Fanfic: At the border of Life
Kapitel: Teil 1
Teil 1
Müde und völlig ausgelaugt stieg die Frau aus dem Auto ihres letzten Kunden aus.
In ihrem BH ruhten 300 Eure, bares, wertvolles Geld.
Es war 6 Uhr früh und in einer Stunde müsste sie wieder aufstehen.
Mit erschöpften und schleifenden Schritten ging sie zu ihrem Wohnhaus, einem alten, verkommenem Ding in einem der schlechtesten Viertel der Stadt.
Sie ging die Treppen hinauf, in den Dritten Stock und schloss schließlich ihre Wohnungstür auf.
Dunkelheit empfing sie auch sogleich, Ruhe herrschte in der Wohnung.
Ihre Schuhe blieben an der Tür stehen und leise schlich sie sich ins Badezimmer.
Sie fühlte sich schlecht, dreckig und verschmutzt.
Sie hatte ihren Körper verkauft. Für Geld.
War eine Nutte, eine Hure.
Eine gewöhnliche Hure.
Nie hatte sie geglaubt, dass sie so enden würde.
Doch es war wohl ihr Schicksal gewesen.
Nachdem sie sich ihre Klamotten abgestreift hatte stellte sie sich unter die Dusche.
Ein warmer, sanfter Wasserstrahl berührte sie und wusch wenigstens etwas von dem Schmutz, der an ihr klebte fort.
Aber an ihrer Seele blieb alles hängen.
Der Schmutz, der Scham. Die Schuld.
Doch…konnte man es einer liebenden Mutter böse nehmen, wenn sie um ihr Kind zu ernähren, verkaufte?
Wenn sie dafür alles tat?
Es war der letzte Ausweg gewesen. Nirgends hatte sie sonst einen Job bekommen.
In diesem Teil des Landes war der Arbeitsmarkt ohnehin schon schlecht, eine Mutter wollte da noch weniger einer.
Die wenigen Arbeitsplätze die es gab, wurden am ehesten kräftigen, jungen Männern vergeben, die lange arbeiten konnten.
Seit sie alter Arbeitgeber gekündigt hatte, stand sie vor dem Nichts und auf der Straße.
Genügend Geld um eine Gegend zu ziehen, in der es mit der Arbeit besser aussah, hatte sie nicht.
Sie hatte auch bei ihrem alten Job immer nur das Nötigste verdient. Mehr als für eine durchschnittliche Wohnung, die anfallenden monatlichen Kosten, Lebensmittel und dem nötigsten an Kleidung hatte es nie gereicht.
Es war immer nur das Nötigste eingekauft worden. Nie mehr.
Doch früher war sie so über die Runden gekommen, doch Toshio war nicht geplant gewesen. Er ist einfach gekommen, doch sie bereute es nicht, dass sie ihn bekommen hatte.
Sie hatte ja auch nicht ahnen können, dass ihr Chef sie kündigte. Nur wegen dem Kind.
Irgendwie hätte sie sich eine Tagesmutter oder eine Aufsichtsperson für den kleinen schon leisten können, zur Not hätte sie selbst aufs Essen verzichtet, solange es ihrem Sohn gut ging.
Doch ihr Chef hatte es nicht gewollt.
‚Sie können nicht arbeiten und ein zudem noch uneheliches Kind versorgen! Sie sind ja dann öfters krank und machen Urlaub, als der Rest meiner Mitarbeiter zusammen!’, das hatte er ihr an den Kopf geworfen, die Kündigung gleich hinterher.
Mit müden und sehnsüchtigen Augen sah die junge Frau nach draußen, durchs Fenster.
Die Sonne strahlte ihr hell entgegen, doch wurde sie bald von Regenwolken verdeckt sein.
Grau und trübe würde dann der Himmel sein. So wie ihr Leben.
Sie seufzte.
Sie musste wenigstens ein bisschen schlafen.
