Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Nightmare

Nightmare


Die Nacht lag über dem wunderschönen Land und zog die Kälte mit sich.
Ria hatte sich am Abend beruhigt, doch immer wieder wachte sie auf und schrie nach ihren Eltern. Für Dany wurde es zuviel. Irgendwann sank sie nur neben Rias Bett auf die Knie und ließ all ihre Verzweiflung aus sich hinaus.
Als Ria das sah, beruhigte sie sich langsam. „Dany! Nicht weinen!“, flüsterte die Blonde plötzlich schuldbewusst und tippte sie vorsichtig an.
Dany sah auf und lächelte sie gequält an. „Wir schaffen das, Ria!“
Ria schaute ihre Schwester mit großen Augen an. „Glaubst du das?“
„Mit Sicherheit!“

Der nächste Tag brachte ihnen die endgültige Gewissheit. Die Hoffnung, die in den beiden geherrscht hatte, dass ihre Eltern vielleicht verschont wurden, wurde zerstört, als Anubis am nächsten Morgen zu ihnen kam und den beiden mit leiser Stimme beichtete, dass dem nicht so war.
Ria schniefte wieder; sie versuchte ihre Tränen aufzuhalten. Doch es war, als würde sie den Sonnenaufgang verhindern wollen.
Allerdings erschien noch im Laufe des Tages Osiris bei ihnen und erklärte, dass der Pharao seine Strafe bekommen würde; die beiden müssten ihm nur folgen. Sie gehorchten und liefen ihm hinterher; die Umgebung veränderte sich urplötzlich. Statt in den Gang vom Tempel zu gelangen, standen sie in einem viel helleren. Die Schwestern sahen sich erstaunt um.
„Kommt!“, sagte Osiris und winkte sie zu sich. Nachdem die beiden neben ihm standen, rührte er sich nicht mehr.
„Ähm...Onkel?“, fragte Ria nach einer Weile und zupfte an seinem Schurz. „Worauf warten wir?“
Osiris sah überrascht zu Ria hinunter.
„Wir warten auf den Pharao!“, erklärte er, „Er kommt gleich hier vorbei!“
Ria nickte und ließ ihn wieder los. In diesem Moment kam der Genannte den Gang entlang. Er sah erschöpft aus. Noch während er ging, stockte er, da ihm Osiris in den Weg trat.
„Was...?“, schockiert blieb er stehen.
„Pharao Aknamkanon...!“, begann Osiris, „Wieso habt Ihr das Dorf Kul Elna vollkommen zerstört und all die Menschen getötet?“
Aknamkanon sagte nichts; zu sehr war er von der Erscheinung des Gottes gelähmt.
„Beantwortet meine Frage!“, forderte Osiris und klang dabei wütend.
„I-ich...habe deren Seelen für das Ritual der Milleniumsgegenstände benutzt...“, murmelte der Pharao, während seine Augen immer wieder an Osiris vorbei und zu diesem zurück huschten.
„Er sucht nach einem Ausweg!“, flüsterte Dany plötzlich, sodass Ria und Osiris sich zu ihr umdrehten. „Er würde am liebsten verschwinden!“
Ihre eigenen Worte waren ihr so fremd, obwohl sie sie selbst aussprach. Sie hatte es einfach im Gefühl.
Osiris wandte sich wieder dem Pharao zu und sagte mit eiskalter Wut in der Stimme: „Doch Ihr habt zwei Kinder vergessen! Ihr habt ihnen die Eltern genommen!“
Der Gott trat beiseite, sodass der Pharao Dany und Ria sehen konnte. Seine Augen weiteten sich ein Stück, als er sie wiedererkannte. „Ihr!“, flüsterte er; dabei verengten sich seine Augen.
Ria wimmerte leise; sie klammerte sich an Dany, welche nur wütend zum Pharao hinauf starrte.
„Osiris, bring dieses Gesindel aus meinem Palast! Sie gehören auch nur zu den Dieben, die in diesem Dorf gewohnt hatten!“, rief Aknamkanon wütend.
Ria schniefte schon wieder, was den anderen nicht verborgen blieb.
„Du siehst also deinen Fehler nicht ein?!“, es war mehr eine Frage, als eine Feststellung. Osiris setzte seine Worte fort. „Da du ohne weiteres ein ganzes Dorf abgeschlachtet und somit diesen Kleinen ihre Eltern genommen hast, wirst du deine älteste Tochter zu mir schicken! Sie wird noch heute vor mein Gericht treten!“
Der Pharao sagte fassungslos: „Nein! Das kannst du mir nicht antun!“
Osiris gab, während er auf Dany und Ria zeigte, mit Hohn in der Stimme zurück: „Wie konntest du es den beiden hier antun?“
Aknamkanon sah zu den beiden; sein Blick wanderte über Ria, die sich weinend an Dany klammerte, zu Dany selbst, die unsicher zurückstarrte.
„Ich werde Amina nicht zu dir geben!“, sagte er plötzlich mit fester Stimme, während er zu Osiris zurück sah. „Ich werde meine Tochter nicht einfach so zu dir bringen! Mich gehen diese Kinder nichts an!“.
Osiris wurde zunehmend wütender. „Dann hole ich deine Tochter! Du wirst für das, was du getan hast, büßen!“
Aknamkanon starrte den Gott nur fassungslos an. „Bitte, lasst mir meine Tochter!“, flehte er leise.
Doch Osiris wandte sich ab und machte eine Handbewegung, woraufhin er und die beiden Kinder wieder verschwanden.
Nur wenige Stunden, nachdem die beiden mit Osiris bei dem Pharao gewesen waren, fand man die Prinzessin Amina tot in ihrem Gemach. Durch diese Tat war der unendliche Groll des Pharaos auf die Götter entstanden.

