Fanfic: Schreckensgeschöpfe der Nacht
Kapitel: Imaginäre neon Löffel
„Fier ift der vereinbafe Tfeffpunkt“, flüsterte Mimü würdevoll zwischen ihren Cola-Brauselollies hervor. Das Shampoo war uns inzwischen seit knapp 43.3129283 Stunden ausgegangen, sodass sie temporär auf Brausepulver umsteigen hatte müssen. Ich selbst war leider zu blöd für Lollies. Es war mir nämlich schon zum dritten Mal passiert, dass ich das Stäbchen mitgegessen hatte. Mir wollte auch einfach nicht einleuchten warum nicht, die waren doch so schön cross.
„Erfkrüfel?“, donnerte Mimü majestätisch. „Wer?“, fragte ich überrascht; aus meinen Stäbchen-Träumen gerissen. Entnervt nahm sie mit einer Geste, die niemand, außer vielleicht einem Kettenraucher, so elegant beherrschte, ihren Lolly aus dem Mund. „ERDKRÜMEL! Also: du!“
Warum fuhr sie mich jetzt schon wieder an? Woher sollte ich denn wissen, dass Lollies Sprachfehler verursachen, von den zahlreichen Selbstversuchen mal abgesehen. „Was ist, Herrin?“, fragte ich reuevoll. Sie sah mich mit dem mahnenden Blick eines Hundeherrchens an: „Du denkst doch wohl nicht etwa wieder an knusprig crosse Lolliestäbchen? Nebenbei, dir klebt eine ultra-geheime Geheimbotschaft von unserem Kontaktmann, Codename: Neon, mit einem Gummipfeil zentral auf deiner Stirn.“
Erdkrümel dreht ihren Kopf überrascht zur Seite und erwischte mich gekonnt mit dem Pfeilende in meinem verächtlich schauendem Auge. „Wo denn? Wo?“, fragte sie mit der hirnlosen Stimme eines Staubsaugers mit Vanillinduft. „Ich sehe den Pfeil nicht“, meinte sie verzweifelt. Mein Gesichtsmuskel zuckte, ich riss ihr den Pfeil von der Stirn und beförderte die Planlosigkeit in Person mit einem Tritt meiner graziösen Springerstiefel in den nächsten Busch, nicht ohne ihr noch ein stäbchenloses Brausebonbon nachzuwerfen. Gekonnt schlitzte ich den am Pfeil haftenden Brief auf und las die Nachricht:
Sie haben mich überwältigt. Brauche Shampoo. Kommt zum Westflügel des Schwachkopfgebäudes.
Neon
PS: bringt Klopapier mit.
„Beim Marienkäfer“, zischte ich durch meine achteckigen Eckzähne. Erdkrümel, die immer noch auf dem Boden lag und beschäftigt an ihrer Brause rumkaute, schaute besorgt hoch. „Gebieterin, was ist passiert?“ „Sie haben ihm die Shampooreserven abgenommen und ihn augenscheinlich zurückgelassen. Am Westflügel. Verdammt...ich habe Neon doch mitgeteilt, dass seine auffallend giftgrüne Kleidung nicht gerade vorteilhaft bei einer Nacht und Nebel Stürmung der Schwachkopffirma ist.“ Ohne noch weitere Worte zu verlieren, packte ich Erdkrümel am Handgelenk und flog mit ihr gen Himmel. Nach weiteren Fünf Minuten und Sieben Brausebonbons (die ich ihr zur Ruhigstellung verabreicht hatte) später landeten wir lautlos bei einer Lichtung. Knorrige, alte Bäume umgaben dieses Stückchen Wiese und das Mondlicht drang durch die Wolken und schien seltsame Bilder auf ihnen zu malen. Ich konnte schwören, dass eine Wolke wie Tinky-Winky auf halluzinogen Substanzen aussah. Dann erblickte ich ihn: Neon. Er lag zusammengekrümmt auf der Erde, die Sonnenbrille, die er Morphium geklaut hatte, lag ein paar Meter weiter, ebenso wie der Mantel von Tinitus, die anscheinend immer noch nicht bemerkt hatte, dass Neon regelmäßig ihren Schrank ausräumte.
