Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Jade

Jade


Es kam immer dichter; hielt nicht an. Dany suchte in Gedanken einen Ausweg, doch ihr fiel überhaupt nichts ein, was sie tun könnte. Gegen dieses Ka hatte sie doch keine Chance.
„Moment mal!“, flüsterte Dany, „Na klar...Mein Ka!“
Die Sense hoch erhoben, waren Pferd und Reiter schon fast bei ihr, als Dany rief: „Jade! Komm zu mir!“
In der Ferne erklang ein Grollen, bevor ihr riesiger dunkelblauer Drache vor ihr erschien und sich dem Ka namens Nightmare in den Weg stellte. Davon schien die Braunhaarige sehr überrascht; sie hatte nicht erwartet, dass dieses kleine Mädchen auch ein Ka besaß und es rufen konnte.
Jade schnaubte und behielt das daherkommende Ka ganz genau im Auge.
„Jade! Eisflamme!“, befahl Dany und die Genannte gehorchte. Ein riesiger blauer Feuerball stürzte auf Nightmare zu, doch dieser wich aus und kam dem Drachen gefährlich nahe. Jade allerdings schlug mit dem Schwanz aus und riss den Reiter von seinem Pferd.
Die Braunhaarige riss die Augen auf. „Das kann doch nicht sein!“, wütend stapfte sie auf und ballte die Fäuste. „Wer bist du, dass dein Ka stärker ist, als meines? Das hatte ich noch nie!“
Nightmare verschwand geschlagen und ließ das erzürnte Mädchen allein zurück.
Dany antwortete ihr nicht, das Mädchen jedoch stierte wütend in ihre blauen Augen. „Ich komme wieder!“, spie das Mädchen aus und wandte sich ab. Kurz blieb sie noch stehen, sah über ihre Schulter und meinte etwas ruhiger: „Ich bin Akari...Merk dir meinen Namen gut!“ Und binnen eines Augenblickes war sie schon verschwunden.

Dany kam endlich am Tempel an. Sie ahnte nicht im Geringsten, dass man sie dort bereits sehnlichst erwartete. Schon, als sie durch den Eingang trat, erkannte sie Osiris, der mit verschränkten Armen im Gang stand.
„O-osiris!“, Dany blieb schockiert stehen. „I-ich...“
Doch der Gott brachte sie bereits mit seinem Blick zum Schweigen. „Ich hätte nie gedacht, dass du beginnst, die Menschen zu bestehlen! Warum hast du das getan?“
Dany senkte den Blick; erst jetzt wurde ihre Begegnung mit Akari wieder aus ihren Gedanken gedrängt. „Ich hatte...Ich wollte...Ich habe in diesem Moment nicht nachgedacht...Es war die Versuchung, die mich wohl dazu brachte...“, flüsterte Dany beschämt.
„Die anderen Götter wollten, dass ich dich und deine Schwester aus dem Tempel verweise!“
Dany schaute wieder auf. „Nein, bitte nicht!“
„Das hatte ich nicht vor...Doch ihr beide braucht jetzt keine Erwartungen in uns setzen!“, sprach Osiris leise. Damit verschwand er und ließ Dany allein zurück.
Seufzend zog Dany den Beutel mit Geld hervor. Dann drehte sie sich um und schlug den Weg nach Theben erneut ein.

Währenddessen:

„Mein Prinz!“
Die Stimme seines besten Freundes hallte den Gang entlang, sodass der Gerufene stehen blieb und sich umsah. Atemu, Prinz von Ägypten, wollte eigentlich allein zum Markt, doch wie er seinen Freund Mahado kannte, würde dieser darauf bestehen, dass er von ein paar Wachen begleitet wurde. Wie jedes Mal.
„Mahado?“
„Sagt nicht, ihr wollt schon wieder allein zum Markt!“ Mahado sah den Prinzen tadelnd an. „Ihr wisst, dass euer Vater das nicht erlaubt!“
Atemu stöhnte leise. „Nur ein Mal!“
Doch Mahado blieb stur. „Nein, mein Prinz!“
Atemu gab sich geschlagen, nicht nur, weil Mahado, wenn er einfach ging, zu seinem Vater gehen würde. „Okay, okay!“, seufzte er und Mahado lächelte. „Ich werde zwei Wachen damit beauftragen!“
Damit wandte er sich ab und schritt den Gang entlang.

