Herzblut trinkt man nicht
Auge in Auge mit dem Tod
Kai war viel ausgelassener, als sonst und auch Neyo schien viel lockerer. Die verlassene Landstraße war ziemlich holprig und von Bäumen umsäumt. Manche Äste langten mit den knorrigen Ästen über die Straße, sodass man sich ducken musste. Die Sonne schien und Kai konnte sich kaum vorstellen, wie Neyo es bei der Hitze mit der schwarzen Kluft aushielt. Er sah über die Schulter, zu Neyo. „Ducken!“ rief der Hintere Kai zu. Der sich schnell duckte, bevor er in einen, dicken, Ast, der vor Blüten geradezu überlief, hineinlaufen konnte. „Danke …“ murmelte Kai und kurz bevor ein weiterer Unfall passieren konnte, blieb Kai stehen, denn vor ihm standen zwei Mädchen. Er sah die eine an, dann wanderte sein Blick zu der Anderen und er merkte kaum einen Unterschied. Bis auf, dass eine der jungen Mädchen eine Brille trug, eine rechteckige, die ihr das scharfe Aussehen einer Lehrerin verlieh. Schwarze, lange gewellte Haare umsäumten die feinen Gesichter der offensichtlichen Zwillinge. Die eine hielt ein Baby im Arm, nicht älter als 1 Jahr, wenn’s hochkäme.
Die Mädchen schätzte Kai auf knapp 13, oder 14. Die rechte hatte einen Verband um ihr Bein geschlungen, er fing am Knöchel an und verschwand kurz über den Knien unter ihrem schwarzen Kleid. „Neyo!“ rief die mit der Brille. „Mena? Alya? Was macht ihr hier?“ Die Unsicherheit in Neyos Tonfall war deutlich herauszuhören. „Vater hat einen Wutanfall erlitten.“ Sagte, diejenige mit dem Baby im Arm und hörte sich an, wie eine Maus. Und erst jetzt legte sich bei Kai ein Schalter um. Das waren Neyos Schwester. Er hatte die beiden nie zu Gesicht bekommen. Und, wenn er ganz ehrlich sein sollte, sahen sie ihrem Bruder gar nicht ähnlich, sie erinnerten Kai eher an Spanierinnen, mit den langen gewellten Haaren und der sanft gebräunten Haut. Dennoch war der Ausdruck ihrer Augen einer, den Kai ausschließlich von Neyo kannte.
„Er hat ein Schwert nach Alya geworfen.“ Sagte Mena und ihr Tonfall passte sich tatsächlich dem einer Lehrerin an. Neyo ging zu seiner Schwester, die jüngere der Zwillinge, drückte ihm das Baby in die Hände und hoch den Verband an ihrem Bein ca. 15 cm nach oben.
Vom Köchel an zierte eine lange, blutrote Wunde das schlanke Bein. Neyo hätte beinahe Das Kleinkind aus den Händen verloren, das er sowieso total falsch hielt. Mit von sich weggestreckten Armen hielt er das arme Kind unter den Armen. Die Füßchen baumelten schlaff nach Unten. „Neyo!! Das ist ein Baby, keine Bombe!!“ fauchte ihn eine der jüngeren Schwestern an.
Kai stand nur mit undefinierbarem Gesichtsausdruck daneben. „Nimm ihn so, wie du eine Katze halten würdest …“ versuchte Alya ihrem Bruder eine Anweisung zu erteilen. „Genauso, würde ich eine Katze halten …“ protestierte Neyo. Mena seufzte und nahm das jüngste Familienmitglied zu sich. „Trotzdem, was wollt ihr hier?“ Alya versteckte die Wunde wieder unter dem Verband. „Dich besuchen …“ sagte sie, so leise, dass Kai fast nichts hören konnte. Neyo nickte nur. „Okay … Hier!“ er reichte Mena den Schlüssen zu dem Zimmer, indem Kai und er schliefen. „Aimi wird morgen auch dorthin kommen …. Kai und ich müssen sowieso zu einer Mission …“ Alya lächelte freundlich in Kais Richtung, als hätte sie ihn erst jetzt bemerkt. Die Mädchen verabschiedeten sich und gingen in die Andere Richtung davon. Alya ein bisschen langsamer, als ihre Schwester, sie schien auch minimal zu humpeln. Kai wandte sich an seinen Kameraden. „Hey … was sollte das denn gerade?“ Neyo wandte sich ab und ging weiter. „Hey, ich rede mit dir!“ rief Kai und stürmte ihm hinterher. „Ich hör dir aber nicht zu!“ konterte Neyo und ging weiter, nach etwa einer halben Stunde Weg, gab Kai es auf, denn sie waren sowieso an ihrem Ziel angekommen.