Sie wollte nicht das Toshio aufwachte. Er brauchte seinen Schlaf, brauchte die Geborgenheit und den Schein, das alles in Ordnung sei. Er war noch so klein.
Mit leisen Schritten ging sie zu ihrem Zimmer, machte vorsichtig die Tür auf.
Es war mucksmäuschenstill, nur der gleichmäßige Atem ihres Sohnes war zu hören.
Friedlich schlummernd lag er in seinem Bettchen, das direkt neben ihrem Bett stand.
Der Raum war nicht groß.
Eher eine Kammer.
Doch es reichte für sie beide, es reichte wirklich. Erstmal, bis Toshio groß war.
Mit einem liebevollen Lächeln beugte sie sich über ihren Sohn, strich ihm ganz sanft und vorsichtig über seine Wange.
Die dunklen, kurzen Haare fielen ihm ins Gesicht.
Sie wünschte sich, dass ihr Leben so friedlich wäre wie Toshio dort schlief. Ohne Sorgen, frei in einem Traumland.
Sie beugte sich noch etwas tiefer und hauchte dem Kleinen einen Kuss auf die Stirn.
Er grummelte ganz leise etwas, doch war dann wieder still.
In Tenten Augen glühte es förmlich vor Wärme und Liebe.
Ihr Sohn war alles für sie.
Ihr Leben.
Noch einmal strich sie ihm ganz leicht über den Kopf, ehe sie sich von ihm abwandte und sich ins Bett legte.
Umziehen tat sie sich nicht, das müsste sie eh wieder in knapp einer Stunde.
Es lohnte sich nicht, sich nun noch umzuziehen.
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Sie tauchte ihre Hände abermals in das Spülbecken.
Der Schaum klebte an ihren Armen und an dem Geschirr, das im Wasser lag und nur darauf wartete, endlich wieder sauber zu sein.
Die Haare der jungen Frau waren zurück gebunden und sie beeilte sich mit dem Geschirrspülen.
Toshio musste bald in Kindergarten gebracht werden, davor noch fertig gemacht.
Ein weiterer Teller fand seinen Platz auf dem Handtuch neben dem Becken.
Toshio saß am Tisch hinter ihr und aß sein morgendliches Müsli.
Tenten wunderte sich immer wieder darüber, wie eigenständig der erst 4-Jährige doch schon war.
Andere Kinder musste man erst lange beibringen, wie man mit Besteck isst, Toshio hatte es aber von Anfang an alleine gekonnt.
Es war eine große Hilfe für die junge Mutter.
So musste sie nicht immer neben dem Kleinen sitzen, während er aß und währenddessen andere Dinge erledigten.
Heute würde sie wieder gleich nachdem er im Kindergarten war aufs Arbeitsamt.
Sie hasste den fast täglichen gang dorthin, denn es brachte nichts.
Niemand wollte eben eine Mutter mit einem so kleinen Kind. Nicht hier in dieser Gegend.
Sie seufzte, als sie das letzte Messer auf das Handtuch zu dem anderen Geschirr legte und ihre Hände abspülte, das Wasser ablaufen ließ.
Sie trocknete sich noch die Hände ab, ehe sie sich zu ihrem Sohn umdrehte.
„Fertig mit Essen?“, fragte sie mit einem lieben Lächeln.
Toshio blickte zu seiner Mutter auf und strahlte ihr entgegen.
„Ja, Mama!“
Tenten lachte leicht, und nahm unverhofft ihren Sohn in den Arm.
„Schön, Toshio-chan…“
Die junge Mutter drückte ihren verwirrten Sohn an sich.
Sie musste sich stark beherrschen, um nicht anfangen zu weinen.
Wie froh sie doch war, dass es ihrem Sohn wenigstens gut ging.
Sie drückte ihn so fest, als hätte sie Angst, dass sie ihn verlieren würde, wenn sie ihn wieder losließ.
Ein leises Schluchzen war von der Braunhaarigen zu hören.
