Anders als geplant

Summer-challenge

Als Tony Stark seine Augen aufschlug, war es um ihn herum dunkel. Noch etwas benommen richtete sich der Erfinder auf und fuhr sich durch die vom Schlaf zerzausten Haare. Warum lag er auf dem Rücksitz eines Wagens und das mitten in der Nacht?
Während Tonys Gehirn langsam wieder die Arbeit aufnahm, streckte er sich erst einmal ausgiebig. So bequem die Ledersitze auch aussehen mochten, als Schlafstätte waren sie wirklich nicht geeignet. Irgendjemand sollte so etwas bei der Konstruktion bedenken.
Durch die getönten Fensterscheiben drang das Licht der zahlreichen Sterne kaum herein, obwohl sie an diesem Ort so viel stärker zu leuchten schienen, als in New York. Der dunkle Innenraum des Wagens war in unbewegte Stille getaucht, was merkwürdig war, denn soweit sich der Milliardär erinnerte, war er nicht alleine hier.
In Gedanken noch bei den Rückenschmerzen, verursacht durch die unmögliche Polstergarnitur, öffnete Tony die Autotür um Natasha zu suchen, welche ihm gerade definitiv nicht im SUV Gesellschaft geleistet hatte. Doch bereits im nächsten Moment sackte sein Fuß ohne größere Widerstände in den Untergrund ein, sodass er unvorbereitet, sowie im höchsten Maße unelegant mit dem Gesicht voran im Schnee landete.
„Was zum?“, murmelte der Erfinder, mit einem Schlag hellwach. Hastig kämpfte er sich aus dem Schnee, er war logischerweise verdammt kalt, und versuchte durch das rasches abklopfen seiner Kleidung das Ergebnis seiner Gedankenlosigkeit abzubekommen.
Nur wenige Sekunden später durfte Tony feststellen, dass das leichter gesagt als getan war, denn während seines Sturzes war nicht wenig in seine dünne Sommerjacke hineingeraten, wo es bereits zu schmelzen begonnen hatte. Zusammengefasst: Tony Stark war begeistert.

Leicht genervt schlüpfte der Milliardär aus der feuchten Jacke und warf sie auf den Platz, der bis gerade eben noch sein Bett gewesen war. „Hey Natasha, wo steckst du?“ Dieses mal darauf vorbereitet, watete Tony durch den beinahe knietiefen Schnee. Oh, die Agentin konnte sich ganz schön auf was gefasst machen!
Vielleicht hätte er doch die Jacke anlassen sollen, ob nun nass oder nicht, es war verflucht kalt. Sein Atem warf bei jedem Atemzug kleine Wölkchen. Wo um Gottes willen war er hier? Weit und breit war außer Bäumen nichts zusehen. Tony korrigierte sich, dort, entspannt an einem Baum lehnend und telefonierend, stand Natasha Romanov. Als er näher trat beendete sie ihren Anruf und verstaute das Handy in ihrer Schneehose. Warum war sie für dieses Wetter korrekt gekleidet?
„Das ist nicht Miami!“ Die Agentin bedachte ihn mit einem spöttischen Lächeln.
„Sag bloß.“ Nach einigen Momenten, in denen der sonst um kein Wort verlegene Mann vor ihr nichts entgegnete, denn verdammt nur im T-Shirt war es bei Minusgraden wirklich nicht auszuhalten, erbarmte sie sich seiner. „Im Kofferraum liegen warme Klamotten. Du solltest sie vielleicht anziehen, sonst bist du erfroren ehe wir bei den anderen ankommen. Dabei sind wir fast da.“
„Moment, Moment, fast da? Gib doch einfach zu, dass du dich auf dem Weg nach Miami verfahren hast. Ich hab doch gesagt, du sollst mich ans Steuer lassen. Wie können wir bitte fast da sein? Soweit ich weiß liegt in Florida Mitte Mai keinen Schnee?“ Das Unverständnis stand Tony trotz schlotternder Gliedmaßen ins Gesicht geschrieben. Natasha seufzte tief, als wäre es die leidvollste Aufgabe der Welt, mit Tony zusammen an den Urlaubsort der Avengers zu fahren. Wobei, vielleicht war es das sogar.
Romanov grinste bei dem Gedanken, dass sie froh war Iron Mans Alter Ego für die Reise vorsorglich ausgeknockt zu haben. Mit dieser Erinnerung ertrug sie Starks Jammereien, bis sie wieder am Auto angekommen waren und ihr Begleiter sich hastig die wärmende Kleidung überstreifte. „Also, jetzt mal Klartext, wo sind wir hier?“ Sich die Hände reibend, ließ sich Tony wieder in den Autositz fallen, dieses mal jedoch vorne, da wo es Sitzheizung gab.
„Kurz vor Wainwright, Alaska.“ Der Mann nickte.
„Alaska. Verstehe. Halt, stopp! Hast du Alaska gesagt?“ Wieder erntete der frühere Playboy einen herablassenden Blick.
„Können wir dann jetzt weiter, oder möchtest du fortfahren, ständig meine Worte zu wiederholen?“