So stand Atemu nur wenig später auf dem Markt; begleitet von zwei furchteinflößend aussehenden Wachen.
Als die Umstehenden Atemu als den Prinzen erkannten, fielen sie auf die Knie. Nur eine Person nicht. Diese kam auf den Sohn des Pharaos mit schnellen Schritten zugelaufen. Der Mann trug einen langen Umhang, sein Gesicht war nicht zu erkennen.
Die Wachen nahmen die Gefahr rechtzeitig war; richteten die Waffen auf ihn, doch die Person rief: „Diabound!“ Woraufhin ein schlangenartiges Ka neben der Person auftauchte, die nun begann zu lachen. Die ganzen Menschen auf dem Platz nahmen Reißaus. Angst war in ihren Gesichtern zu entdecken.
„Die Wachen!“, rief der Mann und deutete auf die beiden Bewaffneten. Das Ka namens Diabound schlug die Beiden zu Boden. Atemu stand nun ohne Schutz vor dem Monster und starrte in dessen rote Augen.
„Töte ihn!“, zischte der Mann, der nun sein Gesicht offenbarte.
Diabound kam schnell auf den Prinzen zu; hatte schon eine Klaue erhoben.
Doch bevor Diabound den Prinzen erreichte, ertönte ein Ruf: „Jade!“
Der dunkelblaue Drache tauchte vor Atemu auf und schlug mit dem Schwanz nach Diabound aus. Atemu drehte sich blitzschnell um und sah Danielle, die ihre Augen nur auf Diabound gerichtet hielt.
Ihr Blick wanderte zu dem Mann; sie stockte jedoch, als sie ihn erkannte. „Bakura?“
Nun endlich schien auch der Genannte das Mädchen zu erkennen. „Ach, wenn das nicht Danielle ist!“
Er rief Diabound zurück. „Wie kommt es, dass du noch lebst?“, fragte Bakura mit Hohn in der Stimme.
„Wie kommt es, dass du noch lebst?“, gab sie die gleiche Frage zurück.
„Ich hatte Glück!“, zuckte Bakura mit den Schultern und deutete dann auf den Prinzen. „Sein Vater ist an allem Schuld!“
Dany nickte. „Ich weiß...Aber du kannst ihn nicht deshalb angreifen!“
„Was...? Du hälst noch zu ihm?“, Bakura starrte sie fassungslos an, ehe sein Gesicht einen irren Ausdruck annahm. „Gut, dann stirbst du eben mit ihm! Ist mir auch egal! Diabound, greif an!“
„Jade! Eisflamme!“, rief Dany und der Drache spie einen eisblauen Feuerball auf Diabound. Das Monster verschwand plötzlich und tauchte hinter Atemu wieder auf. Es hob eine seiner Klauen und drohte damit, den Prinzen zu töten.
„Nein!“, rief Dany panisch. „Hör auf!“
Bakura lachte nur irre, ehe er mit einmal rief: „Greif sie an!“
Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde drehte sich Diabound um und griff Dany an. Diese konnte gar nicht so schnell reagieren; dafür war Jade schnell genug.
Der Drache baute sich vor Diabound auf und spuckte erneut eine blaue Flamme nach ihm. Bakura sah wütend zu Dany, als Diabound sich zurückzog.
„Wie hast du das gemacht?“, schrie er sie an. „Du hast doch gar nichts gesagt! Dein Ka kann doch nicht von allein handeln!“
Dany jedoch wandte ihre Aufmerksamkeit lieber Jade zu, welche kurz zwinkerte, ehe sie verschwand. Verblüfft stand die 12-jährige da und starrte auf den Fleck, wo eben noch Jades Augen gewesen waren.
„Was...war...denn...das?“, flüsterte sie leise.
Bakura schnaubte nur wütend und rief auf Atemu deutend: „Dich kriege ich schon noch! Und du...“, er wandte sich zu Dany, „kannst dich das nächste Mal schon darauf freuen, dass du ihm ins Totenreich folgen wirst!“
Er pfiff und ein schwarzer Hengst kam aus einer der Gassen angelaufen. Bakura sprang auf, warf nochmal einen hasserfüllten Blick auf die beiden und riss an den Zügeln des Pferdes, woraufhin dieses sich umdrehte und stieg. Dann jagte es mit seinem Reiter davon.
Atemu wandte sich an Dany. „Danke!“
Diese jedoch schenkte seinen Worten wenig Beachtung.
„Pass auf dich auf!“, war das einzige, was sie zu sagen hatte, ehe sie sich umdrehte und ebenfalls verschwand.

