Fanfic: O Brothers, where art thou??
Kapitel: Making Friends
Mittlerweile war es schon Mittag. Bunny hatte ihre freie Zeit damit verbracht ein bisschen durch die Gegend zu stromern ohne dabei von irgendwelchen Bekannten gesehen zu werden, die ihren Eltern von ihrem kleinen Ausflug erzählen könnten. Das erwies sich als relativ schwierig, da sie im Dorf eigentlich fast jeder kannte. Wieder dachte sie daran, dass ihre Eltern früher oder später sowieso davon erfahren würden, aber trotzdem fühlte sie sich unwohl bei der Sache.
Ihre Schritte lenkten sie zu dem kleinen Park, der in der Nähe des Hafens lag. Dort waren um diese Zeit zwar bestimmt viele Mütter mit ihren kleinen Kindern, aber es war nun einmal ihr Lieblingsplatz und so schoss sie alle Vorsicht in den Wind und ging hinein. Seit sie zu Hause alleine war, zog es sie oft hierher. Es waren immer Leute da, die sie kannte und das geschäftige Treiben und das Lachen der Kinder gaben ihr ein gutes Gefühl. Normalerweise war Buster jedes Mal bei ihr und tollte mit ihr oder den anderen Hunden über die Wiesen und planschte in dem kleinen Teich, auf dem immer ein paar weiße Enten schwammen, doch durch ihr launisches Verhalten am Morgen hatte sie es sich wohl erst mal mit ihm verscherzt. Jetzt tat es ihr richtig leid, dass sie ihn so geärgert hatte und sie beschloss ihm heute Abend als Versöhnungsangebot einen richtig fetten Knochen zu schenken.
Ein Gewirr aus Stimmen und Gelächter ließ sie aufblicken. Nicht weit von ihr entfernt hatte sich eine Menschentraube gebildet, die über irgendetwas ziemlich amüsiert zu sein schien. Neugierig trat Bunny näher heran um besser sehen zu können. Nachdem sie sich an ein paar Leuten vorbeigeschlängelt hatte, konnte sie erkennen, dass in der Mitte des Kreises ein Junge mit Brille stand, der auf seinem strubbeligen, schwarzen Haar einen spitzen Hut mit gelben Sternen trug und vor sich einen kleinen Tisch aufgebaut hatte, auf dem eine mit Samt beklebte Kiste stand. In der Hand hielt er etwas, das verdächtig nach einem Zauberstab aussah. Jetzt begann der Junge zu sprechen.
„Meine sehr verehrten Damen und Herren. Wenn ich jetzt um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit bitten dürfte. Ich bin der große Joe-ini und ich werde Ihnen nun mit meinen magischen Tricks den Atem rauben. Als erstes werde ich aus dieser Kiste ein flauschiges, weißes Kaninchen zaubern. Und das alles ohne faule Tricks oder doppelten Boden. Sehen Sie selbst!“, rief er seinem Publikum zu und hob die Kiste an um zu beweisen, dass sich auch wirklich nichts darin befand. Allerdings löste sich dabei eins der Scharniere und die Kiste klappte in sich zusammen. Anstelle von tosendem Applaus erntete er damit nur spöttisches Gekicher. Mit einem leichten Rotschimmer um die Nase baute er die Kiste hastig wieder zusammen und fuhr fort.
„Wie Sie gesehen haben ist diese Kiste wirklich leer...ähm... ich werde dann jetzt mit der Magie beginnen...“, stammelte er ein bisschen nervös und hob dann seinen Zauberstab.
„Abrakazoo Abrakasitten...“, setzte er mit theatralischer Stimme an, doch dann brach er ab und kratzte sich verwirrt am Kopf.
„Ach nein, falscher Spruch...äähm,....also.... Eene meene Seifenblase; aus diesem Ding springt jetzt ein Hase!!“ , rief er laut und schwenkte wie wild seinen Zauberstab. Im ersten Augenblick passierte überhaupt nichts, doch dann schoss aus der Spitze des Stabs eine weiße Plastiktaube hervor. Sie baumelte für einen Moment an einer ausgeleierten Metallfeder vor den Augen der Leute herum, bevor das Metall nachgab und die Taube auf den sandigen Boden plumpste.
Es schien als wenn alle Umstehenden den Atem anhielten doch dann brach plötzlich ein brüllendes Gelächter los. Einige Leute hatten Lachtränen in den Augen, andere buhten den armen Kerl unverhohlen aus.
Auf einmal sprang wie aus dem Nichts ein kleiner schwarzhaariger Junge in den Kreis hinein.
„Hey Mopsi! Der Spinner hat ja überhaupt nix drauf! Jetzt mach ich hier mal’n bisschen Stimmung!!“, quiekte er und stellte sich vor den völlig verdutzten Zauberer. Dann zog er ohne Vorwarnung seine knallgelbe kurze Hose herunter und begann munter mit seinem nackten Hintern zu wackeln.
„Los Leute! Tanzt den Po-Boogie-Woogie!!“, kreischte er lachend und versuchte ein paar hübsche junge Damen dazu zu animieren es ihm gleichzutun. Diese schienen von seiner Idee weniger entzückt und suchten schreiend das Weite.
„GIFTZWIEBEL!!!! Was veranstaltest du da wieder für einen Mist??“, brüllte plötzlich eine braunhaarige Frau, die nun mit weitaufgerissenen Augen auf den kleinen Tänzer zugestürmt kam und ihn kräftig an den Ohren zog.
