Fanfic: The Path

Untertitel: ~Hand in Hand mit dem Schicksal~

Kapitel: Fragen über Fragen- I´m sick of it

Nach dem Abendessen versammelten sich die gesamten Bewohner des Hauses im Wohnzimmer und machten es sich bequem. Selbst Kai hatte es sich nicht nehmen lassen, bei dem nun folgenden „Frage- Antwort- Spiel“ dabei zu sein, schließlich ging es um die letzten 2 ½ Jahre die Leylan im Nirgendwo verbracht hatte. Unauffaällig und gewohnt teilnahmslos, ließ sich neben Tala auf das Sofa fallen, ignorierte dabei den leicht ärgerlichen Blick den Eve ihm von der Seite zuwarf.
>Was denkt die wer sie ist? Ts, wenn ich wollte, würde ich die in Null Komma nix rumkriegen, da hat sie mir wenig entgegenzusetzen!<, dachte Kai erbost und strafte sie mit eisiger Ignoranz. Einzig und allein ihre Verbindung zu Tala hielt ihn davon ab, sie in ihre Schranken zu verweisen.

Hilary hatte währenddessen angefangen wie ein Marktschreier das folgende Ereignis anzupreisen und ermutigte zu tabulosen Fragen. Leylan hielt sich lachend an ihrem Arm fest, die Leichtigkeit mit der sie dieses „Spiel“ hinnahm konnte nicht deutlicher sein. Kai hatte den linken Arm locker über die Sofalehne gelegt und lächelte wissend in sich hinein.
Ihm war klar, dass Leylan nur so viel preisgeben würde wie sie bereit war, keine Frage könnte sie aus der Ruhe bringen oder ihr eine unbeabsichtigte Information entlocken.
>Sie ist ein Profi.<, fiel Kai dazu nur ein und er ließ den Blick von ihrem lachenden Gesicht zu den erwartungsvollen dreinblickenden der Anwesenden gleiten. Ray war wie immer die Ruhe in Person und strich, den Blick fest auf die Szene vor ihm gerichtet, immer wieder gedankenverloren über Mariahs kugelrunden Bauch. Die hingegen trommelte nervös mit den Fingern auf der Sofalehne, sie wollte offensichtlich alles über die Abwesenheit ihrer besten Freundin erfahren.
„So sei es- das Verhör ist eröffnet!“, schloss Hilary und erntete lauten Beifall für ihre „Marktschreier“- Performance. Leylan setzte sich lässig auf den hüfthohen Wohnzimmertisch und wartete. Dann ging die Fragerei los.

„Wo hast du die Zeit über gewohnt?“
„Bei meiner Großmutter in Sendai.“
„Hattest du zu irgendjemandem von uns Kontakt?“
„Nein, zu keinem.“
„Was hast du eigentlich den Tag über gemacht?“
„Eigentlich nichts. Außer meiner Großmutter im Haushalt zu helfen fiel nichts besonderes an und den Rest der Zeit vertrieb ich mir mit langen Spatziergängen und Training in der freien Natur.
„Wie war die Zeit ohne uns?“
„Ja genau, hast du uns vermisst?“
„Hahaha, natürlich! Jeden von euch! Ich habe mich oftmals so einsam gefühlt- ihr habt mir echt gefehlt, Leute.“
„Hast du irgendjemanden kennen gelernt während dieser Zeit?“
„Nein.“
„Hattest du eine heiße Affäre?“
Eine plötzliche Stille trat ein, böse Blicke trafen Tyson der nur schulterzuckend auf Hilarys Einladung zu tabulosen Fragen verwies. Leylan jedoch wischte die angespannte Situation mit einem Lachen beiläufig fort und antwortete: „Wer weiß, wer weiß... ach was, natürlich nicht!“
....

