Fanfic: Sol et Scelus

Untertitel: Dämon des Lichts

Kapitel: Geld regiert die Welt

Kapitel 1: Geld regiert die Welt
Um die Menschen endgültig zu vernichten, schlossen sich alle Dämonen unter der fast unbesiegbaren Heerführerin Lenya zu einer alles zerstörenden Armee zusammen. Die Menschen wären in der Lage, die Monster zu besiegen, wenn sie sich verbünden würden, doch da die Menschen sich auch untereinander bekriegten, waren Friedensverhandlungen so gut wie unmöglich, geschweige denn eine gemeinsame Armee. So lag all ihre Hoffnung bei zwei Halbdämonen, der siebzehnjährigen Teiga und ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Kenji. Beide waren Kinder der Dämonenführerin Lenya, doch halfen sie den Menschen gegen hohe Geldbeträge im Kampf gegen ihre Gegner.

Langsam betrat Teiga die kleine Hütte, in der sich der Präsident befand. Wieder hatte ihr Bruder ihnen einen Auftrag besorgt. Mittlerweile brauchte ja jedes zweites Land ihre Hilfe, doch selbst die Reichsten waren durch den Krieg verarmt, so dass Teiga nun nicht mehr wusste, wer noch genug Geld hatte, dass es die Mühe Wert war und die Auswahl ihrer Kunden jetzt Kenji überließ. Er sah mit seinen feuerroten Augen und den hellgrünen Augen zwar noch etwas kindlich für seine fünfzehn Jahre aus, doch er war ein guter Stratege, entwarf meist Kampftaktiken, die Teiga schon oft das Leben gerettet hatten, da der ungeduldige Halbdämon mit den gelben Augen und den blauschwarzen Haaren meistens ohne Nachzudenken in den Kampf stürzte. Das hatte sie eindeutig nicht von ihrer dämonischen Mutter geerbt, die zwar spontan sein konnte, jedoch immer gern einen Plan hatte, auf den sie sich verlassen konnte. Nachdem sich beide Halbdämonen gesetzt hatten, begann der Mann ihnen gegenüber zu erzählen.
„Wir sind sehr froh, dass sie gekommen sind um uns zu helfen“, sagte der Präsident von Waldenz, einem kleinen Land im Osten, zu Teiga, die darauf brannte, endlich wieder einen neuen Auftrag zu kriegen. Ihr Bruder Kenji saß neben ihr und hörte aufmerksam zu.
„Es ist jetzt ungefähr eine Woche her, dass die Dämonen unsere Hauptstadt Kathuun eingenommen haben, daher sind jetzt alle Männer hier und in anderen Dörfern untergebracht. Wir hatten genug Zeit, die Truppen abzuziehen. Allerdings hatten wir keine Zeit mehr, um die Frauen und Kinder zu retten, wir mussten sie in der Stadt lassen.“ Er schwieg einen Moment und blickte zu Boden, während Teiga laut gähnte. Sie hatte sich mit der Zeit an diese traurigen Geschichten gewöhnt. „Vor zwei Tagen haben wir eine Nachricht der Dämonen erhalten, dass die Frauen und Kinder noch am Leben seien und dass wir sie doch abholen sollten. Wir ahnten, dass es eine Falle war und schickten nur ein paar Späher. Als der Trupp entdeckt wurde, töteten diese Dämonen die Frauen direkt vor ihren Augen.“
„Ist ja wirklich eine traurige Story, aber wenn die Frauen schon tot sind, wozu braucht ihr uns dann noch?“, fragte Teiga verwirrt. „Die Frauen sind zwar nicht mehr da, aber wir glauben, dass die Kinder noch am Leben sind. Deswegen sollt ihr in unsere Hauptstadt Kathuun schleichen und sie befreien, jedes einzelnes.“ Kenji, der diese Geschichte sehr traurig fand, tat das Schicksal der Frauen Leid. Es kam oft vor, dass die Dämonen Geiseln nahmen, er hatte es oft mit an sehen müssen, doch es war immer wieder ein schlimmes Erlebnis. Teiga schien es dagegen überhaupt nicht zu berühren. Zwar hatte sie sich genau aus diesem Grund von ihrer Mutter abgewandt, doch sie hatte sehr lange für die Dämonen gekämpft und alles mit eigenen Augen gesehen, während Kenji hauptsächlich Pläne entwickelte und das Dämonenhauptquartier beschützte, wohin sich jedoch nur wenige Mutige verirrten, die sofort von anderen Dämonen vernichtet wurden. Teiga sagte: „Okay, wo wir das jetzt geklärt haben, lasst uns zu unserer Bezahlung kommen!“
„Wir... haben das Geld nicht...“
„Ach, schon in Ordnung, sie müssen mir nicht jetzt den ganzen Betrag zahlen. Die Hälfte jetzt, die andere Hälfte sobald ich mit den Kindern wieder hier bin.“
„Sie... müssen das falsch verstanden haben... wir haben gar kein Geld.“
Teiga warf Kenji einen vernichtenden Blick zu. Er hatte sie hierher gebracht, mit der Begründung, dass sich dieser Auftrag bestimmt lohnen würde. Der starrte seine Füße an und sah ihr nicht in die Augen. „Na, wenn das so ist, übernehme ich den Auftrag nicht. Pech gehabt!“ Jetzt stand Kenji auf und zog ein zerknittertes Blatt Papier heraus. „Ähm, tut mir Leid, aber wir übernehmen ihn doch, Schwesterlein. Ich habe bereits einen Vertrag mit den Leuten hier ausgehandelt. Du kannst nichts dagegen sagen.“ Teiga konnte es nicht fassen.
Sobald sie wieder im Freien waren, schrie sie: „Wie kannst du es wagen!? Diese Leute haben kein Geld, können uns nichts bezahlen, aber du nimmst den Auftrag trotzdem an! Was soll der Mist!?“ Kenji begann sofort, sich zu entschuldigen. „Diese Menschen taten mir irgendwie Leid. Ich hatte einfach Mitleid mit ihnen, kannst du das denn nicht verstehen?“
„Von Mitleid kann ich mir nichts kaufen“, erwiderte Teiga stur. Kenji schüttelte den Kopf. „Ich weiß, du findest, dass wenigstens einer von diesem Krieg profitieren sollte, aber wir können sie doch nicht einfach hängen lassen, nur weil sie arm sind. Außerdem kannst du ja eh nichts mehr daran ändern, der Vertrag ist bindend. Sieh es als deine erste kostenlose gute Tat, eine neue Erfahrung.“
„Von guten Taten kann ich mir nichts kaufen“, wiederholte seine Schwester eintönig. Obwohl sie sich von den Dämonen abgewandt hatte, hatte sie ihre alten Eigenschaften, wie zum Beispiel ihre Kaltherzigkeit, nicht ablegen können.
„Hast du denn noch nie jemanden geholfen, ohne Geld dafür zu nehmen, sondern nur weil er dir leid tat oder du ihn sympathisch fandest?“ Teiga schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich geb es auf. Du bist einfach ein herzloser Sturkopf.“ Das ließ Teiga nicht auf sich sitzen und streitend machten sie sich auf den Weg nach Kathuun, um die Kinder zu befreien.

