One Piece - One Shots on air ^^

One Piece - Ich komme heim!

Endlich! Endlich war er da! Sieben lange Jahre hatte sie darauf gehofft, und heute, heute wurde sie für ihre Geduld belohnt. Endlich!

Sie nahm den Brieföffner – einen Dolch, den ihr Zorro vor zehn Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte – und fuhr mit der Klinge die Klebestellen des Briefumschlags entlang. Ganz vorsichtig und langsam. So lange hatte sie auf eine Nachricht gewartet. Sie genoss jede einzelne Sekunde, die verstrich. Kostete den Moment aus, da sie endlich von ihrer Ungewissheit erlöst wurde. Der Kleber löste sich. Das Papier des Umschlages spreizte seinen Flügel und gab der jungen Frau den Blick in sein Inneres frei. Ein kleiner Bogen Papier kam zum Vorschein. Es war sehr dünn und fühlte sich an, als ob es durch die kleinste Berührung reißen könnte. Sie legte das gefaltete Blatt vor sich auf den Tisch. Starrte es an. Wollte sie eigentlich wirklich wissen, was darin stand? Was, wenn die Nachricht eine schlechte war? Ihr Blick ruhte noch immer auf dem Papier. Schließlich siegte die Neugier und sie faltete es auseinander.

Soraya, mein Schatz!

Endlich!
Ich komme heim!

Immer wieder las sie die wenigen Worte, die fein säuberlich mit schwarzer Tinte auf das Papier geschrieben waren. Sie hörte wie sich die Tür zum Wohnzimmer öffnete. Hastig legte sie den Brief auf den Tisch. „Mama, warum weinst du?“ Der Junge, der das Zimmer betreten hatte schaute sie besorgt an. Soraya lächelte. „Oh, es ist nichts.“, flüsterte sie und wuschelte ihrem Sohn durch sein verstrubbeltes Haar. „Von wem ist der Brief?“ Er deutete auf den Tisch. Gerade, als er das Papier aufnehmen wollte zog Soraya es vorsichtig weg. „Papa.“ Ihre Stimme klang Tränen erstickt und trotzdem konnte man hören, wie glücklich sie war. Wie glücklich sie diese wenigen Worte gestimmt hatten. „Papa.“, wiederholte sie, nun mit festerer Stimme. „Dein Papa, er kommt endlich nach Hause.“

„Ts, dachtet ihr wirklich, wir kriegen euch nicht?“ Leutnant Tacklebomb blickte triumphierend in die müden Gesichter der Strohhutpiraten. „Öh, keine Ahnung… Wann gibt’s denn hier was zu futtern?“ Ruffy bohrte mit einem Finger in der Nase, während er dem Leutnant die Frage stellte. Tacklebomb schoss das Blut ins Gesicht. Wie konnte dieser Bengel es nur wagen! Machte er sich etwa lustig? „Ihr bekommt gar nichts. Null-Diät!“ Wutentbrannt kehrte er dem Kerker den Rücken zu und marschierte aus dem Gefängnis des Marinestützpunktes 743. 743 war einer von 51 geheimen Stützpunkten der Marine. Hier hielt man die gefährlichsten Piraten gefangen, denn da niemand wusste, wo sich die verschiedenen Einheiten befanden konnten keine Befreiungsversuche von außen gestartet werden. „Hat der das ernst gemeint?“ Ruffy blickte besorgt hinter Tacklebomb her. „Ich hab doch aber HUUUNGER!!!“ – „SCHNAUZE!“ Nami versetzte ihrem Käpt’n genervt eine Ohrfeige. Die anderen schüttelten nur den Kopf. Der machte sich Gedanken!!!

Ich komme heim! Ich hab es dir versprochen!