Das Gebäude sah genauso aus, wie ihnen Beschrieben worden war. Das Büro des Hokage sollte nach Beschreibung im Zweiten Stock liegen. Die Tür nach draußen war nicht verschlossen und Kai und Neyo traten ein. Sie kamen im zweiten Stock, vor der dritten Tür links zum Stehen. Kai klopfte. Eine junge Frau mit dunklem Haar öffnete die Tür, gemächlich traten die Jungen ein. Eine Frau stand am Fenster und beobachtete, was draußen vor sich ging. Kai sah die Frau an, die ihnen die Tür geöffnet hatte. „Wann kommt der Hokage …?“ Sie lächelte und zeigte wortlos auf die Frau am Fenster. „Ach, soll ich sie fragen?“ Noch bevor Neyo protestieren, oder ihn zurückhalten konnte, tippte Kai der Blonden auf die Schulter. Sie drehte sich zu ihm um. „Wissen sie, wann der Hokage kommt? Wir haben eine Nachricht bekommen, wir sollen …“ Neyo hielt ihm von hinten den Mund zu. „Verzeihung, Hokage-sama“ entschuldigte er sich und zog Kai weg. „Spinnst du?!“ fuhr Neyo ihn leise an. „Idiot!“ warf er Kai noch an den Kopf, dann wandte er sich der Frau zu, als sie das Wort erhob.
„Also, ich bin Tsunade … und ich bin der Hokage.“ Überraschenderweise fand Kai ein Lächeln auf ihren Lippen. „Tut mir wirklich …“ fing er an, doch sie unterbrach ihn. „Schon gut, die Mission mit der ich euch beauftragen möchte, kann ich euch leider nicht allein ausführen lassen, deshalb …“ Sie grub in Bergen von Papier. „Ach hier … werdet ihr begleitet, sein Team ist ebenfalls momentan nicht verfügbar, einer seiner Kameraden wurde im Kampf schwer verletzt, und die dritte im Bunde musste dringend familiären Problemen nachgehen. Also … er wird vor dem Hyuuga Clan auf euch warten …“ Kai kam der Name schon jetzt bekannt vor, „Mhm …“ Neyo nickte und verschwand mit Kai im Schlepptau durch die Tür. „Jetzt weiß ich’s wieder … Das Mädchen, das in der Schriftlichen neben mir saß, hieß Hyuuga …“ Neyo sah ihn verwundert an. „Weißt du was?“ sagte er dann. „Nö, was?“ Neyo grinste. „Bin stolz auf dich, seit zwei Wochen bist du nicht mehr mit einem Mädchen ausgegangen …“ Kais Augen weiteten sich. „Stimmt … Danke, dass du mir das sagst, das muss ich nachholen …!!“ Neyo seufzte. Insgeheim wünschte er sich, er hätte das nicht gesagt. Sie waren auf dem Weg zum Hyuuga Clan. „Vielleicht ist sie das ja …“ überlegte Kai, doch Neyo schüttelte den Kopf. „Tsunade wird das Mädchen bestimmt nicht als „Ihn“ bezeichnen …“ Kai musste zustimmen, das hätte sie wirklich nicht getan. „Ich weiß, wer es ist!“ sagte Neyo plötzlich und zeigte auf einen vereinzelten Fels, der neben dem Eingang zum Hyuuga Clan positioniert war, auf dem saß ein Junge. Kai kam gleich das Kotzen. „Oh stimmt ja, Neji Hyuuga gibt’s ja auch noch …“ Neyo nickte. Als Neji vom Stein sprang, landete er direkt vor Kai und war auch nicht sonderlich begeistert.
