Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Diebin!

Diebin!


Es war ein riesiger Phönix, der vom Himmel herabschoss. Er war so grell und wunderschön, dass einem der Atem wegblieb. „Joy! Greife Nightmare an!“, rief eine bekannte Stimme.
Dany wandte sich um und sah Ria, die konzentriert dastand und ihren Blick auf Nightmare geheftet hielt.
Der Reiter wurde wieder von seinem Pferd gerissen. Andromeda ballte zornig die Fäuste. „Ihr Narren! Ihr könnt mich niemals aufhalten! Habt ihr gehört? Niemals!“
Dann rief sie Nightmare zurück und verschwand in dem Rauch, welchen das langsam ausgehende Feuer noch aufsteigen ließ.
„Danke!“, lächelte Dany ihrer kleinen Schwester zu. Diese nickte nur und rief Joy zurück.
Ohne Umschweife liefen die beiden zum Tempel zurück. Doch Dany begann zu grübeln.
„Du sag mal Ria...Woher wusstest du, wo ich bin?“, fragte sie, als sie den Tempel fast erreicht hatten.
Ria lächelte leicht und beantwortete dies mit einem: „Osiris...“

Der nächste Morgen kündigte sich an; so warm, wie eh und je.
Dany stand gähnend auf und bemerkte, dass Ria schon längst ihr Bett verlassen hatte. Langsam schlurfte sie durch die Gänge, kam dabei an einem Gang vorbei, in welchem sich zwei Personen unterhielten.
„...kannst sie nicht nur benutzen!“
„Ich benutze die beiden nicht...“
„Ach nein? Du willst dich doch bloß durch sie an dem Pharao rächen, weil er damals einfach so das Dorf abgeschlachtet hat!“
Dany blieb stehen; sie lauschte nicht gern, aber dieses Gespräch wurde doch so langsam interessant.
„Durch den Verlust ihrer Eltern bei diesem Vorfall wurde Andromeda zu dem, was sie jetzt ist!“
Dany stockte. Hatte Akari etwa auch bei ihr im Dorf gelebt?
„Hast du sie deshalb zu uns geholt? Damit sie nicht wie Akari werden?“
Es waren Osiris und Anubis, die da sprachen; Dany erkannte erst jetzt ihre Stimmen.
„Ja!“, gab Osiris zu. „Und sie müssen dem Pharao zeigen, dass er einen Fehler begangen hat!“
„Warum? Du hast ihn doch schon bestraft?!“
„Das hat nicht viel geholfen...Also brauche ich die beiden...“
„Also willst du die Kleinen doch benutzen...Sie sollen dem Pharao zeigen, dass er falsch gehandelt hat und du trittst dabei gar nicht in Erscheinung!“, Anubis klang aufgebracht.
Es herrschte einen Moment lang Stille, ehe Osiris antwortete. „Ja!“
Anubis schnaubte zornig. „Warum nur? Wenn du sie dorthin schickst, und der Pharao sie wiedererkennt, dann wird er sie töten lassen!“
„Dann haben sie Pech!“, gab Osiris zurück.
Dany stand wie angewurzelt da. Osiris benutzte sie nur. Es war ihm egal, ob sie starben oder lebten.
Ihr Blick wurde starr; sie hörte zwar, dass beide auf sie zukamen, doch rührte sie sich nicht vom Fleck.
Erst, als Osiris und Anubis sie entdeckten, löste sich ihre Starre. Beide schienen schockiert; sie blieben stehen.
„Dany...“, begann Osiris, doch diese schaute eiskalt in seine Augen, wandte sich ab und lief davon. So schnell wie möglich suchte sie Ria, die sie in der Nähe des Ausganges auch fand.
„Komm!“, rief Dany und schnappte ihre Hand.
„Dany, was ist los?“, fragte Ria naiv nach; Dany antwortete ihr nicht, sie zog einfach Ria mit sich, ohne sich umzusehen.
„Dany...!“, nörgelte Ria leise; doch diese beachtete die Kleine erst, als sie schon fast Theben erreicht hatten.
„Die haben uns nur benutzt!“, rief Dany plötzlich wütend. „Es ist ihnen egal, ob wir leben oder sterben!“
Ria sah Dany an, als sei sie verrückt.
„Hast du Fieber?“, fragte die Blonde, doch Dany sah ihr fest in die Augen.
„Ich habe gerade ein Gespräch von Osiris und Anubis gehört...Sie haben uns nur benutzt! Sie wollten uns zum Pharao schicken!“, rief Dany, ohne Rias Frage zu beantworten.
Ria schüttelte den Kopf. „Das würden sie doch nicht machen...“
„Dann geh doch wieder zurück! Ich werde jedenfalls dort nicht mehr hingehen!“, rief Dany zornig und lief weiter auf Theben zu. Ria stand kurz unschlüssig da, sie spürte, das Dany das ernst meinte. Dann folgte sie der Größeren.
„Und wo wollen wir jetzt hin?“, fragte sie leise. „Wir haben auch kein Geld!“
„Ich hab da schon eine Idee!“, sagte Dany und betrat den Marktplatz, der wieder einmal überfüllt war.

