Herzblut trinkt man nicht

Kiss

Mitleidig blickte Aimi die beiden an. Sasukes Nase berührte nun schon fast Nejis. Aimi schauderte. Neben ihr bereute Neyo, dass er Sasuke nicht doch ein Schwert überlassen hatte.
Neji presste die Augen fest aufeinander. „Aber richtig!“ hörte er Kankuros Ruf durch die Halle schallen. In diesem Moment hätte Neji ihn sehr gerne in tausend Teile zerfleischt und Akamaru zum Fraß vorgeworfen, obwohl er bezweifelte, dass Akamaru das auch nur beschnüffeln würde.
Dann spürte er Sasuke warmen Atem auf seinem Gesicht. Sekunden später drückte Sasuke seine Lippen auf Nejis.
Kai glotzte nur. Er hatte in seinem Leben sehr, sehr viel geküsst, aber einen Jungen? Niemals …
Die Tür der halle flog auf und Kakashi blieb wie angewurzelt stehen. „Sasuke … was tust du da?“ sagte er und klang, wie ein aufgescheuchtes Huhn.
Augenblicklich sprang Sasuke auf und biss Neji dabei auf die Lippe. „Au! Idiot!“ schrie Neji ihn an. Sasuke sah die drei Jounin schuldbewusst, völlig verstört und nervös an.
Kakashi starte ihn an. Neji wischte sich mit dem Ärmel über den Mund, wobei er bemerkte, dass er blutete. °Idiot! ° dachte er noch mal, sprach es aber nicht aus.
„Ach so ist das …“ sagte Asuma und ein spöttischer Unterton war nicht zu überhören, selbst wenn man es darauf angelegt hätte. „Deswegen lässt du Ino immer abblitzen. Mensch, das kannst du ihr aber sagen, sie heult uns sonst immer die Ohren voll. Tag und Nacht säuselt sie kläglich, dass du sie doch hassen müsstest.“ Meinte Asuma und machte eine schwule Handbewegung.
„Sasuke, seit wann magst du denn den da?“ fragte Kakashi, immer noch erschüttert. Er zeigte mit dem Finger auf Neji. Dieser schritt ein. „Also erstens bin ich nicht ‚Der da’ sondern Neji und zweitens, er mag mich nicht! IST DAS KLAR?“ Neji wurde lauter und Tenten zog an seinem Ärmel, um ihm das klarzumachen.
Er wurde wieder leiser. „Es ist nur ein Spiel.“ Sagte er, nun etwas ruhiger. „So was spielt ihr?“ fragte Kurenai erschrocken. Die Shinobi nickten. „Flaschendrehen, es war Aimis Idee …“ meinte Sasuke kleinlaut.
Aimi schluckte. „Ich konnte ja nicht wissen, dass es ein Junge wird …“ verteidigte sie sich. Die Jounin nickten verständnisvoll und gingen nach draußen. Kurze Zeit später, hörten die Genin von draußen wildes Gelächter rauschen, in das alle sofort mit einstimmten, bis auf Neji und Sasuke.
„Na gut.“ Meinte Sasuke und setzte sich wieder. „Ich denke wir lassen ab jetzt die Küss-Nummer raus, davon hab ich genug …“ Einige stimmten zu, andere wiederum nicht.
„Ich denke, wir sollten einfach das mit dem Mädchen-Mädchen, Jungs-Jungs rauslassen, das normale geht ja …“ meinte Kankuro, aber kaum hatte er es ausgesprochen, wollte Neji ihm auch schon an die Gurgel springen, das wollte er schon die ganze Zeit tun, er hatte nur noch darauf gewartet, dass Kankuro irgendetwas sagte.
Mit viel Mühe hielten ihn Tenten und Lee davon ab. Als Neji sich wieder einigermaßen gefasst hatte, war auch Kankuro mit dem ‚Küssverbot’ einverstanden.
Sasuke nahm die Flasche in die Hand. „Ich will, dass der nächste uns groß und breit erzählt, was er gerade denkt und in wen er verliebt ist.“ Meinte Sasuke und ließ die Flasche rotieren.