Die Jahre zogen ins Land; Danielle war mittlerweile zwölf; Ria acht. Beide hatten sich im Laufe der drei Jahre bestens im Tempel eingelebt. Immer wieder kamen die Götter zu ihnen und sahen nach den beiden. Dany hatte mittlerweile ihre Kräfte, die sie besaß, unter Kontrolle; sie konnte sich verwandeln, wenn sie es wollte und sogar ein Ka rufen. Selbst Ria hatte ebenfalls in den Jahren gelernt, die Kräfte, die in ihr schlummerten, zu kontrollieren.
Doch der Tag, der nun anbrach, sollte einen weiteren Umbruch mit sich bringen.
Es war noch früh am Morgen, als Dany sich aus dem Tempel schlich.
Sie bemerkte nicht, dass sie von den Göttern beobachtet wurde; sie wiegte sich in Sicherheit und nahm nicht an, dass die Gottheiten ihre Abwesenheit wahrnahmen. Doch in diesem Punkt irrte sie sich gewaltig. Osiris schickte sogar Anubis hinter dem Mädchen her, sollte etwas geschehen, was nicht passieren durfte.
Danielle lief nach Theben; die heiße Sonne brannte am Himmel; Ra warf ebenfalls ein Auge auf sie. Doch Dany nahm davon keine Notiz. Ihr fiel auch einfach nicht der Schakal auf, der ihr in einem gewissen Abstand folgte.
Sie kam am Markt an; dieser war überfüllt. Die Menschen drängten sich zwischen den Ständen hindurch und achteten dabei nicht auf das kleine Mädchen, dass mit einmal begann, die Reichen zu bestehlen.
Geschickt nahm sie einem rundlichen Mann einen vollen Beutel mit Geldstücken ab und verschwand in der Menschenmenge. Der Mann bemerkte zu spät, dass er seines ganzen Geldes beraubt worden war. Er brüllte den ganzen Platz zusammen, dass man den Dieb finden solle. Doch Dany war schon in einer der nahen Gassen verschwunden und saß auf dem Boden, wobei sie ihr Diebesgut zählte.
Anubis war schon wieder im Tempel; berichtete aufgebracht den restlichen Göttern von Danys Tat. Einige waren erzürnt. Sie forderten von Osiris, dass man die Schwestern des Tempels verweisen solle. Doch dieser entgegnete ihnen nur mit leichter Trauer in der Stimme: „Sie sind noch Kinder. Ich kann sie nicht einfach in die Wüste schicken!“

Dany bekam nichts von dieser Unterhaltung mit. Sie machte sich zurück auf den Weg zum Tempel, doch dabei wurde sie aufgehalten: Ein Mädchen stellte sich ihr in den Weg.
„Hey!“, rief das braunhaarige Mädchen und deutete auf den Beutel mit Geld, „Warum bist du hier? Hier stehle ich!“
Dany machte ein paar Schritte zurück. Die rehbraunen Augen ihres Gegenübers nahmen immer mehr einen lilanen Farbton an.
„Anscheinend muss ich dir erst beibringen, wessen Revier hier ist!“, fauchte die braunhaarige und rief urplötzlich: „Nightmare! Komm zu mir!“
Dann erschien hinter ihr etwas, dass Dany den Atem raubte. Ein in einen zerschlissenen Umhang gehülltes Skelett, auf einem gleichartigem Pferd, tauchte hinter der Braunhaarigen auf. Eine riesige Sense, beklebt mit Blut, wurde von ein paar Fingerknochen gerade noch so gehalten.
„Los!“, schrie Danys Gegenüber und das Pferd nahm Anlauf; es machte weite Sprünge; kam rasant dichter. Das Gerippe darauf hob die blutige Sense und richtete sie auf die Schwarzhaarige. Dany überlegte rasch, was sie tun könnte; doch sie war wie gelähmt.