Please don`t say "You are crazy!"

I go... I don`t be lazy...

What The Fuck?!

Die Sonne war gerade untergegangen, als es sich in Rebeena Te Raar, der Stadt der Engel, zu regen begann. Müde, zerwuselte Köpfe spähten aus dem Fenster, manch ein Händler begann seinen Laden, bzw. seinen Stand zu eröffnen und die Schüler und Schülerinnen der Angel-High begaben sich zum Frühstück ins Haupthaus. Eine von den jungen Engeln, die aufgeregt und gespannt auf den angebrochenen Tag durch das Portal drängelten, war Chelinka. Sie war eine 3.Klässlerin und erst 13 Jahre alt. Damit gehörte sie zu den Jüngsten, denn die meisten Schüler der Angel-High waren schon 100 oder so. Nur Chelinka und ein Grüppchen anderer Engel waren unter der 100. Grenze (was Chelinka sehr bedauerte). Aber, das Sahnehäubchen fehlt noch:
Chelinka war die Einzige an der gesamten Angel-High, die noch kein bisschen Magie beherrschte!!! Und das sprach ja wohl für sich, oder? Grund genug für ihre Mitschüler, bei jeder passenden Gelegenheit über sie herzuziehen. Selbst ein Angel-Light (eine spezielle, einzigartige Fähigkeit die man im Mindestalter von 6 Jahren erhält) besaß Chelinka nicht. Einzig und allein Chika, ihr Freund seit dem Kindesalter, blieb an ihrer Seite und beschützte sie vor den spöttischen Blicken. Und da wäre noch Shugon-Sa, Chelinkas Korpuss und ihr ständiger Begleiter, Freund und Mutterersatz, da Chelinkas Mutter mit wichtigeren Dingen als mit ihr beschäftigt war. Auch so hatte Chelinka ihre Mutter nur ein einziges Mal gesehen und das war, als sie aus ihrem Koma erwacht war und ihre Mutter an ihrem Bett gesessen hatte. Den Erinnerungsfetzten nach, die in ihrem Kopf herumgeisterten, musste ihre Mutter eine wunderschöne Frau sein. Aber, genau wusste Chelinka das selbst nicht.

Als sich nun alle an den riesiglangen Tischen plaziert hatten und Ruhe eingekehrt war, erhob sich die Schulleiterin, Minto Lara, und lächelte dem neuen Tag entgegen, wie sie es jeden Morgen tat. "Guten Morgen, meine Lieben!" begrüßte sie die Jungengel und blickte reihum, dass auch ja jeder ihr zuhörte. "Bevor ihr mit eurem Frühstück beginnt, möchte ich euch etwas mitteilen: In den nun folgenden Stunden werden eure Klassenlehrer die Liste mit den Schützlingen und dem jeweiligen Engel verlesen. Ich bitte daher um Disziplin und Anstand. Und noch etwas: Die Schützlinge können sich nicht ausgesucht oder gewechselt werden, da von jedem Schützling eine massive Verbindung zu seinem Engel besteht. Und das schon von Geburt an. Also, sobald ihr euren Schützling erteilt bekommen habt, verlasst ihr das Klassenzimmer und packt eure Sachen. Zu Beginn der Dämmerung treffen wir uns dann alle wieder hier. Verstanden?" Ein anschwellendes, erregtes Gemurmel deutete an, dass alle verstanden hatten. "Nun, dann will ich euch nicht mehr länger stören! Haut rein!" mit diesen Worten setzte sich Minto Lara und das Gequatsche der Schüler schwoll auf eine enorme Lautstärke an. Chika stieß Chelinka in die Rippen. "Was du meinen, du bekommen `nen Jungen oder Mädchen?" fragte er neugierig und seine mohnroten Augen blitzten, wärend er sich über eine Mango hermachte. "Weiß nicht." antwortete Chelinka und biss in einen Apfel, "Aber ich hoffe mal, ein Mädchen." "Hm!" kam es zustimmend von Chika, doch plötzlich verkrampfte sich seine Haltung. "Was..?" weiter kam Chelinka nicht, denn in diesem Moment bemerkte sie, was die Aufmerksamkeit ihres Freundes anzog. Gerade eben hatte eine Gruppe von schwarzgekleideten Engeln die Halle betreten und Minto Lara war aufgesprungen, um sie zu begrüßen. Neben der Frau, die an der Spitze der Gruppe stand, sah die Schulleiterin wie ein Kind aus. Sie unterhielt sich aufgerregt mit der Frau, deren Blicke durch die Halle irrten. Und da erkannte Chelinka, wer diese Frau war.