„Mit dir kann man wirklich nirgendwo hingehen, du kleines Monster!! Da hat Harry endlich mal eine Woche Urlaub und du musst wieder alles versauen. Los! Ab ins Hotel und dann hat dein freizügiger Hintern aber Hochzeit!!“, zeterte sie weiter und zog den kleinen Kerl hinter sich her, welcher ihr jetzt wüste Beschimpfungen an den Kopf warf.
Nun gab es wirklich kein Halten mehr. Mehrere Personen kugelten sich keuchend auf dem Boden und das Stimmengewirr nahm immer mehr an Lautstärke zu. Und mittendrin stand der Junge mit dem Zauberstab und sah aus als wenn er gleich in Tränen ausbrechen würde. Er tat Bunny wirklich leid, aber das Ganze war einfach zu komisch.
„So, meine Herrschaften. Nach dieser kleinen Showeinlage werde ich Ihnen jetzt das große Finale meiner Vorstellung präsentieren“, setzte er ein weiteres Mal an und versuchte dabei das allgemeine Gelächter irgendwie zu übertönen. Erstaunlicherweise schien ihm wirklich jemand zugehört zu haben, denn von irgendwo aus der Menge schallte ihm ein höhnisches „Was?? Willst du jetzt auch noch deine Hose runterziehen?“ als Antwort entgegen. Wieder johlte das Publikum.
„Äääh....nein....also, ich werde....ich werde jetzt gleich...“, stotterte er hilflos.
Der Schweiß stand ihm schon auf der Stirn und er hielt immer noch seinen Zauberstab gezückt.
Bunny konnte das jetzt nicht mehr mitansehen und sie hatte auch schon eine Idee wie man diesem Jungen helfen könnte. Schnell checkte sie die Lage um sicherzugehen, dass sie niemand beobachtete und dann ließ sie einen kleinen Blitz aus ihrer linken Hand in die Mitte des Kreises schießen. Alles lief wie geplant und es sah wirklich so aus, als wenn der Blitz gerade aus dem Stab des Zauberjungen geschossen wäre. Die gewünschte Wirkung trat sofort ein. Eine plötzliche Stille stellte sich ein und alle sahen sich verdutzt an. Doch den verdutztesten Gesichtsausdruck hatte der Junge selbst, denn er konnte am allerwenigsten glauben was da gerade passiert war. Konnte er etwa doch zaubern?? Waren all die missglückten Versuche mit seinem Zauberkasten doch nicht umsonst gewesen??? Weitere Gedanken über dieses Mysterium konnte er sich aber nicht machen, denn nun brach ein tosender Applaus los. Die Leute klatschten begeistert und einige riefen ihm Sachen wie „Super gemacht, Kleiner!“ oder „Du hast ja doch was drauf!“ zu. Mit gesenktem Kopf und einem verlegenen Grinsen verbeugte er sich mehrmals.
Nachdem er vernünftigerweise die Wünsche nach einer Zugabe abgeblockt hatte, indem er vorgab noch einen dringenden Termin beim Zahnarzt zu haben, zerstreute sich die Menschenmenge langsam.
Bunny wartete bis ihm auch die letzten Zuschauer anerkennend auf die Schulter geklopft hatten und ging dann langsam auf ihn zu.
„Hey großer Joe-ini! Super Show!“, sagte sie grinsend. Der Junge hatte bis eben immer noch völlig fasziniert seinen Zauberstab angestarrt, doch nun schreckte er hoch und sah Bunny erschrocken an.
„Oh,...mmh....danke...“, murmelte er und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Ich kenn dich aus der Schule. Du bist doch in der Parallelklasse. Joe Porter, oder?“, versuchte Bunny das Gespräch in Gang zu bringen.
„Ja stimmt.“, erwiderte Joe und traute sich nun doch sie etwas genauer anzusehen.
„Und du bist Bunny D. Kate. Die, die immer zu spät kommt...“, fügte er mit einem schüchternen Grinsen hinzu.
„Ach, meinen Ruf hab ich also schon weg...“, lachte Bunny ausgelassen.
„Und du wirst jetzt sicher bald als der große Hexenmeister bekannt werden!“, fuhr sie glucksend fort.
„Also, um ehrlich zu sein, hab ich keine Ahnung wie das eben passiert ist. Ich hab ja noch nicht mal einen Zauberspruch aufgesagt...“, sagte Joe und wieder machte sich dieser extrem verwirrte Ausdruck auf seinem Gesicht breit.
„Da kann ich dir vielleicht weiterhelfen..., aber nur wenn du versprichst dicht zu halten!!“, kicherte Bunny und warf ihm einen verschwörerischen Blick zu.
Joe willigte natürlich ein und so saßen die beiden wenig später zusammen auf einer der Parkbänke etwas abseits des Sees und Bunny erzählte ihm die ganze Geschichte über ihre Teufelskräfte und auch über ihre Pläne Pirat zu werden. Sie wusste selbst nicht warum sie diesem Jungen, den sie ja kaum kannte, ohne Grund ihre ganze Lebensgeschichte auftischte, aber Joe hörte mit offenem Mund zu und unterbrach sie nicht.
Anfänglich wusste Joe wirklich nicht, was er von diesem Mädchen halten sollte. Vom Sehen in der Schule hatte er sie immer nur für ein leicht schusseliges aber trotzdem ganz normales Mädchen mit langen blonden Haaren und großen blauen Augen gehalten, doch mit ihren Erzählungen über Piraten und Teufelsfrüchte kam sie ihm jetzt eher wie ein weiblicher Lügenbaron vor. Als sie ihm dann allerdings ein paar Kostproben ihrer Kräfte gab, waren alle seine Zweifel beseitigt und er war restlos begeistert. Immer wieder ließ er