Fanfic: Sag mir, warum du mich leiden sehen willst

Untertitel: Christin+Kaiba

Kapitel: Der Plan...

Prolog: Der Plan…

Es regnete wie in Strömen auf einen kleinen Platz, wo ein Mädchen, mit langen orangenen Haaren und ein Junge sich gerade lauthals stritten.
„Das fand ich gemein von dir, Seto!“
„Ach, wirklich? Weißt du eigentlich wie wenig mich deine Meinung interessiert?“
Das kleine Mädchen schien den Tränen nahe zu sein. Sie konnte jetzt nicht weinen, sie durfte jetzt nicht weinen! Nicht vor ihm.
Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und schaute dann in die blauen Augen des Jungen.
„Du bist doof! Ich will dich nie wieder sehen und weißt du was? Dein bescheuertes Geschenk kannst du auch wieder haben!“
Sie warf ihm eine kleine Plakette entgegen, die der Junge verdutzt wieder aufhob.
„Aber…“
Für einen kurzen Moment schien es ihm wirklich Leid zu tun. Eine sorgenvolle Miene bildete sich auf seinem Gesicht, die nach kurzer Zeit einem eiskalten Blick weihen musste.
„Ich will dich auch nie wieder sehen.“
Der Regen floss auf die Beiden herab und die Bäume um sie herum, streckten ihre Äste dem Wind entgegen, wie schwarze Gestalten ihre Hände.
Das Mädchen konnte nicht mehr. Heulend lief sie los, zur nächsten Straßenecke, bis sie nicht mehr zu sehen war. Der Junge blickte ihr noch lange nach, bis auch er den Kopf hängen lies und den Weg nach Hause wählte.

Schweiß gebadet wachte Seto Kaiba auf. Er hatte schon wieder diesen seltsamen Traum gehabt. Diesen Traum, der jede Nacht zurückkehrte und den er nicht aus seinem Kopf verbannen konnte.
Schwer atmend legte er sich wieder hin. Er hörte den Wind durch die Bäume flüstern und den nassen Regen gegen das Fenster klopfen. Es war komisch. Jede Nacht um dieselbe Zeit hörte er es regnen. Immer nach seinem Alptraum. Immer und immer wieder….
Vielleicht war er einfach nur überarbeitet. Ja, er sollte sich mal etwas Erholung gönnen, warum nicht? Einfach mal ausspannen. Wer weiß? Vielleicht würde dann alles aufhören.
Energisch schüttelte er den Kopf. Auch wenn er Urlaub machen würde, dieser Traum würde ihn verfolgen! Jedenfalls bis er geklärt hatte, wer dieses Mädchen war….
Er erinnerte sich nur noch schwach an sie. Sie wohnte im Nachbarhaus und sie hatten oft miteinander gespielt, doch eines Tages hatten sie sich gestritten. Seto wusste zwar nicht mehr warum, aber nachdem sie weg gerannt war, hatte er nichts mehr von ihr gehört. Sein Vater erklärte ihm, sie käme nicht mehr zurück. Aber warum? War er Schuld gewesen?

