Fanfic: Pantheon - Geschichten der Götter
Kapitel: Kapitel 2: Haroeris´ Kampf
Im Sitzungssaal war die Stimmung ernst.
Ohne wild drumherum zu reden, berichtete Thoth auch gleich, welchen Grund die ganze Aufregung hatte. „Einige der ausgesandten Söldner sind zurück und sie berichten von einem großen Komplott gegen den Sonnengott.“
Er machte allen Anwesenden sofort klar, dass sie sich in einer ernsten Lage befänden und dass man dem Treiben entlang den Ufern des Nils Einhalt gebieten müsse.
„Wo genau treffen sich denn diese Verschwörer?“, wollte Haroer wissen.
„Sie wurden in der Nähe von Ombos gesichtet. Sie scheinen immer mehr Verbündete zu finden …" „Thoth, sendet noch einmal einen Spion aus. Er soll sich ein Bild davon machen und mir berichten, was er dort genau gesehen hat.“, bat Re. Dem stimmten alle Anwesenden zu.
Also entsendeten sie einen weiteren Spion, der berichten sollte, was denn da bei Ombos vor sich ging. Re hielt den listigen Anti (Fuhrmann; Schmugglergottheit) für geeignet und betraute ihn sogleich mit dieser Aufgabe.
Anti versteckte sich hinter Büschen, um die Verschwörer unbemerkt beobachten zu können. Nachdem er das Vorhaben der Feinde vernommen hatte, begab er sich eiligst in den königlichen Palast zurück und berichtete Unglaubliches: „…256 Feinde am Ufer des Großen Sees; angeführt von acht Heerführern, umgeben von einer großen Armee …". Von den Plänen, die sie gegen den Sonnengott schmiedeten, wusste er auch zu erzählen.
Re war sich durchaus bewusst, dass er aufgrund seines Alters nicht in der Lage war, allein gegen so eine Vielzahl von Gegnern anzutreten. Er wandte sich an seinen weisen Berater: „Wer unter allen Göttern wird gegen die Feinde ins Feld ziehen?“ Thoth schlug ihm vor, sich an Haroer zu wenden, der trotz seiner Wildheit sich sicher bereit erklären würde, für den Sonnengott zu kämpfen, wenn dieser ihm auch seine Unterstützung zusicherte.
„Gut, schickt ihn zu mir.“
Thoth ließ Haroer zu sich rufen und berichtete ihm von dem kommenden Problem. Wie zu erwarten, erklärte er sich bereit, sich des
Problems anzunehmen.
„Es wäre mir eine Ehre, meinem Herrn, dem großen Re, zu dienen.“
Haroer machte sich für den bevorstehenden Kampf bereit. Er zog sich sein goldenes Kettenhemd über und legte einen Mitra an. Dort wollte er gerade seinen Krummsäbel befestigen, als Seth hereinplatzte: „Was höre ich denn da? Die wollen ausgerechnet dich nach Ombos schicken, den Feind zu besiegen?“
Bevor er weiter sticheln konnte, erwiderte Haroer gelassen: „Komm doch mit, dann kannst du was von deinem großen Bruder lernen.“
„Sehr witzig.“
Natürlich interessierte es Seth, wie sein Bruder sich in einem richtigen Kampf verhielt.
Schließlich machte sich Haroer auf den Weg nach Ombos. Sein “kleiner Bruder“ folgte ihm heimlich.
Haroer versteckte sich erst einmal hinter Büschen, um zu beobachten, wie und wann er am besten zuschlagen konnte. Angesichts der feindlichen Armee lief er rot an und dachte bei sich: „Ach du Scheiße … Wie willst du da nur heil wieder rauskommen? Allem Anschein nach braucht man hierfür etwas mehr als nur einen Mann, um einen Sieg zu erreichen. Und ich Trottel melde mich auch noch freiwillig für diese Aufgabe …" Er schlich sich so nahe heran, wie es nur möglich war, als er plötzlich ein Geräusch hinter sich vernahm, das wie das Knacken eines Stockes klang, wenn jemand auf einen solchen drauftritt. Er erschrak und zückte im Umdrehen sein Krummschwert, das sich nun direkt vor Seths Kehle befand.
„Mann, musst du mich so erschrecken!?“, regte Haroer sich auf, der andererseits erleichtert war, dass es sich nur um Seth handelte, „Was machst du hier überhaupt, ich dachte, du willst nicht mitkommen?“
„Nimm´ doch bitte erst mal das Schwert weg, dann will ich dir´s vielleicht erklären …", antwortete der ebenso erschrockene Seth.
„Spar dir deine Erklärungen. Du weißt doch genau, dass ich das allein tun soll … Und schleich dich bitte nie wieder so an mich heran, denn sonst …" „Was sonst?"
… sonst garantiere ich dir beim nächsten Mal nicht, dass dein Kopf da bleibt, wo er sich jetzt noch befindet!"
Sie wollten gerade einen Streit anfangen, als sie von einer Wache, die die beiden bemerkt hatte, überrascht wurden. Noch ehe sie losschreien konnte, war es aus mit ihr.
Haroer wandte sich an Seth: „Du tust, was ich sage und bleibst hier, verstanden!?“
„Wenn du´s mit den Schurken allein aufnehmen willst …" „Keine Sorge, ich schaff´ das schon.“
Genervt drehte er sich um und rannte mit lautem Gebrüll auf die Gegner zu.
