Fanfic: Visions of Dreamers

Kapitel: A Perfect Dream

Visions of Dreamers /a perfect dream

Es war eine laue Sommernacht, die von einer angenehm frischen Brise durchfahren wurde. Die Straßenlaternen waren bereits erloschen und der ungewöhnlich helle und große Vollmond beleuchtete die Straßen.
Sirelle wusste nicht, wo sie sich befand. Sie irrte durch eine dunkle Stadt, Totenstill und scheinbar Seelenlos. Ohne Autos, ohne Lichter, die Fenster standen leer.
Doch das beunruhigte sie nicht- ganz im Gegenteil: sie fühlte sich sicher und geborgen in dieser einsamen Dunkelheit. In dieser unendlichen Stille.
Sie atmete den frischen Geruch der Nacht ein und sah zum Mond herauf. Sie genoss diesen kurzen Moment der Unendlichkeit, schien die Einsamkeit zu lieben. Das hatte sie immer getan.
Nun fing es an zu regnen, aber es war nicht unangenehm nass und kalt. Es war unglaublich wohltuend, als würde der Regen noch zusätzlich ihre Seele reinigen. Es war, als hätten sich in diesem Augenblick all ihre Wünsche erfüllt. Körperlich sowie geistig. Sie streckte die Arme aus, legte den Kopf in den Nacken und genoss diesen wunderbaren Moment. Tief im Innern war sie einfach eine einsame Seele, sie würde es auch immer bleiben- und sie war stolz darauf.
Ihrer Meinung nach waren die anderen Menschen dumm. Sie machten sich von anderen abhängig, wollten anderen etwas beweisen und sich rechtfertigen. Und wenn sie sich nicht unterwarfen, dann regierten sie. Aber sie war frei. Ihre Seele war frei. Sie wusste, sie würde deshalb noch ziemliche Probleme bekommen, doch sie wollte auf gar keinen Fall so enden, wie all die andern Menschen. Sie gehörte in diese schreckliche Welt nicht hinein- sie gehörte hierher, dachte sie hoffnungsvoll, sah wieder zum Mond hinauf und ließ den sanften Regen auf sich niederfallen.
Sie lief noch eine ganze Weile weiter. Nach der Stadtgrenze kamen weite Wiesen und darauf folgte ein dunkler dichter , teilweise lichter Wald, in dem man hin und wieder ein paar Eulen schreien hören konnte. Es gab auch Geräusche von Tieren, die Sirelle gar nicht kannte- oder die es nicht gab, in der Welt, aus der sie kam.
Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen.
Der Wald war noch ziemlich dicht, aber sie konnte von irgendwoher Wellen rauschen hören und hatte einen salzigen Geschmack im Mund. Sie schob noch die letzten Äste beiseite und stand auf einmal vor dem gewaltigen, schönen Ozean, dessen Wellen im Mondlicht glänzten.
Sie ließ sich auf einem Felsen am Strand nieder und genoss einen Moment diesen Anblick. Sie lauschte dem lieblichen Gesang der Sirenen. Plötzlich tauchte neben ihr ein strahlend weißes Licht auf. Sirelle wandte sich um und erkannte erst mal gar nichts, weil sie das Licht blendete, doch dann sah sie in das Gesicht eines wunderschönen Einhorns. So weiß leuchtend wie der Mond. Es sah sie mit seinen großen, leuchtend blauen Augen an. Sie hatte noch nie ein so zartes Pferd und mit solchen Augen gesehen- geschweige denn, mit einem Horn. Es schien keine Angst vor ihr zu haben und sie konnte ihm sanft über die seidige Mähne streichen. Seine Augen fesselten sie, es war so wunderschön. Dann legte es seinen warmen Kopf in ihren Schoß und ließ sich noch eine ganze Weile weiterstreicheln.
Bis es plötzlich von irgendetwas aufgeschreckt wurde. Es scheute und galoppierte davon. Etwas verstört sah ihm Sirelle nach, doch noch bevor sie es richtig begreifen konnte, sah sie die Ursache für die Flucht des Einhorns: Es tauchte ein heller Lichtstrahl vor ihr auf, vielleicht nicht ganz so weiß leuchtend wie das Einhorn aber es reichte aus, um sie abermals zu blenden. Zuerst konnte sie nur schwache Umrisse erkennen, doch dann erkannte sie das Gesicht von Kades. „Sirelle, was für ein Glück! Ich hab dich endlich gefunden!“, er kam auf sie zugestürzt und nahm sie in den Arm. „Wir dachten schon, du wärst verloren.“, fügte er noch, den Tränen nahe, hinzu.
In diesem Moment realisierte sie, dass der Traum vorbei war: „Nein“, wimmerte sie und mit einem stummen Schrei schien die Welt in sich zusammenzustürzen. Der schwarze Nachthimmel stürzte auf sie ein und der leuchtende Mond zerbrach in tausend Stücke. Die wunderbare Illusion war vorbei und Sirelle brach mit Tränen in den Augen zusammen…