Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Vom Regen in die Traufe

Vom Regen in die Traufe


26. Juli
Seit dem peinlichen Vorfall mit diesem Jungen sind nun schon 3 Wochen vergangen. Ich war zwar noch oft in der Stadt, aber ihn habe ich nicht wieder gesehen. Schade eigentlich...
Mum hat James weitere Predigten gehalten; daraufhin ist er ausgezogen und wieder zurück nach England gegangen. Mum und Dad sind enttäuscht von ihm, sagen sie. Mum meinte, wenn er so weitermache, sei er nicht mehr ihr Sohn.
Ich finde es super, dass er endlich mal den Mut gefasst hat und sich gegen Mum gewehrt hat. Soweit ich weiß, wollen Luzy und James nach Schottland ziehen; in ein gemütliches kleines Häuschen. Wenn ich Ferien habe, will ich ihn unbedingt besuchen!!!
Deine Dany


Danielle warf ihr Büchlein auf das Bett und beachtete es nicht weiter. In wenigen Tagen würde die Schule wieder beginnen und genau diese Tatsache übernahm ihre Gedanken. Sie wollte es sich selbst nicht eingestehen, aber ein wenig Angst mischte sich zwischen ihre Gefühle. Ebenso die Ungewissheit, was auf sie zukommen würde.
Sie schnappte sich ihre Tasche und lief die Treppe hinunter. Sie wollte nochmals in die Stadt gehen und sich ein wenig ablenken.
Doch die Zeit hält niemals an und somit kam der Tag, den Dany sogar ein wenig fürchtete: Der erste Schultag.
In England hatte sie nie diese Sorgen. In ihrer Klasse war sie beliebt gewesen und die Schule hatte ihr Spaß gemacht. Doch nun drehte es ihr den Magen um, wenn sie daran dachte.
Dieser Morgen war einer der Schlimmsten, den sie je erlebt hatte. Ihre Mutter, sonderbar aufgeregt, freute sich, dass ihr Nesthäkchen nun auf die Domino-High gehen würde.
„...und denk ja dran, dass du dich da benimmst!“, predigte ihre Mutter noch, als Dany die Tür öffnete und warme Luft ihr entgegenströmte. „Und sei ja nicht frech! Du willst doch schließlich einen guten Eindruck bei den Lehrern hinterlassen!“
„Ja, Mum.“, gab Danielle gelangweilt zurück und ließ schnell die Tür hinter sich ins Schloss fallen, bevor ihrer Mutter noch etwas einfiel, was sie Dany hinterherrufen könnte.
Erneut empfing sie ein strahlender Sommertag; schloss sie förmlich in die Arme. Den Vorschlag ihrer Mutter, sie zur Schule zu fahren, hatte Dany schnell abgelehnt. Sie wollte nicht noch während der Autofahrt mit ihren Predigten genervt werden.
Darum lief Dany nun den langen Weg zur Bushaltestelle entlang. Dort waren eine Menge Schüler der Domino-High, was sie an den Uniformen erkannte.
'Wenigstens tragen die hier auch Uniformen...', dachte sie sich erleichtert. 'Doch bei weitem nicht so hübsche wie die Engländer...', stellte sie lautlos fest.
Einige der Gesichter kamen ihr bekannt vor, allerdings nur vom Sehen. Im Gegensatz zu vielen anderen, konnte Dany sich Gesichter merken. Jeden den sie nur einmal gesehen hatte, würde sie immer wiedererkennen.
Danielle stellte sich neben die anderen und ihr Blick wanderte die Straße hinauf und wieder hinab.
'Hoffentlich kommt der Bus bald', murrte sie innerlich.
Sie fand den Morgen schon dank ihrer Mutter stressig genug. Doch dann kam der Bus schon der Haltestelle entgegen und hielt auf den Punkt genau vor Dany. Diese stieg ein und setzte sich auf einen Platz in der Mitte des öffentlichen Verkehrsmittels. Sie sah nach draußen, wo einige Vögel am Fenster vorbeiflogen. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.
'Vielleicht wird der Tag ja doch noch besser.', ermutigte sie sich und schloss kurz die Augen. Nach den Sommerferien war für jeden das Aufstehen eine Qual, doch für Dany, die das Ausschlafen -das dank ihrer Mutter meistens ausfiel- an den Wochenenden schätzte, war es die reinste Hölle.
Nach etwa zehn Minuten hielt der Bus vor der Schule und Dany stieg zusammen mit der schwatzenden Menge aus.
'Dann auf ins Sekretariat.', stöhnte sie innerlich, schritt aber dennoch selbstbewusst auf das Gebäude zu.
Sie öffnete die großen Türen und trat ins Foyer. Zum Glück hingen dort Hinweisschilder. Auf einem stand nun in bereits abblätternden Buchstaben das Wort Sekretariat. Neben dem Wort war ein Pfeil aufgemalt worden, der nach links wies.
Diesem folgte Dany, bis sie schließlich vor einer schneeweißen Tür ankam, auf der in schwarzen Lettern wieder Sekretariat stand.

