Fanfic: The Angellion (2)

Hafen erstreckten. Ja, der Hafen, da musste er hin! Er hatte noch gar nicht richtig darüber nachgedacht, da hatte er schon einen Entschluss gefasst: „Ich werde las Matrose auf einem der Schiffe anheuern! Dann komm ich weg hier und muss nicht mehr zurück zu den Nonnen!“ Niemand achtete auf ihn, als er an den Kaufmänner und den Frauen mit ihren Stoffen und Stickereien vorbei lief. Er hatte vom Hafen gehört. Im Unterricht hatte man ihnen erzählt am Hafen trieben sich viele düstere Gestalten herum und dort geschahen die meisten Morde! Man hatte ihnen auch erzählt dass die Schiffe fast jeden als Matrosen aufnahmen. Sogar kleine Kinder, wenn sie darum baten. Aber die Arbeit auf den Dampfern und Fischerkuttern war schwer. Viele waren da schon zu Tode gekommen. „Egal. Dann bin ich das alles wenigstens los!“ dachte Alexiel verbissen. Er konnte es in der Luft spüren. Die Brise des Meeres. Freiheit! Das musste es sein! Im Hafenbecken lagen zur Zeit nur zwei Schiffe. Eines er beiden war ein Passagierschiff das bald wieder ablegen würde und das andere war ein heruntergekommenes aber stabil aussehendes Segelschiff. „Da muss ich hin!“ dachte er und begann zu rennen. Er trug die dünnen Stoffschuhe, wie jeder im Waisenhaus. Die waren leider nicht zum Rennen auf hartem, schmutzigen und mit kleinen Kieselsteinen und Scherben bestücktem, Boden geeignet. Seine Füße taten weg. Er konnte den Boden darunter spüren. Vor dem Schiff blieb er stehen. Er hatte schon in vielen Büchern Schiffe gesehen, auch solche die Tausende von Personen transportieren konnten, aber wenn man sie von Nahem sah waren sie viel angsteinflössender und mächtiger als er gedacht hatte. Ein Schauer lief ihm den Rücken runter. „Kneifen ist nicht!“ sagte er zu sich selbst. Dann sah er sich nach der Gangway um. Sie war alt, aus morsch aussehendem Holz und wirkte brüchig. Als Alexiel einen Fuß darauf setzte knarrte sie gefährlich. „Vielleicht sollte ich auf ein anderes Schiff warten!“ überlegte er. Aber diesen Gedanken verwarf er sofort wieder. Der nächste Dampfer oder Fischerkutter kam erst in drei oder vier Stunden, dann war die Mittagspause längst vorbei und sie würden ihn suchen! „Auf geht’s in die Freiheit und ins Abenteuer!“ Er versuchte sich zu freuen und es gelang ihm auch. Das war seine Freikarte, weg von den Nonnen und von Kolya und Victor! Das Schiff sah auch von Bord aus betrachtet schmutzig und trotzdem stabil aus. Matrosen saßen am Boden oder hingen an den Tauen. Viele schliefen, ein paar schnitzen mit ihren Messern an seltsam verformten Holzstücken herum und einige, am Boden sitzend, spielten mit vergilbten Pokerkarten. Als sie ihn bemerkten sahen sie hoch. Manche machten einem schier Angst mit ihren, von Wind und Wetter abgehärteten Zügen und struppigen, zerzausten Bärten. Einer stand auf und ging auf ihn zu. Alexiel konnte den schweren Geruch von Bier und Schweiß riechen, der von ihm ausging. „Was willst du hier, Kleiner? Bist du verloren gegangen und oder suchst du das Klo?“ er lachte ruppig. „Ähm... nein... ich wollte fragen, ob....“ in dem Moment wurde er unterbrochen. „He! Was ist hier los?!