Die Wahl fiel diesmal auf ein Mädchen, und zwar auf Tenten. „Als, im Moment denke ich, dass öhm … unsere Sensei jetzt alle bestimmt glauben, Sasuke und Neji sind schwul und noch denke ich, dass Kankuro ein Idiot ist und ähm … dass jemand hier wirklich wahnsinnig gut aussieht. Und in wen ich verliebt bin? Na in den, der so toll aussieht …“ sie grinste und war stolz auf sich selbst, der Frage so gut entronnen zu sein.
„Na dann, soll ich weitermachen?“ fragte Tenten und sah in die Runde. Allgemeines Nicken. Sie nachte fieberhaft nach. „Ich mag nicht mehr … Mir fällt nichts ein …“ sagte sie und stand auf.
Seufzen.
„Das kannst du doch nicht tun …“ meinte eine Stimme. „Egal, es wird sowieso langweilig, lasst uns schlafen gehen …“ schlug Kiba vor. Aimi, Neyo und Kai bezogen drei Feldbetten nebeneinander und setzten sich auf.
„Was haltet ihr von den Typen hier?“ fragte Aimi. „Ganz okay.“ Meinte Kai. Neyo nickte. „Bis auf einen, der Junge aus Suna, Gaara Sabaku no … Seine Seele ist die finsterste, die ich je gesehen habe, trotzdem kann ich sie nicht einsehen … Das macht mich unsicher.“
„Seit wann redest du von dunklen Seelen, ich dachte das Thema hätten wir abgehackt …“ fing Aimi an.
Neyo seufzte. „Ich meine, der Typ ist gefährlich …“ sagte er, um es seinem Teamkameraden verständlich zu machen. „Aha …“ war alles, was Kai raus brachte.
„Ich find die beiden hysterischen Mädchen schrecklich … Wie hießen die?“ wechselte Aimi hastig das Thema. „Sakura und Ino.“ Antwortete Kai, wie aus der Pistole geschossen.
„Genau.“ Stimmte Aimi zu. „Warum?“ Kai war verblüfft. „Die sind doch süß …“ meinte er und Aimi ließ sich rückwärts ins Bet fallen. „Blödmann, denk mal für zwei Sekunden an was anderes, als an Mädchen, die dich anhimmeln …“
„Das kriegt er nicht hin.“ Meinte Neyo und grinste in die eben entstandene Dunkelheit. Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden und Kai hörte schritte näher kommen.
„Temari?“ fragte Neyo überrascht, der wie eine Katze sehen konnte.
Aimi seufzte. „Gut erkannt.“ Erwiderte die rauchige Stimme des Mädchens. Man hörte ein leises Quietschen, daraus schloss Kai, dass Temari sich neben Neyo gesetzt haben musste.
„Ich bin müde, hau ab …“ meinte Neyo unfreundlich. „Ich denk nicht dran.“ Schnurrte Temari. „Manche hier, wollten schlafen!“ maulte Aimi gereizt. „Genau.“ Pflichtete Kai ihr zu und starrte in die undurchdringliche Finsternis um ihn herum.
„Du hast meine Kameraden gehört, auf wieder sehen …“ Neyo legte ihr eine Hand auf den Rücke und stieß sie sanft weg.
„Wiedersehen.“ Sagte Temari und ihre Schritte entfernten sich. „Die nervt.“ Neyo schüttelte sich. Kai machte einen zustimmenden Summlaut und Aimi schwieg.
Die Jungen nahmen an, sie schlief. Sie war aber hellwach, hatte nur die Augen geschlossen und atmete ruhig. Am liebsten hätte sie Temari qualvoll getötet und in irgendeiner Grube verrotten lassen. Warum wusste sie selbst nicht.
Aber einen Verdacht hatte sie schon, auch wenn sie den nie aussprechen würde.
Morgens wurden die Genin durch einen lauten Pfiff geweckt. Mitten in der Halle stand Hayate. „Die zweite Prüfung beginnt in einer Stunde am ‚Wald des Schreckens’!!“ rief er und in der Halle rumorte es.
