Fanfic: Pantheon - Geschichten der Götter
Kapitel: Wie alles begann …
Am Anfang kämpften Apep (griech.: Apophis) – der Gott des Bösen und Re (griech.: Ra) – der Sonnen- und Schöpfergott um die Vorherrschaft in der Alten Welt.
Doch beide Mächte, Apep – die der Finsternis – und Re – die des Lichts – waren nahezu gleich stark und ein endgültiger Sieger stand nicht in Aussicht. Um eine Entscheidung herbeizuführen, verbündete sich Apep mit dem Titanenführer Chronos, der für seine Grausamkeiten berühmt berüchtigt war. Er tötete unter anderem seine eigenen Kinder, um einer prophezeiten Machtübernahme durch eben diese zu entgehen.
Als sich diese Mächte – Re und Apep mit seinen Verbündeten – in der Entscheidungsschlacht gegenüberstanden, schien das Schicksal der Alten Welt besiegelt. Durch die unverhoffte Unterstützung des alten Gottes Atum, der sich in diese Schlacht miteinmischte, konnte Re Apep, mithilfe des Zepters Was´, besiegen. (Schon im alten Totenbuch der Ägypter beruht Res Macht auf Atum: „Ich bin Atum, wenn ich allein dem Nichts entsteige, doch ich bin Re in seiner leuchtenden Erscheinung, wenn ich mich darüber anschicke, über das zu herrschen, was ich geschaffen habe.“)
Doch Apep schwor Rache und prophezeite seine zukünftige Herrschaft, in der er die Schöpfungen des Re vernichten und sie durch seine eigene ersetzen werde.
Re zog daraufhin zu dem großen und weisen Gott Amun („der Verborgene“; König der Götter; späterer Reichsgott Ägyptens), dessen Orakel zu den wahrhaftigen zählt, um ihn zur Zukunft der Alten Welt zu befragen: Und tatsächlich prophezeite Amun dem Sonnengott das, was er am meisten fürchtete: Der Kampf zwischen Licht und Finsternis wird sich wiederholen. Jedoch wird sich die Schreckenszeit des Kampfes um die Herrschaft nicht zwischen Re und Apep wiederholen …
Um einer Revolte in den eigenen Reihen vorzubeugen, verbot Re seinen Enkeln, sich zu mehren und somit die Linie zu brechen. Da die Götter unsterblich sind, würden sie erst verschwinden, wenn das Ende des Universums gekommen sei (Nur andere Götter können ihresgleichen töten – für Menschen und dergleichen ist es so gut wie unmöglich, dies zu tun). Die Dynastie der Netjer unter Re würde also ewig Bestand haben – auch ohne Nachkommen.
Da er um die Liebe seiner Enkel wusste, beschloss er sie durch seinen Sohn Schu („der Atem“ – Gott der Luft) zu trennen. Mit List und Geduld gelang Geb (Erdgott) und Nut (Himmelsgöttin) dennoch eine heimliche Union, aus der schließlich Osiris (Gott des Jenseits, Richter der Toten; Gott der Nilüberschwemmung), Isis (Göttin der Magie und Schönheit; Beschützerin der Toten), Haroer („der Größte unter den Göttern“ – sozusagen ein Held; Verteidiger des Re; Kriegsgott), Seth (Gott der Wüste, des zerstörerischen Krieges und der Metalle; Gott der Leere und Einsamkeit; bisweilen auch Gott des Bösen und des Feuers; Schutzgott von Oberägypten und Hofgott der Ramessiden; Verteidiger der Barke Re´s) und Nephthis (Beschützerin der Toten) hervorgehen. Zunächst wusste nur Thoth (Gott der Wissenschaften und Schrift, dem große Weisheit nachgesagt wird; Schreiber der Götter und Hauptberater und Freund des Re), der Nut bei den Geburten der fünf Geschwister half, darüber Bescheid.
