Fanfic: Animus viam monstrat 15
sie sind nicht so schlimm. Alle Fragen und Vorwürfe sind verschwunden. Einfach nur dabei zuschauen, wie die orangen Flammen hoch züngeln, zu einer riesigen Flamme werden, sich wieder trennen. Ich weiß, dass dies nur ein momentaner Zustand ist, doch es ist mir egal. Das ist das Jetzt. Das, was nachher ist, ist egal. Es ist echt, wie eine Droge. Sie lässt einen die schlimmen Dinge vergessen. <br />
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Jennys Stimme reißt mich unsanft aus meiner Trance: „Bist du dir sicher dass du kein Licht gesehen hast?“ Ich muss handeln! Muss sie wieder anlügen. Doch ich will nicht! Nicht schon wieder! Doch, ich muss stark sein und sie anlügen. Nein! Ich will nicht mehr! Will nicht mehr stark sein! Will sie nicht noch einmal anlügen. Will nicht noch einmal diese Qualen erleiden! Also starre ich auf den Boden und sage nichts. <br />
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Lange Zeit passiert nichts. Doch die Stille ist nicht angenehm. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Und dieser Sturm wird schlimmer, als jeder, den ich je erlebt habe. Doch ich sage trotzdem nichts. Auch wenn mich der Sturm tötet. Wenn er mich seelisch tötet, es ist mir lieber, als wenn ich wieder lüge. Die Stille wird durch Talas Stimme gebrochen und ich verkrampfe mich noch mehr, um dem Sturm, der gleich losgeht, standzuhalten. <br />
„Du hast mich angelogen. Du hast mir eiskalt ins Gesicht gelogen“, sagt Tala. Ich kann die Trauer und Wut in seinen Worten hören. Ich schaue auf und sehe in Talas und Jennys Augen. Was ich sehen kann, trifft mich tief in meinem Inneren. Es brennt sich in mein Herz ein. Diese Blicke werde ich nie vergessen können! In ihnen liegt Verzweiflung, Trauer und vor allem Wut. Auch Verständnislosigkeit. Ich kann nicht mehr! Es ist, als würden diese Blicke alle Kraft aus mir hinaussaugen. Vorhin war ich noch bereit dem Sturm standzuhalten, doch nun kann ich nicht mehr. Es ist mir plötzlich egal, ob ich sterbe, alles ist mir egal. Ich habe meine Freunde verletzt, mehr als sie je verletzt werden können. Langsam sinke ich in mich zusammen, als hätte irgendjemand die Luft aus einer aufblasbaren Puppe gelassen. <br />
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„Warum hast du das getan? Warum hast du mich angelogen? Kai, ich spreche mit dir. Schau mich gefälligst an!“, meint Tala. Seine Stimme zittert. Vor Wut? Vor Verzweiflung? Ich weiß es nicht und ich will es nicht wissen. Ich weiß, es ist egoistisch, dass ich nicht aufschaue und ihm nicht in die Augen schaue. Dass ich diese Schmerzen, die in mir toben, nicht noch schlimmer machen will. <br />
„Deine Mitleidnummer zieht bei mir nicht. Ich hasse Lügen. Du brauchst gar nicht so mitleidig zu tun. Du hast uns angelogen. Und jetzt wollen wir gefälligst eine Antwort.“, sagt Jenny. Ihre Stimme klingt kalt und hart. Mein Schutzschild ist durchbrochen. Alle Worte dringen in mich und verletzen mich. Mir ist klar, dass ich es nicht anders verdient habe, aber ich kann nicht mehr. Ich halte es nicht mehr aus. Tränen laufen meine Wangen hinunter. Doch leider spülen sie die Schmerzen nicht weg. Wie sehr wünsche ich, dass die Schmerzen sich in Hass verwandeln. Aber sie sind zu stark, sie werden immer Schmerzen bleiben. Aus Schmerzen kann man kein Schutzschild machen. Warum habe ich meine Freunde so verletzt? Ich kann ihren Schmerz in ihren Worten hören und spüren. Und das schmerzt noch mehr. <br />
