Fanfic: O Brothers, where art thou??
Kapitel: Stranded Goods
Der nächste Tag war vollgepackt mit Vorbereitungen. Schließlich wollte unsere kleine Reisegruppe besser heute als morgen damit beginnen die Meere dieser Welt unsicher zu machen.
Norman stand schon den ganzen Vormittag in der kleinen Kombüse der „Fräulein Akyoo“ und war fleißig dabei Früchte einzukochen, Brot zu backen und Fleisch zu pökeln wobei er unentwegt die Hits von „Bad Luck“ vor sich hinsummte. Seit der Begegnung mit seinem Idol Shuichi schwebte er nur so dahin und ein breites Dauergrinsen hatte sich in seinem Gesicht festgesetzt.
Joe war währenddessen dazu verdonnert worden Norman’s Trinkwasservorräte, die er in großen Holzfässern neben seiner Hütte gelagert hatte, aufs Schiff zu schaffen. Als er es endlich japsend und schnaufend geschafft hatte das letzte Fass über die Laderampe zu rollen und unter Deck zu verstauen, hatte Norman bereits die nächste Aufgabe für ihn parat.
„Joe, sei ein Schatz und hol mir mein Kochbuch aus der Hütte. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern wie viel Zucker in die Erdbeermarmelade muss. Ich glaube ich werde alt...“, seufzte er und leckte sich die verklebten Finger.
Es dauerte einen Moment bis Joe wieder genug Luft zum Antworten hatte, aber sein missmutiger Gesichtsausdruck sprach bereits Bände.
„Muss das sein? Ich glaub ich hab irgendwo unterwegs meine Lunge verloren...Das kann Bunny doch machen.“, jammerte er und ließ sich demonstrativ auf den Boden plumpsen.
Über soviel Faulheit konnte der Koch nur den Kopf schütteln.
„Bunny ist mit Buster auf der Jagd, falls du das vergessen hast. Du warst ja zu feige dafür... Und wenn ich nicht gleich den Zucker dazugebe, kann ich den ganzen Kram wegschmeißen, also krieg mal deinen Hintern hoch!“, rief Norman und scheuchte Joe mit einer Handbewegung auf die Beine. Dieser ergab sich widerwillig seinem Schicksal und trottete hinüber zur Hütte.
Irgendwie wurde Joe das Gefühl nicht los, dass ihn alle Leute für einen Feigling hielten. Und das nur weil er keine unschuldigen, kleinen Tiere töten wollte. Gut, das war vielleicht nicht der einzige Grund...
Manchmal schämte er sich sogar ein bisschen für sich selber wenn er sich mal wieder wie ein kleiner Schisser benahm, aber er konnte einfach nichts dagegen tun. Irgendwie hatte er so überhaupt keine Qualitäten, die ihn zu einem nützlichen Mitglied dieser Gruppe machten. Ob er den anderen vielleicht nur zur Last fiel? Aber im Moment konnten sie wahrscheinlich wirklich jeden gebrauchen.
Als Joe die Hütte betrat, verbannte er diese trüben Gedanken fürs erste aus seinem Kopf und machte sich auf die Suche nach dem Kochbuch. Für einen Einsiedler auf einer einsamen Insel hatte es Norman geschafft erstaunlich viel Hausrat anzuhäufen. In einer Ecke des Raumes stand eine große Kiste mit allerlei Werkzeug und auf der gegenüberliegenden Seite lag tatsächlich eine alte Taucherglocke. Wahrscheinlich hatte das Meer in den letzten Monaten einiges an den Strand gespült und Norman hatte es dann bereitwillig in seinen Besitz genommen.
Auf einem selbstgezimmerten Regal fand Joe endlich wonach er suchte. Allerdings stapelten sich dort gleich mehrere Bücher, von denen er keins schon auf den ersten Blick als Kochbuch identifizieren konnte. Seufzend nahm er den ganzen Stapel auf den Arm und hockte sich damit in eine Ecke, wo er begann die Exemplare einzeln durchzublättern.
