I feel YOU

I promised that i never come back to YOU.

~work-seeker~

Die Sonne strahlte mir in entgegen, während ich den Bus verließ und mich umsah. Ich befand mich in einer riesigen Stadt, einer von vielen die ich besucht hatte, immer auf der Suche nach einem sicheren Halt.
Ich zog den alten Koffer hinter mir her und seufzte schwer als ich auf meinen Plan sah. Bis zum nächsten Hotel waren es noch so einige hundert Meter. Ich zog den Koffer also weiter und schaute mich um, große graue Klötze standen aufgereiht rechts und links der Straße und zeigten mir deutlich wo ich mich befand, in einem leblosen Viertel, irgendwo.
Ein leichter Wind kam auf und blies mir unablässig die Haare ins Gesicht, ich ignorierte es, wie so vieles in meinem Leben.

Schließlich blieb ich stehen. Ich stand vor einem alten Haus, er sah schmutzig aus und ich verzog das Gesicht, ehe ich es betrat. Drinnen erwartete mich nichts als leere. Kein Mensch stand am Tresen und in der Luft hing ein Geruch der mir den Magen umdrehte. Aber es war meine einzige Möglichkeit hier zu bleiben. Ich hatte kaum Geld und das was ich ab und zu bei meinen Stopps verdiente, reichte mir gerade so für das nötigste. Ich blieb am Tresen stehen und rief laut nach jemandem, nichts rührte sich, es blieb absolut still. Ich rief erneut.
Dann ganz leise ein rascheln, eine Tür ging auf und Schritte schleppten sich eine alte Holztreppe hinab. Ich starrte den alten Mann an, er war unrasiert und stank fürchterlich nach Alkohol und Zigarettenrauch. „Was kann ich für sie tun?“ fragte er mich und der Geruch von Fäulnis strömte mir entgegen.
Ich versuchte ihm in die Augen zu sehen. Sie lagen tief und versteckt hinter dichtem Haar-Gestrüpp. Ich konnte seinem Blick nicht lange stand halten, diese alten, leeren und hoffnungslosen Augen. „Ich möchte ein Zimmer.“ Meine Stimme klang leise und rau, sie wurde so selten benutzt.
Der alte Mann musterte mich kurz. Ich machte wohl in meinen zerrissenen Jeans, den alten zerfetzten Schuhen und der dreckigen Jacke keinen sehr guten Eindruck auf ihn.
„Ich weiß nicht was sie hier suchen Madam, aber sie werden es gewiss nicht finden. Verschwinden sie.“ Erneut wehte mir ein Geruch von Fäulnis entgegen. „Aber Sir,“ ich versuchte es auf die höflich Art, „Bitte ich brauche ein Zimmer, ich kann auch zahlen!“ Ich holte meinen alten Geldbeutel heraus und kramte ein paar Geldscheine zusammen.
Er schaute mir zu. Dann seufzte er tief. „Schon gut, gib mir nen Fünfer für heute, du kannst das Zimmer oben links haben, “ brummelte er, drehte sich um und reichte mir einen alten Schlüssel. Ich bedankte mich leise und schlich mit dem Koffer die Treppe hoch. Oben herrschte tatsächlich bessere Luft und ich amtete durch, ehe ich mein Zimmer aufschloss und es betrat.