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Eine Hand legt sich um mich. Einen Moment lang hoffe ich, dass es die von Jenny oder Tala ist. Dass sie mir verzeihen, aber ich weiß, dass es Ninis ist. Sie kann mir nicht helfen! Sie wird mit mir im Sturm untergehen. Noch kämpft sie, aber wie lange wird sie es durchhalten können? Nini kämpft wie ein Löwe, doch auch sie weiß, dass es aussichtslos ist. Jenny hackt auf sie ein. Warum auf Nini? Ich bin doch an allem Schuld! Warum stellt Jenny sich auf stur? Warum will sie uns nicht verstehen? <br />
„Bitte Jenny. Bitte, versteh uns doch. Denkst du mir macht es Spaß meine Freunde anzulügen? Aber diese scheiß Lichter haben für uns zwei Seiten gemacht. Einmal die Seite der hellen Lichter und einmal die Seite der dunklen Lichter! Ich wollte euch nicht verlieren und wollte euch deshalb von den Lichtern abbringen. In dem Moment gab es für mich keine andere Möglichkeit als zu lügen! Ihr könnt mir glauben, dass ich mich so was von beschissen fühle! Und ich kann gut verstehen, warum ihr sauer seid! Aber versucht bitte trotzdem uns zu verstehen! Diese Lichter geben uns irgendeinen Weg vor und wenn wir versuchen ihn nicht zu gehen, steuern wir erst Recht darauf zu!“ Meine Stimme ist nur ein Flüstern. Zu mehr habe ich keine Kraft. <br />
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Doch Jenny ist zu sehr in Rage. Sie will es gar nicht hören. Wahrscheinlich hält sie alles nur für Ausreden. Sind sie das nicht auch? Ich weiß es nicht. Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich denken soll, was ich tun soll. Der Schmerz lähmt mich. Meine Hände krümmen sich unter den Weinkrämpfen und den Schmerzen. Ich bohre sie in die Erde. Ich treffe auf einen Stein, doch ich kralle mich weiter in der Erde fest. Immer weit. Ich weiß nicht, ob es schmerzt. Selbst wenn, die Schmerzen wären nicht so schlimm, wie die, die in mir drin sind. <br />
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„Na klar! Wahrscheinlich seid ihr beide zusammen und täuscht eure Streitereien nur vor.“ Jennys Worte dringen bis in mein Inneres vor. Ich merke, wie ich mich weiter in mein Inneres zurückziehe, wie in ein Schneckenhaus. Diese Worte verletzen mich. Denkt sie wirklich, wenn es so wäre, würde ich es ihnen nicht erzählen? Das wäre für mich nie ein Grund zu lügen. Aber Jenny und Tala scheinen das wohl anders zu sehen. <br />
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Ninis Worte reißen mich aus meinem Schneckenhaus. Sie will tatsächlich alle Schuld auf sich nehmen! Und Jenny glaubt ihr! Ich dachte Jenny kennt Nini besser. Und so redet Nini immer weiter. Merkt sie nicht, dass sie Schwachsinn redet? Ich will nicht, dass sie ihren Kopf für mich hinhält! Ich habe mit dem Lügen angefangen! Und es war nicht richtig! Aber es bringt nichts, was Nini da macht! Damit hilft sie mir auch nicht! Wenn Talas und meine Freundschaft durch diese Lüge zerbricht, dann kann ich auch nichts machen! Wenn Tala und Jenny mir nicht verzeihen können, dann bringt es nichts, wenn wir weiter Freunde bleiben und die Freundschaft auf eine Lüge aufgebaut ist. Außerdem könnte ich nie damit leben, dass Nini für mich gestorben ist! Dass sie psychisch für mich gestorben ist. Das will und werde ich nicht zulassen! <br />
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Mit letzter Kraft raffe ich mich auf und verpasse ihr eine Ohrfeige. Die Sätze, die aus meinem Mund kommen, sind wie ein letztes Aufbäumen vor dem Tod. Ein allerletztes Mal nehme ich all meine Kraft zusammen. Ein allerletztes Mal versuche ich stark zu sein, um Nini vor dem Tod zu retten. <br />