Doch bleibt dem Sonnengott (fast) nichts verborgen und er entdeckte die Kleinen sodann; vermochte es jedoch nicht, seine Nachkommen zu strafen, die seinen Anordnungen nicht Folge geleistet haben.
Man versuchte, die Geburten der fünf Kinder dennoch vor den anderen Göttern geheim zu halten. Wie soll es anders sein; sie erfuhren davon. Wegen den ständigen Streitereien und Rangeleien unter den Kindern blieben sie nicht unentdeckt. Fortan wurden sie als “Unruhestifter“ oder “Kinder des Chaos“ bezeichnet.
Mit der Geburt dieser Kinder wurde die Stadt On (griech.: Heliopolis – Sonnenstadt), in der Re seinen Hauptsitz hatte, die einzige Stadt in der neun Göttern auf einmal gehuldigt wurde – die Menschen pflegen diese Götterfamilie als “Enneade“ zu bezeichnen, was so viel wie “Neunheit“ bedeutet (Re; Tefnut; Schu; Geb; Nut; Osiris; Isis; Seth und Nephthis).
(Eigentlich müssten das unter diesen Umständen ja zehn Götter sein, aber Haroer gehört nicht dazu, da er in der Mythologie getötet und als Sohn der Isis und des Osiris wiedergeboren – Horus wird, aber dazu später mehr)
Nach einigen Jahren des Friedens (bis auf ein paar Aufständen der Anhänger des Schlangengottes) hatte Apep seine Kräfte wieder gesammelt und von einer erneut drohenden Gefahr wurde gesprochen.
Doch diesmal begann es anders: Reisende berichteten von Gefahren entlang der Gewässer des heiligen Nils. Viele Fischerboote seien nicht wieder zurückgekehrt und Krokodile seien auch nicht mehr vorzufinden, geschweige denn Vögel, hieß es. Die Furcht vor einer scheinbar unbekannten Gefahr übertrug sich auch auf die am Nil lebenden Bauern. Sie zogen mit ihren Familien weiter ins Landesinnere und drohten die Arbeit niederzulegen, wenn nicht für genügend Sicherheit gesorgt würde.
Mehreren Berichten zufolge solle sich ein Monster in Form eines riesigen Schlangendrachen in den Gefilden des Nils aufhalten. Nichts wies darauf hin, dass Apep den Drachen zum Nil geführt hatte. Da die Klagen über eine Bedrohung bis in den Palast des Re vordrangen, beschloss dieser, sich der Sache anzunehmen und schickte Söldner aus, die als Wachtposten entlang des Nils eingesetzt wurden und ihm täglich berichten sollten, was dort vor sich ging.
Doch auch sie wussten nicht mehr zu berichten als die Reisenden.
Re sollte die Gefahr bald am eigenen Leib erfahren …
Senet gehört zu Re´s Lieblingsbeschäftigungen. Bei einer guten Partie ließ es sich eben einfacher über Dinge, die sein Reich anbelangten zu diskutieren – sein Partner hierbei war kein Geringerer als Thoth.
„Habt Ihr schon Näheres über den angeblichen Drachen in Erfahrung bringen können?", fragte Thoth, als dieser versuchte, Re "schachmatt" zu setzen. Re konterte.
„Die Spione, die ich ausgeschickt habe, konnten mir nichts Näheres sagen; zumindest nichts, was ich nicht schon wüsste. – Tja, alter Junge; du hast wohl verloren …"
Re wollte gerade zum entscheidenden Zug ansetzen, als ein aufgeregter Bürger schreiend und rufend in den Thronsaal gerannt kam; eine Wache folgte ihm bereits fast genauso brüllend. Völlig außer Atem blieb er vor Re und Thoth stehen.
„Was ist denn bloß los heute?!“, wollte Re wissen, als die Wache auch schon antwortete, dass sie nichts dafür könne, man habe sich bemüht, ihn aufzuhalten; er jedoch habe die Medjay zur Seite geschubst und sei einfach an ihnen vorbeigelaufen.