Das Buch mit dem Titel „Alles über Fisch“ legte er schnell beiseite. Auf Marmelade mit Fischgeschmack hatte er nun wirklich keine Lust. Dann entdeckte er einen großen Atlas, der zwar für das aktuelle Problem auch keine Lösung bot, ihm aber in Sachen Navigationsprobleme schon mal einen kleinen Stein vom Herzen fallen ließ. Er schlug eine der Karten auf und versuchte sich in etwa vorzustellen wo sich vielleicht gerade befanden. Dort war allerdings außer Meer nichts weiter verzeichnet. Diese Insel musste wirklich ein ziemlich abgelegner Ort sein.
Plötzlich packte Joe das Heimweh. Ob sich seine Eltern wohl Sorgen um ihn machten? Er hatte sich nicht mal richtig von ihnen verabschieden können. Bestimmt hätten die beiden nie gedacht, dass er vor seinem dreißigsten Lebensjahr von zu Hause ausziehen würde. Während er sich fragte ob er seine Erzeuger wohl noch in diesem Leben wiedersehen würde, fiel sein Blick auf das Buch, das er in den Händen hielt. Er hatte völlig in Gedanken darin herumgeblättert ohne weiter auf den Inhalt zu achten. Erst jetzt bemerkte er die verschnörkelte Schrift auf dem vergilbten Papier. Er blätterte weiter und entdeckte Schriftzeichen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Das Buch schien sehr alt zu sein. Der Einband aus dunklem Leder sah sehr mitgenommen aus und an einigen Stellen schienen bereits ein paar Seiten zu fehlen. Es folgten lange Listen mit den verschiedensten Zutaten, aber Joe wurde schnell klar, dass es sich hierbei nicht um normale Kochrezepte handelte.
„Zehennägel vom Warzenschwein?? Was soll denn das für ein widerliches Zeug sein?“, stieß er angewidert hervor und schlug hastig die nächste Seite auf. Doch dadurch wurde es auch nicht besser. Eher noch merkwürdiger und unheimlicher. War das vielleicht so eine Art Voodoobuch mit Flüchen und Anleitungen wie man Leute in Schwanzlurche verwandeln konnte?
Aber bevor er sich noch weiter in die Materie vertiefen konnte, schallte eine laute und leicht ungeduldig klingende Stimme an sein Ohr.
„JOE!!! Du verdammte Trantüte!! Wegen dir ist meine Marmelade jetzt hinüber. Wenn du nicht sofort mit dem Kochbuch herkommst, muss ich rüberkommen und dir einen Knoten in deinen Zauberhut machen!“, brüllte Norman, der seinen Kopf aus der Kombüsentür gesteckt hatte und fuchtelte drohend mit einem Kochlöffel an dem eine undefinierbare Masse klebte, die in ihrem früheren Leben eventuell einmal Marmelade gewesen war.
Schnell raffte Joe sich auf und wickelte das geheimnisvolle Buch in eine Decke und versteckte es unter seiner Matte. Danach schnappte er sich das nächstbeste Buch und rannte damit hinüber zum Schiff. Zu seinem Glück handelte es sich dabei wirklich um das richtige Kochbuch denn sonst hätte der Koch wohl kurzen Prozess mit ihm gemacht.
Als es bereits zu dämmern anfing und Bunny und Buster endlich von ihrer Jagdtour zurückgekehrt waren, hatte Norman immer noch miese Laune und sprach kein Wort mit Joe, der bedrückt in einer Ecke hockte und Löcher in die Luft starrte.
„Was ist denn mit dem los?“, raunte ihm Bunny zu und hielt ihm stolz ihren ersten Fang vor die Nase. Es war ein fettes, braunweiß geschecktes Kaninchen und Joe wollte sich lieber nicht vorstellen wie sie es erlegt hatte.
