Elves Angel

Kapitel1

Kapitel 1
Es war mal wieder ein regnerischer Nachmittag und Alex und ich gingen durch das Schulgebäude. „Man ist das ein Sch...wetter und dabei haben wir seit einer Woche Sommer. Ha! Da lach ich ja nur drüber.“, meckerte Alex neben mir, so dass ich mir nur schwer ein Grinsen verkneifen konnte. „Reg dich ab, Alex. Nächste Woche haben wir Ferien und bis dahin scheint bestimmt die Sonne. Außerdem kann der Himmel gar nicht so viel Wasser haben, wie er ausschüttet. Die Ferien können uns also gar nicht vemiest werden.“ „Dir kann es ja auch egal sein. Du bist ja nicht hier um dieses Wetter mitzuerleben. Man beneide ich dich. Ich würde auch gerne mal nach Neuseeland fliegen. Da muss es ja zur Zeit richtig warm sein.“ „Nein. Jedenfalls nicht wirklich. Wenn bei uns Sommer ist, ist bei denen Winter. Gerade mal 20°C haben die dort im Schatten, wenn richtig gut kommt. Für uns mag das ja warm sein, doch für die Leute dort ist das schon kalt.“ „Trotzdem. Das Prinzip zählt.“ „Was??“ „Na... Da ist es besser als hier.“ Ich schüttelte den Kopf und seufzte. Alex ist so stur, dass diskutieren sinnlos wäre. „wir sollten uns etwas beeilen, denn sonst gibt es wieder Ärger. Du weißt, dass Herr Nagasa es nicht gerne sieht, wenn man zu spät kommt.“, sagte Alex und schlug auch gleich ein schnelleres Tempo an. Ich folgte ihr nur widerwillig, denn ich mochte diese Klasse ganz und gar nicht leiden. Die Mädchen voll eingebildet und die paar Jungs, die wir haben, tun so als wären sie cool. Bei den Gedanken musste ich mich schütteln. Ich bin zwar erst vor kurzem hier her gezogen, doch ich konnte mich einfach nicht in diese Klasse einfügen. So eine Zickenklasse hatte ich noch nie gesehen. Meine Mutter hatte mir schon früh erzählt, dass ich nicht ihre wahre Tochter bin, doch über meine Eltern hatte sie bisher beharrlich geschwiegen. Doch einen Tag bevor wir umgezogen sind, hat sie mir dann doch alles erzählt, was sie wusste. Während Alex und ich durch die Gänge flitzten, erinnerte ich mich an das Gespräch: „Jalasé. Ich muss mit dir reden. Es geht um deine Eltern. Vor allem um deinen Vater.“ Ich stoppte mit der Kiste auf den Arm und schaute sie entgeistert an. „Komm.“, sprach sie weiter und deutete auf den Platz neben ihr. „Stell die Kiste ab und setz dich zu mir.“ Ich tat dies ohne klaren Gedanken und dann fing sie an zu erzählen:„Du musst mir jetzt gut zu hören, doch bedenke, was ich dir jetzt erzähle, weiß ich auch nur von deinem Vater. Du bist anders als die Menschen in dieser Welt, Jalasé. Du wurdest nicht mal hier geboren, sondern in einer parallelen Welt, die uns Menschen unbekannt ist. Über diese Welt weiß kein Mensch Bescheid, nicht einmal ich. Auch deine Mutter und ihr Name ist mir unbekannt, denn darüber schwieg dein Vater.“ „Doch wer ist mein Vater? Wenn du ihn kennst, wieso nennst du mir dann seinen Namen nicht?“ „Wenn es wirklich dein Wunsch ist, so werde ich dir seinen Namen nennen. Jeder Mensch kennt ihn auf die eine oder andere Art, denn er ist der Todesengel Gabriel.“ Nach diesen Worten schwieg sie und ich schluckte einige Male. Ich? Ich soll die Tochter eines Engels sein? Als ich mich einigermaßen gefasst hatte, fragte ich:„Wie? Wie kann ich die Tochter eines Engels sein? Ich dachte immer, Engel dürfen sich nicht der fleischlichen Liebe hingeben, sondern nur den heiligen Vater.“ Meine Mutter seufzte. „Ja. Das stimmt, doch dein Vater war eine zeitlang ein `gefallener Engel`, denn er hatte Fehler gemacht und man nahm ihn seine Kraft, so dass er nur noch ein einfacher Sterblicher unter vielen war. Obwohl man `einfacher` nicht sagen kann, denn er verfügte ja immer noch über das Wissen was er einst erlernte. Als er sein Leben als Mensch verbrachte, lernte er deine Mutter kennen und lieben. Dann jedoch wurde er wieder zu einem Engel erhoben, doch weiß ich nicht wie es dazu zu kam. Er sprach auch nicht darüber, als er dich zu mir brachte. Damals warst du noch ein Säugling, doch eigentlich schon sehr viel älter. Dein Vater nahm dir die Fähigkeit langsamer zu altern, doch du hast sie noch in dir. Ich nahm dich damals mit Freuden auf, denn ich selbst konnte keine Kinder haben. Du wurdest in all den Jahren dann doch so etwas wie eine Tochter für mich und so brachte ich es nicht übers Herz dir schon früher von deiner Herkunft zu erzählen. Doch vor einiger Zeit tauchte dein Vater auf und sagte, dass es an der Zeit sei, dass du nun alles erfährst. Er verriet mir nicht wieso, trotz meines ständigen Fragens. Er sagte, dass er sich dir zeigen werde, wenn die Zeit reif dafür ist. Du bist sicherlich wütend, dass man dir dein ganzes Leben etwas falsches erzählt hat und sich nun alles ändert, doch bedenke auch, dass es nicht anders ging. Dein Vater verbot mir früher mit dir darüber zureden. Verzeih.“ Vollkommen erschlagen von diesen neuen Informationen nickte ich nur sachte und versuchte wieder einen einigermaßen klaren Kopf zu bekommen. Nach einer Weile spürte ich wie mir die Tränen über die Wangen liefen und mich nur ein Gedanke beherrschte:`Mein bisheriges Leben war nichts weiter als eine Lüge gewesen und alles was ich glaubte zu sein, war ich mit einmal nicht mehr. Eine Lüge. Nichts weiter als Lügen hatten mein Leben gezeichnet.` Ich schluckte mehrere Male und dann rannte ich auf mein Zimmer, wo ich mich auf das noch stehende Bett schmiss.
