Galaxy
Die Vergangenheit holt jeden ein
Bakura
Bakura
Sie saß erneut auf dem Boden und grinste frech zu ihm hinauf. „Wollt Ihr wirklich diejenige bestrafen, die Euren Sohn vor dem Tode bewahrt hat?“ In ihrer Stimme schwang Hohn mit. Verwirrt sah er auf sie hinab. „Was meinst du damit?“
„Eure Wachen hatten versagt!“, lachte sie; der Pharao starrte nur weiterhin ungläubig auf das Mädchen hinab.
Dany schlug die Augen auf. Wieder so ein Traum. Und nie erfasste sie ganz die Situation, in der sie damals gesteckt hatte. Eines war sicher: Sie hatte Atemu anscheinend einmal das Leben gerettet. Es Ria zu erzählen würde ihr nichts nützen; die Kleinere würde wieder nur so viel wie nötig sagen. Dany hatte ihre Strategie schon lange durchschaut: Ria wollte, dass sie sich allein an alles erinnerte.
Doch das verwirrte die Ältere nur noch mehr. Statt chronologisch kamen die Erinnerungen durcheinander und immer nur bruchstückhaft.
Sie setzte sich auf und hielt sich den Kopf. Starke Kopfschmerzen übermannten sie. Dany rutschte aus dem Bett und machte sich auf den Weg nach unten, um sich ein Glas Wasser und eine Kopfschmerztablette zu holen.
Draußen leuchteten noch die Sterne am Himmel; sie konnte gar nicht lang geschlafen haben. Doch als sie die Tür öffnete, trat hinter ihr jemand aus dem Schatten.
„Danielle!“, flüsterte das Mädchen mit heiserer Stimme. Blitzschnell drehte sich diese um und versuchte im Schatten jemanden zu erkennen.
„Was willst du denn schon wieder von mir?“, fauchte Dany; die Kopfschmerzen wurden immer unerträglicher.
Ihr Gegenüber sagte nichts; allerdings war ein kindliches Kichern zu hören. Doch dann wurde sie wieder ernst: „Du musst nach Ägypten!“
„Wie bitte?“, Dany sah auf. „Was soll ich denn da?“
„Du musst mit Yami nach Ägypten; nimm am besten Ria auch gleich mit!“, wiederholte sie, ohne auf Danys Frage einzugehen.
„Aber...“
„Das beste wäre wirklich, du fährst ohne deine Eltern!“, überlegte das Mädchen, ohne Danys Einwände zu beachten. „Sie würden dich wahrscheinlich nur behindern...“
„Hallo? Es ist Schule!“, warf Dany ein und starrte wütend in die lilanen Augen.
„Na und? Dann fährst du in den Ferien! ´s dauert ja nicht mehr lang...“, gab das Mädchen zurück; sie fügte plötzlich kichernd hinzu: „Übrigens, voll süß, der Kuss gestern!“
Dany klappte der Mund auf. Ungläubig stotterte sie: „Wie...? Was...? Du hast uns zugeguckt?“
Ihr Gegenüber grinste, sagte allerdings nichts mehr.
„Spanner!“, fauchte Dany leise und sah das Mädchen verärgert an. Dieses jedoch kicherte leise. „Ich pass´ doch bloß auf dich auf!“
„Aber doch nicht so!“, meinte Dany wütend. „Warum tust du das überhaupt?“
Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Ich denke nicht, dass das von Bedeutung ist!“
Dany knurrte bedrohlich: „Wieso verfolgst du mich die ganze Zeit?“
Das Mädchen wurde nun endlich wieder ernster; das Grinsen wischte sich von selbst von ihrem Gesicht. „Das Böse...Es kommt zurück! Ein Verwandter vom Bösen steckt in euren Reihen! Gib auf dich Acht, denn ich werde es nicht ständig können!“
Damit verschwand sie und ließ Dany mit ihren verwirrten Gedanken allein.
Die Tage vergingen; ebenso wie die Wochen und schon standen die Ferien vor der Tür. Traten förmlich die Haustür ein; überraschten Dany vollkommen.
