Drachengeist

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So,nun hab ich endlich das 5 Kapitel hochgeladen, hoffe es gefällt euch!!^-^

Fünftes Kapitel:
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Als Jessica am nächsten Morgen in der Frühe aufwachte, begutachtete sie den Stein mit dem Drachen. Seine Oberfläche war rau und kalt. Er war schon etwas verwittert und trotzdem konnte man die meisten Details noch gut erkennen. Sie verstaute ihn in ihrer Hosentasche, kurz bevor Jáy aufwachte. Er hatte gemeint, der Stein habe böse Kräfte und sie solle ihn wegtun, aber sie hatte es nicht getan.
„Jáy, suchen wir heute weiter nach den Diamanten?“
„Ja, ein kleines Stück müssen wir laufen. Ich werde dich auf meinem Rücken tragen“, antwortete er.
Nachdem Jáy ein paar Früchte und
Beeren gesammelt hatte und nützliche Sachen für ihre Reise suchte, begut-achtete Jessica ihre Verletzungen. Die Aufschabungen waren immer noch offen und brannten unerträglich. Das Blut war geronnen und bildete eine schützende Schicht, die verhinderte, dass Dreck eindrang. Das geschwollene Handgelenk ging zurück, die Prellung schmerzte trotzdem bei jeder Bewegung. Ihr Bein würde, Dank der Medizin und der Salbe, vielleicht noch vier, fünf Wochen ge-brochen sein, aber das war definitiv zu lange für ihre Wanderungen, schließlich konnte Jáy sie ja nicht so lange herumtragen!
Jáy kam zurück und sie aßen. Danach nahm er sie wieder auf den Rücken und ging den Weg zu den Klippen entlang, an denen er sie gefunden hatte. Sie gingen einen schmalen, steil anlaufenden Bergpfad hinauf. Der Weg wurde bald etwas breiter und führte schließlich in ein Tal. Dort führe er durch gelb-grünliche Gras- und Getreidefelder, auf denen Vögel nach Nahrung suchten.
Jáy hatte etwas von ihrem Proviant in Jessicas Rucksack verstaut, damit sie nicht jedes Mal nach etwas Essbarem suchen mussten.
Zwischen den langen Grashalmen wuchsen leuchtende, bunte Blumen. Es erschien Jessica wie ein Meer aus vielen Farben.
Nach einer Stunde kamen sie an einen Fluss, an dem sie rasteten. Jáy nahm Jessicas Flasche, füllte sie mit Wasser aus dem Fluss und trank.
Auf ihrer Reise war ihnen hier noch kein Mensch oder Tier, außer dem Mann und den Wesen im Tal begegnet.
Nach einer kurzen Rast marschierten sie weiter. Jáy hatte die Flasche wieder gefüllt und Jessica gab sie ihm während der Wanderung von Zeit zu Zeit. Die Hitze brannte nur so auf sie herunter. Die Luft war schwül und stickig, doch bis zum späten Nachmittag gingen sie weiter. Am Abend rasteten sie im Schutz großer, hoher Bäume, die so aussahen, als führten sie direkt in den Himmel und machten ein Lagerfeuer, da es plötzlich ungewöhnlich kalt geworden war.
Nach mehrerer solcher Tageswande-rungen kamen sie wieder in eine Berg-region. Dort fanden sie eine Höhle, in der sie schlafen konnten. Einen Tag ruhten sie dort, um wieder zu Kräften zu kommen.
Jessicas Verletzungen waren teilweise schon gut verheilt, schmerzten aber immer noch genauso schlimm.
Beim Essen saßen sie schweigend da. Jessica durchbrach die Stille schließlich: „Jáy, du isst nicht genug. Das ist mir schon seit ein paar Tage aufgefallen. Was ist den los?“
Jáy antwortete nicht und schien ihr gar nicht zuzuhören. Zwar aß sie mehr als ihr Begleiter, aber auch nicht genug. Das machte sich manchmal bemerkbar, denn oft war ihr schwindelig, unwohl oder sie hatte keine Kraft mehr. Sowieso war sie schon sehr dünn, aber ihr schien es, als sei sie noch dünner geworden.
Jáy war zwar auch schlank, aber nicht so dürr wie sie. Wenn er trotzdem weiterhin nichts essen würde, würde er abmagern und nicht mehr genug Kraft haben sie zu tragen und die langen Wanderungen durchzuhalten.
Wieder schweigend legte sich Jessica etwas später hin und schlief ein.