Der Raum war etwas größer als gedacht; zwei Schreibtische fanden nebeneinander gestellt darin Platz. Hinter dem linken saß eine etwas ältere Frau, der man sofort ansah, dass sie schon etwas in die Jahre gekommen war.
Dany sah ihr an, dass es hier zurzeit recht stressig ablaufen musste. Dennoch sah die Frau auf und lächelte ihr freundlich entgegen: „Was kann ich denn für dich tun?“
„Ähm...Ich sollte mich hier anmelden.“, brachte Dany nach einer kurzen Sekunde des Überlegens, was sie denn jetzt wollte, hervor.
„Ahh...warte!“, sie kramte in ihrem Berg von Papieren herum. Dany nahm sich bei diesem Anblick fest vor, niemals Sekretärin zu werden.
„Du musst Danielle Munir sein.“, sagte sie und sah von ihrem Blatt Papier auf. Dany nickte nur. „Ja genau.“
„Gut.“, sie kramte unter ihrem Tisch herum, holte schließlich ein kleines Paket hervor.
„Das ist deine Schuluniform!“, gab die Frau an. „Außerdem hast du hier...“, sie drückte Dany einige Zettel in die Hand, „...deinen Stundenplan, sowie ein Plan des Hauses. Du kannst dich auch noch von unserem Schülersprecher herumführen lassen. Soweit ich weiß, geht er ebenfalls in die Klasse von Herrn Narumi.“ Nach diesem Schwall an Informationen nickte Dany nur beklommen.
„Den Namen schreibe ich dir hier auf.“, sagte die Sekretärin überflüssigerweise und schrieb einen Namen auf einen neongrünen Zettel. 'Wenn ich den verliere, zweifle ich echt an mir.', dachte sich Dany und verdrehte innerlich die Augen.

