Fanfic: The Angellion (3)
nicht zu nahe kommen wollte, wenn es nicht unbedingt sein musste! Er hoffte, dass keiner der Männer aufwachte, als er vorsichtig durch die vielen Reihen der am Boden, in alte, kratzige Decken eingewickelt, liegenden Männer tapste. Er war barfuss, trotzdem hörte er seine eigenen Schritte laut und deutlich. Das kam vielleicht daher, dass alles so unendlich still war hier unten. Es war fast vollkommen dunkel. Ein trübes Licht drang durch die schmutzigen Scheiben der wenigen Bullaugen an den Schiffswänden. Das Meer war ruhig und nur weniger Wellen stießen gegen den Rumpf und die Planken. Da niemand außer ihm wach war blieb auch das laute Knarren von Füßen aus, bis auf das seinige eben. Als er das erste Mal hörte, dass er auf Deck schlafen sollte, hatte es ihn geschüttelt, bei dem Gedanken an die Nächte draußen unter freiem Himmel, allem ausgesetzt was dort war. Doch jetzt war er schon fast froh nicht hier unten schlafen zu müssen, und er hoffte, dass so bald niemand auf diesem Schiff an irgend einer schweren Krankheit sterben würde. Einige Matrosen drehten sich unruhig im Schlaf umher und Alexiel wäre beinahe einem auf die lange, verfilzte Haarmähne getreten. Gerade noch rechtzeitig wich er aus. Mit größter Vorsicht, um keinen Laut zu verursachen, öffnete er die kleine Holztür, die zum Lager führte. Sie war so klein, dass sogar er seinen Kopf einziehen musste, um den Raum dahinter zu betreten. Dieser war nur spärlich von einer Öllampe an der Decke erhellt und roch schimmelig. Doch Alexiel wusste, dass das Essen immer noch gut war, der Grund für den Gestank war wohl oder übel der gewesen, das irgendwann mal jemand etwas hier drin hatte verfaulen lassen, und da es nur ein einziges Bullauge gab, dass man besser nicht öffnen sollte, da es sonst aufgrund des Meeres leicht nass werden würde, hatte man hier drin nie durchgelüftet. Alexiel schlängelte sich zwischen ein paar Kisten hindurch und schob den Deckel eines Fasses weg. Er hatte richtig geraten: Fische. Man konnte es auch nicht überriechen! Mit bloßen Händen nahm er fünf der größten Fische heraus und ließ sie sich über die Schulter fallen. Auf diesem Schiff fiel es schließlich nicht auf, wenn man stank. Hier stank jeder. Er musste oft so schwer tragen, trotzdem zitterten ihm wie immer die Beine unter der Last. Dann schob er mit Anstrengung den Deckel wieder über das Fass und machte sich auf den Rückweg in die Küche. Er musste noch viel mehr Fische kochen, aber aus Erfahrung wusste er, dass diese für den Anfang reichten, denn viele Matrosen wachten erst später auf und aßen deshalb auch später. Als er auf dem Rückweg wieder die Koje durchquerte merkte er, dass jemand aufgewacht war. Ganz in der Ecke war ein Licht angegangen, vermutlich eine Öllampe. Er blieb stehen und versuchte die Person zu erkennen. Sie saß mit gekrümmtem Rücken neben dem Licht und hatte etwas in der Hand, was Alexiel stark an ein Buch erinnerte. „Matrosen und lesen?“ dachte er, mehr als nur erstaunt. „Die können lesen?“ Gerade, als er weiter gehen wollte hob der Matrose den Kopf und erblickte ihn. „Wer bist denn du?“ fragte er, mit ruhiger Stimme, die Alexiel an die eines kleinen Kindes erinnerte. Sie war hoch und klang jung, sehr jung. „Ähm, ich bin der... der Koch.“ Antwortete Alexiel stotternd. Er war es nicht gewohnt, dass ihn jemand fragte, wer er war, es war ein seltsames Gefühl. Das Gefühl des >Beachtet-werdens<. „Komm her. Damit ich dich sehen kann.“ Sagte der Mann. Alexiel verspannte, er konnte sein Gesicht nicht sehen, es war im Dunklen, genauso wie der Rest seines Oberkörpers, nur die Beine waren im Licht. „Äh... aber ich muss...“ In dem Moment wachte ein zweiter Matrose auf. Seltsam erleichtert sag Alexiel, dass es >Killer< war. „He, Engelchen, hast du das Essen schon fertig?“ Bei dem Blick auf die Fische, die er trug zog er eine Grimasse. „Anscheinend nicht.“ Er setzte sich auf. „Beeil dich, ich hab Hunger, los, mach schon!“ Alexiel atmete erleichtert auf. Er kannte den seltsame Mann in der Ecke zwar nicht, aber es wäre ihm mehr als unangenehm gewesen, hätte er sich zu ihm gesetzt, er wusste auch nicht warum. Kurz zögerte er. >Killer< blickte an ihm vorbei und sah den Matrosen. Er schüttelte den Kopf und sagte, an den blonden Jungen gewandt: „Beachte ihn gar nicht. Geh kochen.“ Er gab ihm einen Klaps auf den Kopf. Alexiel nickte und ging zurück in die Küche. >Killer< sah ihm nach, drehte sich dann zu dem Matrosen um und sagte, mit rauer Stimme: „Rede nicht mit ihm. Engelchen ist auch so schon genug verweichlicht.“ Damit legte er sich wieder hin. Der seltsame Matrose bewegte stumm seine Lippen, wandte seinen Kopf wieder dem Buch in seiner Hand zu und schloss die Augen. <br />
