Fanfic: HeartBeat
Kapitel: New Classmate
Die Vögel zwitscherten am frühen Morgen in den Bäumen. Es war Frühling. April um genau zu sein. Hier in Deutschland hatte der letzte Leidensabschnitt vor den Sommerferien begonnen. Gott sei Dank! Yong-Jun war gerade auf dem Schulgelände angekommen. Jeder Tag war eine Qual, er hasste es auch nur einen Fuß in dieses Gebäude zu setzen. Seine Noten waren mies, seine Mitschüler beachteten ihn fast gar nicht und Freunde hatte er keine. Warum wusste er selbst nicht.
Der Koreaner schlurfte mit gesenktem Blick durch die Gänge, er wusste genau wo sein Klassenraum war. Wortlos betrat er den Raum und setzte sich auf seinen Platz. Der Stuhl neben ihm war frei. Er tat sich schon immer schwer damit Anschluss zu finden, doch seit dem Umzug seiner Familie in diese Stadt war er völlig auf sich allein gestellt. Früher waren auch seine Noten besser gewesen, er wollte Abitur machen, jetzt würde er die Prüfungen wahrscheinlich nicht einmal bestehen.
Yong-Jun trug eine Brille mit einem dicken, schwarzen Gestell, seine Kleidung war lässig-sportlich, trotzdem eher schlicht. Umso weniger er auffiel, umso weniger machten sie sich über ihn lustig. Er hörte noch immer Musik, seine Kopfhörer dröhnten ihm die wohligen Klänge seiner Lieblingsband in die Ohren.
Der Unterricht wurde mit dem eintönigen Geräusch über die Lautsprecheranlagen eingeläutet. Yong-Jun nahm die Kopfhörer von seinen Ohren und packte alles in seine Schultasche. Der Lehrer betrat wenig später das Klassenzimmer, aber er war nicht wie gewöhnlich alleine. An seiner Seite war ein blondes Mädchen. Eine neue Mitschülerin. Vereinzelt tuschelten Mädchen und Jungen miteinander. Ihre schokoladenbraunen Augen wanderten einmal durch das gesamte Klassenzimmer.
„Guten Morgen“, grüßte der Lehrer. „Morgen, Herr Berger“, erwiderte die Klasse den Gruß, aber dann sahen alle die neue Mitschülerin an. „Du kannst dich vorstellen“, wies der Lehrer sie an. „Okay“, sie nickte ihm höflich zu. „Hallo ihr Lieben“, ein strahlendhelles Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Mein Name ist Melanie und ich bin 16 Jahre alt. Meine Familie ist umgezogen und deshalb gehe ich jetzt hier auf die Schule“, erzählte sie freundlich. Ein Mädchen streckte ihre Hand in die Höhe und bekam auch durch Herr Berger die Erlaubnis zu sprechen.
„Hoffentlich bist du gut in der Schule. Du darfst nämlich neben unserem Taugenichts sitzen, aber wenn du magst, können wir auch zusammenrutschen und du kannst dich noch hier hin quetschen“, sagte Amanda, ein Mädchen mit kurzen roten Haaren, in einem abschätzenden Tonfall und meinte das Angebot mehr als nur ernst. „So etwas möchte ich in meinem Unterricht nicht hören“, ermahnte sie der Mathelehrer umgehend. „Das geht schon klar, ich setze mich gerne auf den freien Platz dort hinten“, antwortete Melanie und wartete auf eine Anweisung des Lehrers, die sie zum Setzen aufforderte.
„Setz dich bitte neben Jun“, bat Herr Berger und zeigte in die Richtung des Asiaten. Yong-Jun war unter den Lehrern zu Jun geworden, da der Name einfacher und kürzer für die europäische Bevölkerung war. Er mochte den Namen Key-Jay zwar lieber, aber das war unter den Lehrern dann doch zu informell. Melanie setzte sich neben Yong-Jun und lächelte ihn mit einem warmen und ehrlichen Lächeln an. Der Koreaner war das gar nicht mehr gewöhnt und war etwas irritiert.
„Hallo, Jun. Freut mich dich kennenzulernen“, begrüßte sie ihn. „Ja, danke. Mich freut es auch“, sagte er leise und sah nach vorne. Einige Klassenkameraden warfen ihm argwöhnische Blicke zu, als ob er ein Monster wäre, das die arme, neue Mitschülern ins Verderben stürzte. Während Herr Berger schon mit dem Matheunterricht begann, unterhielten sich die beiden noch im Flüsterton.
„Hm, Jun. Du bist Japaner, oder?“, fragte sie dann. „Nein. Ich heiße Yong-Jun Kim. Ich bin Koreaner“, korrigierte er sie und sah sie durch die Gläser seiner Hornbrille forsch an, bevor ihm auffiel, dass er vielleicht etwas freundlicher sein sollte, da sie die einzige war die überhaupt mit ihm redete. Und wer wusste schon wie lange? „Entschuldigung, wenn das fies klang, du konntest das ja nicht wissen“, er sah auf seine Hausaufgaben, die zu 90 % falsch waren. „Schon gut. Kein Problem“, sie strahlte wieder bis über beide Ohren. Melanie war ein wirklich nettes Mädchen.
Hat Yong-Jun endlich Aussichten auf eine Freundin an der neuen Schule oder lässt sich auch Melanie durch die anderen Schüler und Schülerinnen beeinflussen? Ihr werdet es im nächsten Kapitel herausfinden. ;-)
LG Kim