Irgendwann
Ein Teddybär
Ein Teddybär
Ein Junge saß auf einem Dach und beobachtete ein Mädchen und einen Jungen unter ihm. Die beiden waren in einen heftigen Streit verwickelt.
Worüber streiten die eigentlich schon wieder? Haben sie nichts Besseres zu tun?
Er verstand es einfach nicht. Wie konnte man sich nur ständig in den Haaren liegen?
Hat Temari etwa wieder Kankuros Schminke versteckt? Oder hat er ihren Fächer angemalt? Oder streiten sie nur darum, wer heute Abend kochen muss?
Na ja, eigentlich konnte es ihm egal sein…
Aber sein größter Wunsch war ja jetzt, Menschen zu finden, die er liebte und die ihn zumindest akzeptierten. Und das bedeutete, er musste seinen Geschwistern vertrauen und sich vor allem um sie kümmern. Und genau deshalb musste er jetzt…
Der Junge sprang vom Dach und ging auf seine Geschwister zu. Die beiden bemerkten ihn nicht.
„Hey, was ist denn los?“
Temari und Kankuro zuckten synchron zusammen und wirbelten herum.
„Ach…h…hallo Gaara! Was m… machst du denn hier?“
„Ich wollte nur mal wissen, warum ihr euch schon wieder streitet…“
Die Reaktion seiner Geschwister verblüffte ihn überhaupt nicht. Die beiden sahen sich an und wirkten plötzlich nervös.
„Ähm…ja…also…Gaara…äh…“, versuchte Temari eine Antwort.
Gaara kannte dieses Gestammel nur zu gut. So was kam doch fast immer auf seine Fragen. Und das, obwohl er in letzter Zeit viel netter zu seinen Geschwistern gewesen war…
Er konnte die Traurigkeit nicht völlig aus seiner Stimme heraushalten, als er meinte: „Schon gut. Ich hab nichts gefragt.“
Er sah Temari und Kankuro nicht an und sprang über die Dächer davon.
Und er hatte gedacht, die Beziehung zu seinen Geschwistern hätte sich gebessert…
Kankuros „Sag mal, Temari, meinst du, er hat was mitgekriegt?“ hörte er schon nicht mehr.
Am nächsten Morgen ging er erst spät nach Hause zum Frühstück. Sein Blick fiel auf den Kalender.
Es war der 19. Januar.
Er ignorierte seine Traurigkeit, na ja, er versuchte es zumindest…
Er schalt sich selbst. Hatte er wirklich gehofft, dass ihn zuhause eine Geburtstagsfeier erwartete? Er war immer noch so dumm… wann würde er es endlich lernen?
Gaara betrat die Küche, nahm sich einen Becher Joghurt aus dem Kühlschrank und setzte sich an den leeren Küchentisch.
Temari und Kankuro hatten nicht mal auf ihn gewartet, um ihm zu gratulieren…
Er spürte einen Stich in sein Herz. Wie so oft in letzter Zeit, seit er sich anderen wieder geöffnet hatte.
Er begann zu essen.
Plötzlich hörte er vom Flur: „Schnell Temari! Er kommt bestimmt gleich!“
Kankuro riss die Küchentür auf, sah Gaara und erbleichte.
„Oh…äh…hallo…“
Wumm, war die Tür wieder zu. Gaara sah verblüfft auf die Tür. Was war das denn gewesen?
Schritte kamen auf die Tür zu, dann Gemurmel. Schließlich entfernten sich die Schritte wieder und es war Ruhe.
Gaara räumte den leeren Becher und den Löffel auf und verließ die Küche Richtung Wohnzimmer. Vielleicht fand er ja ein schönes Buch…
Er öffnete die Tür zum Wohnzimmer.
Dreistimmig tönte ihm entgegen:
„ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG!!“
Gaara klappte der Mund auf.
Temari, Kankuro und Baki unter einer Girlande. Temari hielt ein Päckchen in der Hand.
Er war sprachlos. Seine Geschwister und sogar sein Sensei hatten ihm tatsächlich zum Geburtstag gratuliert! Und das war kein Traum!
„D…d…danke…“
Temari streckte ihm das Päckchen hin.
„Hier, mach schon auf!“
Gaara nahm mit zitternden Händen das Geschenk und zog vorsichtig das Geschenkpapier ab. Zum Vorschein kam ein Teddybär.
Ein Teddybär? Verblüfft sah er auf.
Kankuro grinste. „Dein Alter ist ja ziemlich lädiert… wir hoffen, der neue Teddy überlebt deine Behandlung länger…“
Gaara unterdrückte gerade noch seine Tränen. Er ging zu Kankuro und umarmte ihn vorsichtig. Sein Bruder erstarrte.
Aber dann merkte Gaara, wie Kankuro seine Arme ebenso vorsichtig um ihn legte.
„Ich danke euch.“, murmelte Gaara gerührt.