„Christin, wie konntest du nur?“
„Was hast du eigentlich, Tyson? Das ist meine Hälfte der Firma und ich mache damit, was ich will. Außerdem brauchst du dich gar nicht zu beschweren, wir liegen immer noch in Führung!“
„Du kannst doch nicht, mir nichts dir nichts, 500 Stellen streichen! Was sollen die Leute denn jetzt machen?“
Die junge Frau schnaubte verächtlich auf und wendete sich wieder ihrem Bruder zu.
„Was interessieren mich andere Leute?“
Mit diesen Worten ging sie den schmalen Flur entlang und lies den Braunhaarigen einfach stehen. Dieser blickte ihr nach, wobei sein Blick immer ernster wurde.
„Und sie soll meine Schwester sein?“
Er schüttelte den Kopf und verschwand in der nächsten Tür.
„Kannst du nicht wenigstens anklopfen, Tyson?“
Ein alter Mann erhob sich aus seinem Sessel und ging auf den Neuankömmling zu. Seine dicken Augenringe erzählten von nächtelanger Arbeit. Die knubbeligen, kleinen Finger fassten fest in die Schulter seines Stiefsohnes, der vor Schmerz aufschrie.
„Was hast du wieder angestellt? Ich frage dich noch mal: Wie kann es sein, das deine Hälfte der Firma nicht im entferntesten Sinne mit der deiner Schwester mithalten kann?“
„Das kann ich dir genau sagen…“, begann der Jüngere und fasste sich schmerzvoll an die Stelle, wo die Fingernägel tiefe Abdrücke hinterlassen hatten.
„Sie hat erst letzte Woche 20 Spezialisten einfach gefeuert. Heute feuerte sie weitere 500. Das bringt ihr zwar einen Schub, aber auf Dauer wird sie Verluste einfahren. Glaub mir, das ist nur eine Frage der Zeit.“
Der Grauhaarige guckte verträumt aus dem Fenster. Kein Muskel an seinem Körper schien sich zu bewegen. Er atmete schwer und begann wie wild in seiner Tasche herumzufummeln. Dann wendete er sich wieder dem jungen Mann zu.
„Kennst du die Kaiba Corp.?“
Tyson schaute irritiert zu Boden, entschied sich aber doch zu antworten.
„Ja, wer kennt sie nicht? Aber ich weiß nicht, was das jetzt damit zu tun hat.“
Der Alter zupfte weiter an seinem Anzug.
„Ich werde dir nun meinen Plan erläutern. Du weist sicher, dass es um unsere Firma nicht sehr gut steht, wenn die eine Hälfte nicht arbeitet, wird die Andere früher oder später auch untergehen. Ich bin zwar nicht mehr Vorsitzender, aber ich habe einen Plan, wie man unser Problem aus der Welt schaffen könnte.“
Er setzte sich wieder an seinen Mahagoni-Schreibtisch und befahl seinem Sohn Platz zu nehmen. Als dieser gehorchte, bückte sich der Alte näher vor.
„Ich werde deine Schwester dazu überreden mit Seto Kaiba ein Geschäft einzugehen. Deine Aufgabe wird es sein, die Beiden so zueinander zu führen, das sie sich lieben lernen.“
Tyson konnte nicht glauben, was ihm sein Stiefvater da erzählte. Sich in Privatleben anderer einzumischen, war falsch, aber wenn es um die Firma ging?
„Wenn dies geschehen ist und Herr Kaiba andere Dinge zu tun hat als seine Geschäfte, werden wir uns seine Firma unter den Nagel reißen.“
„Aber…wird er nicht versuchen sie sich zurückzuholen?“
Tenshi stand auf und ging zu einem riesigen Flugzeug-Model. Er fuhr mit den Fingern über die Flügel hinweg bis zum Cockpit.
Danach trat er beiseite und drückte einen Knopf neben dem Model. Sekunden später rauchte es von allen Seiten, doch komischer Weise ging kein Rauchmelder an.
Als wieder Licht in den Raum trat, war von dem eben noch dagestandenen Flugzeug nur noch Asche übrig. Tenshi stand daneben und grinste verräterisch zu seinem Stiefsohn.

