Time of Destiny
Last Wish
Blut bespritzte den Boden, als Horas Kopf von seinem Körper getrennt wurde. Das Grinsen wich von seinen Lippen, ein dünnes, dunkelrotes Rinnsal tropfte aus den Mundwinkeln. „Jojo…“ in seinen wässerigen Augen lag ein flehender Blick, als er sich dem Mädchen zuwandte. „Jojo… warum… kannst du mich nicht… lieben?“ dunkelrote Tränen rannen Horas Gesicht hinab und benetzten in feinen Linien den Boden. „Weil…“ das Mädchen richtete sich auf. „…Weil es nicht funktioniert. Ich hätte dir nur Unglück gebracht. Und ich konnte nicht zulassen, dass dich die Chiropteran noch mehr verschlingt.“ Jojo hielt den Kopf gesenkt, als sie mit ihm sprach, sie konnte ihn nicht ansehen. Weder seinen Kopf, der gerade den letzten Funken Leben verlor, noch den Körper, der blutig und verschandelt vor ihr auf dem Boden lag. „Deswegen also…“ murmelte Hora und ein gequältes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Dann verließen ihn seine Kräfte und Hora war tot.
Scheppernd viel die Sense zu Boden. Alles drehte sich. Jojo spührte, wie ihre Beine nachgaben. Nur mit Mühe konnte sie verhindern, dass sie bewusstlos wurde. „JOJO!!!“ von der einen Seite der Halle kam Sue auf sie zugerannt. Auch sie war verletzt. Ihre linke Schulter war zerschnitten und der linke Fuß war gebrochen oder geprellt. „Jojo! Ist alles in Ordnung?! Du hast ihn besiegt! Du hast Hora wirklich besiegt!!!“ Sue ließ sich neben ihre Freundin fallen. Doch Jojo beachtete sie nicht. Das Schwindelgefühl wurde immer stärker. „… Es ist Zeit.“ Die Worte waren fast nur ein Flüstern, aber Sue musste sie gehört haben. „Was?“ besorgt strich sie Jojo die Haare aus dem Gesicht. Doch plötzlich stand Sassame hinter ihnen und hielt Sues Hand zurück. „Nicht.“ Das waren seine einzigen Worte, dann wandte er sich an seine kleine Schwester. „Jojo… ist…?“ „Sassame… Bringe mich zu dem Ort, an dem alles angefangen hat… bitte…“ wisperte Jojo mit heiserer Stimme. Auch Ayuna kam nun zu ihnen gelaufen. „Sassame… tu was sie sagt…“ murmelte sie und ergriff Sues Hand. „Ayuna!... Was… was ist mit Jojo?“ wollte diese gleich wissen, aber die junge Frau schüttelte nur den Kopf. „Komm, Sue. Wir gehen mit.“ „Aber…!“ Sassames Wiederwillen war förmlich zu spüren, als er seine Schwester mit zornfunkelndem Blick fixierte. „Sie ist Jojos beste Freundin, Sassame! Sie hat das Recht, mit zu kommen!“ erwiderte Ayuna heftig und zog Sue auf die Beine. Sassame warf Ayuna noch einen wütenden Blick zu, dann stand er mit Jojo in den Armen auf und verließ die Halle. Ayuna nickte Sue kurz zu, dann folgten sie Sassame zu einem Wagen, der vor dem Haus parkte.Es war bereits dunkel. Wärend der ganzen Fahrt sprachen sie kein Wort und für Sue verging die Zeit im Schneckentempo. Doch dann hielt der Wagen vor einer endlos langen Steintreppe, die, von Bäumen versteckt, fast in den Himmel zu gehen schien. Sassame stieg aus, und Ayuna und Sue folgten ihm. Sue fand, das Jojo in Sassames Armen wie eine wunderschöne Puppe aussah. Sie ließ Ayunas Hand los und ging neben Sassame her, den Blick auf die erschöpft wirkende Jojo gerichtet. „Jojo?“ die Angesprochene schlug mühsam die Augen auf und blickte ihrer Freundin ins Gesicht. „Sue…?“ Sue lächelte. „Jojo, du warst großartig! Ich dachte wirklich, du würdest wie er zur Chiropteran, aber dann hast du so klasse reagiert, da konnte er sich ja gar nicht wehren! Du hättest dein Gesicht sehen sollen! So wütend habe ich dich noch nie gesehen! Allein dein Blick hätte töten können, hättest du deine Fähigkeit eingesetzt!“ Sue war so volkommen in ihre Wiedergabe des Geschehens vertieft, dass sie die Tränen, die an Jojos Gesicht herunterliefen, gar nicht bemerkte. „Und dann hast du…!“ „Sue!...“ die plötzliche Unterbrechung brachte das Mädchen völlig aus dem Konzept. „Was denn?“ „…Danke.“ „Was?