Fanfic: Orion

Kapitel: Rosar III

Hach ja... Ich muss mir selbst auf die Schulter klopfen, man könnte mich fast als regelmäßigen Uploader bezeichnen. Freut euch allerdings nicht zu früh, ich kann wirklich nciht sagen, wie lange diese Phase noch anhält.. *sfz* Bald geht wieder die Prüfungssaison los, und mein Zeitpensum sinkt beträchtlich O_o
Hier habt ihr übrigens mal ein Bild von einem Herrn, der an einen der Charas aus der FF erinnert. Tjaaa, und derjenige bekommt 100 Gummipunkte, der errät, wen ich meine!! *lach*

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***

"Ist er wach?"
Ich gebe ein unartikuliertes Stöhnen von mir und versuche erneut, die Augen aufzuschlagen. Es gelingt mir immer noch nicht, und mit einem verhältnismäßig kleinen Schock stelle ich fest, dass meine Augenlider an meinen Wangen festgenäht wurden und ich sie deshalb nicht öffnen kann. Nicht unbedingt nett, aber es passt zu Narziss.
Probeweise versuche ich, meine Augen hinter den Lidern etwas nach rechts oder links rollen zu lassen und ich registriere mit einem Gefühl von tiefer Frustration, dass das Garn wohl auch durch meine Augäpfel hindurch gegangen ist.
"Keine Ahnung", antwortet da eine andere Stimme, "ist nicht einfach zu sagen, in diesem Zustand."
Schweigen ist die Antwort, und schließlich höre ich wie sich mir leise Schritte nähern. Die erste Person - eine Frau - ergreift wieder das Wort. "Hast du ihn dir so vorgestellt?" In ihren Worten klingt - soweit ich das beurteilen kann - ein gewisses Maß an Enttäuschung mit, dass mich ebenso unberührt lässt wie die grausame Verstümmlung meiner Augen. Entweder bin ich wohl in einem zu großen Schock gefangen, um alles wirklich wahrzunehmen - oder ich habe irgendwelche Drogen bekommen. Es ist mir ziemlich egal, solange ich den Schmerz von mir fernhalten kann.
"Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht", antwortet die andere Stimme wieder, der ich kein Geschlecht zuteilen kann. Vermutlich männlich.
Sie beugt sich zu mir herunter und ich kann den süßlichen Geruch ihrer Haut wahrnehmen. Irre ich mich - oder sind das Rosen? Mein Herz schlägt unvermittelt schneller und ich zerre mit den Lidern stärker an dem Garn. Ein stechender Schmerz durchfährt mich und ich ziehe scharf die Luft ein.
"Vielleicht träumt er", sagt sie sinnend, und ihr warmer Atem streicht über mein Gesicht, "einen Albtraum, wenn ich raten müsste."
Der Andere lacht trocken auf. "Und selbst?" fragt er dann nach einer Weile, ohne auf ihre vorherige Äußerung einzugehen, "hast du gedacht, dass er so aussieht?"
Ich spüre ihren Blick auf mir, prüfend, musternd, abwertend, und fühle mich plötzlich unglaublich klein. "Nein", sagt sie dann nach einer Weile, "ich hätte nicht gedacht, dass er so menschlich ist."

Der Rückstoss der Waffe reißt meinen Arm nach hinten und ich bin wirklich verwundert, dass mein Daumen noch an meiner Hand sitzt - es hat sich so angefühlt, als hätte der Lauf der Pistole diesen einfach abgerissen.
Meine Hand schmerzt und pocht ein wenig, aber nichts desto trotz durchströmt mich ein unglaubliches Gefühl der Macht. Genauso muss sich Gott fühlen, wenn er Leben erschafft - nur mit dem winzigen Unterschied, dass ich gerade eines beendet habe.
Der Mann auf dem Boden vor mir presst in einer verzweifelten Geste seine Hände vor die Brust und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an - mich, seinen Mörder. Ich lächele, kaltblütig und mitleidslos, und betrachte das winzige Loch, dass die Kugel in seinen Körper gerissen hat, mit chirugischem Interesse.
Ein schlechter Schuß, ganz eindeutig. Nicht direkt ins Herz oder in die Lunge, nein - meine Hand hat beim Abdrücken so gezittert, dass der Schuss in seiner Bauchhöhle gelandet ist und dort die Eingeweide zerfetzt hat. Nicht sehr sauber, nicht sehr schön, und ganz gewiss kein schneller Tod.
Was hatte James gesagt? Am besten auf den Kopf zielen? Soweit war ich noch nicht.
"Soll ich nochmal schießen?" frage ich mein Opfer aus Höflichkeitsgründen, "damit es schneller vorbei ist?"
Seine Augen weiten sich und ein Ausdruck, der mehr als nur bloße Angst oder Entsetzen ausdrückt spiegelt sich in ihnen wieder. Er brennt sich mir unauslöschlich ins Gedächtnis, ein immerwährender Stachel der Schuld, aber ich kann längst nicht mehr zurück.
"Flieh", keucht er heraus, "solange du laufen kannst! Flieh!"
Ich lächele leicht und schüttele den Kopf. "Vor dem, was mich quält, kann ich schon lange nicht mehr weglaufen."