Ein kühler Windstoß kräuselte das Gras unter Mimüs glänzend schwarzen Springerstiefeln und umspielte mit seinen finsteren Klauen Neons grellpinke abenteuerlich langweilig geschnittenen Haare. Neons Hände verkrampften sich während er unter gequältem Röcheln versuchte sich wieder auf die Beine zu kämpfen. Mimü beugte sich über ihn, so nah, dass ihre spitzen Fangzähne beinahe sein Ohr berührten und hauchte düster: „Glaubst du es ist Luft, was du da röchelst?“ Neon blickte mit leicht dümmlich wirkender Miene, die mir sonst nur vom morgendlichen Gang zum Spiegel vertraut war, zu ihr auf und fragte: „Hä?“
„Vergiss es. Du bist vernebelt, kommt vom mangelndem Shampoo-Konsum. Iss das.“ Mit diesen Worten reichte sie ihm einen Lolly in der köstlichen Seifen-Geschmacksrichtung. Wieso bekam er die Brause mit dem knusprigen Stiel und ich nicht?
„Shampoo-Mangel? Wovon redest du? Daran ist Morphium Schuld, er und seine verdammte grellpinke Kapsel!“, gab er zurück, nahm den Lolly aber trotzdem an. Er richtet sich vollends auf, griff nach seiner Sonnenbrille und warf sich mit einer raschen und, nebenbei bemerkt unheimlich coolen, Bewegung den Mantel über die Schultern. „Stimmt.“, antwortete Mimü gelassen, „diese Kapseln sind echt übel und nicht nur wie das knallt, auch noch diese dämlichen Nebenwirkungen.“ Sie bedachte ihn mit einem gehässigen Blick auf seine Haare. Wenn sie mich jedoch fragte, fand ich grellpink stand ihm ausgezeichnet.
Er warf sich die Haare zurück und sagte dann, ebenso sachlich wie emotionslos: „Und wozu das alles? Naja egal, jedenfalls müssen wir jetzt das Shampoo zurück kriegen. Lange lebe ich von diesem gestreckten Ersatzstoffnicht.“ Seine Stimme war so traumhaft leer und ausdruckslos, einfach zum davonschmelzen.
„Ach ja... Mimü...“, sagte er dann, „ was bitte ist das?“ Seine ausgestreckte Hand deutet auf mich. „Ein Betriebsunfall.“
„Aber wir haben keine weitere Zeit für Fragen. Nachdem wir das Shampoo haben, müssen wir uns auf die Befreiungsaktion unserer Mitfructire konzentrieren, denn jede Sekunde, in der wir hier sinnlosen Zynismus von uns geben, werden sie mit stinkenden Socken grausam gefoltert.“ „Tierversuche sollte man wirklich verbieten. Wir können ja der BETA beitreten“, meinte Erdkrümel. Wir haben noch ein wenig Zeit, dachte ich zähneknirschend. „Erstens sind wir keine Tiere, wir sind Fructiere, und zweitens heißt es PETA, nicht BETA. Es sei denn du denkst, dass man mit der Förderung von unterbezahlten Informatikern die Anzahl an stinkenden Socken eindämmen kann. Wieso fertigst du nicht gleich ein Schild mit „Kill Bill“ oder „Gib Gates keine Chance“ an?“ Entgeistert beobachtete ich, wie Erdkrümel einen Diddlnotizblock und einen Kuli rausholte und enthusiastisch zu malen begann. „ERDKRÜMEL“ bellte ich. Doch natürlich schrie ich absichtlich laut, denn Neon war bereits fertig mit seiner Wir-hängen-unseren-Oberkörper-an-Seile-und-zappeln-bekloppt-durch-die-Gegend Aktion, und ich wollte die Wachleute anlocken. „Woher hast du die Seile überhaupt?“, fragte ich ihn misstrauisch. „Ach, Seifer wollte mal Free-Bungeejumping ausprobieren und hat mit das Zeug hier gegeben, da er es ja nicht mehr benötigt“ „Aaahja“, sagte ich, wobei mir die Dummheit mancher Leute größer als alle aufeinander gestapelten McDonalds Filialen schien. „Es gibt keinen Löffel“, murmelte er mit konzentriert geschlossenen Augen. Und anscheinend auch kein Hirn, dachte ich. Jedoch wurde ich aus meinen verächtlichen Gedanken gerissen, als schwarze Gestalten mit dem hässlichen Profilkopf auf ihren Westen auf uns zustürmten. Es waren zwei der Sicherheitsleute. „Mögen die Spiele beginnen“, rief ich dem baumelnden Neon und dem wie immer ängstlich schauenden Erdkrümel zu.