Um viertel nach elf hatte schließlich auch der letzte seine Neugierde gestillt und Mariah blies zum Abmarsch. „Los, los ich brauche dringend Schlaf und ohne mich dürft ihr keinen Spaß mehr haben- also Abmarsch ins Bett.“
„So ist sie schon seit Beginn ihrer Schwangerschaft drauf- was sie nicht darf, dürfen wir auch nicht.“, ergänzte Ray lachend und Leylan drückte ihrer besten Freundin spontan einen Kuss auf die Wange. Breit grinsend sah diese sie an und in ihren Augen konnte man die Freude, über eine solch liebevolle Geste lesen.
„Tsss, morgen ist Sonntag, mann.“, murrte Tyson und gähnte dann aber ungehalten. Ray gab ihm einen kräftigen Schubs in Richtung Tür und zog die müde drein blickende Mariah mit sich.
„Tala, kommst du?“ Eve stand schon halb im Hausflur und sah ihren Freund fragend an.
„Ja gleich, ich will noch eben ein paar Minuten mit meinen ältesten Freunden verbringen.“, antwortete er und warf Kai und Leylan dabei einen grinsenden Blick zu. Eve schien das anders zu sehen, nickte dann aber und stieg leise die Treppe rauf, gefolgt von Hilary die den dreien noch eine gute Nacht wünschte.
„Nacht Hil.“, sagte Leylan und gähnte. Tala schmiss sich zwischen die beiden aufs Sofa und legte seine Beine quer über Leylan. Auch jemand wie Tala kannte durchaus so etwas wie ´Humor´, ohne das dafür jemand zu Schaden kommen musste.

„Entschuldigung- fehlt dir was?“, fragte die daraufhin sarkastisch und lugte unter ihrem schwarzen Haarschopf hochmütig hervor. Tala beugte daraufhin den Oberkörper ein wenig vor, schnappte sich eine der seidigen Haarsträhnen und zog leicht daran bis Leylan ihm ihren Kopf zuneigte: „Wo du dieses Mundwerk her hast, das würde ich gerne mal wissen. Wohl kaum aus deiner Zeit in der Abtei, mh?“
Grinsend sah Leylan ihn von der Seite her an und erwiderte: „Wenn du wüsstest was bei UNS alles abging... tja, wie gut dass ich ein Mädchen bin!“
Beide brachen sie in schallendes Gelächter aus und Kai schickte ihnen einen genervten Blick. Dieses alberne Getue ging ihm deutlich gegen den Strich, doch für einen kurzen Moment stieg Neid in ihm auf, Neid auf die lockere Art und Weise wie Tala mit Leylan umging und die völlig losgelöste Reaktion die sie ihm entgegenbrachte. Mit einem arroganten Lächeln schickte er dieses niedere Gefühl zurück ins Nirgendwo und stand lautlos auf.
„Nacht.“, war alles was er den beiden über die Schulter zurief um sich dann in sein Zimmer zu begeben.
„Kai?“ Tala war der Abgang seines Freundes sichtlich entgangen und er sah Leylan verwundert an. Sie zuckte leicht mit den Schultern und wartete darauf, dass Tala zum eigentlichen Punkt des Gespräches kam. Als er ihren wissenden und über alle Maßen geduldigen Gesichtsausdruck bemerkte, konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Habe ich dich gelangweilt? Oh, dass tut mir aber Leid.“, sagte er und als sie nicht antwortete begann er seufzend: „Also gut, ich mache mir Sorgen Leylan. Ja, ich mache mir Sorgen um dich und vielleicht auch ein wenig um Kai. Was läuft da zwischen euch? Nein, lass mich ausreden! Ich meine heute beim Training, du machst einen auf dicke Hose und treibst deinen Körper bis zur Erschöpfung, einen nicht im täglichen Training stehenden Körper und dazu noch mitten im Juni! Das ist keine Schwäche, verdammt, sondern völlig natürlich! Aber es wurde ja noch besser... als du dann zurück gehumpelt kamst, wollte Kai sich augenscheinlich wohl um dich kümmern und dann... ihr zwei saht aus, als hättet ihr eine komplette Erleuchtung hinter euch, ohne Worte, ohne auch nur die kleinste Regung habt ihr euch angestarrt. Echt Leylan, ich kapiere es nicht.“
Tala atmete erleichtert aus- es tat gut Leylan auf dieses doch recht pikante Thema anzusprechen. Sein Blick lag aufmerksam auf ihrem noch immer regungslosen Gesicht, erst langsam zeichnete sich aufkommender Unwille darauf ab. Sie lehnte sich lässig an die breite Sofafront, warf die langen Haare zurück und setzte den wohl kälstesten Blick auf, den Tala je bei ihr gesehen hatte.

