Fanfic: Linn
Kapitel: Anfang vom Ende
Inu Yasha war in Sorge. Es waren bereits sechs Tage vergangen seitdem sie sich auf der Waldlichtung von Linn getrennt hatten. Wie es ihr jetzt wohl ging? Er hätte sie nie mit diesem Monster allein lassen dürfen! Immer noch konnte er sich nicht erklären warum Linn so sehr darauf bestanden hatte bei Sesshoumaru zu bleiben. Er hatte nichts dafür getan sich ihr Mitgefühl zu verdienen. Im Gegenteil! Er hatte versucht sie aus dem Weg zu räumen, so wie er es mit jedem tat, der es wagte sich ihm in den Weg zu stellen. Er war gnadenlos und das Herz in seiner Brust schien aus Stein zu sein. Schon Inu Yasha’s frühste Kindheitserinnerungen waren durch dieses Bild seines Bruders geprägt. Sesshoumaru hatte von Anfang an nur auf ihn herabgesehen. Oft hatte Inu Yasha versucht sich mit ihm zu versöhnen, obwohl er nicht einmal wusste aus welchem Grund Sesshoumaru ihn mied. Nach dem Tod ihres Vaters war die Situation nur noch schlimmer geworden. Sesshoumaru schien vollkommen verbittert zu sein und ließ es nicht zu, dass Inu Yasha auch nur in seine Nähe kam. Schwer getroffen durch den Verlust seines geliebten Vaters hatte Inu Yasha irgendwann die Hoffnung begraben jemals mit seinem Bruder ins Reine zu kommen und hatte seinem Heimatdorf den Rücken gekehrt. Fortan wanderte er ziellos umher und seine Trauer und Frustration wandelten sich immer mehr zu einem tiefsitzenden Hass gegen seinen kaltherzigen Bruder, der überhaupt keinen Schmerz zu verspüren schien.
Wenn Linn es wirklich geschafft hatte ihn wieder ins Leben zu rufen, würde er ihr bestimmt keine Dankbarkeit entgegenbringen sondern würde die erste Chance nutzen um sie zu töten. Vielleicht war sie in diesem Moment schon gar nicht mehr am Leben. Er hätte sie zwingen müssen sich nicht von der Gruppe zu trennen! Er hätte sie beschützen müssen!! Unzählige Vorwürfe wirbelten ihm durch den Kopf und es kam ihm vor als würden seine Schultern unter dieser unsichtbaren Last bald brechen.
„Du machst dir Sorgen um sie, nicht wahr?“
Inu Yasha wurde aus seinen trüben Gedanken gerissen als Kagome ihn ansprach.
War er so leicht zu durchschauen, dass Kagome in ihm wie in einem Buch lesen konnte? Es schien keinen Zweck zu haben seine Gefühle zu leugnen, also nickte er nur wortlos und sah sie an. Daraufhin ergriff Kagome seine Hand und drückte sie sanft.
„Sie schien sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Du musst ihr vertrauen, Inu Yasha.“, sagte Kagome beruhigend und lächelte ihn an.
„Kagome...“, murmelte er unsicher.
Zwischen die Schuldgefühle mischte sich nun noch ein anderes Gefühl, das ihn manchmal überkam wenn er mit Kagome zusammen war. Wenn sie ihn ansah und er sich nach langer Zeit endlich wieder von jemandem verstanden fühlte. Wann hatte er sich das letzte Mal so gefühlt?? Die Erinnerung an Kikyou flammte wieder in seinem Herzen auf. Doch diesmal war sie schwächer als sonst. Begann er vielleicht sie langsam zu vergessen? Nein, ein Blick in Kagome’s Augen ließ ihn unweigerlich an seine verlorene Liebe zurückdenken. Auch wenn er wusste, dass es keine Zukunft für diese Liebe geben konnte, war es ihm doch nicht möglich sie aus seinen Gedanken zu verbannen.
Kagome war Kikyou’s Wiedergeburt und sah ihr zum verwechseln ähnlich und doch hätten die beiden nicht unterschiedlicher sein können. Kikyou war oft ernst und nachdenklich gewesen. Kagome hingegen war fröhlich, impulsiv und manchmal eine richtige Nervensäge. Beim Gedanken an ihre ständigen Kabbeleien stahl sich ein flüchtiges Lächeln über das Gesicht des Halbdämons, das auch Kagome nicht verborgen blieb.
„Na, dir scheint’ s ja schon besser zu gehen.“, sagte sie erleichtert.
Erst jetzt fiel den beiden auf, dass sie schon eine Weile ohne es zu merken händchenhaltend durch den Wald spaziert waren. Erschrocken stoben sie mit hochroten Köpfen auseinander.
Diese Aktion bescherte ihnen nun die ungeteilte Aufmerksamkeit der anderen, die von all dem bis jetzt gar nichts mitgekriegt hatten.
„Hey Kagome, hat dich was gebissen?“, fragte Shippo besorgt und hielt ängstlich nach möglichen Untieren Ausschau.