Sie streifte durch die dunklen Gassen, als eine bekannte Stimme hinter ihr ertönte. „Ach, wenn das nicht unser kleiner Drachen ist!“
Blitzschnell drehte sich Dany um und sah Akari ins Gesicht. Sie stöhnte leise. „Nicht du schon wieder!“
Akari schnaubte wütend und schritt dichter auf die Schwarzhaarige zu. „Dieses Mal wirst du nicht so viel Glück haben....Nightmare!“
Erneut erschien das Skelett auf seinem Knochenpferd. „Todesschlag!“, brüllte Akari und bekam ähnlich wie Bakura einen irren Blick in den Augen.
„Jade!“, rief Dany und ihr treuer Drache tauchte vor ihr auf. „Eisinferno!“
Jade spie nun nicht nur einen kleinen Feuerball, sondern einen riesigen Strahl an blauen Feuer, dass die ganze Gasse in Brand setzte.
„Bist du verrückt?“, schrie Akari; ihr Reiter war in dem Inferno gefangen.
Jade jedoch holte zum nächsten Schlag aus. „Nein!“, rief Dany, und Jade stoppte in ihrer Bewegung.
Pferd und Reiter waren schon längst am Boden. Doch anstatt zu verschwinden, richteten sich die beiden Geschöpfe wieder auf. Der Reiter stieg auf das Pferd; als Dany den Blick zu Akari wandte, schrie sie auf.
Dort stand nicht mehr die Braunhaarige, mit ihren rehbraunen Augen. An dem Ort befand nun ein Mädchen mit stechend lila Augen und pechschwarzen Flügeln.
„Wer bist du?“, erkundigte sich Dany mit zitternder Stimme.
„Ich bin Andromeda...oder wie du mich kennengelernt hast: Akari...“, entgegnete das Mädchen lachend.
„Und du dürftest Galaxis sein?!“ Sie musterte Dany ganz genau. „Jaa bestimmt...kein anderer hat ein so starkes Ka....“
Dany hingegen machte ein paar Schritte zurück. Obwohl sie sich selbst in so eine Art Engel verwandeln konnte, machte ihr dieser Angst.
„Was für eine bist du?“, hauchte Dany und trat immer weiter zurück. Andromeda hingegen kam immer dichter. „Ich bin, wie gesagt, Andromeda...Der Engel des Todes!“
Dany riss die Augen auf. „Engel des Todes?“
„Das hab ich doch gerade gesagt!“, warf ihr Gegenüber genervt ein. „Warum glaubst du, ist mein Ka dieses wundervolle Geschöpf?“ Sie deutete auf Nightmare; das Knochenpferd wieherte dumpf.
Dany unterdrückte plötzlich ein Lachen. „Wundervolles Geschöpf?“
Andromeda gab ein leises „Tze“ von sich und verschränkte die Arme. In diesem Moment glich sie eher einem bockigen Kind als einem Todesengel.
Dany kicherte leise, was Andromeda wütend werden ließ. „Mein Ka ist wenigstens stärker als manch andere!“,