„Sag mal spinnst du völlig? Hast du sie nicht mehr alle? Was soll der Mist denn? Du weißt doch ganz genau, dass du nur Scheiße laberst. Hör auf damit. Du hast damit doch nichts zu tun. Ich habe gelogen und wenn, dann sind wir beide Schuld. Es ist echt nett, dass du für mich lügst, aber es bringt nichts! Selbst wenn Tala und ich dann Freunde bleiben würden, wäre diese auf eine Lüge aufgebaut! Und das will ich nicht! Das könnte ich genauso wenig ertragen, wie wenn die anderen dich für etwas hassen, was du nicht gemacht hast!“, sage ich. Tränen schimmern in ihren Augen. <br />
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Meine Kraft verlässt mich wieder. Ich spüre, wie nah der Tod ist. Sehe ich etwas schon das Licht am Ende des Tunnels? Werde ich verrückt? Etwas Weiches scheint mich aufzufangen. Noch einmal öffne ich die Augen, um zurückzuschauen. Ein letztes Mal will ich Tala und Jenny sehen. Neben ihnen stehen graue Lichter. Ihre Blicke treffen mich und ich zucke zusammen. Sie sind voller Hass. Ich werde diese Blicke nie vergessen! Sie begleiten mich auf meinem Weg in den Tod. Sie sprengen mein Herz. Nur noch ein kleines Stück ist übrig. Ich schaue zu Nini und sehe, wie verzweifelt sie ist. Das letzte winzige Stück meines Herzens zerspringt. Ich habe Nini hier herein gezogen! Nichts ist mehr in mir. Nur noch Schmerz, grenzenloser Schmerz. Dann wird alles um mich herum schwarz. Hoffentlich bringt wenigstens der Tod Erlösung! <br />
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(Jennys Sicht) <br />
Ich bin total froh, dass Nini wieder da ist und es ihr gut geht! Momentan liegt sie an Tala geschmiegt am Feuer und schläft. Doch irgendwie sieht sie nicht froh aus. Ihr Gesicht ist so angespannt. Noch einmal lasse ich mir die Geschehnisse des Tages durch den Kopf laufen. Warum hat Nini die „Diskussion“ so schnell abgebrochen? Haben die beiden vielleicht gelogen? Nein, das glaube ich nicht! Nini ist, wie meine zweite, fehlende Hälfte. Sie würde uns nie anlügen! Und Kai? Nein, ich kenne ihn zwar nicht sehr gut, aber ich glaube nicht, dass er Tala anlügen würde! Tala ist sein bester Freund! <br />
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Und doch frage ich Kai: „Bist du dir sicher dass du kein Licht gesehen hast?“ Warum zweifle ich an ihm? Ich bin mir sicher, dass er jetzt die gleiche Antwort geben wird, wie gestern! Aber er schaut nur auf den Boden. Eine leise Befürchtung schleicht in mir hoch. Hat er uns angelogen? Und mit ihr steigt noch etwas anderes in mir hoch: Wut. Angespannt warte ich, dass Kai etwas sagt, dass er meine Zweifel entkräftigt, doch er schaut Tala und mich nur an. Tala spricht aus, was ich gerade denke: „Du hast mich angelogen. Du hast mir eiskalt ins Gesicht gelogen!“ <br />
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Insgeheim hoffe ich, dass Kai aufspringt und meint, dass er uns gar nicht angelogen hat. Doch er macht nichts dergleichen. Er starrt einfach nur auf den Boden. Warum? Warum hat er uns angelogen? Warum hat Nini uns angelogen? Was für einen Grund haben sie? Sie können uns doch alles erzählen! <br />
„Warum hast du das getan? Warum hast du mich angelogen? Kai, ich spreche mit dir. Schau mich gefälligst an!“, sagt Tala. Seine Stimme zittert. Warum schaut Kai uns nicht ins Gesicht? Traut er sich nicht? Er hat