Es war gegen Nachmittag. Alexiel hatte sämtliches Essen gekocht. >Killer< war für längere Zeit im Lagerraum verschwunden. Die anderen Matrosen beachteten ihn nicht. Das taten sie nie, sie hatten sich an ihn gewöhnt. Das war auch gut so, zuviel Aufmerksamkeit tat ihm nicht gut. Oft bekam er davon Schweißausbrüche oder zitterte. Er ließ seinen Blick über das Schiff streifen. Da sah er ihn wieder. Beinahe hätte er ihn übersehen. Er trug, wie er, nur eine große Lederhose, die von einem schwarzen Lederriemen zusammengehalten wurde. Er war so unglaublich dünn, dass Alexiel ihn beinahe mit einem Skelett verwechselte. Er hatte graue Haare, obwohl er wohl kaum älter als Dreißig sein konnte, seinem restlichen Aussehen nach zu urteilen. Alexiel sah sein Gesicht nicht, aber es war wohl genauso abgemagert wie der Rest von ihm. Der Matrose stand, vornüber gebeugt und mit abgeknickten Beinen, an der Reling. Sein Körper zuckte und man sah jede einzelne seiner Rippen herausstechen. Die Haut spannte sich wie ein dünnes Tuch über seinen Rücken. Es war ein jämmerlicher Anblick. Alexiel hörte ihn röcheln und husten. Und das verräterische Platschen im Wasser. Er hatte noch nie gesehen, dass Matrosen seekrank sein konnten. Er zögerte, dann trat er an ihn heran. „Ka...Kann ich dir...“ er überlegte ob er ihn wohl besser mit >Sie< ansprechen sollte, aber er blieb bei >du<. „Kann ich dir helfen? Brauchst du ein Tuch? Oder etwas zu Trinken?“ fragte er vorsichtig. Der Mann hielt inne. Dann nahm er den Kopf hoch, zitterte und drehte sich vollständig zu ihm um. Beinahe wäre Alexiel zusammengezuckt. Sowohl Gesicht als auch Oberkörper waren mit Narben bedeckt. Als wären Verrückte mit Schwertern über ihn hergefallen. Man konnte kaum noch die scharfgezeichneten Umrisse der Gesichtsknochen erkennen. Eines seiner Augen war angeschwollen und halb zugewachsen, das andere jedoch war groß und blickte ihn verwundert und misstrauisch zugleich an. Noch nie hatte Alexiel solch ein Auge gesehen. Es war purpurnfarben und leuchtete förmlich. Jetzt begann der Matrose zu sprechen: „Du bist doch der Koch.“ Sagte er. Alexiel nickte schnell. „Nein danke, es geht schon.“ Er stützte sich hoch und der Junge bemerkte, dass er wohl kaum größer als er selbst war. „Bist du dir sicher?“ er nickte. Eine Zeit lang schwieg er und Alexiel erwog schon den Gedanken einfach umzudrehen und wegzugehen. „Mein Name ist Zorro.“ Erstaunt blickte der Blonde ihn an, damit hatte er nicht gerechnet. „Alexiel.“ sagte er, „Aber so nennt mich niemand, du musst mich auch nicht so nennen.“ Den letzten Satz bereute er, es war angenehmer, wenn ihn wenigstens einer bei seinem richtigen Namen ansprach, auch wenn er es verabscheute. „Ich kenne dich, du bist doch der Junge, der vor drei Jahren zu uns gekommen ist.“ Alexiel horchte auf. „Ja...“ Stimmte er langsam zu. „Ja.“ Sagte er nochmals, diesmal bestätigter. „Was...was machst du so an Bord?“ Zorro zuckte mit den Schultern. „Dies und das.“ Sagte er. Alexiel schwieg. „Du fragst dich sicher warum so einer wie ich auf einem Schiff wie diesem ist.“ Meinte der Narbige mit einem Grinsen, dass sein Gesicht noch seltsamer Aussehen ließ. „Naja, ich dachte nur...“ Zorro winkte ab. „Schon okay. Ich bin jetzt bereits seit fünfzehn Jahren auf diesem Schiff. Früher hatte ich noch einen Grund, doch den habe ich jetzt vergessen.“ Er lachte rau „Sie alle hier nennen mich >Narbe<. Du kannst mich auch so nennen.“ Alexiel überlegte. Es klang nicht, als dass der Mann mit diesem Namen glücklich war. „Nein, ich nenne dich Zorro.“ Sagte er schließlich „Einfach nur Zorro...“ Zorro sah ihn erstaunt an. „Das lässt sich leichter merken!“ setzte der Blonde schnell hinzu. >Narbe< sah auf das Meer hinaus. „Warum bist du hier?“ fragte er nach einiger Zeit. „Ich?“ „Natürlich du, oder siehst du hier noch jemanden.“ Der Junge stellte sich neben ihn. „Es ist besser als eingesperrt zu sein ,oder?“ „Wenn du das meinst.“ Die Antwort verwirrte ihn, aber er sagte nichts. <br />
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Sodalla, das war`s erstma! ^^ Wenn ihr die FF lest, schreibt mir bitte nen Kommi dazu *ganz lieb anblinzel* <br />
cu, Tekota14