Als sie vom Vogelgezwitscher wach wurde, fiel ihr auf, dass ihr Bein durch die Salbe und Verbände schon besser gewor-den war. Zwar konnte sie noch lange nicht wieder laufen, es aber zumindest besser bewegen! Sie freute sich und war zugleich verwundert, dass es so schnell heilte.
Wie viele Tage sie schon nicht mehr auf der Erde war und wie lange sie gewandert waren wusste sie nicht. Irgendwie hatte sie ihr Zeitgefühl verloren. Wenn der Mann nicht gelogen hatte, waren vielleicht schon Wochen, Monate oder Jahre in der realen Welt vergangen.
„Aber wenn dieser Mann wirklich recht haben sollte, und die Zeit hier langsamer vergeht, und auf der Erde dann schneller, ist es dann nicht so, dass wir vielleicht in hunderten von Erdenjahren wieder in unsere Welt kommen? Was bringt es uns dann, wenn wir nichts mehr wieder erkennen und uns auch niemand kennt? Dann könnten wir doch besser hier bleiben und uns an ein Leben in dieser Dimension gewöhnen...“, überlegte sie traurig. Der Gedanke daran, ihre Freunde, Verwandten und Eltern nie wieder zu sehen lies sie schaudern. Sie versuchte an etwas anderes zu denken und grübelte darüber nach, wie sie aus der Schlucht herausgekommen war:„Wer oder was hat mir geholfen? Was war geschehen? Weshalb konnte ich mich an nichts erinnern? Und was ist mit diesem Stein, den ich gefunden habe? Ist er wirklich gefährlich? Wie ist er dort hin gekommen und wer oder was hat ihn erschaffen? Was ist überhaupt mit Jáy los? Warum benimmt er sich so komisch?“
Zu viele Fragen sammelten sich in ihrem Kopf an und sie konnte nicht mehr richtig denken. Es fühlte sich an, als würde er bald explodieren. Doch auf einmal überkam sie ein ungutes Gefühl. Es war wegen Jáy. Wo war er überhaupt? Sie sah sich um, aber konnte ihn nicht entdecken. War er Früchte und Nüsse suchen gegangen? Konnte ihm etwas passiert sein? Ihr Fähigkeiten, die sie schon etwas geweckt hatte irrten sich doch nicht, oder? Sonst würde sie nicht wissen, dass Jáy in Gefahr war, doch wie sollte sie ihm helfen? Was konnte sie schon ausrichten? Sie konnte nicht einmal laufen, wie sollte sie ihm den dann helfen?
„Was soll ich tun? Ich... ah! Dieser Mann hat doch gesagt, ich solle mich konzentrieren und meinen Tiergeist einsetzen, dann würde er kommen! Das ist meine einzige Hoffnung; er muss mir helfen!“
Sie versuchte alle Fragen zu vergessen und sich stark an diesen Mann zu erinnern. Sie konzentrierte sich so sehr sie konnte, aber nichts geschah. Ein dunkles Gefühl von Versagen und Gefahr stieg in ihr auf. Sie konnte es nicht! Sie konnte diesem Mann nicht mitteilen, dass sie Hilfe brauchte! Sie konnte es einfach nicht. Ein gigantisches Wut-Gefühl verdrängte die anderen Gefühle. Sie war wütend, so wütend, dass sich eine ungeheure Kraft in ihr sammelte, so groß, dass sie aufstehen und den Mann, der sie belogen hatte, suchen und am liebsten anschreien wollte. Für einen kleinen Moment spürte sie wieder, dass ihre Seele geteilt wurde. Plötzlich erinnerte sie sich wieder, was passiert war, als sie ohnmächtig geworden war und nicht mehr wusste, wie sie aus der Schlucht raus gekommen war. Ein Drache. Ein Drache hatte sie gepackt und unter einem Baum abgesetzt. Ein blauer Drache mit schuppiger, rauer Haut und schönen, leuchtenden braunen Augen. Er kam als sie in Gefahr war und dieses Gefühl gespürt hatte. Dieses Gefühl, dass sie gerade wieder überkommen hatte. Sie war nicht mehr wütend- jetzt war sie froh darüber, wenigstens ein paar Antworten auf die vielen Fragen gefunden zu haben.
Sie konzentrierte sich, damit dieser Drache, der sie gerettet hatte, kam um ihr zu helfen. Sie spürte starke Luftzüge und plötzlich erschien der Drache. Der schimmernde blaue Drache mit den braunen Augen. Er legte sich vor ihren Füßen hin. Sie verstand und, obwohl es ihr ungeheure schmerzen bereitete kletterte sie auf den Rücken des Drachen. Er stand auf und lief aus der Höhle hinaus und den Abhang hinunter. Er wurde immer schnel-ler und breitete seine dünnen, so zerbrechlich wirkenden Schwingen aus. Er verlor den Boden unter den Füßen und schlug mit seinen Flügeln. Sie flogen! Sie hielt sich mit beiden Händen an den Hörnern des Drachen fest. Jessica bemerkte gar nicht, dass sich ihre Haut noch mehr an den rauen Schuppen des Drachen aufschabte, ihr Bein fest gegen den Körper des Drachen gepresst war und ihre geprellte Hand das Horn des Drachen fest umklammert hielt. Sie ver-nahm keine Schmerzen und konzentrierte sich so sehr darauf, die Spur von Jáy nicht zu verlieren. Der Drache flog wohin sie wollte, er wusste, wohin sie musste, schließlich war es ihr Drache. Es war ihr Tiergeist, ein Teil ihrer Seele.
„Vielleicht“, überlegte sie, „hat dieser Mann mit dem was er gesagt hatte, also: Ich solle mich konzentrieren und mein Tiergeist würde dann wissen, was zu tun wäre, gemeint, dass nicht er mir helfen würde, sondern mein Tiergeist, mein eigener Drache!“