Hello Cold World
Hallo kalte Welt
„Sitzt er dort wirklich?“, hakte eine junge, platinblonde Frau, bei dem netten, alten Barkeeper nach. „Ja, das tut er. Mit seiner Bande. Sei bitte vorsichtig Romy.“ Die junge Frau nickte und rutschte langsam von dem Hocker, auf dem sie saß. Dabei stützte sie sich am Tresen ab und wandte sich langsam um. Schritt für Schritt, darauf bedacht, nicht irgendwo gegenzustoßen, steuerte sie auf den Tisch zu, der nahe dem Ausgang stand. Romy kannte sich gut aus und fand schnell ihren Weg zu diesem Tisch. Ein Glück, dass nicht viel los war und dennoch rempelte sie ausversehen einen Gast an. „Hey pass doch auf, bist du blind?!“, herrschte er sie an. „Tut mir leid, das wollte ich nicht.“, entschuldigte sich die hübsche Blondine und setzte langsam ihren Weg fort.
Endlich kam sie bei ihrem Ziel an und kam, bevor sie gegen den Tisch stoßen konnte, zum Stehen. Die Bande musterte die Blondine überrascht, nur der Käpt’n selbst, widmete sich nur seinem Sake. Die Kleine räusperte sich und begann dann zu sprechen. „Hallo, ich bin Romy.“ Verwundert wurden Blicke zwischen den Bandenmitgliedern ausgetauscht, was Romy nicht sehen konnte, sich es aber dachte. Ihr Spürsinn war enorm. „Kein Interesse.“, ertönte die tiefe, kalte Stimme des Kapitäns. „Oh ähm, nicht falsch verstehen, das sollte keine Anmache sein. Ich möchte Sie um etwas bitten.“ Ein gedämpftes Lachen, seitens der Bande, und der Kapitän blickte auf. „So? Was willst du?“, fragte er sie ruhig und runzelte anschließend die Stirn. „Nehmen Sie mich mit. Ich zahle auch gut.“ Das Lachen wurde lauter, nur er blieb ruhig. „Wohin soll denn die Reise gehen?“ Ein wenig war er neugierig oder lag es an dem Sake? „Ich weiß Sie wollen zu den Sabaody Archipels. Ich muss dahin, Sie und Ihre Bande sind meine letzte Chance.“ Während sie sprach, sah sie leer irgendwo hin. „Hm. Kleine, da hast du dir ja was vorgenommen.“ Der Käpt’n stand auf und sogleich spürte sie einen leichten Wind vor ihrem Gesicht. „Auch das noch. Du bist blind und fragst mich, ob ich dich mitnehme? Ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt.“, knurrte er leicht und setzte sich wieder hin. „Ich stehe Ihnen ganz bestimmt nicht im Weg, ich will einfach nur dahin. Ich zahle wirklich gut.“, versicherte sie und Trafalgar Law, schüttelte genervt den Kopf. Als sie keine Antwort bekam, ergriff sie erneut das Wort. „Ich biete 300 Millionen Berry!“ Law wurde stutzig. „Was will ein blindes Mädchen auf den Sabaodys? Kannst du mir das mal erklären?“, hakte er launisch nach. „Das muss Sie nicht interessieren, das ist meine Sache.“ Grinsend lehnte sich der Kapitän zurück. „Du hast wirklich Biss, das muss ich dir lassen. Du scheinst aus gutem Hause zu stammen, du bist sehr höflich und wie sich das anhörte, hast du ne Menge Kohle. Du solltest nicht so damit rumprahlen.“ „Das tu ich nicht. Also?“ Romy spürte seinen Blick auf ihr ruhen und wartete auf eine Antwort. Er schien zu überlegen. „Sorry Kleine, aber ich kann keinen Blinden Passagier gebrauchen.“ Kalte Worte, wie die von diesem Käpt’n war sie gewohnt, genau wie Beschimpfungen und andere Demütigungen. Romy hatte sich über die Jahre, als sie erblindet war, eine dicke Haut wachsen lassen. Ansonsten wäre sie längst, wegen dieser kalten Welt, zu Grunde gegangen. Sie kämpfte weiter, aber warum wollte sie unbedingt auf die Sabaodys? Und das in dem Zustand? „Ich erhöhe auf 400 Mil…“, versuchte sie es erneut, doch Law unterbrach sie forsch. „Sag mal, warum verstehst du immer Ja, wenn ich Nein sage? Und dann sagen die Frauen immer, wir Männer wären so. Pass auf ich wiederhole mich nur ungern, ich würde es dir ja hundertmal aufschreiben, aber da du es eh nicht lesen könntest…NEIN!“, fauchte er und stand auf. „Kommt Jungs. Gehen wir.“ Romy senkte ihren Kopf, als sie hörte, wie sie die Stühle ran schoben und die kleine Bar verließen.