Danielle hatte sich gehütet, Yami oder Ria von ihrem Traum und der Begegnung mit dem Mädchen zu erzählen. Doch am ersten Ferientag fiel ihr wieder ein, was sie die letzten Wochen so beunruhigt hatte.
Die ersten Oktobertage warfen ihr Licht auf die Erde, als die Ferien begannen. Dany erwachte; die Sonne kitzelte sie mit ihren Strahlen, die das Fenster passierten. Sofort drückte die Schuld auf ihren Magen. So langsam musste sie es doch mal Ria erzählen...
Später, die Sonne stand bereits auf ihrem höchsten Punkt, klopfte Dany leise an Rias Tür. „Ja?“, kam es dumpf von drinnen. Dany öffnete und schaute hinein.
„Ria, kann ich mal mit dir reden?“, fragte Dany leise nach und die Kleinere sah von ihrem Laptop auf und nickte. „Klar!“
Dany schilderte ihr wieder einmal alles und Ria runzelte nach einer Weile die Stirn. „Nach Ägypten?“, fragte sie nach. „Das Böse kommt zurück?“
Ria begann zu grübeln; sie schien zu überlegen, wer damit gemeint sein könnte. Dany stand nur unschlüssig da und fragte nach ein paar Minuten der Stille: „Wollen wir oder nicht?“
Ria lehnte sich zurück und nickte der Decke zu. „Ja, das wäre wohl das Beste...Du musst aber Yami über alles aufklären!“
„Das ist mir bewusst!“
Ria drehte sich zu ihr um und meinte: „Ich werde es Mum und Dad beibringen!“
Damit war es zwischen ihnen schon einmal geklärt. Nun blieb nur noch die Sorge, dass ihre Eltern und Yami etwas dagegen hatten.
Sofort schnappte sich Dany ihre Inliner und fuhr zu Yami. An dem kleinen Häuschen angekommen, klingelte sie und trat nervös von einem Bein aufs andere.
Ria rief währenddessen ihre Mutter an.
„Lianne Munir!“, meldete es sich am anderen Ende der Leitung.
„Hi, Mum...“
„Ria? Was ist los?“
„Du...ähm...Dany und ich, wir haben uns gedacht, wir fliegen beide mit ein oder zwei Freunden jetzt in den Ferien in den Urlaub....Hast du was dagegen?“
„Und wer bezahlt euch das?“, kam es frech zurück.
„Naja...wir dachten uns...ihr!“, meinte Ria kleinlaut und klammerte sich fester an ihr Handy.
Lianne lachte nur, ehe sie antwortete: „Na gut...Wohin soll es denn gehen?“
„Ägypten!“, nuschelte Ria leise, woraufhin Stille herrschte.
„Okay!“, kam es nach einer Weile und Lianne fügte hinzu: „Wie viele Personen sollen denn fliegen?“
Ria zählte kurz innerlich durch, ehe sie hervorbrachte: „Vier!“
Lianne seufzte leicht, stimmte dann aber zu.
Die Tür ging auf und Yami stand auf der Schwelle. „Hi, was machst du denn hier?“, fragte Yami kurz überrascht.
„Yami...kann ich kurz reinkommen? Ich muss dir etwas Wichtiges erzählen!“ Yami nickte und trat beiseite.
Im Wohnzimmer begann sie ihm und Yugi, welcher auch da war, alles zu erklären; dazu gehörte natürlich auch, dass Ria eigentlich ihre Schwester war. Yami nahm das erst fassungslos auf. Dennoch glaubten die Brüder ihr, was sie erleichterte. Beide freuten sich sogar auf die Reise nach Ägypten.
Als Dany das Haus wieder verließ, war es Abend. Der Mond stand hell am Himmel und beleuchtete die Erde. Neben ihm funkelten die Sterne um die Wette.