Sechs Monate waren vergangen. Noch immer wartete Soraya. Wieso? Wieso schrieb er ihr einen Brief, wenn er sie dann doch wieder warten ließ? Die junge Frau strich mit einer sanften Handbewegung ihr langes blondes Haar nach hinten. „Wartest du immer noch?“ Sie schaute auf, ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ja. Ich werde immer warten. Das weißt du doch!“ Der Junge schüttelte verständnislos den Kopf. „Kapier’s doch endlich. Papa kommt nicht wieder. NIEMALS!!!“ Türknallen. Sie blieb zurück. Allein mit ihrer Hoffnung und einem Flehen in Richtung Himmel.

„Denkst du, die werden uns hier vermissen?“ – „Keinen Schimmer. Ist mir auch egal. Wir müssen los. Soraya wartet schon. Sie wartet schon so lange. Zu lange.“

Tränen. Das Papier des Briefes begann sich zusammen zu ziehen. Erschrocken fuhr sie hoch. Wischte mit dem Ärmel ihres langen, vanillefarbenen Wollpullovers über den nassen Fleck. „Mist!“ Sie schniefte. Hielt den Brief gegen das Licht. Pustete. Erneut bahnten sich Tränen den Weg über ihre Wangen, hinunter zu ihrem Kinn. Sie tropften stumm auf den Tisch. Bildeten eine kleine Lache auf dem alten, kirschbaumfarbenen Holz. Soraya blickte noch einmal aus dem Fenster. Der Sonnenuntergang tauchte das Meer in ein wunderschönes orange. Das Wasser glitzerte und machte einem Glauben, dass sich unter der Oberfläche die schönsten Diamanten befinden mussten. Sie verschränkte ihre Arme auf dem Tisch, legte ihren Kopf darauf und schlief ein. Er war nicht gekommen. Wie lange würde sie noch warten müssen?

Hm, was ist das? … Stille. Dann das Rascheln des Briefes, den der Mann vom Boden aufhob.

Es tut mir leid. Soraya. Es tut mir so unendlich leid. Verschlafen setzte sich die junge Frau auf. Rieb sich die Augen und blickte vor sich auf den Tisch. Da lag der Umschlag, aber wo war der Brief? „Verdammt, wo ist …“ Weiter kam sie nicht. Jemand schlang von hinten seine Arme um ihren Hals. Küsste ihren Nacken. „Ich bin da, mein Schatz. Ich bin wieder daheim.“

Im Garten herrschte eine Lautstärke, wie seit Jahren nicht mehr. Sie waren alle gekommen. Alle waren sie zurückgekehrt. Ruffy, Nami, Lysop, Chopper, Nico Robin. „Wo ist Zorro?“ Die junge Frau schmiegte sich zärtlich an den Arm ihres Mannes. „Der ist in der Stadt. Will seine Schwerter mal wieder auf Hochglanz bringen lassen.“ Sie lächelte. Endlich hatte sie ihn wieder. Ihren Mann, ihren Geliebten. Die einzige Person, die ihr jemals etwas bedeutet hatte, in all den vielen Jahren. „Sanji.“, flüsterte sie leise. Er blickte liebevoll auf sie. „Sie hat sich kaum verändert.“, dachte er bei sich. Noch immer trug sie ihr langes, blondes Haar locker mit einem Stoffband zusammengebunden. Noch immer brachte ihn ihre modelgleiche Figur ins Schwärmen. Noch immer hatte sie dieses unschuldige und zugleich verführerische Lächeln. Und noch immer glich der Glanz in ihren graublauen Augen dem des Meeres. „Hm? Sie löste sich von ihm, drehte sich um und ging ins Haus. „Hey, Ren! Komm runter! Sanji ist wieder da!“

Sanji schluckte. All sein Hoffen. All seine Wünsche. Alles war in Erfüllung gegangen. Vor ihm stand sein ganzer Stolz. Ren sah seinen Vater an. Sein Blick war vorwurfsvoll, fast wütend. Sanji lächelte. Plötzlich begann der zehnjährige zu weinen. Er schluchzte. Konnte nicht fassen, dass sein Traum wahr geworden war. „Du bist da!“ Er fiel seinem Vater weinend in die Arme. Endlich! „MEIN PAPA IST WIEDER ZU HAUSE!“