Fanfic: Fire Curse

Kapitel: Wie alles begann

Es war ein lauer Morgen, nicht eine einzige Wolke war zu sehen. In den Straßen von Devonshire blies ein kalter Herbstwind, rüttelte an den schon fast kahlen Ästen der Bäume, raubte ihnen die letzte Pracht der bunten Blätter und ließ sie traurig zu Boden gleiten.
Keichi blies das rote Lindenblatt, das eben auf seine Stirn geflogen war,
gelangweilt zur Seite und öffnete die Augen. Geblendet hob er sich jedoch rasch die Hand vor sein Gesicht und blinzelte in das grelle Sonnenlicht, das auf die Parkbank fiel, genau dort, worauf er zuvor geschlafen hatte. "Blöde Sonne", stöhnte er, schob sich seine orangefarbene Baseballmütze mit dem aufgedruckten schwarzen Stern ins Gesicht und drehte sich auf die Seite. Doch selbst das machte es nicht besser, die Sonne fand ihren Weg auch durch die Schatten des Käppis. "Mist!", fluchte Keichi und richtete sich mühsam auf. Er trug ein weißes T-Shirt und eine schwarze Jeans, welche ihn nur noch dünner wirken ließen, als er sowieso schon war. Er hatte langes braunes Haar, das ihm fast bis zu den Schultern reichte und war mit seinen 14 Jahren wohl eher schmächtig gebaut. Seine blassblauen Augen waren zu Boden gerichtet. Schließlich sah er auf und ließ seinen Blick durch den Park schweifen. Das bunte Laub und die fröhliche Herbstzeit munterten ihn kein bisschen auf. Im Gegenteil, es machte ihn nur noch niedergeschlagener als er ohnehin schon war.
Keichis Leben hatte, nachdem er nach Devonshire gezogen war, eine hohe Wendung genommen. Bevor er dorthin gezogen war, hatte er in Kirjaka gelebt, der fröhlichen Stadt am Kirja-Meer, wo jeder eine Zuflucht finden konnte und man sich leicht einlebte. Noch vor drei Wochen hatte Keichi dort mit seiner Mutter,
seinem Vater und seiner kleinen Schwester gewohnt und jeden Tag in vollen Zügen genossen. Niemand, absolut niemand, hätte geahnt das hier, in dieser ach so friedlichen Stadt etwas Schreckliches geschehen würde. Doch die meisten Dinge, die so wunderbar erscheinen verbergen meist die dunklen Seiten ihres Daseins. Niemand hätte gedacht, dass so etwas passieren würde. Niemand.

Keichi baumelte mit den Füßen und kniff die Augen zusammen. Er dachte nicht gern an den grausamen Tag, an den Tag, der sein Leben verändert hatte. Häufig
wünschte er sich, das ganze wäre nur ein böser Traum und er könnte eines Tages aufwachen und alles wäre wieder so wie früher. Er konnte sich mit dem Geschehenen nicht wirklich abfinden, wollte nicht glauben, dass man ihn alleine mit seiner Mutter im Stich gelassen hatte. Doch er musste es tun, für seine Mutter, die ihn über alles liebte und versuchte ihn tagtäglich aufzumuntern. Sie las ihm jeden Wunsch von den Augen ab.