„Weißt du was dein Problem ist, Tala? DU denkst ICH bräuchte Hilfe, einen Beschützer, großen Bruder, jemanden der auf MICH aufpasst- auf MICH, Tala. Wie lächerlich ist das bitte?! Seit über 7 Jahren stehe ich auf eigenen Beinen und das, wie unschwer erkennbar ist, erfolgreich. Was ich meinem Körper zumute und was nicht, das bleibt ganz allein meine Sache. Und was du über mich und Kai sagtest... zwischen uns läuft rein GAR NICHTS, verstanden?“
Ihre Stimme strotzte nur so vor Selbstvertrauen und Tala musste wiederwillig erkennen, dass ihre Worte genau so gemeint waren wie sie sich anhörten. Auch wenn es ihm einen herben Schlag versetzte so rüde zurückgewiesen zu werden, riss er sich zusammen und wagte einen weiteren Schritt: „Du brauchst niemanden? So so, verzeih mir, wenn ich da anderer Meinung bin. Denn der Punkt ist nicht, dass du keinen brauchen würdest sondern die Tatsache, dass du bei jeglichen Problemen die über deine Kompetenz zu gehen scheinen, die Flucht ergreifst und darin deine Zuflucht suchst. Das ist es, was dich so unabhängig und selbstbewusst erscheinen lässt! Das und nichts anderes Leylan!“ Ungeachtet dessen, dass Leylan mittlerweile aufgesprungen war und ihn aus eiskalten Augen wütend ansah, setzte er lauter hinzu: „Dazu gesellt sich unter anderem deine maßlose Feigheit!
Ja, Leylan du bist feige- zu feige um dir selbst einzugestehen wie viel du noch für diesen Eisblock empfindest und wie sehr du dir die alte Zeit zurück sehnst. Dein Stolz verhindert, dass du den ersten Schritt machen könntest- DAS ist lächerlich Leylan und sonst nichts!“
Dieser Schritt ging eindeutig zu weit- Leylans Blick flackerte unheilvoll, ihre Augen hatten Ähnlichkeit mit dunklem Feuer, und sie machte einen Schritt auf den großen, rothaarigen Russen zu.
„Du maßest dir an mich zurechtzuweisen? Mir meine „Schwächen“ darzulegen?
DAS ist eindeutig zu viel des Guten, Tala. Ich bin nicht feige und mein Stolz blockiert mich keineswegs- tu nicht so als würdest du mich kennen. Ich brauche mich vor niemandem für mein Verhalten zu rechtfertigen, für NIEMANDEM, auch nicht für mein Verhalten damals. Ich bin gegangen und jetzt bin ich wieder da, na und?! Die anderen machen daraus auch keinen Staatsakt, nur du tust so, als wärest du der neue „Seelenguru“ und müsstest mich von meinen Lastern befreien. Lass die Finger von Dingen von denen du nichts verstehst!“

Auch Leylans Stimme hatte sich um wenige Dezibel erhoben, doch noch signifikanter war die Kälte, die wie ein Nebel alles umhüllte und Tala überrascht die Brauen heben ließ.
Sie würde sich auf keine Fortführung dieser Diskussion einlassen, soviel stand fest, doch es musste gesagt werden.
„Vor niemandem- bist du dir da sicher? Und was ist mit Kai? Du warst nicht vor Ort, du hast nicht gesehen wie