Fanfic: The Angellion (jetzt endlich 4)
Knarren. Ein Lichtschein fiel auf ihn. Ihm stockte der Atem. „Ein Engel?!?“ Also war er doch tot! Der Engel sah mit ausdruckslosem Blick auf ihn hinunter. Vor Schreck brachte Alexiel kein Wort heraus. Ein weiterer Mann, mit derselben, weißen Kutte und den großen, angewinkelten und silbern glitzernden Flügeln trat neben ihn. Sie sahen sich an. Dann gingen sie auf Alexiel zu und zogen ihn mit einem Ruck hoch. Endlich bekam der seine Sprache wieder zurück: „Was ist hier los?!“ Doch es folgte keine vernehmbare Antwort. Die beiden Engel hielten ihn jeweils an einem Arm und er wurde förmlich aus der Zelle, was es wohl sein musste, den Gitterstäben zufolge, die er nun erblickte, als er, durch die einzigste Tür die es gab, kam, gerissen. Alexiel wusste sofort, dass das nichts Gutes zu bedeuten schien. Er versuchte sich zu wehren, aber er war zu schwach, und er war davon überzeugt, dass nicht einmal der starke >Killer< sich aus dem Schraubstockgriff der Männer hätte winden können! Er wurde durch einen seltsamen Gang gezerrt. Er war dunkel, jedoch nicht so dunkel wie der Raum, in dem er davor war. Mehr wie wenn es Nacht ist, es ist dunkle, trotzdem sieht man die Dinge um einen herum. Viel zu sehen hatte er nicht, der Gang war aus Stein und wurde mit vereinzelten Holzstämmen gestützt, denen die Engel ausweichen mussten. Woher das Licht kam, wusste er nicht, aber im Moment hatte er sowieso andere Sorgen! „Scheiße.“ Fluchte er in sich hinein. Das Wort hatte er sich immer mehr angewöhnt, er wusste nicht woher, wahrscheinlich eins von denen Wörtern, die man schon als kleines Kind kennt, aber erst später wagt auszusprechen! Er hätte genügend Zeit gehabt, denn der Gang schein längere Zeit so, als würde er gar nicht mehr enden, doch trotzdem konnte er keinen klaren Gedanken fassen, der ihm zur Flucht verhelfen könnte. Ständig schwirrten ihm Bilder durch den Kopf, von denen er sich nicht erinnern konnte, sie jemals gesehen zu haben! Dort waren Engel, mit großen Flügeln, und Menschen, die schreiend auseinander liefen... er konnte sich selbst nirgends sehen, doch er war ebenfalls da, denn er konnte die Angst spüren. Wie ein Film, kamen ihm die Bilder in den Kopf. Vielleicht war es auch die gefährliche Stille, die ihm solche Kinohaften Fantasien zuspielte... Plötzlich blieben die Engel stehen. So abrupt, dass Alexiel beinahe hingefallen wäre, hätten sie ihn nicht so sehr festgehalten. Er hätte die unscheinbare Tür wahrscheinlich übersehen, hätten sie sich nicht zu ihr gedreht. Sie war aus dunklem Holz, jedenfalls dachte er, dass es Holz sein musste. So dunkel, dass man sie kaum vom Stein außen herum unterscheiden konnte. Der Engel links von ihm streckte die Hand aus und steckte einen kleinen silbernen Schlüssel in das Schloss, den er zuvor nicht bei ihm gesehen hatte. Die Tür sprang auf und sie stießen sie auf. Schon das vierte Mal, seit er heute aufgewacht war, blieb ihm der Atem weg. Das erste Mal, als er das Schiff erblickt hatte, und was dort passiert war, das zweite Mal, als ihn auf der Insel urplötzlich das seltsame Mädchen berührt hatte, das dritte Mal, als er der Engel vor ihm gestanden war und das vierte Mal nun: Vor seinen Augen erstreckte sich ein so großer Saal, dass