Fanfic: Severus Snape und die Partenervermittlung
Kapitel: Nouelle
Der Wecker klingelte. Eine Hand kramte sich unter dem schwarzen Satin-Bettzeug hervor und tastete auf dem Nachtschränkchen nach dem piependen Ding. Mit einem Krachen fiel es runter, das Piepen ließ aber nicht nach. Wütend kam auch der Rest der Hand nach und gab den Verschlafenen frei.
Sev krallte sich den Zauberstab, der ebenfalls auf dem Nachttisch lag, zielte auf den Wecker und mit einem lauten KNALL explodierte er. Mit einem zufriedenen „Ah!“ ließ sich Severus wieder ins Bett fallen. Samstage waren so schön. Keine Arbeit, keine Schüler, kein Harry, kein Stress, kein Harry, keine Kollegen, kein Harry…Er konnte die Liste so ewig fortsetzen.
Er blieb noch eine halbe Stunde liegen, bevor es an der Tür klingelte. Er hob kurz den Kopf. Er starrte die Haustür gegenüber seinem Schlafzimmer böse an, als könnte er so den Jemand, der dahinter stand, zum Verschwinden bringen. Auch der Versuch, liegen zu bleiben und zu warten, dass der Jemand verschwand, nutzte nichts. Seufzend erhob er sich und stieg in die Pantoffeln.
Bin ich heute nicht nett, dass ich dir die Tür öffne und sie dir nicht gleich wieder vor der Nase zuschlagen werde?, dachte er und schlurfte in seiner schwarzen, langen Schlafhose den Flur hinab. Gähnend kratzte er sich am Kopf und zerstrubbelte seine schwarzen Haare etwas mehr.
Er drehte den Türknauf und blinzelte in das grelle Licht der Sonne. Vor ihm stand der Postjunge und grinste ihn an. Er gab ein lustiges Bild ab, in seiner schwarzen Hose, seiner bleichen Haut, seinen rosa Plüsch-Pantoffeln (Dumbledore hatte sie ihm letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt und Severus hatte sie behalten, erstens, um Geld zu sparen und zweitens, weil er sowieso nie Besuch empfing, der die Pantoffeln hätte sehen können) und seinen verschlafen drein blickenden Augen.
„Was gibt` s?!“, blaffte er den Jungen unfreundlich an, der darauf hin Severus nur einen Brief hinhielt. „Dafür weckst du mich?! Bist du zu dumm, um ihn in den Briefkasten zu werfen?!“
Der Junge erwiderte „Tut mir Leid, Sir, aber Sie haben keinen Briefkasten und auch keinen Briefschlitz.“
Severus stutzte. Das hatte er vergessen. Hastig schnappte er nach dem Brief, knallte die Tür zu und schlurfte in die Küche, nicht ohne sich fest vorzunehmen, demnächst einen Briefkasten zu kaufen, immerhin hatte er ja Geld mit den Pantoffeln gespart.
In der Küche ließ er sich auf den einzigen Stuhl plumpsen (ein weiteres Zeichen, dass er selten (oder besser nie) Besuch empfing). Mit einem lässigen Schlenker mit dem Handgelenk, kam eine dampfende Tasse Kaffe aus der Luft zum Vorschein. Genüsslich schlürfte er das Getränk, während er den Brief öffnete.
Er war von der Partnervermittlungsagentur. Er enthielt drei Blätter, auf jedem eine andere Frau beschrieben. Die ersten beiden Blätter legte er gleich beiseite. Schon die Fotos sahen schrecklich aus. Die eine war eine Oma Mitte sechzig und die andere war eine Frau, die mehr Ähnlichkeit hatte mit einem Mann, oder anders herum.
Auf dem dritten war kein Foto. Severus las sich die Angaben genau durch und staunte. Diese Frau klang, er gab es nur ungern zu, interessant!
Unruhig rutschte er auf dem Stuhl herum und das Holz unter ihm knackte bedrohlich.
