Beschützender Mörder
Nicht belogen
Kälte... ...
Einsamkeit... ...
Verzweiflung ergreift Besitz über den jungen Körper, reißen in noch weiter in die Tiefe.
Er sieht nichts, es ist zu dunkel.
Er kann nichts erkennen, außer Schwärze und eine rote Flüssigkeit.
Der beißende Geruch von Eisen steigt ihm in die Nase, die rote Flüssigkeit ist überall.
Er hat Angst, kneift die Augen zu.
Er will das nicht sehen, er fürchtet sich vor diesem dunklen Ort.
Endlich kommt er zum stehen, fällt nicht mehr oder wird gezogen.
Zittrig und zögerlich öffnet er seine dunkelblauen, fast schon schwarzen Augen ein wenig.
Es ist alles rot und der Gestank wird schlimmer.
Plötzlich keucht er erschreckt auf.
Das auf dem Boden... ...
Die rote Flüssigkeit ist nichts anderes als Blut... ...
Frisches Blut...
Überall liegt es auf der Erde, klebt an dunklen Wänden.
Langsam erscheinen auch Körper auf dem Boden und Verwüstungen an den Wänden.
Er bekommt noch größere Angst, will schnell weg.
Jetzt kann er auch Zeichen an den Wänden und an der Kleidung der Leichen erkennen.
Um genauer zu sein ein Zeichen – sein Familienwappen.
Überall erscheint der rot-weiße Fächer, gibt die Personen als Clanmitglieder und den Ort als Uchiha-Viertel preis.
Aufgelöst beginnt er sich umzudrehen, rennt dann wie ein Wahnsinniger zu seinem Haus.
Er kennt den Weg, aber er kommt einfach nicht dort an.
Dann findet er sich wieder in der Dunkelheit wieder.
Die Körper waren verschwunden, genauso wie das Blut.
Nur ein klein wenig der roten Flüssigkeit kennzeichnet einen schmalen Weg.
Leise wimmernd folgt er ihm mit den Augen, erkennt schließlich ein Paar Füße samt Sandalen.
Keuchend wandert sein Blick über die Knöchel und Beine, bleibt an den Ansätzen der Hände stehen.
Merklich weiten sich seine Augen und er schluckt schwer, als er ein tropfendes Schwert entdeckte.
Leise tröpfelte eine rote Flüssigkeit von der Spitze aus auf den Boden.
Er zittert stärker, hat unglaubliche Angst.
Innerlich schreit er nach seinem Bruder, aber keine Silbe kommt wirklich über seine Lippen.
Nach einiger Zeit fasst er seinen ganzen Mut zusammen und blickt weiter hinauf.
Er will den Mörder seiner Familie sehen, bevor er selbst getötet würde.
Seine Augen wandern weiter hinauf, bleiben am Kinn des anderen hängen.
Noch einmal atmet er tief ein, ehe er ruckartig nach oben sieht.
Völlig entgeistert weiten sich seine Augen, öffnet sich sein Mund.
Tränen bahnen sich ihren Weg über sein kindliches Gesicht, er schüttelt den Kopf.
Verzweifelt starrt er in die roten Sharingan-Augen, die er nur zu gut kennt.
Er bewegt seine Lippen, doch erst spät entflieht ihm das Wort `Warum´.
Doch der Mörder erwidert gleichgültig seinen Blick, zeigt keine Spur von Trauer oder Mitleid.
Einige Momente bleiben sie so stehen, ehe er blutverschmierte Mörder sich umdreht und losgeht.
Nur langsam begreift der Junge was geschied, dass der andere gerade geht.
„N-Nii-San!! Warte bitte!!“
Er versucht mit seinem Bruder Schritt zu halten, doch er kommt keinen Meter weiter.
Langsam entfernt sich die Person weiter, seine Kleidung verändert sich.
Nun trägt er einen langen, dunklen Mantel mit roten Wolken.
„Nii-San!!“, ruft der Junge.
„NII-SAN!!“, schreit er erneut, doch sein Bruder bleibt nicht stehen, verschwindet in der Dunkelheit.
„ITACHI!!!!!!“, versucht er es erneut, ehe der andere ganz verschwindet.
Weinend fällt er auf die Knie, wimmert `Lass mich nicht allein´.
Doch es ist schon zu spät.
Plötzlich hält er mit dem Weinen inne, als er etwas hört.
Ein bedrohliches Geräusch, wie von einer giftigen Schlange.
Noch während er sich umdreht schnappt das Tier auch zu, wickelt ihn ein, drückt ihm die Luft ab.
Verzweifelt versucht er sich zu befreien, doch die Schlange ist zu stark und zu groß für ihn.
„Hilfe!! Hilf mir Nii-San!!“, fleht er laut und weinend, doch die Hilfe bleibt aus.
„Hilfe Nii-San!! Bitte hilf mir!!“, ruft er in die Dunkelheit, doch seine Worte verblassen.
Die Schlange richtet ihre Aufmerksamkeit auf ihn, öffnet etwas das Maul.
„Nein... ... Hilfe... ... Bitte hilf mir Itachi...“, flüstert er mit aufgerissenen Augen.
Die Schlange kommt näher, zischt bedrohlich.