Ein in hellgelb gestrichenes Zimmer erwartete mich. Die Farbe war ein wenig verblasst, und überall lag eine Schicht staub, aber ansonsten war es sauber. Ich stieß einen Seufzer aus und ließ meinen Koffer auf den Boden fallen, der sofort verdächtig knarzte. Ich lief um her und sah mich um, ein Bett, ein Schrank, ein Nachtischchen und eine Tür in ein weißes, sauberes Badezimmer. Mehr nicht, aber es reichte für mich.
Ich räumte meine wenige Kleidung in den Schrank und ein paar Sachen in die kleine Kommode. Ich zog mich um, schnappte meine Wertsachen und verließ das Zimmer.
Der alte Mann war noch immer unten. „Wie lange wollen sie bleiben?“ fragte er, plötzlich höflich und ich runzelte die Stirn. „So lange wie mein Geld reicht, ich werde mich nach Arbeit umsehen.“ Ich antwortete ihm so höflich wie ich nur konnte und lächelte leicht. Er nickte.
Ich verließ das Gebäude und machte mich auf die Suche nach Arbeit. Etwas was so zermürbend war. Immer wieder ein stummes schütteln der Köpfe, ein kaltes „nein“ oder ich wurde sogar raus geworfen. Ich kannte das schon so gut.

Als ich in der hereinbrechenden Dunkelheit mein ‚Hotel‘ betrat, saß der alte man in einem alten Sessel, den ich bis jetzt nicht bemerkt hatte.
Aufmerksam sah er mich an. „Kein Glück gehabt?“ fragte er und deutet mit einer Hand auf einen weiteren alten Sessel. Ich war hin und her gerissen, ich wollte mich weder mit diesem alten Mann unterhalten, noch alleine in meinem Zimmer sein. Die Einsamkeit zerrte an mir.
Er seufzte. „Kommen sie schon, ich beiße nicht.“ Und dann lächelte er. Sein Gebiss war von schwarzen Zähnen durchzogen, aber dieses Lächeln, es wirkt so offen auf mich. Also ließ ich mich in den alten Sessel Plumpsen und fand ihn sehr bequem.
„Hier Arbeit zu finden ist fast unmöglich.“ meinte er und schaute sich um. Ich folgte seinem Blick, und sah das alte morsche Holz und die rußgefärbten Wände.
„Hier sind so viele Arbeitslos, Miss. Sich über Wasser zu halten ist kaum möglich, warum also sind sie hier?“ Plötzlich klang er nicht mehr nett.
Ich erstarrte und senkte den kopf. „Ich bin auf durchreise, und hier ist die einzige Gegend in der ich überleben kann.“ murmelte ich leise. Er blickte mich durchbohrend an und für einen Moment fühlte es sich an als könnte er meine Wünsche, Sehnsüchte und Ängste sehen. Er legte den Kopf schief. „Was macht so ein junges Mädchen auf Wanderschaft?“ fragte er.

Ich senkte den Blick. „Versagerin.“ Das schlimmste Wort das es gab, es hämmerte sich immer wieder in mein Gehirn. „Naja ich hab es zu Hause nicht mehr ausgehalten.“ murmelte ich kaum hörbar. „Sie müssen entschuldigen.“ Schon schossen Tränen über mein Gesicht. Ich senkte den Kopf noch weiter.
„Mh.“ ich wagte es nicht auf zusehen. Für was für eine Versagerin musste er mich wohl halten. „Sie sind sehr mutig, alleine umher zu reisen.“ meinte er nach langem Schweigen. Ich schaute auf und seine alten Augen schienen plötzlich regelrecht zu glühen.
Er lächelte erneut. „Vielleicht kann ich dir helfen,“ brummte er leise und richtete sich auf, „Hier in der Nähe gibt es eine Bar, dort ist immer viel zu viel los, die Leute versaufen dort ihr Geld. Hendrick, ich kenne ihn von früher. Er braucht immer Hilfe und du scheinst nicht zimperlich zu sein, denn besoffene Männer sind kein Kinderspiel.“

Ich schaute ihn an und mein Mund klappte auf. Der Alte hatte sie nicht mehr alle, ich würde die erste Woche nicht überleben. „Immer mit der Ruhe, Kleines.“ Wie war ich von Miss zu Kleines gekommen? „So schlimm ist es auch wieder nicht.“ brummte er und stand schwerfällig auf.
Aus einer Schublade hinter dem Tresen holte ein Taschenmesser. Er warf es mir zu. „Benutz es im Notfall, und jetzt geh zu „Rickys“ und sag ihm ich hätte dich geschickt.“ Ich blickte ihn fragend an.