Ihre Mutter hatte sich in den sechs Jahren kein bisschen verändert:
Das violette Haar hatte Rückenlänge und ihr Gesicht war noch immer weiß wie Schnee. Doch es kam Chelinka älter vor als damals im Krankenhaus. Damals, vor sechs Jahren.
°Ob sie sich wohl noch an mich erinnert?° dachte Chelinka und kaute auf ihrer Unterlippe. Die anderen in der Halle waren verstummt, als sie die schwarzen Frauen bemerkt hatten. Das war ihnen nicht zu verdenken, denn bei den Frauen handelte es sich um den "Rat der Unsäglichen". Der Rat hatte in Rebeena Te Raar eine noch höhere Stellung als die Königin. Die Mitglieder des Rates waren alle über 300 und das war auch für Engel ziemlich alt. Aber dennoch strahlte jedes Mitglied vor Stolz, Schönheit und Jugend. Besonders jedoch Chelinkas Mutter Lunaria, die, wie Chelinka bemerkte, kein bisschen Ähnlichkeit mit ihr hatte. °Tja. Aber, was soll man da machen?° fragte sich Chelinka im Stillen und piekste ein Stück Schokolade mit ihrer Gabel auf, °Sie ist und bleibt die Schönste!°
Plötzlich wandte sich Lunaria von der Schulleiterin ab und schritt, elegant wie eine Elfe, durch die Halle, direkt auf Chelinka zu. Aber Chelinka bemerkte es erst, als Chika sie anstieß und mit einem Kopfnicken zu Lunaria zeigte. Diese stand nun direkt vor ihnen.
"Kaa-san..." murmelte Chelinka verlegen und errötete. Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Lunarias rosafarbene Augen bohrten sich in die ihrer Tochter. Dann, nach einer Ewigkeit der Stille wandte sie sich ab und ging. Sie ging einfach. Ohne ein Wort. Fassungslos starrte Chelinka ihr hinterher, doch ehe sie etwas sagen konnte, war Chika aufgesprungen. "Sie eure Tochter sein, Lunaria-sama! Wie ihr könnt sie einfach ignorieren! Sie eure Tochter sein!!!" schrie er so laut, dass alle in der Halle zusammenzuckten. Lunaria blieb einen Moment lang stehen, dann drehte sie sich um und sah chika direkt ins Gesicht. "Es ist egal, ob sie meine Tochter ist! Sie muss sich meiner erst würdig erweisen!" mit diesen Worten verließ sie die Halle, hinter sich tausende von erstaunten Gesichtern.
"Diese...ARRGH!!!" Chika machte Anstalten, der Vorsitzenden des Rates zu folgen, doch Chelinka packte ihn am Gürtel und zog ihn neben sich auf die Bank. Noch immer waren alle verwirrt von dem, was sich eben zugetragen hatte. "Lass sie, Chika." murmelte Chelinka so leise, dass der Junge sie fast nicht verstand, "Sie war schon immer so zu mir." mit diesen Worten stand Chelinka auf und ging zurück in Richtung Schlafräume.

