Fanfic: Fire Curse
Kapitel: Schicksalhafte Begegnung
Für einen Moment lang glaubte er, die Zeit wäre stehen geblieben. Keichi starrte weiter in die Augen. Tiefblaue, dunkle Augen…
Ein eigenartiges Gefühl überkam ihn. Sein Körper schien leichter zu werden und er entspannte sich. Langsam ließ er die Hände, die immer noch zu Fäusten geballt waren, sinken und sein Atem wurde ruhiger. „Was passiert mit mir?“, wunderte sich Keichi während sich seine Augen gegen seinen Willen schlossen und er entspannt den Kopf zur Seite legte. „Warum…kann ich mich nicht mehr bewegen?“ Er versuchte seinen Arm zu heben. Doch vergebens. Sein Körper schien gelähmt zu sein. „Alles was ich sehe, sind nur diese…diese….“
Schlagartig hörte Keichi auf zu denken. Er schweifte ab, seine Gedanken glitten in eine andere Welt und er glaubte schon ohnmächtig zu werden, als ihn ein heftiger Ruck seines Körpers in die Wirklichkeit zurückholte.
Endlich konnte er wieder klar denken und noch ein wenig verschwommen konnte er nun wahrnehmen, was dort mit ihm passierte.
Etwas hatte ihn an den Händen gepackt. Mit voller Wucht wurde er nun nach vorne gezogen und sein Körper schwankte. Gerade noch rechtzeitig setzte er sein rechtes Bein nach vorne und kam schließlich zum Stehen. Reflexartig packte Keichi die Hände seines Angreifers, drehte sie herum und warf sich mit aller Kraft nach hinten.
Ein lauter Aufschrei. Dann wurden seine Hände losgelassen und hinter sich hörte er es stolpern und schließlich zu Boden fallen. …Stille. Keichi atmete schwer. In seinem Gesicht spiegelte sich Angst und Entsetzen. Er zitterte am ganzen Leib und hatte die Arme schützend vor dem Kopf verschränkt. Er konnte nicht glauben was mit ihm passiert war.
„Ich muss vollkommen verrückt sein!“, stammelte er. „Als ob ein paar blauer Augen einem den Verstand rauben könnten. Keichi, du bist ein Idiot!“ Er schüttelte den Kopf und rieb sich mit der Hand über die Augen, so als wollte er sicher gehen, dass er wieder genau und scharf sehen konnte.
Hinter sich hörte er ein Stöhnen. Er zögerte, doch dann faste er den Entschluss und drehte sich um. Nun sah er das Wesen, was ihn angegriffen und in seinen Bann gezogen hatte. Und als er erkannte, was er da vor sich hatte, wurde er kreidebleich. Damit hatte er nicht gerechnet…
Auf dem kalten Boden kauerte ein Mädchen, nicht älter als er, und rieb sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Handknöchel. Sie hatte langes rotes Haar, das sie mit einem schwarzen Lederband zu einem Zopf gebunden hatte, und in der Sonne leicht roséfarben schimmerte. Im wehenden Wind peitschte es ihr rücksichtslos ins Gesicht und ließ sie ein paar Mal leise fluchen.
Keichi musterte das Mädchen vorsichtig. Sie war kleiner als er, aber ebenso dünn. Doch das erste, was ihm an ihr auffiel, war ihre merkwürdige Kleidung. Er merkte sofort, dass sie weder aus Devonshire, noch aus irgendeiner anderen Gegend hier stammen konnte, denn niemand trug so ausgefallene Kleidung wie sie.
Das Mädchen trug eine Art Kampfanzug, nicht mit Schwert oder Rüstung, wie er es von den Samurai und den weißen Kriegern kannte, nein, diese Art war anders. Ihr Oberteil sah einem heutigen Korsett sehr ähnlich, war aus feinen goldenen Fasern genäht und war mit schwarzen Bändern, die das Kleidungsstück zusammenhielten, reichlich verziert. Über den Armen verzweigte es sich und bildete eine Art Schutzschild für ihre Schultern. Ihr rubinroter Rock bildete den Schluss der seltsamen Kleidung. Ihm fiel auf, dass dieses klackernde Geräusch, das er zuvor hinter sich gehört hatte, von ihren hohen Stiefeln gekommen sein musste, denn diese hatten pechschwarze Absätze.
Das Mädchen hatte den kopf schief in den Nacken gelegt und betrachtete Keichi von oben bis unten mit ihren tiefblauen saphirfarbenen Augen. „Das war nicht sehr nett“, sagte sie laut, doch mit einem Anschein von Belustigung in der Stimme. „Man schlägt keine Mädchen!“
„Tsss“, Keichi war sich nicht sicher, ob sie sich über ihn lustig machte oder ihn nur ärgern wollte. „Ich habe dich überhaupt nicht geschlagen“, widersprach er und hielt ihr höflich aber widerwillig seine Hand hin. „Na ja, dann eben geschubst“, gab das Mädchen zu und ergriff dankbar seine Hand. Sobald er ihr aufgeholfen hatte und sie wieder auf beiden Beinen stand, machte er hastig einen Schritt zurück. Für den Fall, dass sie ihn wieder angreifen würde, war er bereit.
