Kaffee + Mineral(wasser)

Missgeschick

Missgeschick

Vor mir steht ein Mineralwasser und die Vögel zwitschern ihre Abendlieder, entspannt Lehne ich mich im Gartenstuhl zurück und beobachte den dunkel werdenden Himmel.
Eine innere Stimme ermahnte mich auf einmal: *So schön es hier und jetzt auch ist, langsam sollte ich mich wohl aufmachen zum Training*. Beim Aufstehen, stosse ich mit dem Rucksack von unten an den Tisch. Dabei kommt die Glasflasche böse ins Wanken und fällt vom Tisch.
Es kommt was kommen muss, die Flasche zerplatzt auf dem Holzfussboden der Terrasse. *Schei...*
Schnell stelle ich den Rucksack wieder hin und bücke mich nach der Flasche um die grössten Scherben aufzusammeln. Die Blicke der anderen Gäste, spüre ich förmlich auf meinem Rücken brennen, gleichzeitig höre ich wie schnelle Schritte sich nähern und eine Stimme meinte: «Lassen sie das doch liegen, sonst verletzen sie sich noch, ich mach das schon». In meinem Kopf, kommen mir die Worte meiner Mutter in den Sinn *Den Schlamassel hast du angerichtet, nun räum ihn auch auf* und so fahre ich in meiner Tätigkeit fort.
*So das sind wohl alle grösseren Scherben*
*Knall*
Ich lasse die Scherben in meiner Hand fallen und fasse mir an den Hinterkopf….
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Schon wieder so ein Abend wo nicht viel läuft, ein Pärchen am Tisch 5, ein Mann an Tisch 8, zwei Frauen an Tisch 9 und eine an Tisch 10, mein Lieblingstisch da er auf der Terrasse in der Ecke steht und man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Etwas komisch war, dass sie ihrer Bestellung auf ihr Handy schrieb und dies mir dabei entgegen streckte. Naja vielleicht kann sie unsere Sprache ja nicht.
Der Mann an Tisch 8, der neben ihrem steht, hält sein Bierglas hoch und zeigt mit der anderen Hand, dass er noch eines möchte. Mein Kollege hinter der Bar hat das Bier bereits frisch *gezapft* und mir auf mein Tablett gestellt, neben die zwei zusätzlichen Mineralflaschen für die Frauen. Als ich das Bier auf den Tisch abstelle und gerade weiter zu den anderen Kunden gehen möchte.
Greift die junge Frau an Tisch 10 nach ihrem Rucksack und Erhebt sich vom Tisch. Etwas zu schnell, den der Rucksack knallt gegen die Tischplatte und die leere Glasflasche zerspringt auf dem Holzboden.
«Lassen sie das doch liegen sonst verletzen sie sich noch, ich mach das schon», aber sie fährt in ihrer Tätigkeit weiter fort, die grossen Scherben aufzusammeln.
*Knall*
In dem Moment als ich bei ihr bin, richtet sie sich wieder auf und trifft mit ihrem Hinterkopf auf mein Service Tablet.
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*Aua*
«Verfl…., Entschuldigung, Es tut mir leid, alles ok?» ruft jemand hinter mir und schon wieder höre ich, wie etwas in die Brüche geht. Auch vernehme ich eine weitere, rauere Stimme: “MAN PASSEN SIE DOCH AUF, MEINE HOSE IST GANZ NASS.” Am Boden Kniend, halte ich mir den Hinterkopf. Als auf einmal eine Hand in meinem Blickfeld auftaucht, eine junge feminine Hand. Als ich hoch sah, sehe ich die Besitzerin der besagten Hand, mich anlächeln. “Kommen sie, ich helfe ihnen” Dankend nickend, ergreife ich die angebotene Hand, und sie half mir auf die Beine. Endlich wieder stehend hörte ich hinter mir eine raue Stimme fluchen und eine leisere angenehmere, sich entschuldigend. Als ich mich endlich von dem hübschen Lächeln abwenden kann, sehe ich nun die ganze Bescherung.
Beim Aufstehen muss ich wohl mit dem Hinterkopf gegen das Service Tablet, gestossen sein, des hilfsbereiten Kellners. Dabei fielen wohl die zwei Glasflaschen herunter, und die eine landete geradewegs vor dem älteren Mann und spritzte ihren Inhalt auf seine Hose oder besser gesagt auf den unteren Teil seines Hosenbeins. Die andere Flasche ist nicht zu sehen, wahrscheinlich ist sie über das Geländer, in den kleinen Wald, unterhalb des Restaurants gesegelt. Lächelnd sehe ich meine Helferin an und tippe «Danke» in mein Handy das ich ihr zeige und dabei leicht mit dem Kopf nicke. Hinter mir wird es auf einmal ruhiger und man hört wie jemand die Scherben zusammen wischt. Als ich zu dem älteren Mann hinüber gehe, auf den ich ungewollt mein Mineralwasser Attentat ausgeführt hatte, lösche ich das danke und schreibe gross «Sorry» hinein.