„Ich hab seine Marmelade zerstört...“, murmelte er und schob das tote Tier aus seinem Blickfeld.
„Oh oh...Todsünde!“, kicherte Bunny.
„Ich hab mich schon tausend Mal bei ihm entschuldigt, aber er ignoriert mich einfach.“, jammerte Joe und ließ den Kopf hängen.
„Ach, der regt sich schon wieder ab. Ich glaube nicht, dass Norman sehr nachtragend ist.“, erwiderte Bunny und klopfte Joe aufmunternd auf die Schulter.
„Vom Jagen kriegt man echt mächtig Hunger. Gibt’s bald was zu futtern??“, fügte sie etwas lauter hinzu und wenig später saß jeder von ihnen über einer Schüssel mit köstlich riechendem Eintopf.
„Wo ist eigentlich Buster?“, fragte Joe nach ein paar Momenten der Stille und sah sich suchend um. Auch die anderen drehten die Köpfe doch von dem kleinen Mischling war nichts zu sehen.
„Komisch. Vorhin war er noch da. Na ja, vielleicht hat ihn das Jagen so angestachelt, dass er danach noch ein bisschen auf Entdeckungsreise gegangen ist.“, überlegte Bunny und widmete sich dann ihrem Nachschlag.
„Der kommt schon wieder wenn er Hunger hat.“, brummte Norman.
Aber erst als Norman bereits das Geschirr abgeräumt hatte und Joe sich freiwillig für den Abwasch gemeldet hatte um damit einen Teil seiner Schuld abzuarbeiten, ließ sich Buster wieder auf der Lichtung blicken. Und er hatte Beute gemacht.
„Da bist du ja wieder. Was hast du denn da?“, fragte Bunny und beugte sich zu ihrem Hund hinunter um ihm das Fundstück abzunehmen. Buster legte es bereitwillig in ihre Hände und sah sie dann erwartungsvoll an.
„Also essen kann man das wohl nicht...“, sagte Joe, der nähergekommen war und ihr jetzt neugierig über die Schulter guckte. Tatsächlich handelte es sich hierbei nicht um ein erlegtes Tier sondern um ein längliches Stück schwarzen Stoffs, das an den Enden zusammengebunden war und wie eine Art Stirnband aussah.
„Nur ein Stofffetzen. Was für ’ne Pleite.“, maulte Joe, woraufhin Buster beleidigt knurrte und begann am Hosenbein des Jungen zu zerren.
„Hey, sei doch nicht gleich beleidigt. Ja, hast du toll gemacht. Braver Hund. Aus!!“, jammerte der Angegriffene doch Buster ließ nicht locker und zerrte ihn immer weiter von ihrer Lagerstelle weg.
„Ich glaube er will dir was zeigen, Joe.“, rief Bunny und wie aufs Stichwort entließ der Hund Joe’s Hosenbein aus seinen Fängen und spurtete los in Richtung Strand. Die beiden rannten ihm nach und nur Norman blieb auf der Lichtung zurück.
„Wenn das jetzt noch so ein Fetzen ist, werde ich aber böse!“, keuchte Joe als sie endlich den Strand erreicht hatten. Wie gut, dass Norman vorsorglich ein paar Fackeln in den Sand gesteckt hatte, die in der nahenden Dunkelheit des Abends jedenfalls etwas Licht spendeten. Aus der Nähe konnten sie Buster winseln hören und liefen dem Geräusch entgegen. Bunny war als erstes bei ihm.
„Und was wolltest du uns hier...“, setzte sie an, doch dann fiel ihr Blick auf etwas, dass vor ihr im Sand lag und sie vor Schreck aufkeuchen ließ.
Dort lag völlig regungslos ein Junge, dessen durchnässte Klamotten ihm in Fetzen am Körper hingen. Seine blauschwarzen Haare hingen schlaff herunter und trotz seiner Bräune wirkte er in diesem Zustand unnatürlich blass. Doch was