Der Mann konnte nur ein: “Sie haben´s schon wieder getan." hervor bringen. Nach seinem Äußeren zu urteilen, schien er von einer Baustelle gekommen zu sein.
Re und Thoth sahen sich an. Sie wussten genau, wer mit „sie“ gemeint war.
Denn bis auf ein paar Unruhen, die von verängstigten Bürgern um des angeblichen Drachen Willens ausgingen, siegte in den Dörfern und Städten rund um den Nil die Ruhe (Zumal Ägypten mit Re einen mächtigen und gerechten König hatte. Im Zorn jedoch, was relativ selten vorkam, konnte er allerdings auch ziemlich grausame Dinge befehligen, was er später meistens bereute).
Das Donnern der Hufe wurde immer lauter, genau wie die Rufe der drei Wagenlenker und der Bürger, die mal wieder versuchten, sich in Deckung zu begeben. Aber für die meisten war es schon zu spät: Mit voller Wucht wurden sie zur Seite gestoßen, mitsamt ihrer Ware, die sie sich auf dem Basar besorgt hatten oder ihren Wasserkrügen, die sie sich von Brunnen geholt hatten und nun auf dem Kopf balancierten. Sie standen auf und schauten wütend den Wagen hinterher.
„Diesmal werde ich euch schlagen!“, rief Osiris seinen beiden Brüdern zu.
„Ha, in deinen Träumen vielleicht!“, brüllten Haroeris und Seth fast gleichzeitig zurück.
Nach einigen Straßen und Gassen führte der Weg schließlich aus der Stadt. Es ist nicht schwer zu erkennen, wo die drei schon gewesen sind; sie hinterließen stets ein Chaos. Nach einem kleinen Stück Wüste tauchten vor ihnen die Tempelanlagen des Sonnentempels auf, die gerade saniert wurden. Bleibt natürlich zu erwähnen, dass man darauf keine Rücksicht nahm.
Am Eingang befand sich eine Kolossalstatue Re´s, die einen neuen Anstrich bekam. Der Mann, der diese Arbeit verrichtete, stand auf einer Art Leiter. Er wollte die ernsten Gesichtszüge der Statue nachziehen und begab sich mit seinen Streichwerkzeugen in Richtung Mund (bzw. Schnabel; der Sonnengott ist immerhin ein Hieracocephalus) der Statue. Gerade in diesem Moment rasten die drei Kontrahenten an der Leiter vorbei, wobei Osiris ein Überholmanöver startete. Das konnten weder Seth noch Haroeris auf sich beruhen lassen.
Seth trieb Osiris in die Enge, der bei dem Versuch, wieder auf die Bahn zu kommen, die Leiter unglücklich berührte. Haroer überholte die beiden in ihrem Gefecht einfach.
Der Arbeiter auf der Leiter kam ins Wanken, verlor das Gleichgewicht und schleuderte den Pinsel dabei hin und her. Nun zierte ein Lächeln den sonst so ernsten Gesichtsausdruck der Re-Statue.
Jetzt ging es durch die Hypotylhallen, wo Seth in einen breiten Gang abbog. In diesem befanden sich allerlei Reliefs, die verschiedene Netjer darstellten. Osiris holte auf und fuhr jetzt neben Seth, der seinen Wagen in Richtung Osiris lenkte.
„Hey, Osiris! Willst du dich auch mal in der Wand verewigen lassen?“
„Sicherlich, das kommt irgendwann!“
„Warum denn nicht gleich?“
Seth drängte Osiris an die Wand, bei dem ein Stück des Wagens beschädigt wurde, das an der Wand entlangschliff und abbrach.
„Sag´ mal, bist du völlig bescheuert!?“
Feixend wandte Seth sich ab und ließ Osiris wieder auf die Bahn.
„Na warte, das wirst du noch bereuen!“, schrie dieser.
Er gab den Pferden Zunder, sodass sie schneller