Die Prophezeiung
Neues Leben, neues Glück oder doch Pech?
Heute war der Tag, an dem Kakashi und ich ins nächste Dorf gehen würden um endlich wieder ein normales Leben anzufangen. Zwei fast drei ganze Jahre hatten er und ich in der Einsamkeit des Waldes gelebt und mich und mein Karugan und die Fähigkeiten des Kanjo-Clans trainiert. Er war stolz auf mich. Das spürte ich genau wenn er mich ansah oder mit mir über meine Vorschritte redete. Ich war wie eine kleine Schwester für ihn und er war wie ein großer Bruder für mich geworden, nicht mehr und nicht weniger. In der letzten Zeit waren wir am Ende angekommen, er konnte mir nicht mehr helfen und ich hatte die letzten drei Wochen auf eigener Faust trainiert. Ich hatte vieles herausgefunden. Einiges hatte ich Kakashi nicht erzählt. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich ihm beibringen sollte, dass ich manchmal seine Gedanken hörte, wenn sie sehr intensiv waren. Ich wollte sie meist nicht hören und baute dann schnell die Barriere um mich herum auf, es fühlte sich einfach falsch an.
"Bereit, Runa?", fragte er mich.
Ich nickte. Es war ein komisches Gefühl zu wissen wieder unter Menschen zu gehen. Wir hatten vor uns in dem nächsten Dorf vorzustellen um dort wieder von vorne Anzufangen. Wenn ich ehrlich war, war ich schon ein wenig aufgeregt, doch Gefühle gab es seit langen keine wirklichen mehr für mich. Es ließ sich alles so einfacher verarbeiten.
Zusammen traten wir aus dem Wald hinaus und blickten auf das Dorf unter uns.
"Kakashi?"
"Mmh?", er drehte sich zu mir um und sah mich an.
"Kannst du mir einen Kunai leihen?", fragte ich ihn vorsichtig, mein Blick war starr nach vorn gerichtet.
Er zögerte und war unsicher, er hatte Angst, dass ich mir wehtun würde.
"Keine Angst ich werde mir nichts tun. Ich will nur etwas erledigen, bevor wir runter gehen", beruhigte ich ihn und drehte mich zu ihm um. Ich setzte mein Lächeln auf um ihn noch mehr zu überzeugen und er gab mir einen seiner Kunais.
Ratsch!
Kakashis Mund stand offen und er schaute mich völlig verwundert an. Ich gab ihm seinen Kunai zurück in die Hand.
"Was ist los, können wir?", fragte ich unbekümmert und machte mich an den Abstieg.
"Warum hast du das gemacht? Du hast doch so an ihnen gehangen, oder nicht?", fragte er verdattert.
Ich zuckte teilnahmslos mit den Schultern.
"Zu lange Haare sind beim kämpfen nicht gut, und außerdem: Ich wollte einen Neuanfang und dazu gehören manchmal auch äußerliche Veränderungen", meine abgeschnittenen Haare wurden vom Wind weg getragen. Sie waren Hüftlang gewesen und gestört hatten sie mich nie, aber ich wollte meinen Neuanfang auch symbolisch darstellen, für mich.
Das Gespräch war gut verlaufen. Ich durften nun auch Missionen ausführen.
Endlich!
Wir blieben anschließend noch ein wenig in dem Dorf und schauten uns um. Es war das erste mal, dass wir zusammen außerhalb des Waldes waren. Es war schon ein komisches Gefühl, einfach so mit ihm durch die Straßen zu laufen. Ich schielte zu ihm hoch und betrachtet ihn. Für mich würde nie mehr als Freundschaft infrage kommen für ihn, aber die Idee, dass er eine Freundin hatte fand ich schon verlockend.
"Du, Kakashi?", fragte ich scheinheilig.
Für diesen Tonfall hatte er nur einen wartenden Blick übrig.
Sollte ich es ihn wirklich fragen? Hier und jetzt?
"Ach schon ok", murmelte ich und ging einfach weiter grade aus.
Er zuckte mit den Schultern und folgte mir.
"Was hält du von einem neuen Outfit?", fragte er mich als wir an einem Laden vorbeikamen.
Gleichgültig zuckte ich mit den Schultern. Unrecht hatte er nicht, was Neues würde mir auch mal gut tun.
"Warum nicht?", antwortete ich schlich und ging in den Laden.
Kurz bevor Kakashi die Nerven verlor entschied ich mich. Es hatte lange gedauert etwas passendes für mich zu finden, aber letztendlich war ich fündig geworden. Ein schwarzes eng anliegendes Top und eine lange schwarze Hose.
Schlicht. Einfach. Perfekt.
"Nie wieder mit einer Frau einkaufen", schwor Kakashi sich leise.
Leise kicherte ich vor mich hin.
Moment.
Ich kicherte? Was war mit mir los? Augenblicklich hörte ich auf.
"Lass uns nach Hause gehen", sagte ich kühl zu Kakashi.
Kaum im Wald trennten Kakashi und ich uns. Ich wollte noch einmal für mich alleine sein. Heute war das erste mal, dass es mir wirklich wieder besser ging, ich hatte das Gefühl, dass etwas ständig in meiner Nähe war und mich beobachtet. Wenn ich ehrlich war, war mir das schon viel früher aufgefallen, aber es hatte mich nicht interessiert. Heute jedoch spürte ich es noch mehr, als sonst. Da war jemand, der in mir den Schutzwall brach, den ich mühsam aufgebaut hatte. Ich wollte es nicht wahr haben, aber ich ahnte was es war.
Der Schatten.
Warum kehrte er zurück, wenn alles besser wurde? Konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen? Warum musste er mir wieder meine Leben zur Hölle machen?
Ich fing an zu rennen. Immer weiter in den Wald hinein.
Er folgte mir.
Warum? Warum bloß jetzt!?
Immer weiter und schneller. Ich hätte das Karugan aktivieren können, doch ich hatte viel zu große Angst es in der Nähe das Schattens zu tun.
Und was wenn es gar nicht er war?
Wenn der Schatten jemand anders war und Kakashi und ich mich getäuscht hatten.
Wollte ich es wissen?
Ja.
Ohne genau hinzusehen wo ich hingerannt war, wusste ich, dass ich an dem See war. Unserem See.
Ist setzte mich ans Ufer uns wartet. Ich wartete ob er kam und mich berührte oder mich einfach still weiter beobachten würde aus seinem Versteck in den Bäumen.
Es waren schon zwei Stunden vergangen, in denen ich nur da saß und wartete. Er hatte sich nicht gerührt, sein Blick ruhte einfach auf mir.
"Zeig dich", sagte ich.
Erstauntheit zeigten seine Gefühle, aber er kam runter.
Lässig lehnte er sich an den Baum und seine Gefühle änderten sich.
Er war aufgeregt und bemühte sich seine Gefühle zu verbergen. Kurz schloss ich die Augen und sammelte mich. Versuchte ruhig zu werden, um den Anblick, der sich mir gleich bot, zu wieder stehen, um ihn zu überstehen.
Langsam stand ich auf und drehte mich um.
Wie erwartet blickte ich in zwei pechschwarze Augen, die mich abwartend musterten.