„Jay! Sag mal träumst du?“, hörte ich Alex mich rufen und schaute sie an. Sie stand bereits an der Tür zum Klassenraum und schaute mich leicht gereizt an. Sie kam auf mich zu, packte mich plötzlich am Kragen und zerrte mich in den Klassenraum. Nebenbei murmelte sie so etwas wie: „Gibt es doch nicht. Pennt am helllichten Tag mit offenen Augen.“ Im Klassenzimmer starrten uns dann auch alle gleich wieder vorwurfsvoll an und die Jungs rissen ein paar blöde Witze, doch wir ignorierten sie einfach. Sofort befreite ich mich aus Alex´ Griff und wir marschierten auf unsere Plätze. Wir hatten gerade Platz genommen als auch schon unser Lehrer eintrat. Schließlich ging auch dieser Schultag zu Ende und ich fuhr so schnell wie möglich nach Hause. Dort erwarteten mich bereits meine Schützlinge, die mich stürmisch begrüßten. „Mutter! Ich bin da!“ „Schön. Wie war dein Tag?“ „Solala. Hab schon bessere erlebt. Brauchst du mich noch bei irgendetwas? Sonst würde ich jetzt nämlich zur Schwimmhalle fahren um noch etwas mit Danio zu trainieren.“ „Nein. Heute brauche deine Hilfe nicht. Geh ruhig trainieren und grüße Danio von mir.“ „Klar. Mach ich.“ Ich verschwand auf mein Zimmer und holte meine Schwimmsachen. „Ich fahr los!“, rief ich noch und sagte zu Wolfsblut: „Pass mir ja gut auf alles auf. Du bist der Älteste und hast die Verantwortung. Wenn ich zurück bin, gehen wir noch raus in den Wald. Doch bis dahin musst du dich noch etwas gedulden. Und ihr macht auch keinen Ärger Acra, Fucro und Skolcre.“ Alle vier wedelten mit ihren Ruten und und fiepten leise. Sie hatten sehr wohl verstanden. Da wir ziemlich weit außerhalb wohnten, musste ich ca. eine halbe Stunde mit den Fahrrad fahren um mein Ziel zu erreichen. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit von Danio den Schwimmstil `Delphin` zu lernen, was auch gar nicht so einfach war. Schließlich war ich so fix und fertig, dass wir aufhörten und noch etwas essen gingen. Während wir gemütlich aßen, unterhielten wir uns etwas. „Und du gedenkst einfach so abzuhauen?“, fragte ich ihn. „Wieso einfach so? Ist doch eigentlich alles in Ordnung. Ich gehe für die ersten drei Jahre nach Australien und danach gehe ich nach Amerika.“ „Dann werd ich dich ja gar nicht mehr wieder sehen.“ „Wieso? Wir können ja trotzdem noch in Kontakt bleiben. Schließlich gibt es so eine Erfindung namens Internet. Außerdem kommst du doch viel rum. Wir werden uns also noch des öfteren begegnen und wenn auch nur auf Turnieren.“ „Bezweifle ich. Wir werden uns höchstens noch in den ersten paar Wochen sehen, wenn ich in Neuseeland bin. Wir werden dann sicher auch mal rüber nach Sydney oder so fliegen. Was die Turniere betrifft, weiß ich ja noch nicht einmal ob ich jemals an einen internationalen Wettstreit teilnehmen werde.“ „Nun hör auf so negativ zu denken. Du bist wirklich gut, dass hat man doch beim letzten Turnier gesehen. Du hast Talent und du einen starken Willen. Du musst jetzt nur dranbleiben. Das ist alles. Und wenn du das tust, werden wir uns garantiert wiedersehen.“ Ich grinste. Danio findet immer ´ne Gegenantwort um mich aufzubauen. Zu Hause dann wieder angekommen, hielt ich mein Versprehen und ging noch etwas mit Wolfsblut und den anderen dreien raus. Danach fiel ich todmüde ins Bett und schlief selig wie ein Stein.