„Der Name gefällt mir.“ Sagte Neyo verschlafen und sammelte seine Waffen ein.
Das dachte ich mir …“ entgegnete Kai, streckte sich dabei und flog aus dem Bett. „Au, mist!“ fluchte er und rappelte sich auf. „Diese Dinger sind einfach zu eng …“ meinte er und suchte seine Kunais zusammen, die er im Schlaf überall verstreut hatte.
„Du bist einfach zu dick.“ Entgegnete Neyo, Aimi schwieg und kämmte sich die Haare. Sie stand auf und ging los. „Hey, Aimi warte!“ rief Kai und stolperte ihr hinterher, auch Neyo folgte ihnen.
„Was hat sie denn?“ fragte Kai an Neyo gewandt. Er zuckte wortlos mit den Schultern. Bis sie es endlich zum Wald des Schreckens geschafft hatten, erlitt Kai noch zwei Stürze, weil er sich zu sehr mit Ino beschäftigte, die neben ihm lief. Und Neyo hätte Temari beinahe mitten ins Gesicht geschlagen, weil sie schlicht und ergreifend nervte …
„Ich will die echt tot sehen, wenn sie so weitermacht …“ knurrte Neyo bedrohlich. Kai ging wortlos neben ihm her und Aimi stapfte energisch voran.
„Ino?“ fing Kai an. „Ja?“ fragte sie erwartungsvoll. „Shikamaru ruft dich.“ Und tatsächlich. Der arme Junge stand auf der anderen Seite des Feldes und schrie sich die Seele aus dem Leibe.
Schnell verabschiedete sich Ino und verschwand. Kai grinste, denn schon kam das nächste Mädchen auf ihn zu, es war Tenten. „Hallo, Tenten wie geht’s dir so?“ grüßte Kai freundlich. „Gut …“ meinte Tenten und wurde leicht rot.
„Ich muss mit dir reden, allein …“ meinte Tenten und Kai blieb stehen, fast wie abgesprochen gingen die anderen beiden einfach weiter.
„Was ist denn?“ fragte Kai verwundert. Tenten ging auf ihn zu. „Ähm, also … ich wollte dir sagen, dass …“ mit jedem Wort ging sie einen Schritt auf Kai zu, bis sie direkt vor seiner Nase stand.
„Ich mag dich echt gern …“ meinte sie und er schlang ihr einen Arm um die Hüfte. „Hey!“ rief eine Stimme und Kai ließ das Mädchen los.
Neji kam auf sie zu, neben ihm ging Lee. Tenten trat ein paar Schritte zurück, als ihre Kameraden an ihnen vorbeigingen, ging sie einfach mit. Neji ging an ihm vorbei. Er zischte ihm vier fast unverständliche Worte ins Ohr. Aber Kai kannte diese Worte schon zu Genüge. „Lass … sie … in … Ruhe …“ Kai musste lächeln.
Das hätte er von dem kalten Hyuuga nicht erwartet.
Hastig machte er sich daran Neyo und Aimi einzuholen. Sie standen schon vor dem Trainingsgelände. Ein Wald mit den höchsten Bäumen, die Kai je gesehen hatte, umzäunt von einem Stacheldrahtzaun.
Eine Frau saß auf dem Dach einer kleinen Hütte und kaute etwas. Sie sprang auf, als sie den Ansturm von Shinobi entdecke. „da seid ihr ja, ich warte schon eine halbe Stunde auf euch …“ murrt sie und die Shinobi blieben verwirrt stehen. Einige sahen verwirrt auf die Uhr.
„Wir haben noch 15 Minuten, Miss …“ rief ihr jemand entgegen.
„Oh, entschuldigt …“ sagte sie und sprang von dem Dach hinab. „Jetzt beginnt für euch die zweite Prüfung des Chunin Examens … Es ist ein Überlebenstraining, ihr werdet fünf volle Tage im ‚Wal des Schreckens’ verbringen.“ Da sie diese Worte so düster wie möglich hatte klingen lassen, musste Neyo lachen. „Ruhe!“ knurrte Aimi