Ach du heiliger Marienkäfer! Sie kamen auf uns zu, diese Kleiderschrankförmigen 1.50 Riesen von Schwachkopf. Jetzt war es vorbei! Wir würden sterben. In Panik begann ich, die Dezibelgrenze sprengend, zu kreischen.
„ERDKRÜMEL VERDAMMT! Halt die Klappe!“, schrie Mimü so laut, das ihr Atem mich beinahe davonwirbelte. Sie warf einen Blick über die Schulter zu den beiden Schwachkopf Wachen, die sich vor Schmerzen windend auf dem Boden wälzten und das Gras mit dem Blut, das auf Grund ihrer zerfetzten Trommelfelle aus ihren Ohren floss, benetzten. „Andererseits...“, murmelte sie dann.
Die bedrohlich wirkenden, Gorilla artigen Wachen quälten sich wieder auf die Beine und begannen laut röhrend auf Mimü zuzustapfen.
Doch plötzlich versuchte Neon vor Mimü zu springen und sie Heldenhaft zu verteidigen, wobei er jedoch unglücklicherweise das Seil, was noch immer um seinen Oberkörper gebunden war und ihn jetzt etwas unsanft und mit viel Schwung gegen den Baumstamm schleuderte. „Der Löffel ist mit mir“, japste er schwach. „Ich dachte es gibt keinen Löffel?“, fragte Mimü sarkastisch. Mit einem geschickten Tritt in die Weichteile beförderte sie die eine Schwachkopf-Wache ins Reich der unangenehmen Träume. Der übrig gebliebene Wachmann öffnete den Mund, nieste und schickte seine Mikroben mit 130 km/h Richtung Neon. Dieser schaffte es noch seine, beziehungsweise Morphiums Sonnenbrille aufzusetzen, sich nach hinten zu beugen und in schlichtweg cooler Zeitlupe einen Ausweich-Stunt hinzulegen.
Man könnte jetzt behaupten dies sei übertrieben und lächerlich, was es natürlich auch war, doch es war meine unausweichliche Pflicht ihn in Teenie-Manier anzuhimmeln. „Das war sooooo cool Neon!“, qietschte ich.
Mimüs Tellergroße Augen hatten sich noch ein Stück geweitet und sie kämpfte stark mit einem heftigen Lachkrampf. „Ja ... wirkl... großartig...“ Doch schnell hatte sich meine Herrin wieder gefasst und rief mir in gebieterischem Ton zu. „Erdkrümelle, mein Frisbee!“
Hastig zog ich meinen tollen, extrem unpraktischen 2 U Rucksack vom Rücken und begann, nachdem ich zehn Minuten damit verbracht hatte die Schnallen zu öffnen, ihn zu durchsuchen. Nun widmete ich mich vollkommen seinem erstaunlich geräumigen Innenraum. In so einen Rucksack passte mehr als man dachte, immerhin war Klara Soft in der Lage darin fünf große Medipacks und ein bis zwei Raketenwerfer zu verstauen. Nach weiteren dreißig Minuten, in denen die Wache artig darauf wartete, dass ich fertig wurde, warf ich meiner Herrin das kostbare Sparkassen Werbegeschenk zu. „Hier Xemü! Vernichte ihn!“
[b]Elegant fing ich das Frisbee des Todes auf, das natürlich keinerlei Verletzungen an meiner Hand hinterließ. Mit zusammengekniffenen Augen schmiss ich es auf die