[ Friendship Never Dies ]

For The Best Six Friends Ever

Eins

5.00 Morgens.
Carinas Wecker klingelte. Der Vibrationsalarm führte dazu, das das alte Handy, das von der 16 jährigen liebevoll ‚Telefonzelle‘ genannt wurde, vom Nachttisch viel. Carina zuckte unter der Decke merklich zusammen. Warum musste dieser dumme Wecker gerade jetzt klingeln?! Sie hatte doch gerade so schön geträumt!
Träume waren ihr doch im Moment so schrecklich wichtig!
Seid sie an dieser Schule war, war ihr Leben völlig anders geworden. Sie hatte vor 2 Jahren die Abschlussprüfung bestanden und ging nun hier zur Schule. Mit ein paar von ihren Freunden. Seid gestern.
In dem Moment, wo Carina so auf dem Rücken lag und über die alten Zeiten nachdachte, klopfte es kurz an der Tür. Tina kam herein gestürzt. Carina setzte sich genervt auf.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“ knurrte sie.
Tina keuchte kurz. Sie war im Nebenhaus und sicher soeben herüber gerannt.

An der Schule gab es bis jetzt immer vier Häuser. Aber jetzt wahren es fünf geworden. Carina erinnerte das ein bisschen an Harry Potter. Kaum Jemand wusste, warum es jetzt fünf Häuser, anstatt vier waren. Der Schulleiter verriet solche Sachen immer erst, wenn die Schüler ihre Aufnahmeprüfungen bestanden und in ihre Häuser eingeteilt waren. Carina und die Clique lernten schon ziemlich hart für diese Prüfung und natürlich dafür, in ein gutes Haus zu kommen.
„Jetzt rück endlich raus mit der Sprache, Tina!“ maulte Carina.
Während sie aufstand und ins Badezimmer ging, was neben ihrem Schlafzimmer war, laberte Tina schnell los. Carina verstand nicht alles. Nur etwas von Daisy und Raven, das sie ihnen etwas erzählen mussten, Dennis und Hannes, die ein Motoradrennen gegen einen sehr seriösen Typen fahren wollen. Carina schreckte in sich zusammen. Ihre Augen wurden ganz groß. Sie ließ ihr Top auf den Boden fallen und wandte sich zu Tina um, die auch gestockt hatte. Ein Rennen? Dennis und HANNES!? Carina ballte ihre Hände zu Fäusten.
„Ach wirklich…“ sagte sie eisig. „Sollen sie machen.“
So schnell wie ihre Besorgnis gekommen war, so schnell war sie auch wieder verschwunden. Die Kälte in ihren Augen hatte Tina sehr wohl gesehen. Diese Kälte brachte sie immer dann richtig zum Ausdruck, wenn Hannes und Dennis, letzterer eher weniger, wieder eine Dummheit planten. Tina hörte oft von Carina den Spruch: ‚Natürlich, sollen sie doch machen. Es interessiert mich einen Scheiß. Sie sind erwachsen, sie können machen was sie wollen. Ich werde mich da nicht mehr einmischen, erst recht nicht, wenn es nichts bringt! ‘ Oh ja. Tina wusste, dass sie es nicht so meinte und dass sie sich mehr Sorgen machte, als es je jemand fertig bringen konnte. Hannes war schließlich wie ein Bruder für sie, auch wenn der Kontakt immer mehr abriss. Ihn schien das nicht zu kümmern, aber Carina hatte immer noch eine Art Muttergefühl für ihn. Tief in ihrem Inneren liebte sie ihn auch noch. Natürlich würde Carinas Fassade es niemals zulassen, das etwas davon noch einmal nach außen drang. Das hatte sie sich vor langer Zeit versprochen. Tina hoffte, dass diese Fassade irgendwann abblättern würde. Sie hoffte so sehr, das Carina endlich glücklich werden konnte. Nach so vielen Jahren. Sie sagte oft, dass es alles Verschwendung sei. Das es unsinnig sei, sich noch weiter um Hannes und seine Dummheiten zu kümmern. Trotz alledem versuchte sie kaum merklich immer noch, ihn zu schützen so gut es ging. Sie liebe ihn wie einen Bruder, sagte sie immer zu Tina. Aber diese wusste, dass es verdammt nochmal nicht so war. Sie machte sich schon Jahrelang dafür kaputt. Carina zuckte mit den Schultern, wenn es hieß: ‚Wie lange noch und vor allem warum?! ‘ Sie antwortete dann immer: ‚Besser ich, als er…‘ Erst hatte Tina es nicht verstanden, aber jetzt tat sie es: ‚Lieber soll ich leiden, anstatt er… ‘
„Setzt dich an mein Notebook“, meinte Carina cool. „Ich dusche noch schnell, bevor wir Raven und Daisy einen Besuch abstatten.“
Tina nickte. Aber Carina bekam das schon nicht mehr mit, weil sie sich wieder abgewandte hatte. Sie sprang unter die Dusche und stellte das Wasser an. Warm floss es über ihre Haut. Sie schloss die Augen und genoss diese Wärme. Sie war schon lange nicht mehr verwundert, dass es in ihr drin trotz all der Wärme von außen nicht warm war. Ihr war immer kalt, auch wenn es draußen die Sonne schien. Es konnte sie nicht mehr schocken. Die Gewohnheit hatte überhand gewonnen.
Als Carina mit allem fertig war und auf die Uhr sah, war eine halbe Stunde vergangen. Sie seufzte tief und trat mit hoch erhobenem Kopf aus dem Badezimmer. Tina forstete für ein Referat im Internet.
„So. Können wir?“ fragte Carina ruhig und hob ihre Tasche auf. Sie zog sich den langen Mantel an und wartete auf Tina, die das Notebook zu klappte und aufstand. Sie nahm ihren Ausdruck und lächelte Carina zu. Die nickte kurz und ging dann raus. Tina hinter ihr her. Sie schlossen die Tür ab und gingen dann den langen Flur entlang nach unten.
Im Treppenhaus war noch nicht viel Betrieb, nur ein paar Schüler die Hausaufgaben abschrieben. Für Tina und Carina noch ziemlich seltsam. Auf einem Internat, das Harry Potter ähnlich war, so wie so. Unten machte Carina vor dem Kaffeeautomaten halt und warf Geld ein. Dann machten sich die Mädchen mit einem Becher Kaffee auf nach draußen auf den Hof.