„Versteck dich in der Gasse da!“, murmelte Dany, „Ich komme gleich wieder!“
Ria gehorchte, und sobald sie verschwunden war, sah sich Dany nach einem günstigen Opfer um. Das hatte sie schnell gefunden.
Schnurstracks lief sie auf einen reich aussehenden Mann zu; doch sie bemerkte nicht die beiden Männer in der Nähe, die Wachen vom Palast waren. Sie verbrachten ihre Pause hier. Beiden fiel die Kleine ins Auge.
Dany hingegen wollte gerade wieder ihrem Opfer ein wenig Geld stehlen, als sie Schreie hörte. „Hey!“ Sofort zog sie die Hand zurück und sah ertappt nach oben. So schnell wie möglich drehte sie sich um und verschwand in der Menschenmenge.
Doch die Wachen waren flink und schnell. Die Schwarzhaarige war schon bald außer Atem.
Sie kam in eine Straße; die beiden Wachen waren nicht zu sehen. Der warme Sand spielte um ihre Füße. Sie wandte den Blick nah oben. Der Himmel lag so schön blau über ihr; nicht eine Wolke war zu sehen.
Allerdings konnte sie den Anblick nicht lange genießen. Die Wachen hatten sie garantiert bald eingeholt. Sie hörte die schweren Schritte schon hinter sich; panisch sah sie sich um. Nichts zum Verstecken in der Nähe. Sie wusste, dass man sie zum Richterkollegium bringen würde, wenn man sie schnappte. Doch was würde dann aus Ria werden?
Noch ehe sie den Gedanken beendet hatte, spürte sie den heißen Atem einer Wache in ihrem Nacken. Diese hielt sie fest und begann, sie anzuschreien.
Als die andere Wache ebenfalls erschien, berieten sie, ob man sie zum Pharao bringen solle. Danys Gedanken rasten. Nein...Nicht zum Pharao!
Doch der Entschluss war schnell gefasst, und Dany wurde in Richtung Palast geschleift.

Die Mauern erschienen bedrohlich groß vor ihnen. Dany machte sich bereits auf das Schlimmste gefasst.
Türen wurden aufgestoßen und das Mädchen durch die Hallen gezogen.
Im Thronsaal war es ruhig, als Dany hineingebracht wurde.
„Mein Pharao...Wir haben dieses Mädchen erwischt, als sie stehlen wollte...“, begann die eine Wache unterwürfig, während die andere dazu nickte.
Der Pharao gab den beiden mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie gehen konnten.
„So...“, begann er eiskalt. Dany sah nicht zu ihm auf; sie starrte lieber auf den Boden.
„Sieh mich an!“, befahl er. Dany machte Anstalten, den Kopf zu heben; tat es dann aber.
Aknamkanon erkannte sie nicht. Das schien ihr Glück zu sein.
Der große Raum wurde nur vom Pharao und einigen seiner Hohepriester gefüllt. Allesamt schauten zu ihr hinab. Einige angewidert, andere neugierig.
Als der Pharao zu sprechen begann, wandte sie sich den fremden Gesichtern wieder ab.
„Weißt du, was ich mit denen mache, die in meinem Land stehlen?“
Dany begann frech zu grinsen und antwortete: „Nein, woher denn auch?“
Nur wenig später bereute sie ihre Aussage.
„Für diese Frechheit wird deine Strafe noch härter ausfallen!“, bellte der Pharao und ein zorniger Ausdruck schlich sich in seine Augen.
Dany jedoch begann wieder dreist zu grinsen. „Wollt Ihr wirklich diejenige bestrafen, die Euren Sohn vor dem Tode bewahrt hat?“ Hohn schwang leise mit, auch wenn kaum bemerkbar.
Der Pharao verlor den wütenden Ausdruck in seinen Augen; dieser wurde nun durch einen verwirrten ersetzt. „Was meinst du damit?“
„Eure Wachen hatten versagt!“, lachte sie; der Pharao starrte nur weiterhin ungläubig auf das Mädchen hinab. „Als Bakura ihn angegriffen hat!“, fügte sie hämisch hinzu.
Sie kam wieder; die Wut auf den Pharao. In Dany brodelte es, als ihre Gedanken kurz zu ihren Eltern schweiften.
„Man hat mir davon nicht berichtet!“, gab er kühl zurück. „Warum sollte ich dir glauben?“
„Weil ich es bezeugen kann!“, ertönte nun eine andere; sanftere Stimme. Alle wandten den Kopf; alle erkannten den Prinzen, der jetzt seinen Blick von Dany zu seinem Vater wandern ließ.
„Atemu?“
Der Genannte kam dichter. „Bitte, bestrafe sie nicht...“, sagte Atemu zu seinem Vater. „Sie hat mir mein Leben gerettet und ich möchte, dass sie gehen darf!“
Aknamkanon sträubte sich gegen den Wunsch seines Sohnes. „Wenn ich sie jetzt laufen lasse, dann wird sie gleich wieder stehlen!“
In Dany schäumte die Wut hoch. „Warum wohl?“, fauchte sie plötzlich. „Ich habe ja niemanden mehr, der mir helfen könnte! Und daran seid Ihr Schuld! Nur weil Ihr unser Dorf zerstört habt!“
Sofort schlug sie sich die Hand vor den Mund. Nun hatte sie sich verraten.