Die Prophezeiung
Geheimnisse
"Danke", hörte ich meinen Vater noch sagen und dann fiel die Tür ins Schloss. Wie ich bemerkte, saß meine Mutter vor meinem Bett und weinte.
"Warum jetzt schon?", schluchzte sie verzweifelt, als mein Vater wieder mein Zimmer betrat. Ich war noch nicht lange genug wach, um zu wissen ,was die beiden besprochen hatten oder um zu wissen was passiert war. Ich erinnerte mich nur noch daran, dass da dieser Junge gewesen war. Sasuke, genau Sasuke war sein Name gewesen. Auch wenn ich meine Augen noch geschlossen hatte, sah ich ihn wieder vor mir. Unwillkürlich und gefasst auf den Schmerz, den ich beim letzten mal erlitten hatte zuckte ich zusammen.
"Runa?", hörte ich meine Mutter schwach sagen.
Jetzt war es zwecklos noch so zu tun, als würde ich noch bewusst los sein. Ich schlug die Augen auf und schaute nach recht zu meiner weinenden Mutter. Warum weinte sie bloß?
"Geht es dir gut? Brauchst irgendetwas? Warte ich hol..."
"Mama, es ist gut mir geht es gut. Mach dir keine Sorgen um mich. Ich brauch im Moment nichts", unterbrach ich sie.
Erleichtert blickte sie mich kurz an, doch dann stand wieder diese Sorge in ihrem Blick und sie schluchzte wieder los.
"Mama was ist los?", ich erhob mich aus meinem Bett und hatte ein wenig Schwierigkeiten mein Gleichgewicht sofort zu finden. Ich ging auf sie zu und umarmte sie, dadurch weinte sie nur noch bitterlicher.
"Ach... weist du ich habe... ich habe mir einfach Sorgen um dich gemacht", flüsterte sie. Ich war mir sicher, dass sie spürte, dass ich ihr nicht glaubte, dass da noch viel mehr war, das hatte mir ihr Blick verraten. Ich schaute meinen Vater an, er hatte die selbe Sorge in seinem Blick, wie meine Mutter.
"Aber jetzt ist doch alles gut, oder? Sieh, es geht mir bestens", versuchte ich sie aufzumuntern und blickte ihr in die blauen Augen. Ich schaute zu meinem Vater rüber, um auch ihn zu bestätigen, dass es mir wirklich gut ging. Der Blick seiner grauen Augen hellte etwas auf, es sah wie ein Hoffnungsschimmer aus. Ich verstand einfach nicht was hier los war. Ich ließ meine Mutter, die sich mittlerweile wieder beruhigt hatte, los und ging durch mein Zimmer ans Fenster. Etwas machte mich grade stutzig und als ich meinen Blick zum Spiegel gleiten ließ, blieb mein Blick an meinen Augen hängen. Braune Augen.
"Mama, Papa? Darf ich nochmal in den Wald?", fragte ich vorsichtig und wendete mich den beiden wieder zu. Die beiden wechselten besorgte Blicke.
"Bitte", setzte ich nach.
"Na gut, sei aber bald wieder zurück. Deine Mutter und ich müssen heute Abend weg und wir möchten, dass du dann zu Hause bist", gab mein Vater schließlich nach.
"Danke!", ich fiel den beiden um den Hals und drückte ihnen einen Kuss auf die Wange.
Kaum im Wald suchte ich mir meine Lichtung. Es war eine kleine Lichtung im Wald innerem zu der ich immer ging wenn ich nachdenken musste. Wie auch heute. Ich legte mich auf den umgefallenem Baumstamm und machte die Augen zu und lauschte den Geräuschen der Natur. Es beruhigte mich sehr, genau das was ich jetzt brauchte
Mir kamen Bilder aus meiner Vergangenheit hoch. Ich war anders als sie. Ich sah ihnen nicht ähnlich, die einzige Gemeinsamkeit waren meine schwarzen Haare. Immer waren sie so überbehütet gewesen, aber warum bloß? Auch heute.
Was verheimlichten mir meine Eltern bloß?
Waren sie das überhaupt, meine Eltern? Allein dieser Gedanke schien mir völlig sinnlos doch je mehr ich über alles nachdachte um so logischer wurde er. Das Training zu Hause, diese Überbehütung und zu guter letzt das Aussehen. Alles passte zusammen. Aber war das wichtig, dass sie vielleicht nicht meine wirklichen Eltern waren?
Was wäre wenn sie mich nur von meinen richtigen Eltern beschützten? Und was wussten sie von meinem kleinem Anfall? Ich musste einfach mit ihnen reden, anders ging es nicht, denn darüber zu spekulieren half mir nicht weiter. Ich wollte und brauchte einfach Antworten.
"Mama? Papa?", rief ich leise in die Wohnung. Wie vereinbart war ich nicht lange weg gewesen, aber die Beiden waren schon weg. Ich ging in die Küche, weil ich auf einmal Hunger bekam. Auf dem Tisch fand ich einen Zettel.
Warte nicht auf uns Runa. Es könnte spät werden, geh ruhig schon schlafen.
Sie musste wohl aufgewühlt gewesen sein, als sie ihn geschrieben hatte. Ihre sonst so ordentliche Schrift sah so anders aus. Ich wurde misstrauisch. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Konnte nicht stimmen.
Nachdem ich mir etwas zu essen genommen hatte, legte ich mich in mein Bett und versuchte einzuschlafen. Doch immer wieder beschlich mich der Zweifel, dass das Geheimnis von ihnen nicht gut enden würde.