Während sie den Jungen verschlingt, kneift dieser die Augen fest zu, schreit noch einmal den Namen seines Bruders.
„ITACHI!!“, schreckte er aus seinem Bett auf.
Er krallte sich in die Decke, Tränen flossen über sein Gesicht.
Sein ganzer Körper war schweißnass, sein Atem ging schnell und flach.
Aufgelöst sprang er aus seinem Bett, zog nicht einmal die Schuhe an.
Im Schlafanzug stolperte er die Treppe hinunter, vorbei am Schlafzimmer seiner Eltern.
Er wollte nur zu einem – und dieser befand sich nicht im Haus.
Schnell kam er bei der Tür an, riss sie auf und rannte in die Nacht hinaus.
„Itachi!!“, rief er laut, ignorierte, dass er das halbe Viertel wecken würde.
„Itachi-Nii-San!!“, schrie er durch die verlassenen Straßen.
Immer nasser wurde sein Gesicht, aber das war ihm egal.
Auch auf den Weg achtete er nicht.
Immer nur gerade aus, hoffend, den gesuchten zu finden.
Er keuchte bereits, seine Füße taten weh.
„Itachi!!“, weinte er laut in die Dunkelheit, doch sein Ruf blieb unbeantwortet.
„Itachi!!“, er wurde lauter.
„ITACHI!!!!“
„Sasuke?“, hallte es plötzlich zurück.
Augenblicklich blieb der Junge stehen, drehte sich suchend um die eigene Achse.
„Nii-San!! Itachi wo bist du??!“, schrie er und erkannte kurz darauf eine Person im Schatten.
Ohne nachzudenken rannte er auf sie zu.
Diese ging in die Hocke, um den Jungen abzufangen und fand ihn schnell in seinen Armen wieder.
Heulend klammerte sich der kleine Junge um den Hals des anderen, weinte hemmungslos, benetzte die Kleidung des anderen.
„Itachi... ... I-Itachi...“, murmelte er seinen Griff verstärkend.
Der andere schlang einen Arm um seine Taille, die andere Hand vergrub er im Haar des anderen.
„Ich bin hier... ... Ich bin hier Sasuke...“, flüsterte er beruhigend, strich ihm durch die Haare.
Langsam beruhigte sich der Kleine etwas, ließ aber nicht los.
„... Was machst du hier? Es ist sehr spät...“, stellte sein Bruder fest, klammerte sich ebenfalls an dem anderen fest.
„Itachi... ... I-ich hatte... ... Hatte so große Angst... ...“, weinte Sasuke verschreckt.
„Wovor?“, fragte der Ältere zurück, strich ihm weiter durch die Haare.
Der gefragte schluckte leicht, ehe er leise zu flüstern begann.
„I-ich hab... Geträumt, du hättest... ... Du hättest den anderen weh getan... ... D-da war... Ganz viel Blut und... ... Und du warst auch voll damit... ... U-und d-du hast mich... ... Ganz allein gelassen... ... D-du hattest allen weh getan und mich allein gelassen...! ... ... U-und dann... Kam eine Schlange und... ... Ich hab gerufen, aber... ... D-du warst nicht da und...“
Der Rest ging wieder in wimmern unter.
Der Uchiha verspannte sich als er den Worten lauschte.
Woher wusste der Kleine das?
Woher wusste Sasuke, was er bald tun würde?
Woher konnte er eine Ahnung haben, was bald dem Clan zustoßen wurde?
Woher wusste er von dem Plan?
„N-Nii-San...?“, weinte der kleine Junge und klammerte sich wieder fester an seinem Bruder.
„... ... L-lässt du mich niemals allein...? Bleibst du immer bei mir...?“, fragte er vorsichtig, vergrub sein Gesicht in der Schulter des anderen.
Itachi aber verstärkte seinen Griff, schluckte und antwortete: „Vergib mir Sasuke... ... Vergib mir...“
damit hob er den Kleinen in seinen Arm, schenkte ihm Geborgenheit und Sicherheit, ehe er sich auf den Weg machte.
Der kleine Junge schloss bald seine müden Kinderaugen und schlief auf halbem Wege ein.
Der Ältere drückte ihn unbewusst näher an sich, wollte ihn vor dem Unvermeidbaren schützen.
Aber selbst er, Itachi Uchiha, konnte seinem Bruder nicht den Schmerz ersparen, den er bald erfahren würde.
Er konnte ihn nicht vor der Einsamkeit, vor dem Hass und dem Leid bewahren, den er ihm eigenhändig zufügen würde.
Doch er brachte es nicht übers Herz.
Er schaffte es nicht Sasuke zu sagen, dass es nur ein Albtraum war.
Er konnte ihm nicht versprechen, er würde ihn niemals allein lassen.
Er brachte es einfach nicht über sich, dem kleinen Jungen mit dem jungen Gesicht und den verträumten Augen anzulügen.
„... Vergib mir, Sasuke... ...“, flüsterte er dem Schlafenden zärtlich ins Ohr, ehe er ihn wieder ins Bett legte, ihn zudeckte und ihn allein ließ.
Mehr konnte er nicht sagen - nur das war die einzige Wahrheit... ... Alles andere wäre Lüge.