Widerwillig legte Tony den Sicherheitsgurt an, sodass die Agentin das Gaspedal durchdrücken konnte. Irgendetwas sagte ihm, dass sie so schnell wie möglich ihr Ziel erreichen wollte. Er hatte viele Fragen, viel zu viele. „Hast du mich ausgeknockt?“, empörte er sich nach einer Sekunde des Schweigens.
„Ich nenne das Selbstverteidigung. Ich mag zwar beim Strohhalm ziehen verloren haben, das heißt aber nicht, dass ich mir dein Gerede die ganze Fahrt über anhören muss.“
Einen Moment lang überlegte der Milliardär zu schmollen, entschied sich dann aber anders, zu sehr verlangte sein Kopf Antworten. „Okay, wir sind in Alaska. Würde es dir was ausmachen mir zu verraten warum?“ Denn eigentlich hatten die Avengers beschlossen Urlaub in der Sonne zu machen. Wobei, eigentlich war Tony mit der Idee raus geplatzt und hatte keine vollkommene Ablehnung erfahren. Steve hoffte auf ein Zusammenwachsen mit den neuen Avengers, die meisten Anderen nur auf einen kostenlosen, entspannten Urlaub ohne unangenehme Überraschungen. Deshalb verstand er, der diesen Urlaub finanziert hatte, nicht, warum ihn statt Strand und Cocktails, Schnee und Kälte erwarteten.
„Planänderung.“ In Momenten wie diesen verfluchte Stark die ehemalige SHIELD Agentin, aber natürlich nur innerlich.
„Was heißt hier Planänderung? Und mit wem hast du gerade telefoniert?“ Ein wohliges Seufzen stahl sich über seine Lippen, als er seine steifen Finger über die Heizung im Armaturenbrett legte.
„Clint. Er hat gefragt wo wir bleiben. Die Anderen sind schon alle da, leider hat man hier draußen so gut wie keinen Empfang.“ Das akzeptierte Tony vorerst als Antwort.
„Sag mal, ist diese Planänderung der Grund dafür, weshalb wir statt bequem mit meinem Jet, mit dem Auto hier her fahren mussten? Hat dieses Waingedöns etwa keinen Flughafen?“
Kritisch ließ er seinen Blick aus dem Fenster schweifen. Der Weg auf dem sie fuhren, war der überhaupt für Autos ausgelegt? Eigentlich sah das ganz und gar nicht Vertrauen erweckend aus. Obwohl, wenn er jemandem zutraute, trotz widriger Umstände in hohem Schnee ans Ziel zu kommen, dann war es Natasha Romanov. Nicht das er eine Wahl hätte, selbst wenn es anders wäre.
„Wainwright verfügt über einen öffentlichen Flughafen, da der Ort zu manchen Zeiten vom Landweg isoliert ist.“ Unbeeindruckt drückte die Agentin weiter auf das Gaspedal, völlig ungeachtet der Tatsache, dass sie gerade zugegeben hatte, dass dieser Weg für Autos nicht zu empfehlen war. Tony musste an sich halten, seine frisch aufgetauten Hände nicht in den Haltegriff an der Tür zu klammern.
„Warum nehmen wir nochmal keinen Jet?“, presste er zwischen den Zähnen hervor, als der Wagen schlitternd eine scharfe Rechtskurve nahm.
„Sonst sieht [style type="italic"]er[/style] uns kommen.“