Keichi stand langsam und schweigend auf. Seine Augen waren immer noch zu Boden gerichtet, als er den Pfad durch den Park einschlug um nach Hause zurückzukehren. Getrocknetes Laub knirschte unter seinen Füßen, doch er nahm es nicht wirklich war.
"Warum?", fragte er sich. "Warum geschehen solche Dinge? Ich...ich wollte nicht, dass das passiert. Es durfte nicht passieren...ich...", hastig schüttelte Keichi den Kopf, als wollte er die grausamen Gedanken aus seinem Kopf hinaus befördern. "Nein", sprach er zu sich selbst und ballte die Hände zu Fäusten. "Ich muss aufhören daran zu denken. Schon wegen Mum...."
Mit seinen Füßen kickte er einen kleinen Stein, der auf dem Weg lag, immer weiter vor sich her. Die Zeit, nachdem Keichis Schicksal seinen Lauf genommen hatte, war für ihn unerträglich gewesen. Denn auch wenn er sich noch so Mühe gab, es gelang ihm nicht, seine traurigen Gefühle zu verbergen. Seine Unnahbarkeit und geistige Abwesenheit verunsicherten die Leute und das war wohl auch der Grund, weshalb er hier noch keinen einzigen Freund gefunden hatte. "Ist mir eigentlich egal", dachte er. "Sollen die anderen doch denken, was sie wollen."
In diesem Augenblick betrat er die Dorfstraße und verließ den Park. Seine Augen wanderten zu den heruntergekommenen Läden und Gastwirtschaften, die halb im Verborgenen ihr Dasein fristeten. Doch er ging vorbei, blieb nicht stehen, um sich die Waren der Geschäfte anzuschauen. Er hatte Devonshire nie gemocht. Hier lebte kaum jemand und jeder, absolut jeder, schien ihm auszuweichen oder hinter seinem Rücken über ihn zu reden. "Ich meine, was sollen diese Bemerkungen?", Keichi biss sich auf die Lippe. "Warum akzeptieren mich die Leute nicht so, wie ich bin?" Gedankenverloren blieb er stehen und lauschte. "Ich habe doch so viel verloren...man hat sie mir weggenommen...", doch bevor er weiterdenken konnte, hörte er etwas. Ein leises Knacksen, als wäre jemand oder etwas auf einen knorrigen Ast getreten. Augenblicklich fuhr er herum und starrte die Straße entlang. "Wer ist da?", zischte Keichi misstrauisch. Er musterte die Bäume und Hecken, die verkommenen Häuser und Geschäfte. Nach dem Fall in Kirjaka war er vorsichtig geworden, ja fast ein bisschen zu wachsam.
Nichts war zu sehen. Nur eine kleine schwarze Katze sprang aus dem Gebüsch und hetzte mit großen Sprüngen etwas kleinem grauen hinterher. "Muss wohl eine Maus sein", dachte er und drehte sich erleichtert um. "Hör zu Keichi", schimpfte er zu sich selbst, "du darfst nicht hinter jedem Haus oder Baum etwas Böses vermuten. Die Leute denken ja, du bist verrückt!" Doch Keichi hatte sich nicht geirrt. Ganz im Gegenteil. Da war etwas, und dieses Etwas verfolgte ihn, auf Schritt und Tritt. Da gibt es dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Und dieses Gefühl überkam ihn so plötzlich, dass er inne hielt und stehen blieb. Doch er versuchte den Gedanken zu vertreiben, konzentrierte sich auf die Straße, die Augen starr geradeaus gerichtet. "Nicht umdrehen", dachte er krampfhaft. "Bloß nicht umdrehen."

Mit festen Schritten marschierte er vorwärts und versuchte sich nicht vorzustellen, was da wohl hinter ihm her war und nur darauf zu warten schien, dass er stehen bleiben würde. Abermals hörte Keichi das knacksende Geräusch eins Zweigs und ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter. "Was ist das?", fragte er sich. "Warum werde ich verfolgt?"
Dicht hinter ihm hörte er ein paar klackernde Geräusche und abrupt blieb er stehen. "So geht das nicht weiter", dachte Keichi. Er wollte nicht vor der Gefahr weglaufen, wollte nicht noch einmal diesen schrecklichen Fehler begehen, wegzulaufen. Er musste wissen was dort hinter ihm war. Seine Hände zitterten und sein Herz klopfte, schneller und lauter denn je, als er sich mit herausforderndem Gesichtsausdruck, die Augen immer noch wachsam aufleuchtend, umdrehte, und in ein Paar tiefblauer Augen sah