Fanfic: From the shadows
Kapitel: Am Ende vom Tag
<>Soras Sicht<>
Ich kann kaum noch etwas sehen, denn Tränen trüben meinen Blick. Warum muss der Typ gerade jetzt auf-
tauchen? Reichen denn die Albträume nicht, die mich seit jenem Tag verfolgen? Er hat seine Drohung wahr ge-
macht, mich gejagt und tatsächlich gefunden. Meine Lage war schon immer kritisch, doch ich habe das Gefühl,
dass ich in der Hölle gelandet bin. Alles, was mir bleibt, sind seine Worte, an denen ich mich festklammere, wie
an einem Rettungsseil. Wer weiß, wann sie mich finden werden? Das Meer ist riesig und ich bin nur ein kleines
Mädchen in den Händen eines Marineveteranen. Wie ich diesen Kerl hasse, für alles, was er getan hat!
Liebend gerne würde ich Smoker meine Meinung ins Gesicht schreien, aber ich hänge noch immer kopfüber und
das Blut läuft mir in den Kopf. Das Gefühl in den Beinen verabschiedet sich und mein Kopf platzt fast vor lauter
Blut. Endlich hat das auch Smoker bemerkt, denn er lässt mich los, woraufhin ich schmerzhaft auf den harten
Holzboden des Schiffes falle. Mir wird zuerst schwindelig, dann schlecht und zum Schluss muss ich husten. Als ich
suchend an mir herunterblicke, sehe ich, dass meine zwei Schwerter weg sind! „Vermisst du was?“, fragt Smoker
herablassend und bläst mir den kalten, stinkenden Rauch seiner zwei Zigarren ins Gesicht.
Erneut überkommt mich ein Hustenanfall. „D...u... Arsch! Wo hast du meine Schwerter hingetan?“, würge ich hervor
und es klingt jämmerlich. Im Grunde hört es sich genau so an wie ich mich fühle; beschissen und mickrig. Neben
dem breiten Smoker sehe ich wie eine Witzfigur aus, verstärkt dadurch, dass ich auf dem Boden kauere. Wenn ich
doch nur meine Schwerter hätte! Ohne sie bin ich völlig hilflos, beinahe ganz wehrlos.
Da bemerke ich, dass etwas aus meiner Hosentasche heraushängt.
So unauffällig wie möglich krame ich in meiner Tasche herum. Es ist etwas weiches, ein Stück Stoff vielleicht? Prüf-
fend schaue ich scheinbar zufällig zu Smoker hoch, der mich jedoch nicht beachtet. Gut, dann brauche ich nicht so
langsam an dem Stoffteil ziehen. Ein schwarzes Etwas kommt zum Vorschein. Was zum...?!!?
Wie kommt das denn hier her?
Drehe ich jetzt völlig durch?
In diesem Moment zieht mich Smoker unsanft hoch und schreit mich an: „Häng hier nicht so rum, an die Arbeit!
Sonst passiert was!“ „Ach ja? Und was bitte?“ „Das Gleiche wie mit Tashgi.“ „Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich
mich jetzt hier selber zur Strecke bringe?!“ „Das werden wir schon noch sehen...“ „Von dir lass ich mir nichts befehlen,
klar...“ Das nächste Wort bleibt unausgesprochen, weil Smoker seinen Raucharm um meinen Hals schlingt und mir so die
Luft abschnürt. „Jetzt hör mal zu du Mistgöre, solange ich hier Käpt’n bin tust du was ich dir sage!“ Um die Botschaft
noch zu unterstreichen, drückt er noch fester zu, so dass ich für einen kurzen Augenblick keine Luft mehr bekomme.
