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Weltweit
Es schneite, als Sasuke auf dem Weg zum nächsten Postamt war. Schnee peitschte ihm ins Gesicht, dicke, große Flocken landeten in seinen Haaren, seiner Kleidung und liefen als eiskaltes Wasser über sein Antlitz. Die schwarzen Haare, zerzaust, fielen ihm widerspenstig in die Augen, versperrten seine Sicht noch mehr und ein ärgerliches Knurren entwich seinen Lippen.
Wenn er jetzt zögerte, würde er sein Vorhaben niemals in die Tat umsetzen.
Er würde umkehren, den Brief in tausend Fetzen zerreißen und schließlich noch im Papierkorb verbrennen.
Zu absurd war der Inhalt. Zu vertraulich. Zu persönlich.
Einfach zu viel.
Ach ja, warum machte er es dann?
Tja genau, es war ein Experiment für die Schule.
Die Abschlussklassenlehrerin war etwas, nein, sehr schräg und verlangte eine ausführliche schriftliche Beschreibung über die Entwicklung alter Kommunikationswege in der Neuzeit.
Übersetzt hieß das soviel:
Wer würde in der heutigen Zeit, in der digitale Medien, SMS und E-mail vorherrschten, noch dazu in der Lage sein Briefe zu schreiben, wenn das Deutschverständnis der meisten Jugendlichen zu wünschen übrig ließ?
Oh, fast hätte er es vergessen:
Die Art der Briefe, die sie alle schreiben mussten waren, wie könnte es anders sein, Liebesbriefe.
Gott, wer schrieb denn heute schon noch sowas?
Reichte nicht wirklich ein HDL oder sonst irgendein bescheuertes Zeichen um seine Zuneigung zum Ausdruck zu bringen?
Warum zum Teufel Zeit, Papier und Geduld verschwenden, wenn man es ganz einfach und schnell haben konnte?
Ganz davon zu schweigen, dass ein Sasuke Uchiha noch nie so etwas wie Liebesbekundungen brauchte um gut bei den Mädchen anzukommen.
Schwachsinn.
Aber dennoch, oder vielleicht deswegen, reizte ihn die Aufgabe doch auf eine gewisse Art und Weise.
Natürlich nur unauffällig hatte er nähere Informationen über das an sich bescheuerte Projekt gesammelt und stand nun mit besagtem Brief vor dem Briefkasten.
Zuerst hatte er seine Persönlichkeit näher beschrieben, seinen finsteren, kühlen Charakter, Dinge, die er hasste, wobei diese Spalte sehr ausführlich behandelt worden war, einen winzigen Teil seiner Vergangenheit, der wirklich sehr winzig war und schließlich die Dinge, die er sich erhoffte.
Dieser Teil des Brief war das ehrlichste, was er jemals über sich preisgegeben hatte.
Er hatte all seine Hoffnungen, seine Wünsche, Träume und Sehnsüchte festgehalten, die er, insgeheim, hegte.
Zuletzt hatte er ein Gedicht beigelegt, dass er in dem Buch seiner Lehrerin abgeschrieben hatte, bevor das Werk zerfleddert und unleserlich im Papierkorb landete.
Wenigstens hatte er auf das Anzünden verzichtet, schon allein deswegen sollte ihm die alte Frau dankbar sein.
Ihr zuliebe wagte er diesesVersuch schließlich nicht.
Vielmehr war er neugierig darauf, ob es eine Person gab, die die Absicht dahinter erkannte, die er darstellen wollte.
Nämlich einen Menschen zu finden, der ihn wegen – und nicht trotz- dieser Eigenschaften mochte.
Sasuke aber rechnete sich nicht allzu viele Chancen aus.
Sicherheitshalber hatte er unzählige Kopien des Briefes angefertigt und sie an verschiedene fremde Personen aus dem Telefonbuch addressiert.
Viele davon auswärts.
Die Briefe sollten die ganze Welt erreichen.
Vielleicht würde er im Internet auftauchen.
Bei diesem Gedanken verzogen sich seine Lippen zu einem angedeuteten Lächeln und mit einem Plopp landete der Brief im gelben dafür vorgesehenen Kasten.