Die Frau hatte viele interessante Hobbys, die ihn ansprachen und auch ihr Name war ungewöhnlich. Nouelle- Claire Ferdon. Beim öfteren Durchlesen fand Severus, dass der Name doch ein bisschen albern klang, aber dennoch (er stellte sich auf den Stuhl und hob die Arme, wie bei einer Anfeuerungsrede) er musste es versuchen! Jetzt oder nie! Er würde mit ihr ein Date haben! Er, Severus Snape, würde ein Date haben, mit einer Frau, die ihm auch noch gefiel.
Doch der Stuhl brachte ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit einem lauten KNACK gab er unter Severus` Gewicht nach und krachte zusammen. Severus saß in einem Haufen Holzsplitter und wurde unsicher.
Er kannte Nouelle nicht. Was war, wenn er sie nicht mochte, oder schlimmer, wenn sie ihn nicht mochte?
Ein Haufen Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. In Gedanken versunken stand er auf und ging wieder in sein Schlafzimmer. Er stellte sich vor den Spiegel. Er sah schrecklich aus. Seine Haare hatte er seit einer Woche nicht mehr gewaschen und seidig glänzend war in fettig strähnig umgeschlagen. Seine Augen waren noch verkrustet und an seiner Nase war ein großer schwarzer Fleck. Seine Nase. Es gab Menschen, die fanden, dass sie groß und hakenförmig war, aber es gab auch Menschen (er hatte da einen besonderen Fanclub in einem anderen Land, den er regelmäßig besuchen ging) die hatten nichts an ihr auszusetzen. Die fanden ihn, Severus Snape, einfach nur klasse. Es störte sie nicht, dass er eine bleiche Haut hatte, dass seine Nase Charakter besaß und sie fanden dass sein Lächeln und sein Humor einfach unwiderstehlich waren.
Mit neuem Mut gestärkt hüpfte er ins Bad, duschte sich kräftig, wusch sich die Haare mit Herbal Essences (er konnte sich beherrschen und die peinlichen Nebengeräusche unterdrücken) und benutzte danach sogar ein teures und gut duftendes Rasierwasser.
Dann marschierte er in die Küche, schnappte sich den Brief und rief die Nummer für Nouelle an.
„Hallo?“, kam es ihm aus dem Hörer entgegen. Er riss die Augen auf. Es war Maura…
„Hallo. Hier ist Severus Snape. Ich möchte mich mit jemanden bestimmtes verabreden.“ Am anderen Ende des Hörers kicherte Maura.
„Ach Severus. Sie können doch einfach vorbeikommen und Sich mit mir persönlich verabreden. Oder sind Sie etwa so schüchtern, dass Sie Sich nicht trauen?“ Severus schluckte heftig. ER mit Maura??? Was dachte sie denn??? Maura machte weiter „Ich wusste ja sofort, dass Sie mich attraktiv finden. So wie Sie mich angestarrt haben.“ Sie kicherte wieder. Severus konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was an diesem Wesen attraktiv sein konnte. Sie hatte große Glubschaugen, pinken Lippenstift, fast schwarze Sommersprossen, eine viel zu hohe Stimme und falsche blonde Haare. Und an ihre Art und Weise wollte er gar nicht denken.
„Maura!-“
„Nennen Sie mich Mäuschen, Sevvie.“
„Nein danke.“, sagte er kühl. „Maura, ich will mich nicht mit Ihnen verabreden. Da würde ich selbst in meinen schlimmsten Albträumen nicht drauf kommen.“ Er schüttelte sich. „Sie sind die schrecklichste Person die ich kenne, und deshalb möchte ich mich mit Nouelle- Claire Ferdon treffen!!!“
Am anderen Ende hörte er ein Schluchzen und das stimmte ihn fröhlich. Grinsend stand er am Telefon, wickelte sich die Leitung um den Finger und wippte glücklich mit den Füßen auf und ab, während er Maura an seinem Ohr weinen hörte. Herzen brechen war schon recht zufrieden stimmend.
„Nouelle?“, stotterte sie tränenerstickt. „Freitag Abend, 19 Uhr. Fischrestaurant Kapitän Blaubär. Das hat sie selbst so gewünscht. Viel Spaß.“ Und sie knallte den Hörer auf die Gabel.
Severus legte ebenfalls auf. Es lief bis jetzt alles bestens. Bis jetzt…