„Hast du noch irgendwas zu meckern?“ Dem Ersticken nahe schüttele ich den Kopf und als er mich wieder auf den
harten Boden fallen lässt, schnappe ich gierig nach Luft. „Und jetzt beweg dich endlich! Fang an zu arbeiten! Schrubb
das Deck!“
Wie gerufen kommt ein Marinesoldat vorbei und drückt mir einen Wischmopp in die Hand. Empört will ich meinem
Ärger Luft machen, doch Smoker sieht mich mit einem vernichtenden Blick an, der mich die Worte schnell runterschlucken
lässt. „War was?!“ „Öh, nein, gar nichts...“
Wie lange arbeite ich jetzt schon hier? Ich habe aufgehört die Tage zu zählen, es frustriert mich doch nur. Bei all der
Arbeit kann ich nur an eines denken. Wann komme ich endlich hier raus? Ob Zorro mich schon vergessen hat? Oder sein
Versprechen? Ach was!
Und wenn doch?
Seufzend setzte ich mich auf ein herumstehendes Fass und wische mir den Schweiß von der Stirn. Wie gerne würde ich den
Besen einfach über Bord werfen! Das einzige, was mir von meinem schönen Leben geblieben ist, ist Zorros dämliches Tuch,
aber das hilft mir hier auch nicht weiter! Wann kommt dieser Trottel endlich? Mit seiner Rettungsaktion könnte er sich ver-
dammt noch mal etwas beeilen!
Bei dem Getrampel von sich nähernden Marinesoldaten schrecke ich aus meinen Gedanken und springe hastig von meinem
Fass auf, was sich als ziemlich schlechte Idee herausstellt, denn mein ohnehin schon angeschlagener Kreislauf klappt bei
der Hitze zusammen und ich falle rücklings aufs Deck. Mir wird schwarz vor Augen und ein dunkler Abgrund empfängt
mich.
Als ich wieder aufwache, blicke ich in ein bleiches Mädchengesicht. Nachdem sie gesehen hat, dass ich wach bin, schreckt
sie zurück. Was hat die denn? „Warum so schreckhaft?“, frage ich die Kleine vorsichtig, woraufhin sie mich mit einem
Mitleideregenden Blick ansieht. „Nichts...“ Wie alt sie wohl sein mag? Auf jeden Fall jünger als ich, vielleicht 14 oder 15 und
ziemlich dünn. Ihr Gesicht ist so blass, als hätte sie noch nie die Sonne gesehen. Warum habe ich das Mädchen noch nie an
Deck gesehen?
„Arbeitest du an Deck?“ Sie schüttelt den Kopf. „Nur hier unten.“ „Wie heißt du?“ „Suzume, aber das ist vollkommen egal.
Sobald du dich ausgeruht hast, wirst du wieder an Deck zur Arbeit gerufen... und ich bleib hier unten und... mach die...
Drecksarbeit...“, sagt Suzume und wird dabei von Schluchzern unterbrochen.
Deswegen habe ich sie nie gesehen! Klar, wenn Suzume immer unter Deck arbeitet.
„Glaub’s mir, oben ist es nicht wirklich besser“, versuche ich sie zu trösten. „Das sagst du, weil du keine Ahnung hast
wie das hier läuft! Ihr habt alle das selbe Bild von dem, was wir hier unten machen. Kochen, waschen und so was.“
„Wir?“ „Ich, ist doch völlig egal!“ „Bist du sicher, dass du allein das alles schaffst?“ „Hältst du mich für ein kleines
Mädchen? Verschwinde einfach und lass mich, verdammt noch mal!“, schreit Suzume und ihre Stimme zittert, als würde
sie gleich in Tränen ausbrechen.
Ruckartig stehe ich auf, gehe zur Tür und drehe mich noch einmal um. „Wenn du’s dir anders überlegst, ich bin Sora und
du findest mich an Deck.“ Mit diesen Worten verlasse ich das Zimmer, um mich zurück zum Dienst zu melden. Aller-
dings kann ich mich nicht richtig auf meine Arbeit konzentrieren, weil ich immer wieder darüber nachdenken muss, was
Suzume mit „wir“ gemeint hatte. Es ist offensichtlich, dass sie da unten – ausgenommen von den Smutjes in der Küche –
alles alleine macht.
Was also bedeutet „wir“?