“ Alle wandten ihren Kopf zur Seite. Dort stand ein Mann, den man nun wirklich als >respekteinflössend< bezeichnen konnte. Er hatte schwarze, lange Haare die hinten zusammen gebunden waren. Sein Gesicht sah aus wie in Stein gemeißelt. Die muskulösen Arme, die man bei dem ärmellosen Hemd sehen konnte, waren über und über mit Tattowierungen von Totenköpfen und anderen Zeichen der Macht und der Autorität, wie sie wohl zeigen sollten, besetzt. „Da is so’n kleiner Kerl an Bord gekommen der irgendwas von Fragen stottert!“ antwortete der Bärtige. Der Mann, der, dem Anschein nach, der Kapitän war, stieß hin zur Seite und baute sich breitbeinig vor Alexiel auf. „He, Knirps. Das ist kein Spielplatz hier. Was willst du?“ Alexiel atmete tief durch, fasste allen Mut zusammen den er besaß und antwortete: „Ich bin hier um zu fragen, ob ich als Matrose auf diesem Schiff anheuern kann!“ eine Zeit lang war Stille, dann begann der Kapitän zu lachen. Das Lachen wurde immer lauter und schließlich war es fast ein Brüllen. Die Mannschaft stimmte mit ein. Alexiel fühlte sich überhaupt nicht gut. Er spürte wie er zitterte. Endlich hörte der respekteinflössende Mann auf. „Du?! Du willst in meiner Mannschaft anheuern?! Auf diesem Schiff?!“ Beinahe wäre Alexiel weggerannt, aber er zwang sich starr stehen zu bleiben. „Jawohl!“ stimmte er mit, gezwungen fester Stimme, zu. „Schon gut, schon gut, und jetzt geh zurück zu deiner Mama! Du hast uns wirklich etwas Spaß gebracht!“ Der blonde Junge schüttelte den Kopf. „Nein! Ich meine es ernst! Und eine Mutter habe ich sowieso nicht!“ Und da der Kapitän nichts sagte fuhr er fort: „Ich komme aus dem Waisenhaus bei der Kirche! Ich bin geflüchtet! Und zurück kann ich jetzt nicht mehr! Außerdem werden sie nach mir suchen, und wenn sie mich finden bin ich dran!“ Er presste die Lippen zusammen. Wieder schwieg der Mann, nach einiger Zeit begann er ihn zu mustern. „Kannst du... Kochen?“ Verwundert sah ihn Alexiel an. „Ähm... ja, ein bisschen...“ Der Kapitän drehte ihn einmal im Kreis und kratzte sich an dem stoppeligen Kinn. „Hm... na gut!“ Alexiels Herz machte einen Sprung. „Wirklich?!“ „Aber nur unter einer Bedingung!!“ unterbrach er ihn, „Du kannst hier bleiben, wenn du kochst! Und wenn du Glück hast kannst du auch den anderen irgendwann mal helfen! Aber kein Gemecker, kein Gejammer und du machst das, was wir sagen!“ Schnell nickte der Junge. „Gut.“ Der Kapitän wandte sich an die Mannschaft. „Das hier ist euer neuer Koch!“ ein hämisches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Bringt ihm nen bisschen unsere Regeln bei! Und sorgt dafür, dass er nen bisschen kräftiger wird!!“ Er stupste Alexiel von hinten an und der stolperte vor. Die Männer lachten. „Ruhe!“ brüllte der Kapitän. „Ich geh jetzt nen bisschen in der Stadt ausspannen! Ihr lasst ihn nicht von Bord! Wir fahren Morgen ab!!“ Einstimmiges Gemurmel war die Antwort. Ein letztes Mal wandte er sich an Alexiel: „Du schläfst hier. Unter deck ist kein Platz für dich! Du bleibst hier oben so lange bis einer stirbt!“ ein seltsamer Gesichtsausdruck erschien auf seinem Gesicht. Sein Blick huschte über die Mannschaft und blieb an einzelnen Personen hängen. „Und ich glaube, hier wird dass gar nicht so lange dauern! Such dir einfach nen bequemen Platz auf dem Holz!