Der völlig verblüffte Seth schaute ihm nach, dachte jedoch nicht daran, sitzen zu bleiben. Überhaupt tat er nie, was seine Brüder ihm sagten …
Haroer preschte in die völlig überrumpelte Menge, die sich nach ein paar abgeschlagenen Köpfen und durchtrennten Körpern wieder fasste und zum Gegenschlag ausholte. Währenddessen schlich sich Seth unbemerkt in die tosende Menge und bewaffnete sich mit einem Schwert, das er bei einer übel zugerichteten Leiche fand.
Haroer wurde von allen Seiten angegriffen; Seth versuchte zu ihm durchzudringen, um ihm den Rücken freizuhalten. Das schaffte er auch gerade noch so, um einen Soldaten, der hinter Haroer stand und zum Schlag ausholte, anzugreifen. Haroer drehte sich um und sah, wie der Mann in sich zusammensank, dahinter einen verlegen lächelnden Seth. Trotz der unerwarteten Unterstützung seines Bruders schien die Lage für Haroer aussichtslos. Ihm blieb nur noch eines übrig: Er musste sich auf die Macht des Sonnengottes berufen. Er rief Seth zu, die Stellung zu halten, kniete sich nieder, das Schwert dabei in die Erde rammend und beschwor den Zauber des Sonnengottes, der ihm diesen zugestanden hatte, wenn er nicht weiter wüsste: „Oh Herr, möge die Kraft deines Lichtes mein Schwert führen; auf dass das Böse und die Feinde Re-Atum-Khephris, die unser geheiligtes Land bedrohen, immer besiegt werden.“ Dies wiederholte er einige Male. Es schien tatsächlich zu wirken, denn nachdem er sein Schwert wieder herausgezogen hatte, schlug er härter zu und besiegte so mehrere Feinde auf einmal. Seth lies vom Kampf ab und beobachtete das Spektakel. Seinen Bruder so zu sehen, erstaunte ihn sehr, sodass er den Mund nicht mehr zu bekam. Kraft und Eleganz schienen sich zu paaren, wenn Haroer jedes Mal erneut zum Schlag ausholte, nachdem er einen Gegner besiegt hatte.
Schließlich streckte Haroer sein Schwert in die Luft, sodass ein Lichtblitz aus Richtung des Himmels in sein Schwert drang. Es schien, als wüsste er genau, wie er mit der Macht Atums, die Re ihm zugesichert hatte, umgehen musste. Er begann, sich um die eigene Achse zu drehen, das Schwert gestreckt vor seiner Brust haltend. Während er dies tat, stieß es mehrere kleine Lichtblitze aus, die aussahen wie geworfene Messer. Sie flogen in alle Richtungen und streckten die dämonischen Soldaten der feindlichen Armee reihenweise nieder.
Einige wollten fliehen und verwandelten sich in Fische und Vögel, um sich im Wasser oder in der Luft in Sicherheit zu bringen. Doch Haroer wusste stets, sie von dem aufgescheuchten Wild zu unterscheiden. Er hielt seine mit Magie erfüllte Waffe in die Fluchtrichtung des Feindes und jeder, den er traf, nahm seine ursprüngliche Gestalt wieder an. In diesem Gefecht vergaß er seinen Bruder Seth völlig, der versuchte, den Blitzen auszuweichen und sich in Deckung zu begeben.
Die Schlacht endete auf einem Feld, das voll war von den gefallenen Feinden. Keiner von ihnen hat überlebt.
Als Haroer das Schlachtfeld in Augenschein nahm, bemerkte er plötzlich, dass von Seth nichts mehr zu sehen war und fragte sich, wo er denn geblieben sein könnte.
Haroer wollte kehrt machen, als er bemerkte, dass sich noch ein Soldat der feindlichen Armee zu bewegen schien. Er zog sein Schwert, während er darauf zuging. Er setzte zum Schlag an, um ihm den Gnadenstoß zu verpassen, als er ein Wimmern vernahm. Er senkte seine Waffe wieder und stieß den Toten mit seinem rechten Bein zur Seite und fand einen völlig erschöpften Seth vor.
„Ah, da bist du ja. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, wo du wohl steckst.“
Er warf ihm einen strengen Blick zu, da er es ihm verübelte, seine Anweisung, hinter den Büschen zu warten, bis er wieder zurückkäme, nicht Folge geleistet hatte.
„Dir ist doch wohl klar, dass ich Re davon berichten muss. Er und Thoth fragen sich bestimmt, wo du steckst und sind voller Sorge.“
Seth konnte nicht fassen, was Haroer da sagte: Immerhin hatte er ihm geholfen und dennoch wollte sein Bruder ihn bei Re verpfeifen?
Doch als sie zurückkamen, brauchte Haroer dies nicht mehr zu tun, denn Re sprach Seth selber darauf an. (Ich sagte ja bereits: Dem Sonnengott entgeht fast nichts, was seine Schützlinge so treiben. ^,- )
Somit bekam Seth natürlich auch kein Wort des Lobes zu hören, was ihn sehr verärgerte, zumal er Haroer tatkräftig unterstützt hatte. Haroeris hingegen, der keine besonderen Auszeichnungen erwartet hatte, verlieh Re, um ihm seine Dankbarkeit zu zeigen und um ihn dennoch zu belohnen, den Titel “Des Größten unter den Göttern“. Dies segnete er mit den Worten „Jeder soll von deiner Heldentat erfahren und dich als einen solchen feiern. Auf dass du für alle Ewigkeit an meiner Seite und der Ägyptens kämpfen wirst und deine Heimat, Brüder und Schwestern verteidigst“, ab.