Fanfic: Orion

Kapitel: Damals und Heute

Jaja, es geht weiter... Ich konnte den armen Kleinen einfach nciht länger in meinem Kopf vermodern lassen. Er musste wieder an die frische Luft, Leute ärgern!! ^^
Soo, und falls es zu Beginn etwas schleppend vorangeht - nicht wundern. Ist am Anfang bei mir leider meist so... Wobei - eigentlich auch in der Mitte und am Schluss *g*
Erstmal - weiter gehts!!

*****

Schießpulver und Blut. Die Gerüche, die mich immer begleitet haben - Schießpulver und Blut. Die rote Flüssigkeit rinnt langsam, aber stetig aus dem noch warmen Körper heraus und ich prüfe durch einen leichten Tritt auf die Wunde, ob der Mann noch lebt. Er reagiert nicht - ist also tot.
Ich seufze ein wenig frustriert und drehe mich um. Verdammt, ich hab es schon wieder übertrieben. James wird nicht unbedingt angetan sein.
Den Revolver unter der Formlosigkeit meiner Jacke verschwinden lassend, trete ich wieder nach draußen. Die kühle Nachtluft schlägt mir entgegen und reinigt meine Nase von den anderen Gerüchen, die mir schon fast zur Gewohnheit geworden ist.
Die Erde knirscht leise unter meinen Sohlen während ich mich auf den Weg nach Hause mache - ein Heim, dass ich hoffentlich bald verlassen werde.
Ich lebe, ein wenig untypisch für einen Berufskiller, mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder zusammen. Halbbruder, verbessere ich mich im Geiste, nur Halbbruder.
In ihren Augen gehe ich zum College - was ich auch tue - und der Grund für meine häufige Abwesenheit im Hause Ope liegt darin begründet, dass ich ach so viel in der Bücherei lerne. Beinahe drollig, wie sehr sie von meinem Lerneifer überzeugt sind.
Aber wie gesagt - ich bin Berufskiller.
4 Jahre schon - eine beträchtlich lange Zeit, vor allem wenn man so jung ist wie ich.
Gedankenverloren zupfe ich ein kleines Klappmesser aus meiner Hosentasche und säubere mit der Klinge meine Fingernägel, unter denen noch Blutreste hängen.
Mit diesem Messer hatte alles angefangen, damals...