Bleibe vor ihm stehen und strecke ihm das Handy entgegen, dabei verbeuge ich mich. Aus dem Augenwinkel sehe ich wie der Kellner ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen hat, als er die Szene beobachtet. Als ich mich wieder aufrichte, hat sich der Mann hingesetzt und murmelt abwesend ein «Ist schon gut».
Während dessen hat der Kellner die kleine Bescherung beseitigt und ist mit den Überresten der Flasche hinter der Theke verschwunden. Als ich bei der Kasse ankomme und mein Geld aus dem Rucksack hervorkrame, um alles zu bezahlen, was durch mein Missgeschick zu Bruch gegangen ist, meinte der Kollege nur das das aufs Haus gehe und ob mit meinem Kopf wirklich alles in Ordnung sei. Also lasse ich das Geld im Rucksack, tippe auf dem Handy *vielen Dank, alles OK* und zeige es im.
In diesem Moment kommt der *Tablet Hauer* wieder hervor. «Ich hoffe ihnen geht es gut? Sie sind natürlich von uns eingeladen. » Der Text steht noch auf dem Display also lege ich das Handy auf den Tresen, so dass er die Nachricht lesen kann. Als er die Nachricht liest, kommt mir ein neuer Gedanke, wie ich mich bei ihm bedanken könnte. Aus der Aussentasche fische ich eine Visitenkarte meines Arbeitgebers heraus, schreibe mit dem Kugelschreiber der auf dem Tresen liegt, “Gutschein für einen Kaffee / KK”
Wir machten einen Tausch, er gab mir das Handy zurück und ich gab ihm die Karte.
*So jetzt muss ich mich aber sputen, damit ich noch rechtzeitig auf den Bus komme.*
Zum Glück ist die Bushaltestelle gerade neben dem Lokal und da fährt auch schon der Bus ein. Ich setze mich ans Fenster und schaue nochmals zum Eingang des kleinen Cafes.
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Und ich dachte heute Abend läuft nichts, zuerst der komische ältere Mann, der ein Bier nach dem anderen Bestellte und dann dieses Mädchen mit den braunen Haaren, das sie mir ihre Bestellung mittels Handy zeigte und sich auch damit entschuldigte als sie ein Mineralwasser Attentat auf den Mann verübte. Naja eigentlich war es ja meine Schuld, wieso stand sie auch so plötzlich auf, blöderweise gerade als ich mit dem Tablet über ihr war.
Musste der alte gerade als ich dem Mädchen helfen wollte, so eine Schimpftirade loslassen, sind ja nur ein paar spritzer Mineralwasser auf seinem Hosenbein gelandet. Zum Glück ist ja nichts Schlimmes passiert. Lustig anzusehen war, wie sie sich ebenfalls mit dem Handy bei im entschuldigte und er ganz verlegen ein schon gut murmelte. Schade das ich ihre nummer nicht habe, würde sie gerne zu einem Drink einladen, um mich zu entschuldigen. “ Die war aber Hübsch, findest du nicht?”, flüstert mir auf einmal meine Kollegin Joe von hinten in mein Ohr. “Und da fährt sie nun,schade das du ihren Namen nicht weist.”
“Schau mal Joe, die Damen an Tisch 9 wollen bezahlen.”
Als ich mich umdrehe, hat sie sich schon auf den Weg zu dem besagten Tisch gemacht. “Hey Kai, du kannst für heute schluss machen, Joe, Tim und ich schaffen das!”; ruft mir Herr Tanka zu. Unser Koch und der Besitzer dieses kleinen Lokals. Also mache ich mich auf den Weg zu den Umkleideräumen, beim vorbeigehen winkt Joe zum abschied und von Tim kommt ein leises gemurmel “bis morgen.” Die Schürze segelt mit einem gekonnten Hakenwurf in den Wäschekorb. So noch schnell die Schuhe wechseln und dann den restlichen Abend geniessen. So zumindest sieht der Plan aus….halt ich soll ja noch meine Schwester fragen, ob sie zu unserem Sommerfest kommt.
Beim verlassen des Lokals durch den Personaleingang auf der Rückseite, merke ich dass eine Karte in meiner Hosentasche steckt. Gerade als ich die Karte hervor gekramt habe, fährt schon der Bus ein, also stecke ich sie in mein Jackentasche.