„Seto? Musst du noch viel arbeiten?“
Inzwischen saß Seto Kaiba in seinem Büro in der Kaiba Corp. und telefonierte mit seinem Bruder. Der Regen prasselte gegen die langen Scheiben und ab und zu hellte ein Blitz das Szenario auf.
„Mokuba. Du weist doch, dass ich kein wirklicher Partygänger bin, außerdem habe ich noch viel zu tun.“
Sein Bruder stöhnte in den Hörer.
„Seto, wie kann man nur so witzlos sein? Es bringt dich schon nicht um, wenn du ein Mal, nur ein einziges Mal, deinen Chefsessel verlässt und uns Gesellschaft leistest. Komm schon, das macht doch Spaß!“
Setos Augen verengten sich zu Schlitzen und er schlug wütend auf den Tisch. Der Grauhaarige auf der anderen Seite des Hörers erzitterte und machte ein paar Schritte zurück. Das würde ein Donnerwetter geben.
„Mokuba, ich bin NICHT der Leiter der Kaiba Corp. geworden, weil ich auf Partys rum gehangen, mich amüsiert oder bis zum Erbrechen getrunken habe, sondern wegen harter Arbeit! Und diese vernachlässigst du im Moment.“
Eine unheimliche Stille brach an, bis der Geschäftsführer zu fragen wagte.
„Mokuba?“
Der Andere räusperte sich.
„Ach? Du bist schon fertig mit deiner Moralpredigt. Dann lass mich auch mal was sagen. Erstens: Wie gesagt, du sitzt seit TAGEN in deinem Büro und machst nichts anderes als auf deinen Laptop zu starren und unzählige Tassen Kaffee zu trinken. Zweitens: Ich garantiere dir, dass du da nicht länger als zwei Stunden bleiben musst. Ok? Gut, dann erwarte ich dich so um 7! Bis dann.“
„Mokuba, warte mal. Hey….“
Ein lautes Piepen drang aus dem Hörer und Seto Kaiba ließ sich zurück in den Sessel sinken. Was hatte er sich da nur wieder eingebrockt? Nun blieb ihm nichts anders übrig, als hinzugehen. Hoffentlich war es nur kurz, er konnte sich immerhin nicht ewig langweilen.
Wieder griff er nach dem Hörer.
„Roland? Fahren sie die Limousine vor. Ich verlange von ihnen, mich um Viertel vor Sieben zur Villa zu fahren.“
Der Angestellte hüstelte einwenig und begann dann zu sprechen.
„Tut mir Leid, Herr Kaiba, aber ich glaube das ist nicht möglich.“
„Wie bitte?“
Der gefährliche Unterton war nicht zu überhören, trotzdem versuchte Roland zu antworten.
„Nun, Sir, ihr Wagen ist beschädigt worden. Leider. Ein Angestellter ist gegen einen Baum gefahren und dabei tödlich verunglückt.“
„Gut so, sonst hätte er einen schmerzvolleren Tod erlitten! Heißt das, dass ich gehen muss, bei dem Regen?“
Der CEO schien erzürnt.
„Es tut mir wirklich Leid für sie…“
Wütend schmiss er den Hörer gegen die Wand und versuchte sich, wenigstens einwenig, zu beruhigen. Er massierte sich die Schläfen, ging runter zu seinen Augen und seinen Wangen. Alles fühlte sich sehr heiß an. Unter seinen Augen hatten sich Ringe gebildet, seine Haut war trocken und seine Gelenke schmerzten bei der kleinsten Bewegung. Kopfschmerzen pochten in seinem Kopf.
Ein Blick zur Uhr verriet ihm, dass es so langsam Zeit wurde. Er erhob sich, zog sich noch schnell seinen Mantel an und, ohne seine Sekretärin auch nur eines Blickes zu würdigen, verschwand er aus dem Gebäude.
Draußen regnete es noch immer. Die Dunkelheit der Straßen verschling ihn und ließ ihn kurz darauf, Begegnung mit dem kalten Wind machen. Nach cirka zwei Minuten war er bis auf die Knochen durchnässt. Es war ein weiter Weg bis zur Villa. Seto wünschte sich nichts sehnlicheres, als nun in seinem kleinen, abgeschiedenen Büro zu sitzen und zu arbeiten. Stattdessen lief er hier durch den Regen, fror und war erschöpft, sodass er Mühe hatte sich auf den Beinen zu halten. Der Wind war inzwischen stärker geworden und nahm ihm jegliche Chance etwas zu sehen. Plötzlich ertönte ein Hupen und Seto sah nur noch, wie ein Leuchten auf ihn zukam, welches alles erhellte. Ein spitzer Schmerz fuhr durch seinen Körper und ließ ihn in einen festen Schlaf