Langsam rollte sie die Straße entlang und bekam nicht mit, dass ihr jemand folgte. Der Mann lief mit schnellen aber leisen Schritten hinter der Schwarzhaarigen hinterher. Dany bemerkte ihn erst, als sie um eine Ecke fuhr. Sie sah seinen Schatten aus den Augenwinkeln. Zuerst glaubte sie, er liefe nur in dieselbe Richtung, doch als er nach fünf Minuten immer noch hinter ihr war, wurde es ihr unheimlich.
Sie achtete nicht mehr auf die Umgebung; sie wollte nur noch weg. Doch dabei übersah sie eine hochstehende Gehwegplatte; stolperte und fiel hin.
Der Mann hatte sie mittlerweile eingeholt. Dany setzte sich langsam auf und drehte sich um. Ihr blieb der Atem weg, als sie ihm in das, von der Laterne beschienene, Gesicht sah.
„Ryo?“, fragte sie leise, stockte dann aber. Das konnte nicht Ryo sein. Der Mann vor ihr wirkte viel älter; seine Haare standen wilder ab und seine Augen strahlten nicht diese Freundlichkeit aus, die Ryo immer an den Tag legte.
„Nein, sein Cousin!“, sagte ihr Gegenüber und grinste dreckig. „Ich bin Bakura!“
Dany wollte weg, doch dieser Name...Etwas regte sich wieder in ihr. Erneut verschwamm die Umgebung, eine neue Erinnerung wollte über sie hereinbrechen, doch Dany ließ das nicht zu. Zum ersten Mal kämpfte sie dagegen an. Ihr Unterbewusstsein sagte ihr, dass er keiner von den Guten war. War er das Böse? Schließlich war er mit Ryo verwandt und dieser kam aus ihren 'Reihen'.
Bakura machte ein paar Schritte auf sie zu, doch plötzlich schoss etwas dunkelrotes an Dany vorbei und stieß ihn zurück.
„Du wirst ihr nichts tun!“
Da war sie wieder: Die kindliche Stimme. Dany sah auf. Neben ihr stand ein kleines Mädchen. Ihre Augen glänzten lila; ihr Haar war dunkelrot, hatte sogar bald einen winzigen Lilastich. Weiße Engelsflügel ragten aus ihrem Rücken, sie trug ein rot weißes Oberteil und einen Rock; zudem hatte sie einen Zauberstab in der rechten Hand. Er sah genauso aus wie der von Dany und Ria, nur war der Stab rot; der Stern auf der Spitze rot weiß und auch das Band unter dem Stern war rot.
„Ireon!“, fauchte Bakura und das Mädchen wandte sich zu Dany. „Verschwinde! Ich halte ihn auf!“
Dies ließ Dany sich nicht zweimal sagen. Sie sprang auf und fuhr die Straße hinab, wobei sie immer wieder ein paar Blicke über ihre Schulter zurückwarf.
Doch schon bald konnte sie das Mädchen und Bakura nicht mehr sehen.
Zu Hause angekommen, stürmte sie förmlich in Rias Zimmer und erzählte ihr, was eben erst passiert war.
„Ireon?“, hauchte Ria plötzlich leise, als Dany geendet hatte.
Dany nickte und fragte neugierig: „Wer ist Ireon?“
„Galaxis“, begann sie, „ist der Engel der Dunkelheit....Orion ist der Engel des Lichtes....und Ireon ist der Engel der Liebe...Es gibt noch einen weiteren: Andromeda...sie ist der Engel des Todes“
Dany sah zu Ria. „Aber wer ist Ireon? Als Mensch?“
Ria schüttelte den Kopf. „Früher war sie Atemus Schwester, wer sie heute ist, weiß ich nicht...“
„Kann sie, wie wir, den selben Namen wie früher tragen?“, hakte Dany nach und Ria nickte. „Es kann sein, ja...“
„Wie hieß sie früher?“
Ria lächelte gequält. „Ich weiß es nicht mehr...“
Dany sah enttäuscht zu Ria. „Na wunderbar!“
Doch die Kleinere lächelte danach aufmunternd. „Wir finden das schon noch heraus!“, sagte