Fanfic: Orangenblüten und Meeresrauschen

Kapitel: Yesterday

Erbarmungslos schien die Sonne auf den Spielplatz herab. Ihre Wärme hatte den Sand in einem Sandkasten schon so aufgeheizt, dass die Kinder ihn nur mit Schuhen betreten konnten. Zum Glück gab es mehrere Sandkisten, sodass die Kinder unter den schattigen Sandkästen spielen konnten. Lautes Lachen drang an seine Ohren. Fröhlich quietschten die Kinder aus der Käfergruppe beim Fangen spielen, während die Sonnenblumenkinder friedlich einen kleinen Sandkuchenwettbewerb veranstalteten.
In all der Freude über den Ausflug tapste ein kleiner blonder Junge unbeholfen durch den Sand. Sein Ziel war das Klettergerüst, das aussah wie ein großes Schiff. Normalerweise würde jedes Kind versuchen, auf den höchsten Mast zu klettern, doch Sanji wollte nicht hoch hinaus und gesehen werden. Er ging die kleinen Holztreppen hinab, die in den „Kerker“ des Klettergerüstes führten. Dort suchte er sich den Raum aus, der das kleinste Fenster besaß. Somit lief er nicht Gefahr, gesehen zu werden. In den unteren Teil des Schiffes sah sowieso kaum jemand nach. Das war der Raum der Kinder, die es nicht anders verdient hatten. So sprachen zumindest Sanjis Brüder davon.
Kleine Tränen kullerten das dünne Gesicht herab und mit einem Schniefen betastete Sanji seine Wange. Yonji, sein kleiner Bruder, hatte ihn vorhin brutal mit einem scharfkantigen Stein geschlagen. Das einzige, was seine anderen zwei großen Brüder dazu gesagt hatten war, dass Yonji nicht genau getroffen hätte, da Sanji ja noch bei Bewusstsein sei.
»Die sind alle so gemein zu mir!«, schniefte Sanji und schlang seine dünnen Arme um die Knie.
Dieser Ausflug war doof! Seine Brüder ärgerten ihn und die Einzige, die ihm helfen könnte, wäre Reiju, aber da seine große Schwester in der Vorschulgruppe war, war sie nicht mitgekommen. Aber Reiju war doch diejenige, die sich immer um seine Verletzungen gekümmert hatte! Wer sollte das jetzt übernehmen? Die Erzieherinnen halfen ihm nie, da sie viel zu viel Angst vor seinen Vater hatten und dieser konnte Sanji auch nicht leiden!
Wimmernd machte sich der Blonde noch kleiner und hoffte, dass er endlich aus seinem bösen Traum aufwachte.
»Was machst du hier?«, fragte eine Mädchenstimme erschrocken.
Überrascht sah Sanji auf. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihm jemand gefolgt war.
»Bist du mir nachgelaufen?«
»Nein, das hier ist mein Versteck!«, entgegnete das Mädchen empört und hielt ihre Arme jetzt hinter dem Rücken.
»Das wusste ich nicht«, verteidigte sich Sanji kleinlaut, machte allerdings keine Anstalten, das Versteck zu verlassen.
»Bist du verletzt?«, fragte sie nach und beugte sich leicht vor.
Dabei fiel ihr eine Strähne ins Gesicht und jetzt erkannte Sanji auch, wer das Mädchen war, denn ein Lichtstrahl fiel ihr direkt auf das Haupt. Das orangehaarige Mädchen hieß Nami und hatte auch eine große Schwester namens Nojiko. Sanji konnte sich den gut Namen merken, weil sie immer eine Orange zum Frühstück mit hatte. Genauso sahen ihre Haare aus.
»Ja«, antwortete er ihr jetzt auch auf die Frage, obwohl die Schramme kaum zu übersehen war.
»Hier!«
Nami hatte aus ihrem grünen Sommerkleidchen ein Pflaster hervorgeholt. Gut, dass sie immer welche in den Taschen hatte! Sie verletzte sich auch so oft genug, wenn sie stolperte.
Da Sanji keine Anstalten machte, ihr das Pflaster abzunehmen, schnaufte sie kurz auf, legte ihren Schatz in eine Ecke und klebte das Pflaster auf die verletzte Stelle.
»Warum hilfst du mir? Du kennst mich doch gar nicht!«, murmelte Sanji verlegen.
»Du bist doch Sanji, nicht wahr? Du bekommst immer Schläge von deinen Brüdern, das finde ich gar nicht nett! Warum tun die dir das an? Meine große Schwester Nojiko würde so was niemals machen! Die sollte das mal hören, dann macht sie deinen Brüdern bestimmt Feuer unterm Popo!«, schimpfte Nami aufgebracht.
»Sonst hilft mir Reiju, meine große Schwester. Aber sie ist in der Vorschulgruppe und heute nicht mit dabei«, erklärte er und schaute verwundert zu Nami.
Warum lachte sie ihn nicht aus, dass er so schwach war und sich von seinen Brüdern verprügeln ließ?
»Wenigstens hilft sie dir! Aber warum schimpft sie nicht mit deinen Brüdern? Deine Eltern, schimpfen doch auch, oder?«
»Meinem Vater ist es egal, da ich ein Schwächling bin.«
»Aber das stimmt doch nicht! Du bist doch immer so nett und kannst die besten Sandkuchen backen! Auch deine Plätzchen zu Weihnachten sind so schön! Außerdem bist du zu allen lieb und hilfst auch!«, trotze Nami und konnte nicht fassen, was sie da hörte.