wahrscheinlich der gesamte Jungenschlafsaal des Waisenhauses hätte hineinpassen können, und man trotzdem noch Platz hatte mit vier stattlichen Männern neben sich um ihn herum zu laufen! Der Saal war aus poliertem, weißem Marmor, so hell, dass Alexiel die Augen zusammen kneifen musste, um zu erkennen, was sich noch darin befand. Etwa zwanzig oder dreißig Engel standen verteilt an den Wänden, ähnlich den Holzsoldaten, welche die Nonnen ihnen einmal gezeigt hatten, um ihnen zu demonstrieren, was im Krieg geschah. Das, was ihn jedoch am meisten überwältigte, waren die drei, samtenen Throne, die auf einem kleinen Podest in der Mitte des Saals standen. Der größte von ihnen befand sich in der Mitte: Mit silbernen Samt, leuchtend, als würde man vor Gott persönlich stehen! Die Person, die auf ihm saß, war die wohl größte, die Alexiel je gesehen hatte. Es war ein Mann mit einem Gesicht, das einer Steinbüste glich. Keinerlei Regung spielte sich in ihm ab. Der Körper war muskulös und sah jung aus, jedoch bekam man sofort den Eindruck, dass dies ein alter Mann war. Die beiden Throne neben ihm waren von zwei Frauen besetzt. Eine von mittlerem Alter und ein junges Mädchen von etwa zwölf, dreizehn Jahren, dem Anschein nach. Was Alexiel verwundert auffiel war, der Mann hatte zwar Flügel, war also sicher ein Engel, die beiden Frauen jedoch, hatten nichts dergleichen, und trotzdem strahlten sie in dem selben, angsteinflössenden Licht wie er. Sie stießen Alexiel durch den halben Saal, bis sie etwa zehn Meter vom Thron entfernt waren, dann gaben sie ihm einen Hieb auf die Schultern. Seine Beine knickten zusammen und er fiel auf die Knie. Die Engel verbeugten sich tief. Alexiel zitterte innerlich, aber er ließ sich nichts anmerken. Schwäche zu zeigen war nie gut, dann geschah so etwas, wie die Sache mit Kolya und Victor. Er hatte vor ihnen Schwäche gezeigt, und sie hatten es ausgenutzt. Fünf Jahre lang. Und sie hätten wohl auch nie damit aufgehört... Wieder wurden seine Gedanken unsanft unterbrochen, denn der Engel rechts, den Alexiel für stumm gehalten hatte, begann zu sprechen, mit einer Stimme, die so unterwürfig klang wie das Winseln eines Hundes: „Majestät, wie Ihr befohlen habt bringen wir Ihnen zu Eurer Erheiterung diesen Jungen, den...“ ein Name folgte, den Alexiel nie hätte aussprechen können „... an der Küste gefunden hat!“ Das Mädchen! Das hing also alles miteinander zusammen? Ja, es war doch klar, wie hätte er sonst in diese Zelle kommen können? Der Engel fuhr fort: „Er gehört weder zu eurem Reich noch kommt er aus einem anderen. Wir haben keinerlei Spuren auf eine andere Kultur an ihm gefunden...“ er zögerte, sagte dann aber nichts mehr. „Bindet ihn los.“ Kam die Stimme des Mannes. Erstaunt blickte Alexiel ihn an. Nicht aufgrund der Worte, die er gesagt hatte, sondern, weil er dabei nicht den Mund bewegt zu haben schien! Der Junge schüttelte innerlich den Kopf. „Nein, war wahrscheinlich nur eine Täuschung...“ dachte er. Einer der Engel zog einen kurzen, milchig schimmernden Dolch aus seiner Kutte und mit einem leisen Krachen fielen die Eisenketten zu Boden. War das Messer so scharf gewesen?!? Aber es blieb ihm keine Zeit, es anzusehen, denn der Mann steckte es sofort wieder weg. „So, so.