Bevor der Erfinder genauer nachfragen konnte, wurde er vom Anblick unzähliger Strommasten abgelenkt, welche sich dunkel in den Nachthimmel erhoben. Wie spät war es eigentlich gerade?
Wainwright war augenscheinlich kein großer Ort, erst jetzt konnte er die kleine Ansiedlung von Häuschen ausmachen. Ob die Bauten vor ihnen im Tageslicht wirklich so bunt waren, wie man es manchmal in den Fernsehfilmen oder Prospekten sah? Im Augenblick zeigten sie sich lediglich in verschiedenen Grauschattierungen, die ebenso ihren Reiz besaßen, wie Tony zugeben musste.
„Ist das die ganze Stadt?“ Mal ehrlich, hier reichte doch die Einwohnerzahl bei weitem nicht an die Tausendermarke heran. „Wo wartet denn die Band auf uns?“, fuhr er unbeirrt fort. Irgendwie musste er sich ja an seiner Kameradin für die Betäubungsaktion rächen.
Natasha schenkte seinen Fragen keine Aufmerksamkeit mehr, sie kannte so etwas bereits von ihm. Ebenso wie sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, es sogar verschlimmerte, ihn zur Ruhe zwingen zu wollen. Der Milliardär amüsierte sich köstlich darüber, dass die Agentin ihm liebend gerne den Mund verbieten würde.
„Nächstes mal nehme ich die doppelte Dosis!“, drohte Natasha als sie an Steve vorbeirauschte, welcher aus dem Haus getreten war, um sie zu begrüßen. Er wollte einen strafenden Blick zu Tony schicken, doch der schien gerade in Gedanken zu sein und bemerkte ihn gar nicht. Untypisch für ihn, fand der Captain.
„Alles klar?“ Der Supersoldat stütze sich mit einem Arm auf die Autotür, welche dadurch leicht knirschte. Sein Gegenüber schreckte auf und legte ein charmantestes Lächeln auf, nicht das es bei Captain America ziehen würde.
„Ich frage mich nur die ganze Zeit was hier los ist, und natürlich wer nicht wissen darf, dass wir hier sind.“
Steve war irritiert, das hatte er nicht erwartet. „Hat Agent Romanov es dir nicht erzählt? Ich dachte du wüsstest es.“ Etwas genervt baute sich Tony vor seinem Kameraden auf.
„Das Einzige was ich weiß ist, dass ich die letzte Stunde in einem Auto verbracht habe, dass über nicht befestigte Straßen gebrettert ist, als wären wir auf dem Nürburgring und das im Tiefschnee. Überhaupt, ich dachte, ich wäre in Florida, musste dann aber nach meinem Dornröschenschlaf feststellen, dass mein geplanter Urlaub kurzerhand nach Alaska verlegt wurde. Mir wurde gar nichts erzählt!“
Beschwichtigend hob der Captain die Arme. Merkwürdig, Tony war wirklich schlecht drauf, dabei schien er vorhin noch so gute Laune gehabt zu haben. Aber was wunderte es ihn, der Erfinder war ihm oft ein Rätsel.
„Wir haben diese Route gewählt, als wir erfuhren, dass Doktor Banner sich hier aufhält.“, berichtete Steve. Er konnte buchstäblich sehen, wie sich die Miene seines Gegenübers aufhellte.
„Bruce ist
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