»Ich bin eben schwach, das sagt mein Vater immer! Also bitte verrate nicht mein Versteck, ansonsten machen meine Brüder noch viel schlimmere Dinge!«, schniefte Sanji.
»Ich verrate dich doch nicht! Was denkst du denn von mir? Dabei helfe ich dir doch!«, entrüstete sich Nami und blies dabei ihre Wangen vor Empörung auf. »Hat dich denn jemand gleich verraten?«
»Bisher hat mir niemand außer Reiju geholfen«, erinnerte er sie.
Sie ließ sich neben Sanji in den Sand sinken und seufzte laut auf.
»Schade, dass man mit dem Schiff nicht wegsegeln kann«, meinte Nami abwesend.
»Dann wäre ich schon längst weg und wäre irgendwo, wo man mich als Koch aufnimmt«, dachte Sanji laut nach.
»Du willst Koch werden?«
»Ja, meine Mama konnte sehr gut kochen, bis sie schwächer und krank wurde. Sie hat sich auch gefreut, wenn ich ihr was zu essen gebracht hatte, was ich selbst gekocht hatte!«
»Warum hilft dir deine Mama dann nicht, wenn deine Brüder so gemein sind?«
»Mama ist vor langer Zeit eingeschlafen und guckt von oben zu. Ich vermute, da sie so schwach war, kann sie mich nicht richtig beschützen, auch wenn sie es wollte.«
»Hier«, bot Nami, als sie ihre geschälte Orange vor Sanjis Nase hielt, an. »Mir geht es immer besser, wenn ich eine von Bellemeres Orangen esse! Sie sind wirklich lecker!«
Sanji nickte kurz, ehe er sich dankend ein Stück der süßen Frucht nahm.
»Die sind wirklich sehr gut!«, schmatze er staunend.
»Ich weiß!«
»Die schmecken in einer Soße, wo man Fisch dazu essen kann, bestimmt noch viel besser! Der Saft muss auch richtig gut sein!«, vermutete Sanji begeistert.
»Scheint, als hätten wir jetzt schon jemanden, der unsere Orangen haben will!«, grinste Nami. »Können wir dann deine Gerichte kosten?«
»Ihr dürft sie sogar als Erste probieren!«, stimmte Sanji lächelnd zu. »Es wäre so schön, wenn du Recht hättest und wir mit dem Schiff los segeln könnten! Dann würde ich kochen und auf dem Schiff wäre sicherlich Platz für deine Orangen!«
»Ich will ja nicht von Bellemere und Nojiko weg. Aber das muss ich irgendwann mal, wenn ich Navigatorin werden will!«, erwiderte sie und wurde mit großen Augen angeguckt.
»Du willst Navigatorin werden?«, fragte Sanji erstaunt.
»Ja, ich kann auch ganz gut Karten zeichnen! Die Schatzkarten für die Spiele darf immer ich zeichnen, weil ich das so gut kann!«, erklärte sie stolz.
»Mit denen hab ich die Schätze auch immer gefunden! Doof war nur, dass meine Brüder sie mir immer weggenommen haben«, grummelte Sanji. »Aber da passt das doch! Du wirst Navigatorin, kannst auch zeichnen, wo wir überall waren und ich koche!«, kurz hielt Sanji inne, ehe er weitersprach: »Wir müssten natürlich ab und an irgendwo halten und das Essen verkaufen, damit wir auch was neues kaufen können!«
»Das klingt toll! Ob wir beide davon reich werden können? Dann könnte ich Bellemere auch mal was schönes kaufen!«
»Das wäre wirklich schön! Noch besser wäre es, wenn die ganzen Leute zu uns kommen könnten. Kann man an ein Schiff Bretter befestigen, sodass man drauf gehen und sitzen kann?«, überlegte Sanji, ganz von seinen Schmerzen abgelenkt.
»Gute Frage. Da kann uns sicher Lysop helfen! Er kann doch ganz toll basteln, der weiß das bestimmt!«, fiel es Nami ein.
»Das schon, aber an unserem Schiff wird er es nicht dranmachen wollen. Da hat er zu große Angst, ins Wasser zu fallen!«, warf Sanji ein.
»Ja, das stimmt auch wieder!«, kicherte sie.
»Ich danke dir, Nami!«
»Wofür?«, fragte sie.
»Dass du mir geholfen hast, natürlich! Ich habe ein Pflaster von dir bekommen, du hast deine leckere Orange mit mir geteilt und du hast mich nicht verpetzt!«, erklärte Sanji und zählte es an seinen Händen ab. »Du bist eine gute Freundin!«
»Klar!«, erwiderte Nami und hielt Sanji ihren kleinen Finger hin. »Und wir geben uns jetzt das große Indianer-Ehrenwort, dass wir irgendwann zusammen auf einem Schiff die Welt sehen werden! Du als Koch und ich als Navigatorin!«
Mit geröteten Wangen nahm Sanji an: »Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!«
»Und jetzt kommst du mit und bäckst mit uns einen großen Sandkuchen!«, schlug Nami vor und griff nach Sanjis Hand. »Wenn du bei uns bist, da machen deine Brüder nichts, da die Erzieherinnen hingucken müssen!«
»Ich hab auch keine Angst mehr!«, strahlte Sanji. »Du brauchst auch keine Angst haben, ich werde dich dann beschützen!«
Hand in Hand gingen die Zwei zu ihrer Löwengruppe zurück, die schon fleißig gegen die Kinder der Sonnenblumengruppe wetteiferten. Mit Sanji in der Gruppe gewann das Löwenteam und selbst die wütenden Blicke seiner Brüder konnten Sanji die Freude nicht nehmen, eine beste Freundin gefunden zu haben.
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