Wenig später, nachdem sie sich viermal verlaufen hatte, fast im Lehrerzimmer stand und beinahe ins falsche Klassenzimmer gegangen war, stand sie endlich vor ihrem Klassenzimmer. Und was gut war: Dem richtigen.
Sie öffnete die Tür und trat in den bereits mit Menschen gefüllten Raum. Innerlich seufzte sie.
Nur wenige nahmen Notiz von ihr. So auch ein Mädchen mit braunem kinnlangem Haar. Sofort kam diese auf Dany zu und begann nur mit einem freundlichem „Hi“. „Hi“, gab Dany nur zurück. „Du musst unsere Neue sein.“, begann das Mädchen und genau ab diesem Moment ging sie Dany auf die Nerven. „Da du mich sicherlich hier vorher noch nie gesehen hast, ist das eigentlich eine logische Schlussfolgerung!“, gab Dany kühl zurück. Wer seit dem Kindergarten mit Zoé befreundet war, von dem konnte man bei solcher Naivität keine netten Worte erwarten.
„A-also...Ich bin Klassensprecherin und wollte dich in unserer Klasse herzlich willkommen heißen.“, fing sich ihr Gegenüber nun wieder. „Ich bin Tea.“
„Hallo Tea. Danke für diese netten äußert herzlichen Worte.“, sagte Dany mit sarkastischem Unterton, wobei sie das Wort 'herzlich' besonders betonte.
„Tja...ähm...“, stotterte Tea vor sich hin. Dany hingegen schüttelte nur ungeduldig den Kopf und meinte nach einer Weile: „Kannst du mir sagen, wer von denen hier Yami Muto ist? Er soll Schülersprecher sein und ich will ihn fragen, ob er mich herumführen kann.“ Sie wedelte mit dem neonfarbenen Blatt vor Teas Nase herum.
„Oh..ähm...Das kann ich auch übernehmen.“, bot Tea schnell an.
„Neee, danke! Lass mal!“, gab Dany ebenso schnell zurück. 'Von dir hab ich heute genug!', setzte sie in Gedanken hinzu.
„Oh..ähh..Dahinten sitzt er.“, sagte Tea und deutete auf einen Jungen auf der anderen Seite des Zimmers. Dany drehte sich um und ließ vor Schreck fast den Zettel fallen. „Neeee oder...“, stöhnte sie. „Ausgerechnet er!“ Und da saß er: Der Junge, den sie mit ihren Inlinern über den Haufen gefahren hatte. Doch so lässig , wie er dasaß, sah er verboten gut aus. Als Dany daran dachte, versuchte sie diese Gedanken schnell wieder aus ihrem Kopf zu verbannen.
„Was hast du gesagt?“, fragte Tea argwöhnisch nach. „Ähm...Ich habe ihn schon einmal getroffen...“, murmelte Dany leise. 'Leider nicht unter den besten Umständen.'
„Ach ja? Wo denn?“, fragte Tea bohrend nach.
„Mensch! Ich hab ihn in der Stadt über den Haufen gefahren! Hälst du jetzt endlich mal den Mund?“, rief Dany laut und funkelte Tea böse an.
Doch nun herrschte Stille. Totenstille. Alle, wirklich alle hatten ihre Gespräche unterbrochen und sich dem Schreihals zugewandt.
Zu spät bemerkte Dany ihren Fehler. 'Oh nein!' Sie wurde feuerrot. 'Genau das, was ich nicht wollte! Am ersten Tag im Mittelpunkt stehen.' Wieder einmal wünschte sie sich, der Erdboden würde einen Spalt auftun und sie würde darin verschwinden. Doch das war leider nur ein Wunschdenken.
„Hey! Ist das unsere Neue?“, rief ein Junge mit schmutzig blondem Haar.
„Sehr gut kombiniert, Hündchen.“, meinte Dany kühl zu ihm, woraufhin plötzlich der Junge neben Yami anfing zu lachen. „Siehst du Joey! Nicht nur ich bin der Meinung, dass du ein Köter bist!“
„Seto!“, mahnte ihn Yami leise.
Der Junge namens Joey fing nun an zu schmollen. Tea jedoch stellte sich vor Dany und stemmte die Arme in die Seiten; immer noch hörte die ganze Klasse zu.
„Du kannst hier nicht einfach ankommen und uns alle beschimpfen!“, stieß sie wütend hervor.
„Wie du siehst kann ich das.“, murmelte Dany und achtete nicht auf Teas wutentbranntes Schnauben. Sie wollte gerade den Mund aufmachen, als jemand sie beiseite schob und zu Tea meinte: „Lass sie doch endlich in Ruhe!“ Es war Seto.
„Aber Seto! Sie hat Joey einen Hund genannt!“, regte sich Tea auf. Dieser verdrehte die Augen und sagte: „Ich mach das doch auch ständig!“
„Du bist ja auch nicht neu hier!“, gab