Fanfic: Kingdom Hearts Love Story
Kapitel: Papufruit
Ich hatte Sora gesucht und gefunden. Hier standen wir uns nun gegenüber. Wahrscheinlich war es meine einzige Chance, das Ganze ohne Probleme zu klären, aber ich hatte nicht viel Zeit, meine Worte mit Bedacht zu wählen. Ich müsste also improvisieren und hoffen, dass es richtig war, was ich tat.
„Sora....“, begann ich, kam aber nicht weiter. In meinem Hals steckte ein riesiger Kloß, den ich nicht so einfach runterschlucken konnte.
„Was gibt’s?“, fragte er.
„Ich... Ich muss dir was erklären!“, kam es von mir.
„Was erklären?“
„Einfach alles! Ich weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll....“ Das stimmte. Außerdem traute ich mich nicht so recht. Ich hatte unheimliche Angst, was falsches zu sagen oder mich zu blamieren. Sora sah mich in der Erwartung an, dass ich weitersprach. Ich senkte meinen Kopf leicht. Was sollte ich sagen?
„Also, wegen Riku...“, fuhr ich fort.
„Was ist mit ihm?“, platze es aus Sora raus, mit einen leicht trotzigem Unterton.
„Du hattest gesagt, ich solle mir eine Papu mit ihm teilen...“
„Und?“, meinte Sora. Eindeutig eine Spur zu scharf. Ich zuckte leicht zusammen und merkte, dass ich genau das erreichte, was ich auf keinen Fall erreichen wollte. Das musste ich schnell ändern.
„Ich will mir aber keine Papu mit ihm teilen“, hörte ich mich sagen und sah dabei in seine Augen, um ihm zu zeigen, dass es nichts als die Wahrheit war. Sora sah mich mit großen Augen an.
„Aber.... aber ich dachte.... dass du.... und er...“, stotterte Sora vor sich hin.
Ich schüttelte hastig meinen Kopf: „Ich weiß zwar nicht was Riku denkt, aber ich liebe ihn nicht.... ich... würde diese Papu gerne..... mit einer anderen Person teilen...“ Ich konnte es nicht fassen. Der letzte Teil kam einfach so, ohne dass ich darüber nachgedacht hatte. Außerdem bereute ich es sofort.
„Oh“, Sora wirkte bedrückt und sah zur Seite. Oh nein! Er dachte bestimmt, dass ich zwar nicht in Riku, aber auch nicht in ihn verliebt war! Sora war die Person, mit der ich unbedingt eine Papu teilen wollte! Was sollte ich machen? Was, wenn er doch nicht in mich verliebt war und ich alles falsch interpretierte? Würde ich unsere Freundschaft dann kaputt machen? Ich balancierte gerade auf einem sehr wackligem Seil. Und dabei hieß es: Alles oder nichts!
„Sora, kannst du mir versprechen, dass wir Freunde bleiben, egal was ich sage?“, ohne es zu bemerken sah ich ihn dabei halb verzweifelt, halb bittend an. Sora schien zu überlegen. Dachte er etwa, dass er das Versprechen nicht einhalten konnte?
Als er nickte, fiel mir ein Stein vom Herzen. „Okay, ich verspreche es.“
Ich lächelte. Dann sah ich verlegen zu Boden. Ich konnte unmöglich sagen, was ich für ihn empfand. Dazu hatte ich nicht genug Mut. Das hätte ich mir aber früher überlegen müssen, inzwischen bin ich zu weit gegangen. Ich schluckte hörbar.
„Also.... ich...“, es fühlte sich mehr nach einem Krächzen als nach Sprechen an. So wurde das nichts. Ich steckte eine Hand in meine Tasche und holte die Papufrucht raus, die Sora mir gegeben hatte. Dann drückte ich sie in seine Hand, ohne ihn dabei ansehen zu können. Sora wirkte überrascht und verwirrt zugleich.
„Kairi...“
„Ich... i-ich würde diese Papu gerne mit dir teilen, Sora...“, flüsterte ich.
„Mit.... mir...?“ Er klang ungläubig. Ich nickte leicht. Dann herrschte Stille. Sora brach die Papu in zwei Stücke und gab mir eine Hälfte. Wir sahen uns lächelnd an. Und aßen dabei unsere Papus. Ich fühlte mich wie der glücklichte Mensch der Welt. Nun waren unsere Schicksale verbunden.
Seit dem wir die Papu miteinander geteilt hatten, herrschte ein verlegenes, aber nicht unangenehmes Schweigen. Sora und ich saßen zusammen im Sand. Er hielt meine Hand und mir war dabei ganz kribbelig im Bauch. Meine Augen waren geschlossen, wodurch ich mir seiner Anwesenheit mehr als nur bewusst war. Als ich spürte, wie etwas über meine Wangen strich, öffnete ich meine Augen wieder und eine angenehme Wärme breitete sich in mir aus. Ich sah in Soras himmelblaue Augen und versank in ihnen wie in einem Meer. Die Intensität seines Blickes trieb einen leichten Rotschimmer auf meine Wangen. Dann kam er meinem Gesicht langsam näher...
„Sora, Kairi! Tut mir Leid wenn wir euch bei etwas stören, aber wie wärs, wenn wir mit dem Boot zurückfahren?“, rief Tidus plötzlich. Sora und ich fuhren auseinander und waren roter, als irgendeine Tomate es jemals sein würde. Dann standen wir so gut wie gleichzeitig auf.
„L-lasst und zurückfahren!“, meinte ich. „Klar, wir fahren natürlich sofort zurück!“, hörte ich Sora sagen. Er nahm meine Hand in seine und sah mich lächelnd an. Ich lächelte zurück. Hand in Hand gingen wir zum Boot, setzten uns, und bemerkten dabei Tidus’ und Wakkas fragende Blicke, was uns erröten ließ. Wir sprachen zwar nicht, aber die Blicke, die Sora und ich uns ständig zuwarfen, waren wohl mehr als genug Antwort.