"Chelinka?" wie immer klang Shugon-Sas Stimme vorwurfsvoll, doch diesmal meinte Chelinka eine Spur von Sorge herauszuhören. Aber es war ihr im Moment egal. Sie wollte nur noch weg von hier. Ihren Kopf hatte sie gleich, nachdem sie ihr Zimmer betreten hatte, in einem riesengroßen Kissen vergraben, mit dem sie schon so oft ihre Angst zu verstecken versucht hatte. Inzwischen war es etwas strubbig durch die ganzen getrockneten Tränen, aber es war das einzige, was Chelinka noch von ihrem Vater besaß. Sie hatte es vor acht Jahren vom Dachboden gestohlen, nachdem ihr Vater verschwunden war. Seitdem hatte es immer in ihrem Bett gelegen, neben ihren ganzen Kuscheltieren.
Als Shugon-Sa nun auf ihr Bett geklettert kam, drehte sich das Mädchen von ihm weg. "Chelinka! Was ist denn los? Der Unterricht beginnt gleich und ich dachte, heute wären die Schützlingseinteilungen?! Du hast doch in den letzten Tagen nur noch davon erzählt!" murrte Shugon-Sa und versuchte, einen Blick auf Chelinkas Gesicht zu erhaschen. "Geh weg! Lass mich in Ruhe!" schluchzte Chelinka und erst jetzt bemerkte der Kater, dass sie weinte. Und wenn es etwas gab, was Shugon-Sa nicht leiden konnte, dann waren es die Tränen Chelinkas. "Chelinka. Was ist passiert?" fragte er und schmiegte seinen weichen, glänzenden Katzenkörper an den Bauch seiner Herrin. "Sie... Sie war hier." schniefend setzte sich das Mädchen auf. "Etwa...?" Shugon-Sa wusste, wer mit 'Sie' gemeint war. "...Und?" "Sie sagte, ich sei ihrer... nicht würdig! Und dann ging sie einfach und dann... dann..." Chelinka brach ab und vergrub das Gesicht erneut in ihrem Kissen. "Lass mich raten, dann ist Chika aufgesprungen und hat sie zur Rede gestellt!?" beendete Shugon-Sa den Satz mit einem Kopfschütteln. Von dem Nicken seiner Herrin bestätigt fuhr er fort: "Dieser Junge! Was glaubt er eigentlich, wer er ist?! einfach so mit Lun... ähhh... mit ihr so umzugehen ist eine Dreistigkeit..." "Ist gut, alter Bettvorleger, er hat es nur gut gemeint! Sei nicht immer so streng mit ihm!" versuchte Chelinka ihren Korpuss zu bremsen, wobei ihr ein leichtes Lächeln um die Mundwinkel schlich. "Aber es ist so wie ich es sage... dieser Junge hat kein Benehmen und ausserdem... AAAHH!!!! Chelinka! Du kommst zu spät!!!" schrie Shugon-Sa und schob das Mädchen vom Bett. Dann schlüpfte er blitzschnell in Chelinkas Schultasche und die beiden verließen eilig das Zimmer. Und irgendwie fühlte sich Chelinka nun erst richtig wach.

Als sie den Klassenraum betrat, war der Lehrer noch nicht erschienen. Aber dennoch herschte eisige Stille und alle Blicke waren auf sie gerichtet. Nach ein paar ewig langen Sekunden fingen einige ihrer Mitschüler an zu tuscheln und allmählich kehrte das laute Gequatsche zurück. Plötzlich spührte Chelinka eine Hand auf ihrer Schulter. Erschrocken wandte sie sich um und sah in das Gesicht ihres Klassenlehrers, Herr Fujijama. Dieser lächelte sie nur mitfühlend an und schob sie in die Klasse. Dann schloss er die Tür, nickte ihr noch einmal zu und wandte sich zum Lehrerpult um. Für einen Moment verharrte Chelinka in ihrer Position, doch dann besann sie sich und ließ sich auf ihren Platz, direkt neben Chika fallen. "Hey..." begann der Blauhaarige zögernd und lächelte sie vorsichtig an. "T...Tut mir leid wegen vorhin. Ist mir einfach rausgerutscht war. Ich..." "Schon gut!" unterbrach ihn seine