“ verdattert starrte die weißhaarige ihre beste Freundin an. „Danke, Sue, dass du bei mir warst. Du hast mir gezeigt, was es heißt, zu leben. Du hast mir und Nana immer deine Meinung gesagt, egal ob es uns gepasst hat oder nicht. Und du warst bei mir, als Nana ging. Und dafür danke ich dir. … Du warst… die beste Freundin, die man haben kann…“ Jojo brach ab. Sue dachte eine Weile über ihre Worte nach, aber dann verstand sie, was Jojo da gesagt hatte. „Was soll das heißen, „war“? Jojo, was meinst du damit?... Jojo? Jojo???“ aber sie erhielt keine Antwort. Sie sah zurück zu Sassame, der noch immer ihre Freundin trug und noch keinerlei Anzeichen von Erschöpfung zeigte, obwohl sie schon hunderte von Stufen erklommen hatten. Aber Jojo… es schien als würde sie schlafen. „Jojo?!“ Sue begann, ihre Freundin von der Seite her zu schütteln. Doch Ayuna war plötzlich hinter ihr und hielt ihre Hände fest. „Ayuna! Was…?“ Doch Ayuna zog Sue mit sich die letzten Stufen hinauf. Oben angekommen kam Sue aus dem staunen nicht mehr heraus. Sie standen auf einer großen, gefliesten Fläche die von riesigen Bäumen umgeben war. Weiter hinten sah sie einen kleinen Schrein zwischen zwei Bäumen hindurchschimmern. „Was machen wir hier?“ fragte sie Ayuna, die direkt neben ihr stand. Doch diese war nicht wie Sue, fasziniert von diesem Ort, ganz im Gegenteil: Sie hielt den Kopf gesenkt und zitterte. Doch plötzlich drehte sie sich um. Sassame war ebenfalls oben angekommen, Jojo lag immernoch schlafend in seinen Armen. „Sassame…“ Ayunas Stimme klang zitterig und erstickt und sie schien nicht die richtigen Worte zu finden, aber sie brauchte keine Worte, um Sassame zu sagen, was er zu tun hatte. Langsam ging er zur Mitte des Platzes. Dort angekommen, ging er in die Knie und legte Jojo ganz sanft, ganz vorsichtig auf den Boden. Dann trat er ein paar Schritte zurück. Es hatte inzwischen zu regnen begonnen. „Ayuna.“ Sassames Stimme klang ruhig und fest, doch er war verunsichert. Ayuna trat vor und holte eine saphirblaue Glaskugel aus ihrer Tasche. Bei genauerem hinsehen erkannte Sue, dass es „Nanas Perle“ war, das einzige, was von Jojos Zwillingsschwester übriggeblieben war, als sie vor einem halben Jahr von einer Chiropteran ermordet wurde. Ayuna ging zögernd hinüber zu der am Boden liegenden Jojo und legte ihr die Perle liebevoll in die Hand. Zärtlich strich sie Jojo über die blasse Haut und kamm dann zurück zu Sue. Diese wusste immernoch nicht was los war, doch da nahm Ayuna das Mädchen plötzlich in den Arm. „Du musst jetzt sehr tapfer sein, Sue…“ Tränen benetzten Sues nasses, weißes Haar und da verstand sie, was los war. „Nein…“ murmelte sie und löste sich von Ayuna. „Nein…“ Sie spührte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten. „NEIN!!! DAS IST NICHT WAHR!!!! IHR LÜGT!!!! JOJO IST NICHT… Sie ist nicht…“ Sue brach nun endgültig in Tränen aus. Schluchzend taumelte sie vor, dann ließ sie sich zu Boden sinken. „Nein… nein… nicht… … sie…!“ Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. „Sue,“ Das war Sassame. „Sue, bitte. Du musst lernen, loszulassen.“ „ Nein…“ Sie konnte nicht, sie wollte nicht. Jojo durfte sie nicht alleinlassen. Sie durfte es nicht. Warum musste sie nur alle verlieren, die ihr wichtig waren? Erst ihre Eltern, dann Nana, dann ihr Bruder und jetzt… „Komm.“ Sassame nahm Sues Hand und zog sie zu sich hoch. Er sah unglaublich schön im Licht des Mondes aus. Seine Gesichtszüge wirkten sanft und sein sonst so feuerrotes Haar wirkte dunkelblau. Aber, das war nicht der richtige Zeitpunkt, um ihn zu bewundern. „Komm Sue.“ Er schaute ihr tief in die Augen und ihre Trauer verschwand ganz plötzlich. „Aber ich bitte dich, sieh nicht zurück.“ Er zog sie mit sich fort, zurück zur Steintreppe. Doch kurz bevor sie wieder hinabstiegen, drehte sich Sue doch noch einmal um. Jojo sah wunderschön aus, ein schlafendes Dornröschen… „Schlaf schön, Joly. Ich hab dich lieb.“
Und mit diesen Worten folgte Sue Ayuna und Sassame und kehrte zurück in die reale Welt.
„… Rubin bildet den Anfang und auch den Schluss…“
Ending: (wird von Jojo in Kapi. 16 gesungen!^^)
http://www.youtube.com/watch?v=pB4s6b4wBK8&feature=related