Auch dort war noch nicht all zu viel los. Die goldgelben Blätter vielen einzeln vom großen Kastanienbaum, der in der Mitte des großen Hofes stand. Carina mochte den Pausenhof. Sie spielte hier in der Pause meist Basketball, um sich von allem ab zu reagieren. Der jungen Frau vielen ein paar Kerle auf, die in einer Ecke standen und sie aus leeren, kalten Augen musterten. Carina sah genau so kalt zurück. Tina bemerkte sie auch, sagte aber nichts und senkte nur den Blick. Komische Typen.
Daisy und Raven warteten auf der Bank, die vor dem großen Baum stand. Carina und Tina setzten sich zu ihnen und begrüßen sie kurz.
Tina hatte gute Laune.
„So was ist jetzt so wichtiges, das ich mein Frühstück ausfallen lassen muss?“ fragte sie grinsend.
Daisy seufzte und wies auf die Typen:
„Die da.“
Carinas Blick folgte Daisys Kopfbewegung zu den komischen Typen.
„Die sind uns aufgefallen, ja.“
„Der mit den Hellblonden, längeren Haaren, das ist Kenji. Er nennt sich so. Keine Ahnung, wie er wirklich heißt. Er ist der, der gegen Hannes und Dennis fahren will.“
Carinas Augen verdunkelten sich.
„Ach wirklich… Dann hat er garantiert etwas vor…“
„Ja, deshalb haben wir euch hergerufen“, meinte Raven. „Die Rennen sind verboten. Und vor allem nachts. Den Rest erzählen wir euch drin, beim Essen. Hier draußen ist es zu gefährlich…“
Tina und Carina nickten. Die vier machten sich auf den Weg nach drinnen. Die Typen sahen ihnen nach und Tina lief es kalt den Rücken herunter, bei ihrem Anblick.

