Some beautiful things or not?

Gedichte

Langsam, ganz Langsam

Langsam, ganz Langsam ging sie die Straße runter.
Langsam, ganz Langsam steckte sie den Schlüssel in die Tür.
Langsam, ganz Langsam schloss sie die Tür und ging die Treppe hinauf.
Sie war alleine, endlich.
Endlich war er nicht da.
Sie fühlte ihn immer noch, spürte seine Anwesenheit, als wäre er da.
Langsam, ganz langsam öffnete sie ihre Tür.
Langsam, ganz Langsam setzte sie sich auf ihr Bett.
Langsam, ganz Langsam öffnete sie die Schreibtischschublade.
Sie erinnerte sich an einen gewissen Tag, an den Tag, an dem ihr Leid begann.

„Mama, kann ich mal mit dir reden?“ fragte sie. „Aber natürlich, was ist los?“ fragte ihre Mutter besorgt. „Ich habe Angst, Mama. Immer, wenn du weg bist, dann kommt dein Freund.“ Flüsterte sie. Die Mutter erstarrte. Dann stand sie auf und Ohrfeigte ihre Tochter. „Sei Still, ich will das nicht hören. Ich brauche dich nicht.“ Meinte die Mutter.

Langsam, ganz Langsam nahm sie das Messer aus der Schublade.
Langsam, ganz Langsam setzte sie das Messer am Arm an.
Langsam, ganz Langsam lies sie das Messer über ihre Haut gleiten.
Sie spürte den Schmerz.
Schmerz ist Erlösung, dachte sie.
Endlich Erlösung.
Langsam, ganz Langsam rann das Blut aus ihrem Arm.
Langsam, ganz Langsam sah sie die letzten glücklichen Bilder.
Langsam, ganz Langsam wurde ihr schwummrig, sie sah Schwarz vor den Augen.
Erlösung, endlich.
Sie hörte nichts mehr.
Sie spürte nichts mehr.
Langsam, ganz Langsam entglitt ihr bewusst sein.
Langsam, ganz Langsam bewegte sie ihre Lippen zum letzten Mal.
Langsam, ganz Langsam verschwindet sie im Nichts.
Sie ist tot.
Doch sie war schon lang gestorben.
Es war der letzte Schritt gewesen.