„Weißt du überhaupt, wo Kathuun liegt?“, fragte Teiga, kurz nachdem sie die Stadt verlassen hatten. „Irgendwo hinter diesen Hügeln da hinten.“ Er deutete auf eine kleine Hügelkette in der Ferne, hinter der nun allmählich eine große Stadt mit vier Türmen auftauchte.
Sie schlichen sich an den Wachen, die vor den Stadttoren standen, vorbei und kletterten auf die Stadtmauer, von der ein kleiner Weg zu dem größten der vier Türme führte. Dieser Weg wurde nur von einem einzigen Wächter bewacht. Teiga und ihr Bruder versteckten sich im Schatten. Kenji begann sofort, sich einen Plan auszudenken. „Hör zu Teiga, die Kinder sind vermutlich in dem großen Turm dort drüben. Wenn wir es also schaffen, an dem Typ da vorbei zu kommen, können wir...“
Teiga unterbrach ihn wütend: „Hey, warum denkst du dir eigentlich immer die Pläne aus? Lass mich doch auch mal!“ Kenji schüttelte den Kopf. „Deine Pläne sind, drauf loszustürzen, den erstbesten Dämon niederzuschlagen, ihre ganzen Leute auf uns zu hetzten und dann zu hoffen, dass wir sie schon erledigen können. Wenn wir das machen, werden sie die Kinder bestimmt töten. Aber wenn du unbedingt willst, vielleicht ist dein Plan ausnahmsweise mal gut. Was ist dein Plan?“ Teiga lächelte zufrieden und antwortete: „Wir schlagen den Typen da nieder!“ Kenji wollte schon protestieren, als Teiga schnell sagte: „Wir wissen ja gar nicht, ob die Kinder wirklich in diesem Turm da sind. Der Wächter dort ist einer der Blitzdämonen, guck dir doch seine blonden Haare an. Wir schnappen ihn uns, fragen ihn über die Kinder aus und wenn er uns was erzählt, holen wir die Kinder und hauen ab!“
Dagegen konnte Kenji nichts sagen. Er nickte zustimmend und Teiga begann sofort, sich von hinten an den Wächter heranzuschleichen. Als sie noch ungefähr einen Meter von ihm entfernt war, drehte er sich um und entdeckte sie. Er starrte sie aus hellblauen Augen an. „Was willst du denn hier?“, fragte er. Normalerweise hätte Teiga ihn sofort getötet, aber sie durfte keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Sie musste sich schnell etwas einfallen lassen.
„Ähm... ja, also... ich bin hier, weil... ich soll dich hier als Wache ablösen! Geh schon mal, ich kümmere mich schon darum, dass kein Eindringlinge kommen!“ Der Blitzdämon schien ihr nicht sofort zu glauben und blickte sie verwirrt an, da ihm doch gesagt worden war, dass er seinen Posten bis zum Abend nicht verlassen durfte. Er hatte dieses Mädchen auch noch nie bei den anderen Dämonen gesehen. Sie war bestimmt von den neuen Kriegern, die Lenya nun zur Verstärkung schickte, um die letzten Menschen zu vernichten, die sich immer noch hier irgendwo versteckten. Ja so musste es sein! Die junge Frau nahm sofort sein Posten ein und lächelte ihm freundlich ins Gesicht. Also ging er ihr aus dem Weg und machte sich auf den Weg zur Treppe, die in die Waffenkammer hinunter führte. Also direkt in die Richtung von Kenjis Versteck!

Okay, jetzt muss ich mir was einfallen lassen. Kenji kann ihn zwar leicht töten, aber diese Dämonen hier werden das Blut sofort riechen und dann sind die Kinder erledigt.
„Ähm, du kannst da nicht her gehen, denn... äh... es fällt mir gleich ein...“
Der Dämon starrte sie genervt an: „Kannst du eigentlich auch in ganzen Sätzen sprechen?“
Elender Mistkerl. Was würde ich darum geben, ihn jetzt aufschlitzen zu können...
„Hey, Sky, hier unten!“ Überrascht starrten