„Mama, ist was? Mama, bist du etwa traurig? Hab ich dich traurig gemacht?“
Leicht panisch überlegte der kleine Junge, was er hat falsch gemacht haben können, wieso seine Mutter traurig war.
„Es ist nichts meiner Kleiner. Es ist nichts. Du hast sicher nichts Falsches gemacht.“
Sie hatte sich wieder von ihm gelöst und strich ihm über die Wange.
„Los, geh dich anziehen, es geht dann in den Kindergarten.“
Sie stupste ihren Sohn leicht an.
„Okay!“, rief er noch, ehe er freudig in den Flur rannte, um sich wie ihm gesagt wurde, Schuhe und Jacke anzuziehen.
Tenten hatte sich hingekniet, um ihn zu umarmen und stelle sich nun wieder aufrecht hin, wischte sich die inzwischen gekommenen Tränen vom Gesicht.
Sie drehte sich wieder zur Küchenzeile und nahm die Brotdose von der Ablage.
Das Brötchen und der Apfel darin schepperten etwas, als sie die Dose in die Tasche von Toshio packte.
Im Flur gab sie ihrem Sohn die Tasche und zog sich auch an.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in den Kindergarten.
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Der Mann zog an seiner Zigarette.
Sein Blick schweifte zu dem großen, imposanten und gläsernen Gebäude, neben ihm.
Er legte die Stirn in Falten. Wie konnte ein so hohes Gebäude bloß standhaft auf dem Erdboden stehen bleiben?
Mit all dem Ballast in ihm?
Es war dem Mann ein Rätsel, doch es war nicht seine Sorge.
Seine Sorgen gingen eher das an, was in diesem Gebäude geschah.
Er hoffte inständig, dass die Fusion der beiden Unternehmen klappen würde.
Lange hatte er abgewägt, was für Vor- und Nachteile eine solche Fusion hatte, doch er war auf mehr Vorteile gekommen.
Wenn es ein Irrtum sein würde, wäre er an vielen Arbeitplatzverlusten und dem Minus des Konzerns Schuld.
Er war der Vorsitzende. In seiner Hand lag das Schicksal vieler Personen.
Mit einer Handbewegung nahm er sich die Kippe aus dem Mund, warf sie zu Boden und drückte sie mit seinem blanken Schuh aus.
Wenn ihn seine Cousine sehen würde.
Sie würde wohl mit ihrer seit Jahren bestehenden Theorie anfangen, wieso er noch rauchte.
“Die meisten Menschen rauchen, um Stress abzubauen, um Probleme zu vergessen oder einfach nur zu entspannen. Aber einige rauchen auch, weil sie einen Schmerz betäuben wollen.
Du hast nicht viel Stress in der Arbeit, du machst deinen Job seit fünf Jahren tadellos. Nie gab es Probleme. Und komm mir jetzt nicht mir der Geschichte, es liege an der baldigen Fusion. Papperlapapp, die ist abgesichert. Es liegt an damals. Auch wenn es mittlerweile über zehn Jahre her ist, du kommst nicht über die Sache hinweg. Über die Geschehnisse der Jahre damals. Auch wenn du es versuchst zu leugnen, ich habe Recht. Deswegen konntest du nie wieder mit einer Frau richtig zusammen sein. Gib es zu Neji, du kannst sie nicht vergessen.“
Er hasste es, wenn sie dies sagte.
Sie war Psychologin, wusste genau, was sie von sich gab.
Aber sie war im Unrecht. Er hatte mit dem von damals abgeschlossen.
Es war ein Kapitel in seinem Leben, Vergangenheit.
Mehr nicht.
Mit einem leichten Grummeln machte er sich wieder auf den Weg in das Gebäude.
Die Sitzung musste schließlich auch mal weiter gehen.
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Toshio lag auf dem Teppichboden des kleinen Wohnzimmers und malte ein Bild mit Wachsmalstiften voll.
Er summte leise vor sich hin und hatte ein seliges Lächeln auf den Lippen.
Seine Augen glänzten bei seiner Lieblingsbeschäftigung und sein Bein wippte