“ Gemächlich stand der hohe Engel, den hoch war er sicher, auf und kam auf ihn zu. Mit einem einzigen Finger zog er ihn unter seinem Kinn hoch. Gerade noch rechtzeitig stemmte Alexiel seine Beine breit, um nicht wieder zurück zu sacken, als er den Finger wegnahm. Der musternde Blick der >Majestät< war ihm unangenehm. Es war so als würde er ihn damit durchbohren wollen. Als könnte er sogar seine Gedanken lesen! Wie automatisch versuchte der Junge nichts zu denken, was irgendetwas Falsches über ihn oder die merkwürdigen Engel aussagen könnte. „Wie ist dein Name?“ fragte der Engel. Obwohl >fragen< wohl der ziemlich falschliegende Ausdruck für diesen Satz war. >Befehlen< traf es in etwa besser. Alexiel wollte nicht antworten, doch dem kalten, nichtssagenden Blick, den der Mann hatte, zufolge, war es wohl besser nicht zu schweigen: „A...Ale...“ er bekam kaum etwas raus. Komm schon! befahl er seinem Mund. „Alexiel.“ Darauf folgte eine noch leisere Stille, als die zuvor. „Oh nein...“ dachte er „oh nein, oh nein, oh nein!“ Das Lachen kam so erschreckend, dass er zusammen zuckte. „Alexiel?!“ lachte der hohe Engel „Wahrhaftig?!“ Der Junge fragte sie, was dieses Lachen wohl zu bedeuten hatte. Denn Freude war es sicher nicht. „Ein Menschenjunge, sagst du?“ fragte die >Majestät< nun an den Engel rechts von Alexiel. Der nickte schnell. „Jawohl, Majestät.“ „So was...“ Es war nur noch eine Frage von Sekunden, dachte Alexiel, bis... „Was, im Namen des Allmächtigen...“ er hatte es gesehen. Es war eine Sache, dass Matrosen oder Waisenjungen sich über die Flügel lustig machten, oder sie angsterfüllt betrachteten. Eine andere Sache war es, wenn so ein Herr, mit den weißen, strahlenden Flügeln, ihn ruckartig am Oberarm packte und umdrehte. „Was ist das?!“ Die Flügel auf dem Rücken des Jungen waren zwar nur in seiner Haut, doch sie sahen denen der anderen Engel zum Verblüffen ähnlich, den gleichen, kaum sichtbaren Glanz, das gleiche Silber. „Wir haben es überprüft und auch Kurel meinte, es sei nichts Besonderes. Eine Tattowierung, viele Menschen haben dergleichen. Sie stechen sich diese Bilder mit spitzen Nadeln in die Haut ein.“ Erklärte der linke Engel. Es war nur wie ein Luftzug, der blitzschnell an Alexiels Wange vorbeizischte. Er hätte es wohl kaum wahrgenommen, hätte der Mann nicht plötzlich aufgeschrieen. Er fuhr herum. Helles Blut, kaum dünner als Wasser und mehr durchsichtig, quoll aus seinem Mund. Er knickte zusammen. Eine feine Schnittwunde zog sich über seinen Hals, nur etwas über der Hauptschlagader. „Habe ich dich um deine Erläuterung gebeten, Unterengel?“ fragte die >Majestät< so ruhig, dass es sich anfühlte wie tausend dieser Messerstiche, unter dem der Engel in diesem Moment litt. „Ich bitte untertänigst um Vergebung, Mylord...“ röchelte er. Auf einen Wink des hohen Engels hin wurde er, unsanft und ohne auf die wohl lebensgefährliche Verletzung zu achten, aus dem Saal gebracht. „Also“, der König, was es wohl war, wandte sich wieder Alexiel zu. „Was machen wir jetzt mit dir?“ Der zitterte und bekam kein Wort heraus. Zu seinem Glück war der Satz nicht als wirkliche Frage an ihn gedacht. Hinter ihm räusperte sich jemand. Der rechte Engel stand so gebeugt wie möglich, sodass man nicht mehr sein Gesicht sah. „Erlaubt Ihr es mir,