Erschrocken keuche ich auf, lasse die Hände sinken und klammere sie um den Rahmen, die Augen fest zugepresst. "Bitte", flehe ich stumm, "bitte, lass mich wieder vergessen... Gib mir meine Augen zurück... Sie sind blau, verdammt!" Eine einzelne Träne bahnt sich ihren Weg aus meinem Augenwinkel und läuft unbemerkt meine Wange herunter. Erinnerungen alter Gespräche keimen in mir auf und verblassen sofort wieder: "Wenn du wüsstest, was für ein Mensch du warst, würdest du das nicht sagen, Orion“, und dann noch: "Du betrittst einen Raum und schon sind alle von dir eingenommen, von deinen verdammten blauen Augen..." Ein leises Schluchzen entschlüpft meinen Lippen, als ich an denjenigen zurückdenke, der mir diese Sätze einmal an den Kopf geworfen hat - mein Bruder, mein armer einsamer Bruder, den ich mit eigenen Händen getötet habe.
Wie so viele vor ihm.
Gebrochen sinke ich in mich zusammen und Eleonora hinter mir gibt einen erschrockenen Laut von sich und legt mir sanft die Hand auf die Schulter. "Hey", sagt sie sanft, "was ist denn?"
Ihre Berührung verstört mich und rührt mich gleichzeitig - würde sie mich immer noch so berühren, so ansehen, so lieben können, wenn sie wüsste, was ich wüsste? Dass sie es jetzt noch tut, immer noch die Verbindung zu mir sucht, erschüttert mich - die Schuld muss so deutlich in meinem Gesicht stehen, die Erinnung an alles, was ich je getan habe... Wie kann sie mich so lieben? So vorbehaltlos und inständig?
Bei Gott, zischt mir durch den Kopf, ich habe sie noch weniger verdient als der Teufel einen Heiligenschein.
"Ich... Es...", ich schlucke und zwinge mich, meine Augen zu öffnen. Mein grünäugiges Spiegelbild blinzelt mir entgegen, die smaragdfarbenen Augen fast fröhlich funkelnd, so als wolle ein Teil meines Ichs den anderen Teil verspotten. Ich hole tief Luft und senke die Lider wieder, bevor sie meinen Blick erhaschen kann. "Es geht schon", flüstere ich dann schwach und stehe schwankend wieder auf, "es ist nur... ungewohnt."
Ihre Fingerspitzen streichen zart über meine Wange und ich kann die Zuneigung, die in dieser kleinen Geste steckt, kaum ertragen. "Ich weiß", sagt sie leise, und ich kann das aufmunternde Lächeln hören ohne es sehen zu müssen - dieses einzigartige Lächeln, das soviel Trost spendet und soviel Vertrauen schenkt. Wenn sie wüsste, was sie damit anrichtet... "Ich... ich finde es auch etwas... anders. Aber du bist ja immer noch du, nicht wahr?"
Ich wage nicht darauf zu antworten. Bin ich immer noch ich? Kann ich jemals wieder der sein, den sie kennengelernt hat - jetzt, nachdem ich weiß, wie ich früher einmal war?
"Du kennst mich kaum", erwidere ich mit brüchiger Stimme, und es stimmt - wir kennen uns tatsächlich erst wenige Tage, auch wenn sie mir inzwischen näher ist als irgendjemand anderes in den letzten - unglaublich - in den letzten 40 Jahren. Aber der Gedanke, dass sie aufhören konnte - dass sie mich irgendwann nicht mehr mit diesem Blick ansehen würde, nicht mehr so anlächeln würde, sondern mich nur mit der Abscheu betrachten würde, die ich verdiente - der quält mehr als die Erinnerung selbst. "Du weißt nicht, wer ich bin."
Ihre Finger zucken leicht, dann legt sie ihre Handfläche an meine Wange. "Öffne deine Augen", bittet sie leise, "und sag es mir."
Schmerz und Hoffnung kämpfen in mir, als ich langsam die Lider hebe. Scheu begegne ich ihrem Blick - einem Blick, der aufrichtiger nicht hätte sein können. "Wer bist du?" fragt sie sanft, und ich spanne unbewusst all meine Muskeln an. "Das willst du nicht wissen", erkläre ich bestimmt, trete einen Schritt zurück und entziehe mich so ihrem Zugriff. Ihre wärmende Handfläche nicht mehr spüren zu können reißt ein kleines Stück meiner Seele heraus und trifft mich mehr als jeder Vampir mich jemals würde treffen können.
Sie beißt sich betroffen auf die Lippen und ich könnte mich ohrfeigen für den Schmerz, den ich ihr zugefügt habe. Aber so ist es leichter - für sie und für mich.
"Doch", sagt sie dann und sieht mich direkt an, und ich kann die Hartnäckigkeit in ihren Augen erkennen, "ich werde nicht zulassen, dass du dich jetzt zurückziehst! Nicht jetzt, nicht so!" Sie kommt einen Schritt auf mich zu und bleibt dann wieder stehen. "Ich habe gelitten, Orion", erinnert sie mich leise, "deinetwegen." Sie schweigt einen Moment und lässt zu, dass die Worte sich in mein Gedächtnis brennen. "Verwehre mir nicht den Einblick in deine Welt."
Ich wende den Blick ab und schlucke trocken. Super, Vorwürfe. Das hat mir gerade noch gefehlt.
Entschlossen sehe ich sie wieder an. "Du hast gelitten?" frage ich ironisch, "meinetwegen? Gut! Ich danke dir! Aber ich habe dich nicht darum gebeten!"
Ihr Gesicht verhärtet sich. "Was ist los mit dir?" fragt sie eindringlich, "was hat das mit deinen Augen auf sich? Warum verhälst du dich so, Orion?"
Ich schließe ergeben die Augen und seufze. "Nicht Orion", erwidere ich dann. "Ryan. Ryan Ope. Mein Name ist Ryan Ope, und als ich noch lebte hatte ich grüne Augen."