„Wir sollen ein Team suchen, das von der letzten Mission nicht zurückgekehrt ist …“ sagte Neji und hängte einen demonstrativen Seufzer hinten ran. „Und wo sind sie hingeschickt worden?“ Neyo ließ sich von der mangelnden Sympathie der beiden nicht beeindrucken. „Richtung Suna und Oto … wahrscheinlich sind sie durch den Wald …“ theorierte Neji und Neyo ging sofort los, Kai folgte ihm und Neji bildete den Schluss. Die drei nahmen denselben Weg, den Kai und Neyo auch hergegangen waren. Um einem dünnen Ast nicht ausweichen zu müssen, drückte Neyo ihn zur Seite und wartet, bis Kai seine Hand daran legte, um ihn loszulassen und weiterzugehen. Nur war Kai nicht so freundlich und ließ den Ast zurückfauchen. Mit einem leisen Geräusch, das sich anhörte, als wäre eine Maus in einen See gesprungen, hinterließ der Ast eine rote Spur auf Nejis Wange. Einen Moment stand er regungslos da. Dann wanderte eine Hand an seine Wange. In einem Bruchteil einer Sekunde schienen aus Nejis Augen Funken zu sprühen. „Das hast du nicht umsonst getan, du zweitklassiger Weiberheld!“ Kurzerhand entschied Kai, es wäre wohl besser für seine Gesundheit, wegzurennen. Doch auch das half wenig. Das Kunai, das auf ihn zukam, war zu schnell, um ihm auszuweichen. Bevor es sich in den Baum hinter Kai bohrte, schlug es ein Loch durch den Stoff seines Hemdes und nagelte ihn am Baum fest.
Lässig, noch immer mit einem deutlichen Abzeichen auf der Backe, kam Neji auf ihn zu, ein weiteres Kunai in der Hand. „Das wagst du nicht noch einmal!“ zischelte er, während er das Kunai auf die Höhe von Kais Hals hob. Langsam kam die Waffe der Kais Haut immer näher. Neyo erschien hinter Neji und packte ihn am Schlafittchen. „Hey, lasst das Leute … das war keine Absicht …!“ Doch Neyo wusste es selbst besser, schenkte Kai einen abfälligen Blick, ließ Neji runter und befreite Kais Hemd von dem fesselnden Kunai. „Danke …“ Murmelte Kai. „Idiot!“ war die Antwort. Kai gab ein missbilligendes Räuspern von sich, folgte dann Neyo und Neji in den Wald. Eine Weile lang schwiegen alle drei.
Dann ergriff Kai das Wort, wie gewöhnlich auch. „Neji …?“ Dieser drehte sich nur halbwegs interessiert zu ihm um. „Hinata … ist sie deine Schwester?“ Neji schüttelte den Kopf. „Aber sie ist eine Cousine … wieso?“ Kai grinste und sah ihn frech an. „Sie ist süß, hat sie nen Freund?“ Neji kochte fast über vor Wut. „Du lässt sie in Ruhe, ist das klar?!?“ Kai grinste nur weiter. „Also, nein?“ Sein Gegenüber ging ihm schon wieder fast an die Gurgel. Und Kai hatte nichts besseres zu tun, als einfach so, schelmisch zu grinsen.
„Ich weiß nicht, aber sie wäre doch eine nette Abwechslung, von all den Tussis, oder nicht?“ Neji war schon wieder am Rande des Wahnsinn und Kai am Rande vom Tod. „Halt die Klappe, oder ich bring dich um!“ zischte der Hyuuga. Kai grinste nur. „Lass Hinata in Ruhe!“ Kai grinste weiter. „Vielleicht … vielleicht auch nicht, wer weiß … Wusstest du, dass Tenten voll auf mich steht … bzw. stand … hm? Wusstest du?“ Nejis Inneres kochte förmlich und Neyo machte sich schon Gedanken darüber, wie