Wie es der Zufall so wollte, verdarben sich Daisy und Raven an einer schlechten Packung Milch den Magen. Sie konnten Tina und Carina nicht mehr erzählen, was nun mit diesem Typen war und was genau er vor hatte. Die beiden mussten mindestens zwei Tage das Bett hüten.
Der Vormittag verging wie im Fluge. Deutsch, Mathe, Englisch, Sport, Geschichte, Informatik und Theater AG. Carina machte sich trotzdem Sorgen. Sie konnte sich gar nicht richtig auf den Unterricht konzentrieren und wurde von verschiedenen Lehrern mehrmals ermahnt.
Abends dann, suchten sie und Tina sich Outfits heraus und beurteilten sich gegenseitig. Es war Anfang September, aber trotzdem noch ziemlich warm. Sie konnten in Sweetjacke gehen und brauchten sich nichts allzu warmes an zu ziehen. Tina brauchte nicht so lange wie Carina. Sie waren beide noch immer am nachdenken, was nun mit diesem Typen war. Sie mussten verhindern, dass den Jungs etwas geschah!
Später, so gegen 23 Uhr, verließen sie die Schule und machten sich auf den Weg. Sie musste ein kurzes Stück durch den Wald. Die Rennstrecke war 1000 Meter lang und es gab nur eine Kurve. Eine sehr scharfe Kurve. Carina machte sich schon allein deswegen Sorgen.

Sie brauchten vielleicht 10 Minuten bis dorthin.
Ein Kerl, der auch bei der Gruppe um Kenji am Morgen auf dem Schulhof gestanden hatte, schwenkte die rote Fahne. Drei Motorräder wurden von ihren Fahrern auf die Rennstrecke gebracht. Die Fackeln, die als Licht dienten, wurden angezündet und im nächsten Moment war alles hell erleuchtet. Tina und Carina standen ganz vorne und bangten um die Jungs. Mehr Carina als Tina. Trotzdem genossen sie diese kühle, aber doch laue Nacht, den Sternenhimmel und den Halbmond. Keine Wolke war am Himmel zusehen. Viele Leute waren da, um dieses Rennen zu sehen. Carina sah sich um.
Ganz plötzlich berührten Kenjis und ihre Blicke sich. Seine Augen waren stahlblau, doch im anderen Moment färbten sie sich rot. Carina bekam angst, als sie in dieses tiefe Loch gezogen wurde. Ihr wurde für den Bruchteil einer Sekunde schwarz vor Augen. Bilder zogen an ihr vorbei, die gar nicht hätten sein dürfen.
Hannes, Dennis und Kenji, die das Rennen fuhren.
Kenji, der die zwei hinter sich ließ.
Hannes, der aufholte und neben dem Blonden kämpfte.
Dann rammte der komische Typ Hannes ganz plötzlich.
Ein Schrei, ein Sturz.
Carina schreckte aus diesem Alptraum. Sie dachte nicht lange nach, wandte sich um und starrte für eine Sekunde die drei Fahrer an. Sie vernahm das böse Lachen des seltsamen Kerls. Diese tiefe, kalte Stimme. Sie machte ihr angst, doch trotzdem würde es sie nicht aufhalten.
3
Carina schwang sich mit einem Satz über die Absperrung und rannte auf die drei zu.
2
Sie keuchte, rutsche aus und vertrat sich den Fuß. Mit einem spitzen Schrei sank sie am Rand zusammen.
1
Carina sah auf. Die Fahrer heizten ihre Motoren an.
Der Startschuss viel. Die Motoren heulten auf und die Maschinen beschleunigten rasend schnell. Carina riss sich