Miroku grinste nur wissend. Die beiden waren wirklich zu süß. Ob sie sich wohl noch in diesem Leben kriegen würden? Es war doch für jeden offensichtlich was sie für einander empfanden. Na ja, außer für die beiden selbst wahrscheinlich... Er selbst war da natürlich ganz anders. Mit Mädchen hatte er nun wirklich keine Probleme. Linn war doch wohl das beste Beispiel. Wie schnell er es trotz erhöhtem Schwierigkeitsgrad durch ihren äußerst eifersüchtigen Bruder geschafft hatte die Kleine um den Finger zu wickeln. Es war als könnte er ihren Kuss noch auf seiner Wange spüren. Ihre weichen Lippen auf seiner Haut... Okay, es war nur ein kleiner Kuss gewesen, aber sie waren ja noch ganz am Anfang ihrer Beziehung. Allerdings wäre es bestimmt nicht verkehrt sich langsam mal über die Familienplanung Gedanken zu machen...
Während Miroku so vor sich hin träumte und dabei ab und zu gedankenverloren seufzte, wurde es Sango langsam zu bunt. Dieser Weiberheld hatte wirklich immer nur das Eine im Kopf. Sie konnte förmlich sehen welche Gedanken sich in seinem Schädel abspielten, wenn er mal wieder dieses leicht debile Grinsen auf den Lippen hatte. Sie mochte Linn wirklich, aber dieses ständige Herumgeturtel ging ihr allmählich auf den Geist. Um ihrem Ärger ein bisschen Luft zu machen, packte sie ihren Bumerang und platzierte einen leichten Stoß in die Kniekehle des vor ihr gehenden Mönchs. Dieser knickte dadurch unvorbereitet zur Seite und landete unsanft im Laub. Bevor er sich wieder aufrappeln konnte, hatte Sango die Tatwaffe bereits wieder verstaut und blickte mit Unschuldsmiene in den Himmel.
„Hey, was sollte das?“, schimpfte Miroku aufgebracht und klopfte sich die Blätter von seiner Kutte.
„Mmh? Was meinst du? Ich hab gerade nicht hingeguckt.“, sagte Sango scheinheilig, doch das breite Grinsen, das sich jetzt auf Miroku’s Gesicht legte machte sie stutzig.
„Immer diese plumpen Annäherungsversuche...“, feixte er und kam ein paar Schritte auf sie zu.
„Soll ich dir mal zeigen wie man das richtig macht?“, fragte er, wobei er versuchte seine Stimme möglichst verführerisch klingen zu lassen.
Jetzt stand er direkt vor ihr. Sango’s Gesicht wurde erst bleich und wechselte dann in ein dunkles rot.
„Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank, du Perversling!“, fauchte sie und nahm erneut ihren Bumerang zur Hand. Diesmal aber um Miroku richtig eins überzubraten. Der sah zuerst Sternchen und dann Sango, die wütend von dannen stapfte.
„Tz, Kindergarten...“, murmelte Inu Yasha und erntete dafür einen schiefen Blick von Kagome. Doch um den konnte er sich nicht weiter kümmern, denn er hatte ein Geräusch gehört. Es war ein Rascheln, das sich ihnen schnell näherte. Durch ein Zeichen gebot er den anderen stehen zu bleiben und sich ruhig zu verhalten. Wie auf Kommando begaben sich alle in Angriffsstellung. Miroku hatte seinen Stab gezückt, Kagome hatte bereits eine Hand an einen ihrer magischen Pfeile gelegt, Shippo hatte eine Position etwas weiter hinter den anderen gewählt und auch Inu Yasha hatte die Ohren aufgestellt und war zum Sprung bereit. Nur Sango, die ja bereits etwas vorausgegangen war, war nicht zu sehen.
Mir wem würden sie es diesmal zu tun bekommen? Vielleicht wieder mit einem von Naraku’s fiesen Abkömmlingen? Diese Monster waren mit der Zeit immer stärker geworden, was darauf schließen ließ, dass auch Naraku selber mächtiger geworden war. Wie lange würde es noch dauern, bis sie ihm persönlich gegenüberstehen würden?
Plötzlich brach eine Gestalt aus dem Unterholz. Ohne zu zögern stürzte sich Inu Yasha auf sie. Es kam zu einem Handgemenge, doch beide bewegten sich so schnell, dass die anderen nur ein Flimmern in der Luft wahrnehmen konnten. Als Kagome gerade kurz davor war ihren Bogen zu spannen um Inu Yasha zur Hilfe zu kommen, endete der Kampf völlig abrupt. Nun bot sich ihnen ein sehr seltsames Bild. Ihnen war als würde Inu Yasha mit seinem eigenen Schatten ringen. Doch dann ließen beide Kontrahenten voneinander ab und sahen sich entgeistert an.
„Wirklich tolle Begrüßung...!“, keuchte Linn und schob sich die Haare aus dem Gesicht.
„Linn?... Du lebst!!“, rief Inu Yasha und schloss seine Schwester überglücklich in die Arme. Miroku wollte es ihm gleichtun, doch ein böser Blick des Halbdämons ließ ihn den Gedanken schnell verwerfen.
„Na toll, wegen dir hätte ich mir fast einen Nagel abgebrochen, Brüderchen!“, scherzte Linn und gab Inu Yasha eine Kopfnuss.
Inu Yasha schmollte für einen Moment, doch dann begann er Linn mit Fragen zu löchern:
„Wieso hat das so lange gedauert? Was hat dieses Ekel mit dir angestellt? Oh, ich werde ihn...“,
„Kein Grund zur Sorge. Wir haben uns super verstanden!“, unterbrach ihn Linn in seinem Redeschwall.
Alle sahen sie entgeistert an.
„Das soll wohl