Galaxy
Die Vergangenheit holt jeden ein
Sternschnuppen
Sternschnuppen
Den ganzen lieben langen Tag tigerte Dany aufgeregt durch das Haus. Ria begann nach einer Weile, sich zu beschweren, da Dany angeblich ihre volle Konzentration für das Fernsehen zerstöre.
Dany nahm dies nur mit einem Murren hin; eingeschnappt verließ sie das Haus und trat auf die Straße; der klare Himmel trug keine Wolken. Die Sonne schien angenehm warm auf sie hinab. Doch bei diesem Anblick regte sich etwas in ihr; der Traum aus der Nacht kam ihr wieder in den Sinn.
Sofort kehrte sie um und riss förmlich die Haustür auf.
„Ria!“, rief sie, so laut sie konnte, durch das Gebäude. Die Gerufene fauchte nur eine unverständliche Antwort zurück; doch als Dany das Wohnzimmer betrat, schnappte sie der Kleineren die Fernbedienung aus der Hand und schaltete den Fernseher aus.
„Ich wollte das sehen!“, fuhr Ria sie angriffslustig an.
„Und ich will dir was erzählen!“, begann Dany und schilderte, ohne zu zögern, der Blonden, was sie in der Nacht geträumt hatte.
Ria nickte immer wieder und als Dany geendet hatte, sagte sie leise, dass sie damals zum Pharao geführt worden wäre. Mehr gab sie jedoch zu dieser damaligen Situation nicht preis, sodass Dany im Unklaren blieb, was danach oder gar davor passiert war.
Die Kleinere schnappte sich lieber die Fernbedienung und schaltete das dazugehörige Gerät ein. Dany jedoch ging mit einem Seufzen aus dem Raum.
Die Zeit schien jetzt so langsam wie noch nie zu vergehen. An diesem Tag dauerten für Dany fünf Minuten so lange wie eine Stunde; ständig sah sie auf die Uhr und hoffte, dass es bald dunkel werden würde.
Doch irgendwann kam immer der Zeitpunkt, auf den man sich freute; es war neun Uhr abends, als es an der Tür klingelte. Dany sprang hocherfreut von ihrem Bett und sprang die Stufen hinunter. An der Tür angekommen, riss sie diese praktisch fast aus den Angeln; doch als sie sah, wer es war, machte sich Enttäuschung in ihr breit.
„Ach du bist das!“, stellte sie gelangweilt fest, als ihr Vater über die Schwelle trat.
„Es ist immer wieder schön, wie man hier begrüßt wird!“, meinte dieser mit einem halben Lächeln und fügte noch hinzu: „Auf wen wartest du denn?“
Dany murmelte etwas Leises vor sich hin; John verstand davon nicht ein einziges Wort. „Was?“
Doch bevor sie antworten konnte; klingelte es wieder an der Tür und als Dany diese erneut öffnete, breitete sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus. „Yami!“
Der Genannte stand grinsend vor ihrer Tür und gab ein leises „Hi!“ zurück. Sein Blick fiel auf John, der etwas überrascht wirkte.
„Guten Abend.“, grüßte Yami den Älteren und wandte sich dann an Dany: „Bist du fertig?“
Dany nickte schnell und warf ihrem Vater noch ein „Bis nachher!“ entgegen, bevor sie die Tür hinter sich schloss.
„Und wer war das jetzt?“, fragte John leise, während Ria an ihm vorbeilief.
„Das ist Yami...“, gab Ria als Antwort, als sie die Treppe empor stieg. „Er geht in ihre Klasse...“
„Achso?“
Dany, überglücklich, folgte Yami aus der Stadt hinaus; Domino war umrahmt von einigen Wäldchen. Und hinter denen gab es eine Erhöhung, von denen man das Schauspiel am besten sehen könnte. Das sagte jedenfalls Yami.
Dany staunte nicht schlecht, als sie an dem Ort ankamen. „Es ist wunderschön hier!“, flüsterte sie leise und besah sich die Umgebung genau. Wenige Bäume säumten den Platz, der mit noch grünem Gras bedeckt war. Ein kleiner geschwungener Weg führte durch die Rasenfläche hindurch. Der Himmel lag wie eine Decke über dem Ort und das so tintenblau und kristallklar, dass man jeden einzelnen Stern sehen konnte.
Yami ließ sich ins Gras fallen und Dany tat es ihm gleich. Er deutete auf mehrere Sterne und sagte leise zu ihr: „Das ist Kassiopeia!“ Danys Blick folgte seinem Arm zum Firmament hinauf und sie erkannte ein paar Sterne, die, wenn man sie verbunden hätte, aussahen wie ein W. „Das Himmels-W!“, fügte Yami hinzu.
„Und dort drüben ist Orion! Nach dem Gürtel des Orions stehen die drei großen Pyramiden in Ägypten...“, fuhr er fort und deutete auf das nächste Sternbild.
Dany sah verwundert zu ihm. „Du kennst dich wohl sehr gut damit aus?!“
Yami lachte leise und sagte: „Mein Großvater arbeitet als Astronom in der Sternwarte am anderen Ende der Stadt. Durch ihn habe ich viel über die Sterne gelernt...“
Dann zog schon der erste Schweif am Himmel entlang. „Jetzt darfst du dir was wünschen!“, flüsterte Yami ihr plötzlich ins Ohr, sodass ihr ein Schauer über den Rücken lief.
