Some beautiful things or not?

Gedichte

Ein Brief an Alex

Alex,

Es war ein regnerischer Tag als du vor meiner Tür stands. Du warst völlig durchnässt und du hast gezittert am ganzen Leib. Ich schaute dich fragend an, verstand nicht warum du ohne Regenschirm losgelaufen bist. Erst als mein Blick den Deinen traf, bemerkte ich die Tränen die aus deinen Augen rannen. Verwirrt zog ich dich in meine Wohnung.
Du sahst mich an als wäre ich ein Geist, während ich dir die Jacke auszog und dich von deinen anderen Kleidern befreite die so durchnässt waren das sich eine Pfütze auf dem so empfindlichen Laminat bildete. Ich schnappte eine Decke und wickelte dich darin ein. Ich bemerkte erst als ich dir eine Tasse Tee in die Hand drückte, das noch immer Tränen über dein Gesicht liefen. Ich runzelte die Stirn, drückte dich auf das Sofa und setzte mich dir gegenüber auf den Boden.

„Was ist los?“ fragte ich und schaute dir aufmerksam in die sonst so fröhlichen Augen. Dein Blick veränderte sich, plötzlich war neben der Trauer auch eine unendliche Verzweiflung darin zu sehen. Ich wollte nicht das du verzweifelt warst, verdammt du warst die wichtigste Person in meinem Leben. Und wenn ich es mir recht überlege bist du es jetzt auch noch. Ich sah zu wie du deinen Blick von mir abwendest, auf die Wand an meinem Rücken schaust, als könnte sie dir helfen. „Es…“ Du hieltst inne und neue Tränen liefen über deinen Wangen. Ich wollte aufstehen und dich in den Arm nehmen, doch du schüttelste unwirsch den Kopf. „Es tut mir leid.“ Stille tritt ein, in deinen Augen spiegelt sich mein fragender Blick. „Ich… Ich weiß nicht genau wie… wie es passiert ist.“ Ein erneuter Schwall Tränen läuft über dein Gesicht, deine Schminke war bereits ganz verschmiert und bildete Rinnsale über deinen Wangen. „Jedenfalls…“ Du atmest noch einmal tief durch. „Jedenfalls haben ich und … Dray… wir haben miteinander… naja du weißt schon… miteinander geschlafen.“ Ich sah wie die Anspannung von dir abfiel, gleichzeitig strömten die Tränen weiter und ein Wimmern entfuhr dir.

Ich blickte dich an, völlig durcheinander, mein Gehirn konnte diese Informationen nicht verarbeiten, weil es sie nicht geben konnte. Ich starrte dich wie paralysiert an, ich sah in deinen Augen wie sich die Verzweiflung in Schuld umwandelte, du gabst dir die Schuld an dem ganzen. Schnell standst du auf und liefst aus dem Haus, gerade Mal mit einer Decke bekleidet, ich lief dir nicht nach, ich starrte auf meine Hände. Ich weiß nicht mehr wie lange ich so da saß. Ganz ehrlich, ich weiß nicht einmal ob ich in dieser Nacht noch etwas anderes tat. Ich wurde erst aus meinem Gedanken gerissen als du bei mir anriefst und du auf den Anrufbeantworter sprachst. „Katy, bist du da? Du bist da, nicht wahr? Es tut mir so leid. Ich weiß nicht was in mich gefahren ist, ich war einsam, du weißt dass mich Jack erst vor ein paar Wochen verlassen hat. Und ich war betrunken. Gott es tut mir so leid. Ich weiß nicht ob Dray schon mit dir gesprochen hat. Sicherlich nicht. Naja, da du mich sicher nicht sehen willst, ich lege dir die Decke auf die Treppe. Du weist das ich dich lieb habe. Ich kann nur erahnen wie sehr du mich hasst, es tut mir leid.“ Die Worte hörten sich an wie auswendig gelernt, wahrscheinlich hattest du sie abgelesen.

Ich bin aufgestanden habe die Teetasse aufgeräumt, den Laminat der bereist aufgequollen war abgewischt und mich schließlich vor das Telefon gestellt. Weißt du wie viel Energie es brauchte um nicht los zu weinen. Du weißt, ich weine nicht, aus Prinzip, aber in diesem Moment schien es mich regelrecht zu übermannen. Später habe ich dich vermisst, weißt du wie oft ich kurz davor war dich anzurufen. Dray hat mein Herz verletzt (im Übrigen, ich hörte nie wieder etwas von ihm), aber du, du hast es mir herausgerissen. Du warst nie nur eine Bekanntschaft, du warst so schnell so wichtig für mich. Du hattest den größten Platzt in meinem Herzen. Du warst alles für mich, alles was ich immer beschützen wollte und nie verlieren durfte. Du warst die Schwester die ich nie hatte, du warst mein Gewissen, aber auch diejenige die mich aus meiner Starre löste, die mir beibrachte zu Leben, zwischen all den Widrigkeiten. Und … du bist immer noch all das.

Ich weiß, dass ich nie die einfachste Person war und ich hoffe du verzeihst mir, dass ich so dumm war. Ich habe gesehen wie ihr euch angeschaut habt. Da war nicht nur verlangen sondern auch Liebe. Vielleicht seid ihr jetzt ja sogar ein Paar. Oder ihr habt zumindest Kontakt. Sag ihm Grüße von mir.

Ehe dieser Brief noch länger wird, beende ich ihn jetzt. Es fällt mir schwer. Wie lange haben wir uns jetzt nicht mehr gesehen? Drei Jahre. Es tut mir leid, dass ich erst jetzt diesen Brief schreibe, aber mein Herz musste erst heilen. Ich sehe immer noch deine Tränen vor meinen Augen. Ich war in Dray verknallt damals, aber ich habe ihn nicht geliebt. Ich hätte ihn loslassen sollen bevor all das hier passierte. Aber ich kann daran nichts ändern.

Ich hoffe dir geht es gut. Ich habe lange gebraucht um deine neue Adresse zu finden. Ich musste all meine Kontakte nutzen und nun schicke ich dir diesen Brief, mit all meinen Emotionen, die ich noch zu Stande bringe. Auch deine Kleidung sollte bald in einem Packet bei dir eintreffen. Ich weiß nicht ob du sie noch haben willst, aber naja, du kennst mich. Ich werde mich jetzt wieder meinem PC zu wenden. Ich habe meinen Traum tatsächlich verwirklicht und mein erstes Buch geschrieben. Ein Verlag will es sogar drucken. Ich werde es dir zuschicken, wenn du willst. Ich sollte nun wirklich weitermachen. Du weist das ich dich lieb habe?

Katy ♥