Als die letzten Schatten der Erinnerung verblassen spüre ich verblüfft, wie etwas Kühles an meiner Wange entlang läuft. Zu gern würde ich meine Hände an mein Gesicht heben, um die Störungsquelle wegzuwischen, und erst jetzt fällt mir auf, dass diese überaus kunstvoll an den Stuhl und dieser wiederum auch an meine Knöchel gefesselt ist. <i>Willkommen im Mittelalter, verdammter Ketzer</i>, denke ich benommen, <i>selbst schuld - wer hoch fliegt, wird tief fallen.</i>
"Sieh mal", tönt da wieder die Stimme des undefinierbaren Wesens durch den Raum, "er weint."
Mit Erstaunen erkenne ich, dass er Recht hat - was da so stetig über meine Wangen fließt sind tatsächlich Tränen, und mit einem Gefühl tiefster Deprimiertheit stelle ich fest, dass ich über den Verlust meiner Menschlichkeit weine.
"Dann ist er wach?" fragt sie daraufhin und eine kühle Hand berührt meine Schulter. Obwohl der Kontakt äußerst sanft und vielleicht sogar tröstend gemeint ist, fahre ich zurück wie vor einem elektrischen Schlag und versuche abermals, meine Augen zu öffnen. Der Schmerz ist unvorstellbar und ich keuche erstickt auf.
"Shh", macht sie beruhigend und streicht mir sanft übers Haar, "nicht aufregen, ganz ruhig."
<i>Ganz ruhig</i>, denke ich böse und schüttele ihre Hand ab, <i>wie soll man denn bitte "ganz ruhig" bleiben, wenn man in so einem Zustand an einem Stuhl gefesselt ist?!</i>
"Was meinst du, warum haben sie ihm die Augen zugenäht?" Der Andere fragt dies ohne jedes Mitleid, nur mit einem kühlen Interesse, das mich schaudern lässt.
"Ich weiß es nicht", antwortet sie daraufhin und legt ihre Hände um meinen Kopf, sodass ich ihr wohl oder übel meinen Kopf zuwenden muss, "vielleicht aus Angst, was wir darin sehen könnten."
Ihr Daumen streicht sanft an meiner Wange und den Einstichstellen entlang, und ich unterdrücke ein schmerzhaftes Zucken sobald sie eine der Wunden berührt. <i>Narziss, du krankes Arschloch.</i>
"Was meinst du denn, was man sehen würde?"
Ihre Fingerspitzen berühren meine geschlossenen Augenlider und für einen kurzen Moment fühle ich mich fast friedlich. "Perfektion."

"Das ist es, was ihr anstreben müsst", erklärt James und pocht mit seinem Fingerknöchel auf den großen Mahagoni-Schreibtisch, hinter dem er sitzt, "Perfektion. Keine halben Sachen. Ansonsten habt ihr hier nichts verloren."
Ich lege gelangweilt den Kopf schief und trommele abwesend mit den Fingern auf meinem Oberschenkel, während mein Blick von ihm weg aus dem Fenster gleitet und über die Baumwipfel huscht. "Hörst du mir überhaupt zu, Ryan?"
Langsam wende ich ihm wieder meinen Blick zu und nicke. "Klar. Perfektion. Kein Problem."
Ein raubtierähnliches Lächeln zieht sich über seine Züge. "Von diesem Mann können Sie noch was lernen, meine Herren. Er ist der Beste. Sein Gewissen ist mit seiner Freundin gestorben, nicht wahr, Ryan?"
Es hat Zeiten gegeben, zu denen ich jedem für solch eine Äußerung verprügelt hätte. Aber ich bin erwachsen geworden. "Richtig."

Ich schnaube unwirsch und drehe meinen Kopf mit schon etwas mehr als sanfter Gewalt aus ihren Fingern. "Die würdest du kaum finden."
"Er spricht!" ruft sie aufgeregt und an dem Klang ihrer Schritte höre ich, wie sie rasch ein paar Meter Abstand nimmt - so als wäre allein die Tatsache, dass ich wach und in der Lage bin, mich zu artikulieren, so gefährlich wie eine kurz vor der Explosion stehende Bombe. Dabei bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, gerade so ungefährlich und harmlos auszusehen wie noch nie zuvor in meiner doch recht langen Existenz.
"Natürlich spreche ich", erwidere ich gereizt, "ist das irgendetwas besonderes?"
Sie reagieren überhaupt nicht auf mich sondern fangen in leisem Flüsterton an, miteinander zu tuscheln. Ich verstehe sie trotzdem bestens und erst jetzt fällt mir auf, dass es somit Nacht und ich wieder ein Bote sein müsste.
Das bedeutet rasche Heilung.
"Er hat gesagt, wir sollen ihn sofort holen, wenn er etwas von sich gibt."
"Aber meinst du nicht, es ist zu früh?"
"Nein! Hör zu, mir tut er auch leid... Aber was ist dir wichtiger, sein Leben oder unseres?"
Ich muss schlucken und erahne nur zu gut, von wem sie sprechen. Also raffe ich all meinen Mut auf, verdränge die in mir herumkriechende Schwäche und reiße mit einem Schrei die Augen auf, nicht darauf achtend, dass Großteile von Linse und Lid an meinen Wangen hängen bleiben.
Blut fließt über meine Iris und versperrt mir die Sicht, während Schmerzensschauer über mich hinweglaufen und ich krampfhaft um Atem ringe. <i>Heilt</i>, schießt mir immer wieder durch den Kopf, <i> jetzt heilt schon.</i>
Die Regeneration ist langsamer, bedeutend langsamer als sonst - vermutlich bin ich tatsächlich auf irgendeiner Droge, die all meine Stoffwechselprozesse auf ein Minimum herunter fährt, und verhallende Schritte zweier Personen lassen mich wissen, dass die beiden ihren Disput - ob trotz oder gerade wegen meines kleinen Auftritts - beendet haben und sich