„Was wäre, wenn ich doch schon alles hätte?“, fragte sie genauso leise, wie er gesprochen hatte.
„Ach hast du das?“, seine Stimme klang neugierig.
„Naja...fast...“, zwinkerte sie ihm zu und er begann zu grinsen.
„Und was würdest du dir wünschen?“, hakte Dany nun nach. Er grinste nur geheimnisvoll und tadelte sie: „Das darf man doch nicht sagen, sonst geht der Wunsch doch nicht in Erfüllung!“
Dany sah ihn gespielt eingeschnappt an und zog eine Schnute. Das sah sich Yami nicht lange mit an: Er zog sie dichter zu sich heran und sah ihr tief in die Augen. „Willst du es wirklich wissen?“
Dany nickte sofort. Sie war doch schon etwas neugierig geworden.
Ehe sie sich versah, zog er sie noch dichter an sich heran und küsste sie innig. Sofort begann es in ihrem Bauch zu kribbeln; sie konnte sich im Moment wirklich nichts Schöneres vorstellen. Yami ging es ähnlich; nein, im ging es wirklich genauso. Als sie sich wieder lösten, flüsterte Yami leise: „Das war mein Wunsch!“
Dany strahlte ihn an und kuschelte sich wortlos an ihn.
Es war später geworden; die Sternschnuppen hatten sich vervielfacht; es regneten Hunderte hinab. Noch immer sagte keiner der beiden ein Wort; sie saßen nur im Gras und kuschelten sich aneinander. Erst jetzt durchbrach Yami die Stille, die bisher geherrscht hatte. Er hauchte ihr ganz leise zu: „Ich liebe dich, Dany!“ Danys Gesichtsfarbe nahm an rot zu, ehe sie ein „Ich liebe dich auch“ zurück flüsterte. Diese Worte besiegelten sie mit einem weiteren zärtlichen Kuss.
Ihr Blick fiel auf die Uhr, als es bereits zwei Uhr morgens war. „Ach du....!“ Sofort sprang sie auf, woraufhin Yami sie fragend ansah.
„Es ist schon so spät....äh...so früh! Verdammt, ich hätte schon längst zu Hause sein sollen!“
Auch Yamis Augen wanderten zu seiner Armbanduhr. Er war ebenfalls erstaunt darüber, wie schnell die Zeit doch zusammen vergangen war.
„Soll ich dich noch nach Hause bringen?“, fragte er nach, doch Dany winkte ab. „Du musst doch sicherlich auch schnell nach Hause, oder?“
Yami schüttelte den Kopf. „Außer Yugi ist ja da niemand...“
Sie wandten sich schon zum Gehen und Dany hakte weiter nach. „Meine Eltern, sowie mein anderer Großvater, sind Archäologen...Sie haben kaum Zeit und sind selten zu Hause.“, erklärte Yami, während sie den Wald durchstriffen.
Beide bemerkten nicht das lilane Paar Augen, dass sie verfolgte.
„Ist das nicht schlimm? Besonders für Yugi?“, fragte Dany leise.
Yami zuckte allerdings nur mit den Schultern. „Wir sind es gewohnt...Der einzige Vorteil ist, dass ich dadurch mehr Zeit habe, um zu Opa in die Sternwarte zu gehen!“
Dany nickte; schon hatten sie das Wäldchen verlassen. Die beiden unterhielten sich noch, bis sie schließlich vor Danys Haustür standen.
„Dann bis morgen!“, flüsterte Yami leise und gab ihr erneut einen Kuss, den Dany nur zu gern genoss. „Bis morgen!“
Dany sah ihm noch hinterher, bis er um die nächste Straßenecke verschwunden war. Vorsichtig und leise trat sie an die Haustür heran und öffnete sie. Doch in dem Moment, in dem sie die Tür wieder schloss, ging das Licht an.
„Ach, haben wir uns doch noch dazu entschieden, nach Hause zu kommen, ja?“, fauchte Lianne; sie sah unglaublich wütend aus.
„Ähm...“, machte Dany, zu mehr war sie gerade nicht in der Lage.
„Wer ist eigentlich dieser Yami?“, hakte nun John nach, der in den Flur kam.
„Seit vorhin mein Freund!“, meinte Dany frech und setzte hinzu: „Ich geh jetzt ins Bett, wenn´s recht ist. ´s ist schließlich schon spät!“
Lianne und John konnten gar nicht erst etwas dazu sagen, da Dany schon die Treppe hinaufgestürzt war, die Tür ihres Zimmers aufgestoßen und sich glücklich auf ihr Bett geschmissen hatte.
Was hatte sie sich noch vor ein paar Tagen gedacht? Zurück nach England? Nein, diese Überlegung war schon lange wieder aus ihrem Kopf geblasen.
Dany schloss die Augen und dachte über den Tag nach. Und dann über ihren Traum. Und dann über das Mädchen, das in ihrem Zimmer gestanden hatte, mitten in der Nacht. Und dann...war sie ins Land der Träume übergegangen.