Doch das Mädchen war offenbar viel zu sehr damit beschäftigt, den Staub von ihrem Rock zu wischen und sich wieder zurecht zu machen. „Es ist doch immer wieder dasselbe“, hörte er sie genervt murren. Während sie ihr langes rotes Haar zusammenband, betrachtete er ihr Gesicht, das sie ihm unwissend zugewandt hatte. Die blauen Augen waren ihm ja schon wesentlich genug bekannt.
Sie hatte ein fröhliches Gesicht, mit langen Wimpern an den Lidern und einer kleinen Stupsnase. Als sie merkte, dass Keichi sie musterte, und ihn verwundert ansah, drehte er schnell den Kopf zur Seite, doch behielt er sie weiterhin im Auge. Das Mädchen sah ihn ein paar Sekunden lang schweigend an und trat dann einen schritt nach vorn.
„Tut mir Leid, wenn ich dich erschreckt habe“, lächelte sie ihn freundlich an und warf verlegen ihr Haar über die Schulter. ’Hah, erschreckt ist gar kein Ausdruck’ dachte er, sagte jedoch nichts. „Mein Name ist Shiori“, fuhr das Mädchen fort, als sie jetzt direkt vor ihm stand und ihm ihre zierliche Hand entgegenhielt. „Freut mich dich kennen zu lernen…ähm….“ „Keichi“, sprach er, nahm jedoch nicht ihre Hand. „Mein Name ist Keichi.“
„Keichi?“, das Mädchen lächelte erneut. „Ein schöner Name.“
„Ach wirklich? Deiner ist komisch“
„Hey!“, Shiori funkelte ihn herausfordernd an. „Den Namen habe ich von meiner Mutter und Hauptsache mir gefällt er, oder?“ Sie hielt kurz inne. „Außerdem wollte ich nur nett sein“, fügte sie leise hinzu. Verlegen sah sie zu Boden und scharrte mit den Füßen, doch Keichi beachtete sie gar nicht. „Was willst du?“, fragte er ohne auf ihre Bemerkung einzugehen.
Verwirrt sah sie auf. „Ich meine, warum hast du an mir gezerrt und so“, antwortete er, als er sah, dass sie nicht verstand. „Ach so“, Shiori lachte kurz auf, „das meinst du!“ Keichi machte ein finsteres Gesicht.
„Ist das so lustig?“ „Na ja…eigentlich nicht. Hör zu“, sie griff nach seiner Hand und ihre Gesichtszüge wurden plötzlich ernst, „du musst sofort mitkommen. Wir brauchen deine Hilfe!“ Der Brünette machte sich los und trat noch einen Schritt zurück.
’Jetzt verstehe ich gar nichts mehr’ dachte er, während er versuchte, ihr ja nicht ins Gesicht zu sehen. „Wir?“, fragte er die Rothaarige. „Wer ist wir?“ Shiori schlug sich mit der Hand gegen die Stirn.
’Natürlich! Er weiß ja gar nichts von dem Auftrag. Er weiß nichts davon, von dem, was wir vorhaben oder von den Geschehnissen in Darywell. Ich werde ihm wohl alles erklären müssen. Oh, wie ich das hasse!’
Sie seufzte gequält. „Na was ist?“, Keichi wurde ungeduldig.
„Oh entschuldige“, sie lächelte verlegen. „Ich war in Gedanken.“ Er erwiderte nichts.
„Okay“, fuhr Shiori fort. „Ich…ich werde dir alles erzählen. Aber du musst mir etwas versprechen. Versprich mir, dass du erstens, niemandem erzählst, was ich dir jetzt anvertraue. Absolut niemanden! Und zweitens…“sie brach ab. „Ja? Was ist?“, wollte Keichi wissen. Shiori senkte den Kopf. „Du…du musst uns helfen“, stammelte sie. „Ohne dich….“
„Was? Was ist wenn ich euch nicht helfen will? Was ist wenn ich keine Lust dazu habe, euch zu helfen?“
Sie sah ihn ernst an. „Wenn du nicht mitkommst“, flüsterte sie und ihre Hände zitterten, „dann…dann werden weitere Leben zerstört werden. Und es werden weitere Verbrechen folgen.“ Sie blickte ihn durchdringend an. „Vorfälle werden sich ereignen. Vorfälle wie….“ Keichi wurde bleich. Das konnte sie nicht meinen. Nicht das! „…wie in Kirjaka“, beendete sie schließlich den Satz.