Und er kicherte leise. „Entschuldige.“ er reichte mir seine alte vernarbte Hand, ich ergriff sie und meine wirkte so winzig in seiner. „Ich bin William Martins. Nenn mich einfach Willy, so wie alle anderen und du bist?“ Ich blickte immer noch in seine glühenden Augen. „Olivia Stone. Kurz Livi.“ Ich grinste ihn schon fast an, während er den Kopf schüttelte. „Und jetzt los mit dir Mädchen.“ Also machte ich mich auf den Weg.
Dank Willys, ich fand den Namen persönlich viel zu frech für den alten Mann, Wegbeschreibung fand ich das Rickys schnell. Schon jetzt war es brechend voll, dabei war es gerade mal sechs Uhr. Ich stieg die Treppe hinab und drängte mich durch die Massen von Menschen, vor bis an die Bar.
Dort stand ein Mann, um die fünfzig und schien schwer beschäftigt zu sein. Ich fing seinen Blick mit meinen Augen auf und versuchte ihn festzuhalten, während ich lächelte. Das verfehlte nicht seine Wirkung. „Was kann ich für dich tun, Kleines?“ Ich war nicht klein, verdammt! „Ich suche einen Job", brüllte ich ihm entgegen, die Lautstärke hier drinnen war kaum auszuhalten. Sein Blick glitt über meinen Körper und er verzog das Gesicht. „Das ist nichts für dich, Kleine, geh lieber wieder auf die Schule.“ Ich zog die Augenbrauen hoch.

Ich warf einen Blick in die Menge zurück, dann schwang ich mich über den Tresen und stand im Ausschenke-Raum. Seine Augen blitzen wütend. Ich zog meine Jacke aus, warf sie auf einen kleinen Hocker und legte los mit Ausschenken.
Das ganze ging so schnell, das er kaum Zeit hatte zu reagieren. Danach hatten wir keine Pause mehr zum reden, bis Hendrick, wenigstens das hatte ich herausgefunden, das Licht dämmte und nicht mehr ausschenkte.

„So, Kleines was soll das?“ fragte er, seine Stimme zischte. „Willy, schickt mich.“ Angesichts seines Alters, wählte ich mal lieber den Spitznamen. Hendrick sah verwirrt drein. „Aha und warum?“ fragte er schließlich. „Er hat gesagt sie bräuchten jemand der ihnen hilft und so wie ich das sehe dringendst.“ Er musterte mich erneut.
„Du bist doch nicht mal 18, glaubst du, du kommst gegen so eine Meute an?“ „Ich bin 21 und ja ich denke schon, ich habe schon schlimmeres erlebt.“ Das stimmte tatsächlich. Ich hatte schon viel Schlimmeres erlebt und trotzdem hatten mir Willys Erzählungen ordentlich Angst eingejagt.
„Mh und du denkst du könntest mir helfen? Und dir dabei noch eine goldenen Nase verdienen?“ Ich blickte ihm direkt in die dunkelbraunen Augen. „Helfen kann ich, haben sie ja bereits bemerkt und eine goldene Nase brauche ich nicht, ich brauche etwas im Magen und ein Zimmer.“ antwortete ich und wich seinem durchdringenden Blick nicht aus.
Die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich, während er mich erneut musterte. „Na gut, Ausschenken kannst du ja. Du bekommst 6 Dollar auf die Stunde. Du kommst pünktlich um vier und gehst wenn alles aufgeräumt ist, das müsste um vier Uhr morgens sein. An den Wochenenden öffnen wir um sechs und schließen auch später. Und jetzt geh, erwarte für heute keinen Lohn.“ zischte er.
So eine Ausbeutung, schoss es mir durch den Kopf. Aber es würde reichen. Zu mindestens fürs überleben. Ich lief durch die kalten Luft zurück zum Hotel.
Und