Er war ihre letzte Chance und hatte sie eiskalt abserviert, aber was hatte sie erwartet? Dass eine Piratenbande, mit einem Supernovae als Kapitän, für ein blindes Mädchen mal eben Taxi spielen würde? Wohl kaum, aber ein Versuch war es Wert. Ihre letzte Hoffnung verschwand mit ihren Augen ins Dunkel. Betrübt ließ sie den Kopf hängen und wollte langsam nach Hause gehen. Sie kannte den Weg in und auswendig, all ihre Hürden und Gefahren. Langsam verließ sie die Kneipe und horchte ihre Umgebung ab. Dafür, dass sie nichts sehen konnte, nahm sie ihre Umgebung nun anders war. Intensiver so verrückt es auch klang. Die Blondine lief nun langsam los, doch kam sie nicht weit. Sie vernahm ein knacken hinter sich, sie wurde verfolgt und sogleich rumgerissen. „Was?!“, bekam sie nur erschrocken raus und spürte, wie sie gegen einen Baum gepresst wurde. „Was wollen Sie?!“, verlangte sie zu erfahren. „Dein Geld, du hast von einer Menge Kohle gesprochen! Gib sie mir!“ „Keine Ahnung wovon Sie sprechen!“, redete sie sich raus, doch es half nicht. „Ich bin nicht taub, ich hab gehört, dass du diesem Piratenpack Geld angeboten hast! Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!“ Sie kannte diesen Kerl nicht, sein Atem roch widerlich und er war sehr grob. „I-ich kann nicht…“, stotterte sie, als er sie erneut aufforderte ihn anzusehen.
„Los lassen oder du verlierst gleich deinen Kopf.“ Der Unbekannte lies, angesichts dieser finsteren Drohung, von Romy ab, die aufatmete. „T-Trafalgar Law? Ich…“, stotterte der Gauner und wich bei dem Anblick des „Chirurg des Todes“ schnell zurück. „Lauf, solange du noch kannst.“, drohte dieser und der Gauner nahm seine Beine in die Hand und flüchtete schnell. Law widmete sich Romy und ihren leeren Augen, die mal geglänzt haben mussten. „Alles gut?“, fragte er mit wenig Sorge in der Stimme. „Ja, danke.“ „Ich hatte dir ja gesagt, du sollst nicht so rumprahlen.“ Romy schwieg und richtete blind ihre Kleidung. Sie war sehr zugeknüpft, offenbar hatte sie Angst zu attraktiv auf Männer zu wirken. Nicht dass diese auf dumme Gedanken kamen, sie konnte sich immerhin nicht so wehren, wie sie es gerne täte. „Ich geh dann mal.“, gab sie Bescheid, was Law amüsierte. „Du hast Nerven wie Drahtseile weißt du das? Find ich gut.“ Romy fiel nichts darauf ein, was sie erwidern könnte und wollte nun gehen, als er sich erneut meldete. „Warte mal kurz. Ich hab nachgedacht über dein Angebot. 400 und ich nehme dich mit unter einer Bedingung.“ Romys Herz schlug schneller, meinte er es wirklich ernst? „Ich tu alles was Sie wollen!“, schoss es aus ihr und er grinste nur. „Übertreib mal nicht. Meine Bedingung ist nur, dass du meine Crew nicht unnötig mit irgendwelchem Mitleidskram ablenkst und vor allem, steh mir nicht im Weg und du hältst dich aus allem raus. Du bist lediglich ein Gast und hast nichts zu melden. Wenn du damit einverstanden bist, nehme ich dich mit. Vorausgesetzt du kannst zahlen. Nichts ist umsonst meine Liebe.“ Romys Herz machte einen Freudensprung. „Ich bin einverstanden, ich steh Ihnen nicht im Weg und halt mich aus allem raus!“, wiederholte sie, um ihn zu zeigen, dass sie alles verstanden hatte. „Gut. Tja dann würde ich sagen, ich und meine Leute begleiten dich zu dir, dann kannst du ein paar Sachen packen und mir das Geld geben. Klar soweit?“ Hektisch nickte die Blinde mit ihrem Kopf. „Danke, vielen Dank!“ Law hielt ihr seine Hand hin, um den Deal zu verfestigen. „Hey der Käpt’n hält dir seine Hand hin.“, meldete sich nun auch ein Crewmitglied, die sich bis eben in dem Hintergrund hielten. „Oh, natürlich.“ Romy streckte ihre Hand, die Law nun annahm und sie ruhig schüttelte. „Nun denn Romy. Willkommen an Bord der „Death“, auf Zeit.“