“ Der lange, schwarzhaarige Mann ging nicht weiter darauf ein und verließ ohne ein letztes Wort der Abschied das Schiff über die alte Gangway. Alexiel sah angsterfüllt auf die Männer. „Das war eine ganz, ganz blöde Idee!“ kam eine Stimme in seinem Hinterkopf. Aber er verscheuchte sie schnell. Er hatte es geschafft! Er kam weg von den Nonnen, von der Pastorin und von Kolya, Victor und den anderen Jungen, die ihn ständig jagten! „Aber ist das hier besser? Jetzt werden dich die Erwachsenen jagen und anschreien, und nicht mehr die harmlosen, kleinen Waisenjungen mit ihren Holzstöcken, vor denen man jederzeit flüchten konnte!“ kam die Stimme wieder. „Verschwinde!“ brüllte Alexiel sie in Gedanken an. „Das hier ist viel besser als tausend Kolyas und Victors zusammen!“ Der bärtige Mann riss ihn aus seinen Gedanken. „Du willst also unsrer Mannschaft beitreten, Sonnyboy! Ist das dein Ernst?!“ Schnell nickte Alexiel. „Renn lieber weg!“ langsam begann die Stimme ihn zu nerven. Wer war sie? Aber er glaubte es genau zu wissen, dass sie wohl so etwas war, was man den >Gesunden Menschenverstand< nannte, der einen abhielt einen großen Fehler zu begehen!! „Ist ja putzig!“ lachte der Bärtige herablassend. „Na gut. Dann zeig mal was du zu bieten hast!“ damit zog er ihm den Pullover und das T-Shirt hoch. Der Schauer eiskalter Luft, der sofort in jede einzelne Pore seiner Haut drang, ließ den blonden Jungen erzittern. Aus Reflex verschränkte er die Arme hinter dem Rücken um ihn zu verdecken. „Was bist denn du für einer?!“ rief der Mann noch lauter lachend. Alexiel wusste dass seine Statur für ihre Verhältnisse mehr als mickrig war. Er war dünn und man sah schon fast die einzelnen Rippen. Es hatte ja schließlich nie besonders viel Essen im Waisenhaus gegeben, und dank Kolya und seinen Leuten, die jede Nacht den Nachtisch der Mitschüler stahlen, hatte er in den vielen Jahren nicht gerade zugelegt. In dem Moment bemerkte der Bärtige seine Oberarme. „Was ist denn...“ Er drehte Alexiel so ruckartig um dass der dachte, er würde alle Knochen gebrochen bekommen. „Sie sich einer das an!!“ rief der Matrose auf. Der Blonde zog den Kopf ein und schloss die Augen. So war es immer, man sah seinen Rücken und fühlte sich von ihm angewidert. >Kind des Satans< hatte ihn die Pastorin einmal in einer Besprechung mit den Nonnen genannt >Er versteckt sich hinter den Flügeln und entehrt die heiligen Engel<. Sie hatten nicht gewusst, dass er im Raum war. Er war versteckt in einem der Wandschränke, weil er auf der Flucht vor Kolya und seiner Bande gewesen war. Er konnte sich noch schwach daran erinnern, dass er in dieser Nacht versucht hatte sich die Tattowierung wegzubrennen. Doch bevor er dazu gekommen war hatte in eine Nonne entdeckt. Seit damals verabscheuten sie ihn nicht nur sondern fürchteten ihn auch. „Du bist ja nen kleiner Punker!“ Die Matrosen scharrten sich um ihn sodass er sich wie ein Reh in der Runde blutrünstiger und hungriger Wölfe fühlte. „He, Kleiner, wie ist dein Name?“ fragte einer mit näselnd klingelnder Stimme. Alexiel wollte ihnen nicht seinen Namen sagen, er wollte seinen eigenen Namen vergessen und ein anderes Leben beginnen. Aber er konnte nicht lügen und sein Mund formte automatisch das Wort:„Alexiel.“ „>Alexiel<?! Bist du ein Heiliger?!“ frotzelten die