Im Gedanken zwinge ich mich wieder an die Arbeit zu gehen, aber ich muss immer weiter grübeln. Wer wohnt noch gleich
in diesem Teil des Unterdecks? Warum habe ich den Lageplan nicht dabei? Wenn den jemand findet, dann bin ich dran.
Wahrscheinlich werden sie es für einen Fluchtplan halten.
Schluss jetzt, zurück an die Arbeit! Durch meine Aktion von vorher ist das nicht gerade einfach, vor allem, weil die Hitze kein
Stück abnimmt. Plötzlich fällt mir das Lied ein, das meine Mutter mir früher immer vorgesungen hat und ich summe die
Melodie vor mich hin.
„Ein schönes Lied.“ Ich zucke zusammen, drehe mich um und kriege gleich noch einen Schreck. Suzume steht vor mir, ihre
Augen sind rot unterlaufen, die linke Wange geschwollen und an ihren Armen waren überall blaue Flecken. „Was ist denn
mit dir passiert?“, frage ich leise, während ich einen Schritt auf sie zugehe. Doch Suzume weicht schnell zurück und sagt
kein Wort. „Was ist passiert?“, frage ich noch mal, aber Suzume ist wie vermauert. Wer hatte ihr das angetan? „Verdammt, wer
war das!“, schreie ich und Suzume fährt erschrocken zusammen. „Nicht... nicht so laut, sie dürfen nicht wissen, dass ich
einfach von der Arbeit abgehauen bin.“, nuschelt sie mit ihrer leisen Stimme, bei der ich kaum ein Wort verstehe. „Da unten
ist doch überhaupt keiner!“ „Aber, wenn er zurückkommt...“ Hä, was bitte? „Wen meinst du mit ‚er’?“ Kaum habe ich diesen
Satz gesagt, bereue ich ihn auch schon wieder, denn ihre Augen füllen sich schon wieder mit Tränen und sie kann ein leises
Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Der muss ja echt ein Monster sein, wenn sie so eine Angst davor hat, sogar nur den
Namen zu nennen. „Sag mal“, beginne ich vorsichtig, „was machst du hier oben eigentlich?“
Hoffentlich ist das jetzt nicht die falsche Frage.
„Ich... wollte dich... um Hilfe bitten. Du hast Recht, ich schaffe das nicht alleine, aber bisher ist noch nie jemand gekommen
und hat mir Hilfe angeboten. Wenn mal einer kommt, dann nur, weil er wieder Wäsche braucht... aber... es macht mich fer-
tig da unten den ganzen Tag... alleine zu schuften! Bitte hilf mir!“, würgt Suzume gerade noch hervor, dann lassen sich ihre
Tränen nicht mehr halten. Ich kann nicht anders, als ihr zu helfen. So wie sie vor mir steht, ein Häufchen Elend, das macht
mich wütend. „Suzume?“ Sie sieht vom Boden auf. „Ich helfe dir auf jeden Fall!“ Erleichtert starrt mich die Kleine an und ver-
sucht zu lächeln, doch es sieht nicht wirklich gelungen aus. Jetzt bleibt nur noch eine Frage:
Wie erkläre ich das Smoker?
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Sorry, dass es so lang gedauert hat, aber es ist bei uns recht schwierig einen internettüchtigen Computer zu finden, der nicht den halben Tag braucht um hochzufahren. Dafür hatten wir jede Menge Zeit ein einigermaßen vernünftiges Kapitel zu schreiben. Ich hoffe es hat euch zumindest ein bisschen gefallen. Ich finde man merkt schon, dass sich die Lage an Bord immer mehr zuspitzt. Allen, die jetzt immer noch denken, dass die Geschichte lustig ist, möchte ich besonders raten das nächste Kapitel zu lesen. In diesem wird auch etwas näher erklärt, was Suzume unter Deck so alles tut oder besser gesagt, tun muss.
Bis dahin verabschieden wir uns von euch mit einem lauten: Au revoir et merci beaucoup pour le lire de Nefeltari_Isy et Mary!!