, begann sie zu erzählen:
„Sesshoumaru besitzt das Schwert Tensaiga, das Zwillingsschwert von Tessaiga. Beide sind aus einem Reißzahn ihres Vaters Inu Taishou geschmiedet. Während Tessaiga mit einem Schlag hundert Mann den Tod bringt, kann man mit Tensaiga hundert Tote wieder zum Leben erwecken. So hat es ihr Vater vor seinem Tod bestimmt. Allerdings legt Sesshoumaru wenig Wert darauf anderen das Leben zu schenken und darum ist Tensaiga im Kampf für ihn nutzlos. Bis jetzt hat er alles daran gesetzt Inu Yasha sein Schwert abzujagen und hat sich aus einem Reißzahn von einem von Naraku’s Abkömmlingen ein anderes Schwert schmieden lassen- das Dämonenschwert Toukijin, das voller böser Energie steckt....“
Wie aufs Stichwort mussten die beiden jetzt mitansehen wie eben dieses Schwert von einer der Tentakeln in zwei Teile gebrochen wurde und sein Besitzer wenig später hilflos strampeln in der Luft hing.
Jetzt begann Kagome